Karlsruhe Not macht erfinderisch

Es war einmal, da stand es ganz und gar nicht gut um das Aktivbüro. Der Rotstift hatte sein Opfer schon fest im Visier. Aber als 30 Karlsruher Vereine gemeinsam für das Überleben des Aktivbüros eintraten (ka-news berichtete), konnte es den bürokratischen Raubzug abwehren. Diese Erfolgsgeschichte hatte Konsequenzen, denn die Vereine merkten, dass sie auch miteinander arbeiten konnten - und sie schlossen sich zur Arbeitsgemeinschaft Ehrenamt (ArGe) Karlsruhe zusammen.

Bislang besteht die Arbeitsgemeinschaft lediglich aus sieben Vereinen, jedoch hält sie einen regen Kontakt zu den restlichen Aktivbüro-Rettern. "Wir versuchen, die anderen Vereine mit an Bord zu nehmen, das braucht natürlich Zeit und Überzeugungsarbeit", weiß Thomas Nattrodt von der Akademischen Initiative für Arbeit Karlsruhe (Aiak). Auch wenn dieses Projekt zeigt, dass es im Karlsruher Vereinswesen doch noch gemeinsame Interessen gibt, muss sich die ein oder andere Gemeinschaft auf die eigenen Pläne konzentrieren. So auch der Verein Deutsche Sprache, der laut Vorsitzendem Joachim Marcks zwar gerne in die ArGe eintreten würde, zur Zeit jedoch andere Prioritäten setzt. Marcks möchte nämlich eine eigene Partei gründen.

Ironie des Schicksals

Sollte Marcks doch noch Interesse am Beitritt haben, stehen ihm die Türen weit offen. Denn in der ArGe lassen sich noch keine Strukturen erkennen, die jegliche Beschränkungen mit sich bringen würden. Die jetzige Zusammenstellung ist ein deutliches Indiz hierfür: Es gibt derzeit weder eigene Räumlichkeiten noch einen Vorsitzenden. Die einzelnen Vereine beschäftigen sich mit einer breiten Themenpalette: Sie geht von arbeitslosen Akademikern über Buddhisten bis hin zu Drogenmissbrauch bei Jugendlichen. Die altbekannte Ausrede "da gehören wir nicht rein" wird bei dieser Arbeitsgemeinschaft wohl kaum zum Einsatz kommen können. Kein Wunder, dass sich der Verein auch aus tagespolitischen Themen zurückhalten möchte, schließlich ist es da nicht leicht, einen Konsens zu finden.

Wie kam es aber eigentlich zu dieser Arbeitsgemeinschaft? Um das zu erklären, geht kein Weg an der berühmten "Ironie des Schicksals" vorbei. "Das Aktivbüro ist wirklich eine super Einrichtung, wir alle von den Vereinen haben von ihrer Arbeit profitiert. Dass sie geschlossen werden sollte, nur weil ihre Erfolge nicht an Zahlen auszudrücken sind, hat uns alle zusammengeführt", blickt Nattrodt zurück. Nun liegt die Ironie darin, dass der Gemeinderat einst eben das Fehlen einer solchen Vernetzung bemängelt hatte. "Wir trafen uns also und bemerkten, dass wir ganz gut miteinander auskommen und zusammen auch etwas erreichen können."

Auftakt zur Parteigründung?

Diese Erkenntnis soll den Vereinen nun helfen, Informationen auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen, Projekte anzupacken und auch die persönlichen Beziehungen zu pflegen. Mehr auch nicht, zumindest vorerst. Wenn die ArGe aber etwas erreichen möchte und es schafft, die anderen 23 Vereine mit einzubeziehen, stehen die Chancen wirklich gut. Mit ihrer breiten Themenpalette und zusammengenommen 1.500 Mitgliedern wären sie eine ernst zunehmende politische Kraft in Karlsruhe. Doch wie gesagt, zur Zeit ist das noch Zukunftsmusik, deren Töne Nattrodt und Kollegen (noch) nicht anschlagen möchten.

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