Karlsruhe Neues Jahr, neuer Name

"Neue Besen kehren gut", heißt es nicht nur im Sport bei Wechseln in der Führungsetage. Der "neue Besen" bei Hit 1 heißt seit Juli letzten Jahres Andrea-Alexa Kuszák (ka-news berichtete). Intern hat die neue Geschäftsführerin schon einiges "ausgekehrt", nun wird das mit einem Namenswechsel auch nach außen hin gezeigt: Hit 1 ist ab sofort Geschichte, mit Jahresbeginn geht der Radiosender unter "Die neue Welle" im Rennen um die Hörergunst an den Start.

101,8 in Karlsruhe, 91,4 in Pforzheim, 100,9 in Baden-Baden, so lauten auch weiterhin die Frequenzen, auf denen "Die neue Welle" mit, wie es in einer Pressemitteilung heißt, "sympathischen Moderatoren, Musik aus vier Jahrzehnten, langen Musikstrecken und lokalen Themen" für frischen Wind in der lokalen Radioszene sorgen will. Schon seit geraumer Zeit führte der Sender Hörerbefragungen durch, um gezielt die Musikvorlieben und Ansprüche an einen Radiosender ihrer Zielgruppe im Alter zwischen 29 und 49 Jahren bedienen zu können. Mehr als 1.200 Hörer wurden befragt, was sie von ihrem Lieblingsradiosender erwarten. Ergebnis: viel Musik, präzise Information zur Welt und "was vor der Haustür passiert". Auch künftig will der Sender regelmäßige Marktstudien und Hörerbefragungen durchführen.

Neue Programmstruktur, neues Musikkonzept

Andrea-Alexa Kuszák, der "neue Besen" bei "Die neue Welle" (Foto: pr)
Unter dem Motto "Die neue Welle - endlich gute Musik im Radio" wird ein besonderer Schwerpunkt der Neuausrichtung auf dem Musikprogramm liegen. "Die Vielfalt der Musik ist eines unserer Hauptziele", so Geschäftsführerin Andrea-Alexa Kuszák, "wir spielen Musik aus vier Jahrzehnten, mit Klassikern besonders aus den 80ern wie ‚l am what I am’ von Gloria Gaynor, Joe Cocker mit ‚Unchain my heart’, ‚Girls just want to have fun’ von Cindy Lauper oder ‚Livin’ on a prayer’ von Bon Jovi und vielen anderen großartigen Künstlern. Musik, die ans Herz geht, die unsere Hörer mit Erinnerungen an schöne Momente begleitet, gemischt mit Songs aus den aktuellen Charts - davon nur die ‚creme de la creme’, das Allerbeste." Neues Musikkonzept: "Die neue Welle" startet jede Stunde mit vier Hits am Stück und spiegelt mit diesem so genannten "Vierer" die gesamte Bandbreite der Musik im Programm wider: vier Songs aus vier Jahrzehnten.

Neu ist auch der Name der Morningshow. Unter dem Titel "Lege Los! So macht das Aufstehen Spaß!" mit Ingo Lege, Vanja Borko und "Welle"-Urgestein Rio Baader als "News Anchor" verspricht "Die neue Welle" Unterhaltung, die die Hörer zum Schmunzeln, zum Lachen und auch zum Nachdenken bringen soll. Bekannt zumindest dem Namen nach erscheint die Vormittagssendung "Sara bei der Arbeit", moderiert von Sara Baas. Nachmittags setzt "Die neue Welle" mit regionalisierten Lokalnachrichtensendungen für die Regionen Karlsruhe, Pforzheim und Baden-Baden verstärkt auf lokale beziehungsweise regionale Akzente. In den Abend begleitet "Die neue Welle" ihre Hörer mit "Feierabend mit Schrievers".

Nachrichten aus der Region, Deutschland und der Welt zur vollen Stunde sollen das Programm abrunden. Hit 1 hatte versucht, mit dem Slogan "Hit 1 - immer zehn Minuten früher informiert" den ungewöhnlichen Zeitpunkt der Nachrichtensendung - jeweils zehn Minuten vor der vollen und halben Stunde - zu etablieren. Angesichts der zahlreichen Veränderungen ist sich Geschäftsführerin Kuszák der Mithilfe ihrer Mitarbeiter sicher: "Voller Tatendrang steht es hinter dem 'Neuen Welle'-Konzept", so Kuszák, "wir machen Radio für unsere Hörer. ‚Easy listening’ ist unsere Devise - reinhören, zuhören, dabei bleiben."

