Mela Eckenfels: Freie Autorin, Piratin und digitale Pionierin

Ein eigenes Kochbuch zu schreiben - diesen Traum hegen viele Hobby-Köche. Die Zielgruppe mag dabei aber bisweilen variieren. Mela Eckenfels hat sich vor einigen Jahren jedenfalls eine ganz spezielle ausgesucht: LARPs und Geeks. Noch nie gehört? Dann sollten Sie unbedingt weiterlesen.

Denn wer sich wie Eckenfels in den Tiefen des Internets auskennt und leidenschaftlich gerne an Live-Rollenspielen teilnimmt, der kann sich in die - gerne auch als "Nachtschattengewächse" titulierten - Computer-Nerds hineindenken. Schließlich war sie fast zehn Jahre in IT-Projekten tätig und fungierte dort als Systemadministratorin. "Das Leben in Hotels trug in dieser Zeit sein Übriges zur eigenen Verzweiflung bei", erzählt sie.

Denn tatsächlich bestätige sich oftmals das Vorurteil, dass sich die Geeks eher ungesund ernähren. "Trotzdem müssen sie ja von irgend etwas leben. Deshalb habe ich mir Rezepte ausgedacht, die gut in ihren Alltag integrierbar sind."

Dabei gehe es vor allem um äußerst haltbare Zutaten, die nicht alle paar Tage verschimmelt aus dem Kühlschrank gezogen werden müssen  - außerdem natürlich um eine möglichst überzeugende Zubereitungsmethode. "Das perfekte Omelette" erhält man zum Beispiel mit Hilfe eines Ziplock-Gefrierbeutels, in dem die Rühreimischung im Topf gekocht wird.

Die Idee zu den Kochbüchern besonderer Art hatte sie bei einem Live-Rollenspiel: "Der Köchin war das Essen angebrannt und ich habe schließlich aus der Not heraus für 60 Leute etwas Neues zubereiten müssen." Dabei sei ihr aufgefallen, dass man doch gerade bei solchen Veranstaltungen auch passendes Essen servieren könnte. So entstand das LARP-Kochbuch (LARP = Live Action Role Playing).

"Energie-Plasma" für Science-Fiction-Fans

Darin schlägt Eckenfels für sämtliche Rollenspiel-Themen eine kleine Auswahl an Speisen vor: So zum Beispiel einen riesigen Protein-Schlabber aus Quinoa für die Matrix-Fans, Scones für die Kelten, überbackener Fischauflauf nach viktorianischer Art oder gar "Energie-Plasma" aus Blue Curacao-Wackelpudding für Fans des Raumschiff Enterprise.

Wenn Mela Eckenfels sich nicht gerade um außergewöhnliche Rezepte kümmert, fotografiert sie gerne, gibt alljährlich Seminare auf der "Informatica Feminale", stellt seit Kurzem sogar Kosmetik her oder engagiert sich für die Piratenpartei.

"Die Diskussion um Internetsperren hat mich frustriert"

"Früher war ich politisch aktiv, aber dann habe ich lange nichts getan. Das hat mich jedoch immer frustrierter werden lassen", erklärt sie. Die besonders Anfang 2009 heftig diskutierten Netzsperren hätten sie dann wieder mobilisiert. "Für meinen Mann und mich war schnell klar, dass wir in die Piratenpartei eintreten."

Als Frau fühle sie sich dort im Übrigen pudelwohl, auch wenn die Frauenquote vermutlich sehr gering sei. "Das wissen wir allerdings nicht, denn wir erheben so wenig Daten wie möglich." Gelebte Überzeugung eben.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Introvertiert, chaotisch, wissbegierig.

Was ist Ihre größte Stärke?
Perfektionismus

Was ist Ihre größte Schwäche?
Perfektionismus

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf?  Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ich wollte Schriftstellerin werden, seit ich lesen gelernt habe. Damals vor allem für Kinder- und Jugendbücher, heute bin ich da nicht mehr so festgelegt.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Sehr gerne würde ich mehr Bücher – und nicht nur Sachbücher - veröffentlichen und irgendwann auch vom Schreiben leben können. Als Autorin berühmt zu werden steht allerdings nicht unbedingt auf der Wunschliste.

