Karlsruhe Petra Gust-Kazakos - Autorin und Journalistin

Lesen und Reisen sind zwei Leidenschaften von Petra Gust-Kazakos. Zahlreiche Autoren haben sich bereits mit dem einen oder anderen auseinandergesetzt. Von diesen hat sich die Karlsruherin inspirieren lassen, um ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Büchern und Urlaubserinnerungen zu sammeln. In ihrem Erstling "Ganz weit weg" stellt sie fest: "Der Beginn einer Reise, der erste Satz eines Buches - wir überschreiten eine Grenze, und auf einmal sind wir ganz weit weg."

Entspannt lehnt sich Petra Gust-Kazakos auf dem heimischen Sofa zurück und zieht genüsslich an ihrer Zigarette. Umgeben von jeder Menge Büchern in den Regalen und Schränken fühlt sich die Autorin wohl. Nun kann sie ihr eigenes Buch ins Regal stellen - neben Meistern wie Marcel Proust und Umberto Eco: "Das ist ein besonderes Gefühl", freut sie sich.

"Das Lieblingsbuch schlechthin gibt es für mich nicht"

In ihrem literarischen Debüt beschreibt Gust-Kazakos ihre Entwicklung zur exzessiven Leserin und Weltenbummlerin mit tiefer Verwurzelung in der Fächerstadt. Gleichzeitig sammelt sie die Erfahrungen zahlreicher Autoren mit dem Lesen, Schreiben und Reisen. Sie schreibt darüber, was sie während ihrer Lektüre entdeckt, bringt das Gelesene in Zusammenhänge und fügt selbst Erlebtes hinzu.

Ursprünglich wollte die studierte Germanistin und Anglistin einen Roman über eine Reisebuchautorin schreiben, die selbst nie verreist. Aus dem Roman wurde ein Sachbuch und sie zu ihrer eigenen Hauptfigur. Das private Lesefutter der Autorin kennt keine Grenzen. Auf Lieblinge kann sie sich allerdings nicht festlegen: "Ich hab zu bestimmten Zeiten bestimmte Bücher gelesen. Aber das Lieblingsbuch schlechthin gibt es für mich nicht."

"Ich wollte schon immer schreiben"

Auf eine einsame Insel würde sie aber nicht ihren gesamten Bücherschatz mitnehmen, obwohl die leidenschaftliche Leserin beim Verreisen stets eine extra Büchertasche packt. Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" würde sie auf jeden Fall begleiten, ebenso wie "Rebecca" von Daphne du Maurier: "Das hab ich immer mal wieder gelesen." Auch wegen des unglückseligen Schauplatzes, das Anwesen Manderley: "Der Ort, wie er beschrieben ist, ein bisschen verwunschen, am Meer, mit Park drumherum und wegen der Atmosphäre fasziniert mich. Er klang trotz allem gemütlich", lacht die Schriftstellerin.

In Trier geboren und in Karlsruhe aufgewachsen entdeckte Petra Gust-Kazakos schnell ihre Liebe zum geschriebenen Wort: "Ich wollte schon immer schreiben." Dieser Liebe folgend studierte sie Germanistik und Anglistik in Heidelberg. Während des Studiums schrieb sie für ein Kulturmagazin und anschließend als freie Mitarbeiterin für eine Tageszeitung. "Jetzt bin ich in der Unternehmenskommunikation tätig und kann vom Schreiben leben. Damit fühle ich mich sehr wohl", erzählt sie.

"Beim Lesen bin ich abenteuerlustiger als beim Reisen"

Wie sehr Gust-Kazakosdas das Reisen gefiel, offenbarte sich ebenfalls im Kindesalter. Bereits in jungen Jahren nahmen sie ihre Eltern mit zu ihren Urlaubsreisen nach Norderney, nach Frankreich, Spanien oder Skandinavien. Besonders ihr Vater bevorzugte Gegenden mit viel Natur, wo er seiner Leidenschaft, der Ornithologie, nachgehen konnte. Deshalb reist die Autorin heute am liebsten in Städte. "Mein Sehnsuchtsziel ist New York", sagt sie und bekommt leuchtende Augen. "Das ist die Stadt, die mir in jeder Hinsicht viel bietet." Normalerweise schauen sie und ihr Mann sich sehr viel an - von außen die Architektur und von innen die Museen Und natürlich Buchhandlungen. "Manchmal mieten wir uns ein Auto und erkunden das Drumherum der Stadt."

Wie ihre Leselust kennt ihre Neugier auf fremde Orte nahezu keine Grenzen. "Irgendwas fasziniert mich immer an den Orten, die ich besucht habe." Städte wie Tokio oder Hongkong ziehen sie ebenso an wie die Inseln Sizilien oder Neuseeland. "Was mich gar nicht so reizt, ist Australien - wegen der giftigen Tiere. Auch für free climbing oder Tauchen bin ich nicht der Typ", zählt sie auf und ergänzt lachend: "Beim Lesen bin ich abenteuerlustiger als beim Reisen."

Das Thema Leselust und Reisefieber hat die Autorin nach ihrem Buch nicht losgelassen. Seit einigen Monaten führt sie dazu einen Blog, in dem sie Eindrücke und Gedanken zu Büchern und Reisen veröffentlicht und auch andere Reiselustige und Bücherwürmer zu Wort kommen lässt.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Femme de lettres

Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?
Ob man etwas als "Schwäche" oder "Stärke" auslegt, ist eine Sache der Perspektive und der persönlichen Einstellung. Dazu kommt, dass bestimmte Vorlieben privat anders bewertet werden als etwa bei einem Bewerbungsgespräch. Ist jemand, der viel liest, ein Einzelgänger, ein Realitätsflüchtling oder ein vielseitig interessierter Mensch? Jemand, der viel reist, aufgeschlossen oder ruhelos? Eine Person, die gern raucht, gutes Essen und einen leckeren Wein zu schätzen weiß, sinnenfroh oder süchtig? Ein höflicher Mensch – sensibel, diplomatisch oder ängstlich? Ist jemand, der Ziele hat, ein Karrierist oder Visionär?

Lerche oder Eule? Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Lange Zeit bin ich spät schlafen gegangen. Inzwischen stehe ich auch früh auf (idealerweise mit Siesta zwischendurch).

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Als Kind wollte ich alles Mögliche werden. Dann Schriftstellerin, am liebsten auf Manderley. Aber das ist ja leider abgebrannt.

Wenn Sie in Ihrem Leben etwas noch einmal machen könnten, was wäre das?
Betrachtet man sein Leben in der Rückschau, wird rasch klar, dass alles, was man tat, zur aktuellen Situation geführt hat. Deshalb kann für Zufriedene die Antwort nur lauten: Alles.

Sie schlagen morgens die Zeitung auf. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?
Erfolgsautorin Petra Gust-Kazakos auch mit 120 Jahren voller Ideen

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Bücher, weil sie so viele Welten eröffnen.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen? 
Ich ziehe es vor, zu überzeugen, statt zu schießen.

Wenn Sie Ihr eigener Mitarbeiter wären, was würde Ihnen besonders an sich auffallen?
Dass ich gelegentlich Selbstgespräche führe.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts – wer wäre das?
Woody Allen

Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens für alle.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Als Bücherwürmchen

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Das Potenzial, das viele Grün, die klugen Köpfe. Und natürlich: Viva la Südstadt!

Deutschland gilt auch als das Land der Nörgler und Perfektionisten – Warum würden Sie dennoch einwandern?
Weil wir hier die Freiheit haben, öffentlich zu nörgeln, und die Möglichkeit, Dinge zu bewegen – wenn wir nicht zu bequem dazu sind.

Sekt oder Selters – welches Getränk geht bei Ihnen nie aus?
Derzeit: Tee und Whisky

Was bewegt Sie dazu, vom Sofa aufzustehen?
Treffen mit Freunden, Bücherkäufe, Lesungen, Ausstellungen, Reisen etc.

Meer oder Berge – Action oder Entspannung im Urlaub?
Ich bevorzuge geistige "Action", gern am Meer, doch nie faul am Strand.

Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?
Eine, die so präzise, schillernd und klangvoll ist, dass auch Wahrheiten nicht mehr versteckt werden können (oder müssen).

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich hoffe, mein Namensvetter da oben lässt mich in einen Himmel voller Bücher, Sofas und netter Menschen.

(sas)

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