Browserpush
10  

Karlsruhe/Berlin/Stuttgart Nach Plänen zum Stellenabbau: Bahn plant Zukunftskonzepte für Reisezentren

Vergangene Woche hatte die Deutsche Bahn (DB) angekündigt, die Zahl ihrer Mitarbeiter in den Reisezentren an die zurückgehende Nachfrage beim Fahrkartenkauf anzupassen. Mit diesem Vorhaben stößt der Konzern bei Gewerkschaft, Fahrgast- und Verkehrsverbänden auf heftige Kritik. Die Bahn sieht diese nicht gerechtfertigt. Schließlich werde es keine Entlassungen geben. Welche Auswirkungen die Pläne der Bahn auf das Reisezentrum im Karlsruher Hauptbahnhof haben, sei noch offen.

Wer Fahrkarten für eine Reise mit der Bahn kaufen möchte, tut dies zum Großteil im Internet. Das weiß die Deutsche Bahn aus Zahlen und Erfahrung. Im Gegenzug würden in den Reisezentren immer weniger Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen generiert. Zwischen 2005 und Ende 2010 hätten sich diese von 46 Prozent auf 22 Prozent reduziert, teilte das Unternehmen am Freitag vor einer Woche in einer Pressemitteilung mit. Von derzeit 2.350 Stellen deutschlandweit sollen daher 700 wegfallen.

Konkret bedeute das, dass der Konzern für etwa 350 Reiseberater bis 2016 andere Arbeitsplätze innerhalb des Betriebs finden wolle. Die Bahn geht davon aus, dass die andere Hälfte "durch natürliche Fluktuation oder altersbedingt aus dem Unternehmen ausscheiden" werde.

Verschiedene Interessensverbände sind von diesen Plänen keineswegs erfreut. In einer Stellungsnahme bezeichnete die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) das Vorhaben als einen "brutalen Kahlschlag", der "unverständlich, unüberlegt, unausgegoren" sei. Viele Kunden ließen sich im Reisezentrum beraten, auch wenn sie dann Tickets online kaufen, weil diese oftmals billiger seien. Der Wunsch nach Beratung sei also nach wie vor vorhanden und müsse berücksichtigt werden.

Verbände befürchten Personal- und Serviceabbau

Zwar berate die EVG derzeit mit Betriebsräten und dem DB Vertrieb über neue Konzepte. Von einer Lösung sei man - laut EVG - aber noch weit entfernt. EVG-Vorstand Reiner Bieck erinnerte in der Stellungnahme an die Aussage von Bahnchef Rüdiger Grube im Mai letzten Jahres, in der dieser versprochen hatte, dass es keinen Personalabbau im Vertrieb und in den Reisezentren geben werde. Bieck kritisierte, dass die Absicht der Bahn "das Gegenteil von dem wäre, was damals erklärt wurde."

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigte sich in einer Mitteilung empört über das Vorhaben der Deutschen Bahn. Die Reisezentren seien "unabdingbar, denn nur hier erfolgen Information und Beratung." Angesichts des komplizierten und vielfältigen Preissystems der Bahn sei eine persönliche Beratung am Schalter notwendig. "Vor diesem Hintergrund ist eine Stellenstreichung in der Kundenberatung nicht zu akzeptieren", schreibt der VCD in der Mitteilung.

Planungen der Bahn stehen im Detail noch nicht fest

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält das Beratungsangebot der Deutschen Bahn keineswegs für überflüssig - trotz der steigenden Fahrgastzahlen, die mit Onlinetickets unterwegs sind. "Es gibt immer Reisende, die weder mit Automaten noch Computern zurecht kommen oder die deren Nutzung scheuen", betonte der Bundesvorsitzende von Pro Bahn Karl-Peter Naumann in einer Pressemeldung. Die Reisezentren würden nach wie vor gebraucht, müssten aber mit neuen Konzepten zukunftsfähig gestaltet werden.

Genau dies beabsichtige auch die Deutsche Bahn, teilte ein Sprecher gegenüber ka-news mit. Im Detail sei aber noch nichts ausgearbeitet. Bevor konkrete Zukunftskonzepte entwickelt und entschieden werden könne, wo Stellen gestrichen werden, sei es notwendig die rund 400 Reisezentren in Deutschland einzeln zu analysieren und zu bewerten. Dies gelte auch für das Reisezentrum im Karlsruher Hauptbahnhof.

DB-Mitarbeiter durchlaufen üblicherweise mehrere Abteilungen

In Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretern will der Konzern die Perspektiven der Zentren ausloten und individuelle, sozialverträgliche Lösungen für alle Mitarbeiter finden, die von der Anpassung betroffen sein werden, so der Bahn-Sprecher weiter. Für diese biete der konzerninterne Arbeitsmarkt beste Chancen auf alternative Beschäftigungsfelder. Am Donnerstag versicherte Bahnchef Grube laut dpa, dass keines der Reisezentren geschlossen werden und versprach, dass der Service dort sogar besser werden soll. "Dafür stehe ich persönlich gerade", betonte Grube.

Die Befürchtung, dass Menschen, die ihre Fahrkarten nicht online kaufen wollen, auf eine Servicewüste stoßen, wies der Bahn-Sprecher deutlich zurück. Schließlich verfüge die Bahn über unterschiedliche Vertriebswege, wie beispielsweise der Ticketverkauf in Reisebüros mit DB-Lizenz. Davon gebe es deutschlandweit rund 3.000, betonte auch der Deutsche Reise Verband (DRV). Deren Angebote würden Bahn-Kunden fleißig annehmen, versicherte der DB-Sprecher.

