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Roppenheim/Karlsruhe Outlet-Center will Millionen Kunden anlocken - Kritik am "Kulissendorf"

Am Mittwoch, 25. April, hat im elsässischen Roppenheim das neue Design Outlet Center (DOC) eröffnet. Angesiedelt in einem Einzugsgebiet von 8,5 Millionen potenziellen Konsumenten, liegt das Center nahe den Städten Straßburg, Basel, Karlsruhe, Baden-Baden und Mannheim. Die Betreiber erwarten etwa 80 Prozent des dortigen Umsatzes aus Deutschland. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein kritisiert das "Kulissendorf" und wirbt für das Einkaufen in den Innenstädten.

"Wir sind so glücklich, dass wir jetzt eröffnen", sagte Mayte Legeay, Direktorin des Betreibers Neinver, am Mittwoch bei der Eröffnung. Das Outlet-Center soll nach Ansicht der Betreiber als Wachstumsmotor für die Wirtschaft und den Tourismus im Elsass sowie in Baden-Württemberg fungieren. Durch beide Regionen zusammen reisen jährlich rund 27 Millionen Touristen. Die Anlage wurde nach dem Vorbild der Stadt Obernai erbaut. Um stilecht elsässisch zu bleiben, wurden aus Steinbrüchen der Vogesen mehr als 300.000 Pflastersteine in den Boden eingefügt.

Herausforderung für den Einzelhandel

Die Region um Roppenheim soll durch neue Jobs sowie zusätzlich angezogene Konsumenten, von denen letztlich der lokale Handel profitiert, einen Mehrwert erfahren. "1,5 bis 2 Millionen im ersten Jahr und in weiterer Zukunft drei Millionen Besucher", erwarten die Betreiber des Markendorfes.

"Das ist eine klare Herausforderung für den Einzelhandel auf der badischen Seite, insbesondere für die Innenstädte von Rastatt und Baden- Baden", erklärt Verbandsdirektor Gerd Hager vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RVMO) in einer Pressemitteilung. "Aber unsere Region ist inzwischen gut aufgestellt und hat mit ihren lebendigen Innenstädten insgesamt mehr zu bieten."

Kritik des RVMO: "Kulissendorf, wie in einem Western"

So habe zum Beispiel die Stadt Bruchsal mit drei neuen Warenhäusern ihre Innenstadt spürbar belebt. Karlsruhe biete den Menschen Einkaufsmöglichkeiten auf einer Verkaufsfläche, die zusammen achtmal so groß sei wie im neuen Markendorf in Roppenheim. In Rastatt sei derzeit ein neues innerstädtisches Einkaufszentrum mit hoher städtebaulicher Attraktivität im Bau. Damit werde der inhabergeführte Mittelstand unterstützt und nicht anonyme Finanzinvestoren.

Der Trend der vergangenen Jahre heiße "weg von der grünen Wiese, zurück in die Zentren", so Hager. Die Regionalplanung orientiere sich am Leitbild der Europäischen Stadt, die lebendig, authentisch und attraktiv sei. Das DOC in Roppenheim sei ein "Kulissendorf, wie in einem Western", und damit kein Modell für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Mit einer Verkaufsfläche von über 27.000 Quadratmetern und 107 Ladengeschäften erreiche das DOC Roppenheim im Bekleidungssortiment eine vergleichbare Größe wie die Innenstadt von Baden-Baden.

Doch der zeitliche Weg von der Planung bis zur Eröffnung war für das DOC Roppenheim sehr weit. "Der innerstädtische Einzelhandel unserer Region hat ein Jahrzehnt gewonnen, um sich noch besser auf die Kundenwünsche einzustellen", betont RVMO-Chef Hager und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Projekt wurde 2002 abgelehnt

Der Anfahrtsweg sei für die deutschen Besucher eine Herausforderung. Ein Nadelöhr bilde zudem die Staustufe Iffezheim. Daher würden selbst die Betreiber einen Umweg über das französische Straßennetz empfehlen, so Hager. Die kürzeste Verbindung führe über die A5 bis Baden-Baden und die B500 bis zur Staustufe. "Hier gilt das Verursacherprinzip, wer Verkehrsprobleme erzeugt, muss auch für ihre Lösung sorgen."

Von Beginn haben sich entlang des Oberrheins sowohl auf deutscher als auch französischer Seite fast alle Städte und Handelsverbände zusammen mit dem Regionalverband Mittlerer Oberrhein gegen das Projekt ausgesprochen, gleichgültig an welchem Standort, betont Hager. Im Jahr 2002 habe das Regierungspräsidium Karlsruhe dem Vorhaben am Baden Airport eine klare Absage erteilt. Nach der Ablehnung des Projektes auch im Elsass, habe dann das Oberste Verwaltungsgericht in Paris die Ansiedlung dennoch und endgültig zugelassen. Ein Standort für ein DOC an der Grenze zweier EU-Staaten dürfe kein Vorbild für weitere solche Vorhaben sein. "Der Fall Roppenheim zeigt, dass eine europäische Regelung fehlt, die bei Großvorhaben eine grenzüberschreitende Abstimmung garantiert", so Hager abschließend.

