Karlsruhe Mehr Miteinander

Seref Erkayhan, stelllvertretender Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland
(Foto: pr)
Deutsch-Türken begrüßen die Pläne von ARD und ZDF einen eigenen Sender für Zuwanderer einzurichten. Der digitale Spartenkanal soll drei bis vier Stunden täglich auf Sendung gehen. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Türkischen Gemeinde in Deutschland hervor, die nun einen Sieben-Punkte-Plan vorgelegt hat. Dessen Ziel soll sein, durch Medienkonsum kein Nebeneinander, sondern mehr Miteinander zu erzeugen.

Programme wie eine deutsch-türkische Version der Quizshow "Wer wird Millionär" oder das in diesem Jahr von der ARD ausgestrahlte "Türkisch für Anfänger", reichten aber bei weitem nicht aus, so der in Karlsruhe wohnhafte stellvertretende Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Seref Erkayhan. Als Beitrag zur Integration müssten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland mehr Programme zum Thema Partizipation ausgestrahlt werden. Bislang redeten die deutschen Medien mehr über Migranten als mit ihnen. Das deutsche Fernsehen müsse ein integrierendes Bild der Lebensweise von Einwanderern zeichnen, indem es mehr über die Alltagsrealität der Migranten in Deutschland berichte. Ebenso müsse der gesellschaftliche Erfolg von Zuwanderern, die beispielsweise als Arzt oder Richter tätig sind, im Fernsehen seinen Platz finden.

Migration soll in allen Genres thematisiert werden

Das Thema Migration dürfe jedoch nicht in Nischenprogramme abgeschoben werden oder auf einzelne Genres beschränkt bleiben, sondern soll in allen Sendeformaten, ob Nachrichtensendung oder Spielfilm, thematisiert werden. Dazu müssten die Rundfunkanstalten verstärkt Migranten vor und hinter der Kamera einsetzen. Fernsehmoderatoren und Schauspieler mit Migrationshintergrund sollen in Erscheinung treten, um die Vielschichtigkeit der multikulturellen Bevölkerung Deutschlands widerzuspiegeln. Dabei dürften die Schauspieler jedoch nicht auf die Repräsentation des Themas Migration festgelegt sein, sondern personelle Präsenz in anderen Sach- und Unterhaltungsformaten erhalten und positiv besetzte Rollen einnehmen.

Die gesellschaftliche Relevanz des Migrationsphänomens soll im Lehrprogramm der Filmakademien berücksichtigt werden, um künftige Regisseure und Schauspieler während ihres Studiums für dieses Thema zu sensibilisieren. Die Türkische Gemeinde in Deutschland fordert, dass ethnisch-kulturelle Minderheiten als gesellschaftlich relevante Gruppe im Fernsehrat des ZDF und in den Rundfunkräten der ARD-Anstalten vertreten werden. Dazu bedarf es der Änderung der Bundes- und Landesgesetze.

Integrationsfördernde Medienpolitik soll "Wir-Gefühl" stärken

Eine anspruchsvolle kulturelle Sendung soll mit einem türkisch-deutschen Kulturkanal gewährleistet werden. Gemeinsam mit Sendern aus der Türkei, die von vielen türkischstämmigen Familien in Deutschland regelmäßig rezipiert werden, sollen integrationsrelevante Programme gestaltet werden. Ebenso sollen die türkischsprachigen Medien aus Deutschland als Kooperationspartner gewonnen werden. "Die Türkische Gemeinde in Deutschland ist in diesem Zusammenhang bereit, Verantwortung zu übernehmen und bei einer integrationsfördernden Medienpolitik, die das "Wir-Gefühl" stärkt, mitzuwirken", so Erkayhan.

Zu diesem Zweck veranstaltet die Türkische Gemeinde in Deutschland gemeinsam mit dem Institut für Medien und Wirtschaft des Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) eine Podiumsdiskussion zur Rolle der Medien im Integrationsprozess. Die Veranstaltung findet am 5. Oktober im ZKM statt und wird über "TGRT EU", den ersten deutschen Sender mit tükischsprachigem Vollprogramm, live mit simultaner Übersetzung übertragen.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.