101,8 - Geschichte einer Frequenz

Zum Jahresbeginn 2007 heißt es nun: Zurück auf Start. Zumindest namentlich schließt sich mit der Umbenennung von Hit 1 in "Die neue Welle" ein Kreis. "Mit dem Namen verknüpfen sich in Karlsruhe immer noch gute Erinnerungen. Aber wir legen großen Wert darauf, eben ‚Die neue Welle’ zu sein", so Moderatorin Andrea Schindler, die dem Sender seit den Zeiten der "alten Welle" die Treue hält. Ob der Sender auch inhaltlich an alte Traditionen wird anknüpfen können, wird die Zukunft weisen. Die Geschichte der (Karlsruher) Frequenz 101,8 haben wir hier kurz für Sie zusammengefasst.

Sie begann 1987 mit der "Welle Fidelitas", die sich bis 1994 die Frequenz mit "Radio Badenia" teilen musste und seit der Trennung als "Die Welle" bekannt war. Im März 2002 beschloss die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) in Stuttgart, dem Sender die Lizenz zu entziehen (ka-news berichtete). Gegen die nach eigener Aussage rein kaufmännische Entscheidung der LfK (ka-news berichtete) regte sich massiver Protest, unterschiedlichste Solidaritätsaktionen für die "Welle" wurden initiiert - unter anderem auch von ka-news (ka-news berichtete). Vergeblich: In der Nacht zum 1. August sendete die in Karlsruhe sehr populäre "Welle" letztmals, Hitradio RTL übernahm den Sendeplatz. Das letzte Lied, das in jener Nacht gespielt wurde, war der Doors-Klassiker "The End" (ka-news berichtete).

Der rote Faden: Querelen um Christian Frietsch

Das RTL-Intermezzo währte nicht lange, schon im Juni 2003 wurde bekannt, dass der Kölner Medienriese seine Anteile wieder verkaufen will (ka-news berichtete). Im August verschwand RTL endgültig aus dem Namen, übrig blieb das Hit 1 Radio (ka-news berichtete), neue Gesellschafter stiegen mit ins Boot: Burda Broadcast, Studio Gong und die Neue Welle Baden kündigten an, gemeinsam die Anteile von RTL Radio Deutschland in Höhe von rund 25 Prozent am ehemaligen Hitradio RTL zu übernehmen (ka-news berichtete). Differenzen mit den neuen Gesellschaftern wurden letztlich zum Stolperstein für Christian Frietsch, der im Juli 2005 seinen Hut als Hit 1-Geschäftsführer nehmen musste (ka-news berichtete).Frietsch waren unter anderem sinkende Hörerzahlen angelastet worden. Laut Mediaanalyse vom Juli 2004 sank von März bis Juli 2004 die Zahl der Hörer pro Stunde von 16.000 auf 7.000 (ka-news berichtete). Genau ein Jahr später waren die Hörerzahlen zwar wieder deutlich gestiegen (ka-news berichtete), für Frietsch, den die Gesellschafter später gänzlich aus dem Sender zu verdrängen versuchten (ka-news berichtete), kam dieser Aufwind aber zu spät.

An ihm schieden sich die Geister: Christian Frietsch (Foto: pr)
Die Querelen um den auch intern zu keiner Zeit unumstrittenen Frietsch ziehen sich wie ein roter Faden durch die wechselvolle Geschichte des Senders - beziehungsweise der unterschiedlichen Sender, die sich in den letzten Jahren auf diesem Sendeplatz tummelten: Wegen des Vorwurfs der Untreue gegen Hitradio RTL-Chef Frietsch durchsuchte die Staatsanwaltschaft im Oktober 2002 die Geschäftsräume von Radio 96 auf dem Gelände des Baden-Airparks in Söllingen (ka-news berichtete). Im Dezember 2005 wurde Frietsch zu einer nicht näher bezifferten Geldstrafe verurteilt (ka-news berichtete).

Neustart mit neuer Geschäftsführerin und neuem Programmchef

Nach kurzen Zwischenspielen von Werner Baur (ka-news berichtete) und Stephan Harter (ka-news berichtete) als Geschäftsführer hat im Sommer 2006 nun Andrea-Alexa Kuszák das Ruder übernommen (ka-news berichtete). Die studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin übernahm 1998/1999 nach der Privatradio-Lizenzvergabe in Österreich als Geschäftsführerin für fünf Jahre den strategischen Aufbau und gemeinsam mit ihrem Team die operative Umsetzung des bis heute erfolgreichsten Privatsenders Energy 104,2 in Wien. Erst im Dezember gab sie die Verpflichtung von Jens Zielinski als neuem Programmchef bekannt (ka-news berichtete).

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