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  •   Petrolhead
    (970 Beiträge)

    26.04.2012 15:07 Uhr
    Kulissendorf, ja und ?
    Soll man die Ware in Wellblechcontainern präsentieren ? Wird damit das Problem eines möglichen Kaufkraftverlustes in der Region geringer ? Hier wird einseitig polemisch mit einer haarsträubenden Argumentationskette auf die synthetische Aufmachung des FOC eingedroschen. Wenn dies das Hauptargument des Herrn Hager
    ist, dann ist es, wie man die "künstliche Erlebniswelt" des Europarkes Rust kritisiert, weil es es im Wesentlichen doch nur ums Achterbahn fahren geht.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    26.04.2012 14:38 Uhr
    ECE
    Das ECE ist m.E. genauso eine künstliche "Shoppingwelt", der einzige Vorteil ist, daß man nicht naß wird. Ansonsten finde ich das Ding überlaufen und man fühlt sich eingeengt, überall Kunstlicht, eine eigene Welt... ich gehe lieber in der Kaiserstraße einkaufen und komme ans Freie, wenn ich einen Laden verlasse. Und die offenen "Restaurants", wo paarhundert Leute vorbeidappen und einem zuglotzen wie man 'ne Pizza ißt, muß ich auch nicht haben. Dazu noch zu überteuerten Preisen. Kulturloser Einheitsbrei, solange der Rubel rollt.

    Wenn ich ein Paar Schuhe brauche (alle drei-fünf Jahre mal), dann geh ich in einen Schuhladen. Da brauche ich mich nicht durch einen 3m breiten Gang zu zwängen, weil ich ja noch was anderes gebrauchen könnte. Wenn ich Schuhe brauche, brauche ich Schuhe und überleg mir nicht auf'm Weg, daß ich noch eine Uhr, eine Schrankwand und eine Waschmaschine gebrauchen könnte...
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  •   Tankwart
    (54 Beiträge)

    26.04.2012 11:22 Uhr
    Apropos Kulisse
    Das ist ja dann eine ähnliche Kulissenhaftigkeit wie der Weinbrenner-Fake Bau am Marktplatz. Des weiteren unternehmen die Herrschaften der Stadt KA momentan ja alles menschenmögliche um die Leute vom Einkaufen in KA abzuhalten. Von daher: Gutes Timing in Roppenheim.
    Aber generell denke ich dass die Spezies der Schnäppchenjäger ausstirbt, die sich ewig ins Auto setzt um in irgendein vermeintliches Einkaufsparadies zu gelangen. Schnäppchenjagd ist dich via Internet deutlich einfacher und vor allem billiger.
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  •   frafoe
    (662 Beiträge)

    26.04.2012 12:22 Uhr
    Naja
    Kleider probier ich dann doch lieber erst an bevor ich sie kaufe. Also bei Textilien und Schuhen hat der Online-Handel bei mir keine Chance.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    26.04.2012 14:29 Uhr
    Kommt drauf an
    Bei Schuhen z.B. kennt man seine Schuhgröße und kann sie notfalls zurückschicken falls es von der Norm abweicht. Wenn man dafür den Sprit, die Zeit und v.a. den Streß spart ist das schon von Vorteil.

    Ich denke nichtmal, daß das Problem der Preisfaktor ist sondern tatsächlich der Streß. Wer hat schon Lust in überfüllte Läden zu gehen, außer es wird dann dadurch reingeholt, daß das Produkt wesentlich günstiger ist (z.B. Outlets, zwar auch Einkaufsstreß aber kostet dafür weniger).

    Die Baupsychologie des ECE, die Durchgangsgänge enger zu machen damit die Leute "bummeln" schlägt sich eben auch teilweise ins Gegenteil um, zumindest bei der männlichen Bevölkerung die für solche Ferz keine Zeit und Lust hat. Ist wie bei manchen Supermärkten (davon kommt man langsam an weil's nichts bringt), wo die Kunden ihre Milch an der einen Ecke und die Butter 300m weiter bekommen...

    Mit Übersichtlichkeit und Verkehrsfläche lockt man mehr Kunden...
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    26.04.2012 02:43 Uhr
    Zitat Hager:
    Das DOC in Roppenheim sei ein "Kulissendorf, wie in einem Western", und damit kein Modell für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

    Ähm, ich glaub der hat da was nicht verstanden. grinsen

    Was hat denn so ein Outletcenter im Niemandsland mit Stadtentwicklung zu tun?
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  •   motzki
    (701 Beiträge)

    25.04.2012 19:57 Uhr
    nachdem in üblich ...
    ...provinzieller manier den karlsruhern solche und andere attraktive einkaufsmöglichkeiten vorenthalten werden, machen eben die anderen das geschäft. ob rathaus, einzelhandel, freizeit oder sport, karlsruhe und region sind und bleiben ein einziger tante-emma-laden. da hilft auch keine straßenbahn im loch. und daran wird sich auch in absehbarer zukunft nichts ändern.
    karlsruhe - willkommen bei verlierern
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  • unbekannt
    (4000 Beiträge)

    25.04.2012 20:09 Uhr
    Also, provinziell sind wohl eher die Dämlacke,
    die da hin fahren und meinen, sie wären jetzt ein Teil der großen weiten Welt!
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  •   Abadu
    (463 Beiträge)

    25.04.2012 19:45 Uhr
    Habe gerade mit Leuten geredet, die heute da waren:
    Absolutes Chaos, kilometerlange Staus, Shuttle-Busservice mit 2 Stunden Verspätung und vor allem: ziemlicher Ramsch in den Geschäften.
    Offenbar kein Vergleich mit anderen Outlets.
    Der Einzelhandel in BAD, RA und KA muß sich momentan anscheinend kaum Sorgen machen.
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  •   runsiter
    (11979 Beiträge)

    26.04.2012 06:15 Uhr
    Das
    wäre der blanke Horror für mich. Ein Gewusel von genervten Schnäpchenjäger, die es schaffen, wegen 10 gesparten Euro fast 100 km von ka hin und zurück zu fahren. Damit sichs lohnt spart man eben noch mehr, in dem man noch mehr unnützes Zeugs kauft. Und dann noch in so einem Ambiente wie Disneyland.

    Nein Danke, nichts für mich.
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