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
Schätzungsweise meine Launen, meine Menschenscheue und dass ich mehr oder weniger regelmäßig kaum ansprechbar bin.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf einen PC. Als Teenager habe ich meine ersten Schreibexperimente mit Papier und Stiften unternommen. Statt schöner Texte erntete ich aber nur Krämpfe in der rechten Hand und war viel zu frustriert um weiterzuschreiben.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Im Moment auf jeden Fall unseren Vizekanzler Guido Westerwelle. Aber auch alle anderen, die versuchen populistische Politik auf dem Rücken der Schwächsten der Gesellschaft zu machen. Wie auch alle, die sehenden Auges unsere Verfassung mit Füßen treten und sich nicht entblöden zu behaupten, das böse Bundesverfassungsgericht würde ihre Arbeit behindern.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Frau Leutheusser-Schnarrenberger habe ich seit meiner Jugend sehr respektiert. Sie war für mich immer das Sinnbild von Integrität in der Politik, da sie Konsequenzen zog, wo andere auf ihrem Posten kleben geblieben wären.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Mich berührt die Musik vom Album "Insh'Allah" von Heather Alexander sehr tief. Die Lieder wurden zur Handlung des Buch "Lion's Blood" geschrieben. Der Film der meine Jugendzeit sehr geprägt hat, war "Club der Toten Dichter".

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Privat "Northern Lights" von Phillip Pullman, beruflich "Sozialreligiöse Strömungen im späten Mittelalter" von Martin Erbstösser.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Eine Katze. Katzen sind die Freigeister der Tierwelt: Eigensinnig, selbstständig und talentiert.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Es wäre mir gleichgültig mit welcher Person. Aber mal einen Tag in die Gefühlswelt eines Mannes zu schlüpfen, fände ich ein reizvolles Erlebnis.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die Alb, die Günther-Klotz-Anlage, überhaupt das viele innerstädtische Grün, und dass die Stadt relativ Fahrrad freundlich ist. Dann noch die Nähe zu Frankreich, zum Schwarzwald und der Vorderpfalz.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Ich würde den Bau der Kombilösung stoppen, die ja niemand so recht will, abgesehen von Lobbygruppen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Als ehemalige Unix-Administratorin muss ich zuerst wohl Jürgen Gulbins nennen, dessen Bücher mich seit über einem Jahrzehnt begleiten.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Das derzeitige politische Klima, welches ich als sehr kalt empfinde. Immer mehr Gesetze werden verabschiedet, die ein deutliches Misstrauen der Regierung in ihr Volk erkennen lassen. Viele dienen der Überwachung, andere ausschließlich der Besitzstandswahrung. Selten wird von der Regierung über die Zeit der aktuellen Legislaturperiode hinaus gedacht und als Folge wird Deutschland bald nicht mehr zukunftsfähig und abgehängt sein.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Eindeutig die Piratenpartei. Die meisten Politiker halten das Internet noch für ein nettes, aber ersetzbares Spielzeug dessen Nachteile die Vorteile überwiegen und dessen unkontrollierbare Strukturlosigkeit ihnen Angst macht.

Wie und wo möchten Sie sterben?
In solchen Dingen bin ich sehr langweilig: Gerne ruhig in meinem Bett.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich bin Agnostikerin, daher kann ich keine der beiden Varianten ausschließen. Wenn es den unmenschlichen, rächenden Gott der katholischen Kirche wirklich gibt, dann wäre es mit Sicherheit die Hölle. Falls es Buddha geben sollte, wäre eine Wiedergeburt ja auch eine nette Option. Vielleicht bin ich nach dem Tod auch einfach nur tot, aber vielleicht habe ich Glück und finde heraus dass es die Gottheit der Pastafari, das Fliegende Spaghettimonster, wirklich gibt. Dann sitze ich sicherlich auf ein Bierchen in der Strippermanufaktur. Hoffentlich in dem Bereich ohne schales Bier. RAmen.

(trs)

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