Inwiefern der Personalabbau auch der Karlsruher DB-Reisezentrum im Hauptbahnhof trifft, kann die Bahn zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (10)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   tok
    (7205 Beiträge)

    27.08.2011 11:34 Uhr
    ein Fortschritt
    wäre die Möglichkeit sich Verspätungsgutscheine am Automaten bar auszahlen zu lassen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (6169 Beiträge)

    27.08.2011 13:19 Uhr
    Das ist....
    ...eine gute Idee.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (6169 Beiträge)

    27.08.2011 10:55 Uhr
    Ich weiß gar....
    ...nicht was ihr alle habt? Ich hole meine DB-Tickets immer über das Internet. Funktioniert einwandfrei. Ebenso der Fahrkartenkauf aus dem Automat. Ich hatte noch nie Probleme damit.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dramutie
    (1539 Beiträge)

    27.08.2011 17:12 Uhr
    schon so
    aber es soll tatsächlich noch menschen geben, die aus diversen gründen kein internet haben. aber vielleicht brauchen die auch keine tickets mehr. service bekommen sie ja eh nicht. und vielleicht kann die bahn ja auf solche altbackenen penner als kunden verzichten. dass die jungs in wolkenkuckucksheimen herumschweben, ist ja hinlänglich bewiesen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (104 Beiträge)

    27.08.2011 10:07 Uhr
    der herr grube...
    ...sagt seinem sekretariat, dass er demnaechst mal wieder mit dem flieger - e - nee mit´, zug oder wie das heisst und die sollen doch ´mal bitte...

    SO geht das, und dann sitzt er in der VIP - launsch oder in der 1. klasse im ice...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (19 Beiträge)

    27.08.2011 08:36 Uhr
    Jetzt passt es zusammen!
    Soweit ich es weiß zahlt die Bahn 12.- cent pro Kilometer, bei der Nutzung des eigenen PKWs, der muß genutzt werden und wird natürlich auch nicht gestellt. Tja das ist High Tech Quality made in Germany! Irgendwie schon verständlich, daß bei so prima Kalkulationen die Aktienkurse einbrechen.
    Da würde ich mit meinen Milliönchen auch in China bleiben!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    27.08.2011 08:06 Uhr
    Servicewüste
    "Die Befürchtung, dass Menschen, die ihre Fahrkarten nicht online kaufen wollen, auf eine Servicewüste stoßen, wies der Bahn-Sprecher deutlich zurück."

    Naja. Wer online kaufen will, stößt genauso auf eine Servicewüste, wenn er nicht das absolute Standardprogramm will. Da gibt es dann Karten nur per Postversand, oder Preisauskunft ist nicht möglich, etc.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Smallwood
    (1506 Beiträge)

    27.08.2011 02:44 Uhr
    ziel erreicht DB
    der staatskonzern macht da weiter, was schon unter mehdorn zu großen problemem führte und wofür man noch immer teuer bezahlt, weil personal fehlt und neu angelernt werden muss: personalabbau. lerneffekt gleich null...

    es ist schade, dass es der mensch es nicht schafft und versteht, die vielen positiven effekte der technisierung (hier automaten) in lebensstandard umzuwälzen. so verdrängt jede maschine arbeitsplätze und betroffene leben am existenzminimum, wenns dumm läuft, weil technischer fortschritt.

    das system sollte grundlegend überdacht werden. vllt. würde dem ein oder anderen ein vortrag von götz w. werner (dm) zum thema absolutes grundeinkommen die augen öffnen und den horizont erweitern. das system ist steckt in den kinderschuhen aber es ist alternativlos.

    aber gut, in israel sterben seit jahrzenten menschen am gaza-streifen, wegen einem mini stück land oder leben in angst, weil ein paar menschen sich nicht enigen können.

    was will man von so einer spezies erwarten...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   alpinium
    (5615 Beiträge)

    27.08.2011 01:21 Uhr
    Die Bahn
    hat seit Jahren auf diesen Schritt hin gearbeitet. Erst reduziert man das Personal in den Reisezentren, dass man schön lange warten muss, dann erhebt man eine Beratungsgebühr, nur die Beratung ist Scheisse. So treibt man die Kunden an die Automaten, nur die Dinger versteht kein Mensch, sind so Bedienerunfreundlich, dass man ins Internet getrieben wird.

    Und das alles versteht der Herr Grube als Service. Mein lieber Herr Grube ich erlaube mir Sie zu zitieren: "Das habe ich nicht bestellt, dafür bezahle ich nicht!" Machen Sie ihre Bahn mal wirklich attraktiv, senken Sie die überhöhten Preise, verbessern SIe den Service und die Pünktlichkeit und vorallendingen bauen Sie keine Bahnhöfe die in der geplanten Form nicht funktionieren (Ihr Propaganda-Gutachten hin oder her).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   coleman0234
    (422 Beiträge)

    27.08.2011 00:14 Uhr
    Was ein Witz,
    Zitat: Am Donnerstag versicherte Bahnchef Grube laut dpa, dass keines der Reisezentren geschlossen werden und versprach, dass der Service dort sogar besser werden soll. "Dafür stehe ich persönlich gerade", betonte Grube.

    Geradestehen? Das ist doch heute nichts mehr wert, solch eine Aussage.
    Sowas sollte mal beim Wort genommen werden, und darauf die finanzielle Existenz gesetzt werden.
    Dann würde Herr Grube nämlich mal seine Zunge zügeln. Dieser Spacken.......
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen