Martin Rickelt: Schauspieler

Er ist so etwas wie der Dauerbrenner im Dauerbrenner: Martin Rickelt alias "Onkel Franz" in der Lindenstraße, der erfolgreichen ARD-Familienserie am Sonntagabend. Doch vor dieser Paraderolle steht ein bewegtes (Schauspieler-)Leben. Kaiserliches Deutschland, 2. September 1915. Martin Rickelt wird als Sohn von Gustav Rickelt, bekannter Berliner Schauspieler, geboren.

Die Mutter war in jungen Jahren selbst Schauspielerin - das Talent des Darstellers liegt Sohn Martin quasi im Blut. Mit fünf Jahren stellt er dieses Talent zum ersten Mal im "Schmied von Kochel" auf die Probe. 1923, zur Zeit des Hitlerputsches, betitelt die Mutter Hitler als "grauenhaften Mann, der furchtbar herumschreit". Die ganze Familie widersetzt sich dem Sog der Nationalsozialisten und zieht ein Jahr später wieder nach Berlin. Dort wächst Martin Rickelt im Künstlermilieu der Zwanziger auf.

Bereits mit 16 Jahren nimmt Rickelt sein Leben selbst in die Hand nimmt und meldet sich kurzerhand auf eine Zeitungsannonce, in der Darsteller für die Verfilmung von "Emil und die Detektive" gesucht werden. Tatsächlich bekommt er die Rolle des Liftboys und lernt so den Autor Erich Kästner und einige weitere Berühmtheiten des deutschen Films aus dieser Zeit gut kennen. 1933 ist er direkt am Brennpunkt der Geschichte, als Joseph Goebbels "Unter den Linden" die Bücherverbrennung vornimmt. Unter der Zuschauermenge ist auch Kästner selbst, der der Verbrennung seiner eigenen Werke unerkannt beiwohnt. Eigentlich will Rickelt immer noch Maler werden, sieht aber ein, dass damit nicht viel zu verdienen ist, und tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Eine erfolgreiche Schauspieler-Karriere beginnt.

Schon 1934 bekommt er Engagements in verschiedenen Berliner Theatern, 1936 dann eine dunkle Zeit für den Mann, dem die Rolle des Soldaten zutiefst widerstrebt. Er wird zum Arbeitsdienst an die polnische Grenze eingezogen. Noch während der Olympischen Spiele in Berlin kehrt er zurück auf die Bühne und spielt unter anderem mit Heinz Rühmann in "So ein Flegel". Am 4. November 1937 wird Rickelt zum Militär eingezogen. Als 1939 der Krieg ausbricht, beginnt auch für ihn eine Zeit der Irrungen und Wirrungen an der Front und in russischer Gefangenschaft, doch schafft er es immer wieder, als Filmvorführer und später sogar als Theaterdirektor seiner Leidenschaft nachzugehen. Auf diese Weise lernt er auch Tamara kennen, für die er einiges aufs Spiel setzt und nur dank seiner findigen Ideen am 26. September 1944 heiraten kann.

Die beiden sind durch die Gefangenschaft Rickelts lange getrennt, seinen Sohn Michael lernt er erst als Dreijährigen kennen. 1960 schließlich reizt ihn eine neue Herausforderung: Am 1. September dieses Jahres unterschreibt er sein neues Arbeitsverhältnis am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Hier angekommen, bezieht die kleine Familie provisorisch ein Zelt in Bad Herrenalb, ehe eine Wohnung gefunden ist. In Karlsruhe kann er endlich "richtige Rollen" spielen, fühlt sich entsprechend wohl und bekommt als Landesobmann sogar die Betreuung aller Theater in Baden-Württemberg übertragen. Bei all diesem Engagement und den vielfältigen Verantwortungen wundert es niemanden, dass Rickelt 1975 mit dem Bundesverdienstkreuz und zehn Jahre später mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wird. Mit 65 scheidet er als "Ehrenmitglied" aus dem Badischen Staatstheater aus, ans Zurücklehnen denkt der Berliner aber keineswegs.

Ab Folge 95 bekommt eine der erfolgreichsten deutschen TV-Familienserien einen neuen Bewohner: Die Lindenstraße wird 1987 Rickelts neues Zuhause. Seit 17 Jahren gehört der knotterige "Onkel Franz" nun zum Ensemble, und ans Aufhören denkt er noch lange nicht. "So lange die Lindenstraße läuft und ich gesundheitlich mithalten kann, bleibe ich der Serie erhalten".

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Ich bin normal.

Was ist Ihre größte Stärke?
Meine Energie.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Ich bin manchmal etwas zu ungeduldig.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Ursprünglich wollte ich ja einmal Maler werden. Als ich aber feststellte, dass die nichts verdienen, habe ich diesen Gedanken schnell wieder verworfen. Irgendwann durfte ich mal Verse aufsagen und bekam dafür drei Mark. Da habe ich zu mir gesagt: 'Mensch da kannste ja richtig was verdienen'. Ja und so kam ich in etwa zur Schauspielerei.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Ich will einfach nur gesund bleiben.

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Kein Kommentar. (Anm. d. Red.)

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Ich will auf überhaupt nichts verzichten! Warum sollte ich auf etwas verzichten?

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Da gibt es niemanden dem ich das antun würde.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Goethe, weil er ein großer Dichter und so vielseitig interessiert war.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Ich bin nicht sehr musikalisch, aber ich höre mir gerne Mozart an. Gute Filme gibt es viele, da möchte ich keinen hervorheben.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Ein Werk von Heinrich Böll. Ich würde gerne viel mehr lesen, aber die Augen bereiten mir in letzter Zeit Probleme. Und immer nur mit einer Lupe lesen, das mag ich nicht.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Das mag ich mir nicht vorstellen.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Das würde ich nie machen, ich bin glücklich wie ich bin.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Karlsruhe ist eine wunderschöne Stadt. Mir gefallen vor allem die vielen Grünanlagen.

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Einige Bauvorhaben ändern, rückgängig machen kann man ja leider nichts. Vor allem dieses neue Hotel am Festplatz ist mir ein Dorn im Auge. So ein furchtbarer Klotz verschandelt doch das ganze Bild. Warum haben sie es nicht lieber bei der Neuen Messe gebaut, da wäre es sicher angebrachter gewesen.

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Unseren Oberbürgermeister Heinz Fenrich finde ich schon ganz gut.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Wenn ich wohin will, lasse ich mich von nichts und niemanden abhalten.

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Die Partei der "Grünen".

Wie und wo möchten Sie sterben?
Mir kommt es nicht auf das "Wie" und "Wo" an, die Hauptsache ist, dass das Ganze ohne Schmerzen über die Bühne.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Ich glaube weder an den Himmel noch an die Hölle. Ich bin ein vollkommen unreligiöser Mensch. Das können sie ruhig so schreiben.

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