Marko König: Stuntman - Multitalent

Ein sonniger Nachmittag, irgendwo in Karlsruhe, ein Treffen zum Interview, ein Interviewpartner in Jeans und weißem Hemd, auf den Fingerknöcheln seiner rechten Hand sind die Buchstaben P, U, N, und K tätowiert. Bestimmt ein knallharter Typ! Doch dann: ein Lächeln. "Hallo, ich bin der Marko", sagt er mit freundlicher Stimme und ausgestreckter Hand. Marko König, Stuntman, Karlsruher und nicht nur ein actionreiches Multitalent, sondern auch ein echt netter Kerl. Obwohl er schon mit Größen wie Götz George und Joaquin Phoenix gearbeitet hat: von Allüren keine Spur!

Geboren wurde Marko 1969 in Pforzheim, als älterer von zwei Brüdern. Seinen Schulweg bestritt er im Kreis Pforzheim, erst Grund-, dann Hauptschule, die er 1984 abschloss. Auf den Wunsch seines Vaters hin - "Marko, du musst etwas Anständiges lernen!" - absolvierte er eine klassische Berufsausbildung zum Isolierblechner. Nach seiner Berufsausbildung war er als Rettungsschwimmer, Bademeister und Sportanimateur tätig. Sport war immer schon eine seiner Leidenschaften.

Der junge Marko, damals ganz Punk mit ausrasiertem Irokesenschnitt, blond gefärbt und tätowiert, musste sich von seinem familiären Umfeld oft anhören: "Aus dir wird doch nie was, mit deinem Irokesenschnitt!" Seine Reaktion darauf? Euch zeig ich's! Er bewarb sich an einer bayrischen Filmstuntschule, wurde als Talent entdeckt und hatte bereits nach nur drei Monaten den ersten Fernseheinsatz. Im Jahre 1992 folgte dann sein Rekordstunt auf dem Hockenheimring. Dort nämlich absolvierte er auf dem Dach eines 911er Porsche einen Hochgeschwindigkeits-Ritt ohne jegliche Sicherung oder Haltegriffe. "Ich wollte unbedingt ins Guinnes-Buch." Das hatte er mit diesem Stunt, trotz wilder Punk-Attitüde, auch geschafft. Plötzlich hatte er es allen gezeigt, die Kritiker verstummten. Marko machte dann als Stuntkoordinator, quasi dem Meisterbrief der Branche, weiter.

Großes Glück für ihn war seine Talent zum Stunt-Acting. Stunt-Leute, die über diese Gabe verfügen, stehen für mehr vor der Kamera als "nur" den reinen Stunt. Sie spielen actionreiche Rollen, so wie Marko 1997 in der Schimanski-Folge "Blutsbrüder" an der Seite von Götz George den Bösewicht spielte. "Meine Stärke ist mein Wille, was ich will, das kriege ich. " Im Jahre 2000 erhielt er abermals eine große Bestätigung in seinem Beruf. Bei dem teilweise in Karlsruhe gedrehten Hollywood-Film "Army go Home" war er für das einzige deutsche Stunt-Team verantwortlich. Trotz seines Erfolges wollte er "immer noch eins drauf setzen".

Dies gelang ihm mit seiner "Kettensägen-Show", mit der er als Aktions-Künstler 2003 begann. Und die hatte es in sich! Mit einer echten Kettensäge hantierte er dabei zwischen den Beinen und über den Köpfen von Assistentinnen und Publikum. Ungläubige überzeugte er ob der Echtheit der Maschine, indem er live Holzbalken auf bekannten Menschen wie Oli P. oder der damaligen Bundes-Frauenbeauftragten, Gertrud Schulze-Tahm, zersägte. Nachdem sich die Schauspielerin Sybille Rauch bei einer Show eine geringe Schnittverletzung zuzog, herrschte bei König ein wahrer Belagerungszustand. König selber hatte bei seiner Arbeit bisher noch keine Verletzungen oder Brüche. Er betont die Seriösität hinter seinen vermeintlich verrückten Aktionen: "Das geht nur, wenn alles ordentlich und vernünftig geplant ist", sagt er.

Neben seiner Eventagentur Eventshow, widmet sich Marko heute Management-Seminaren, bei denen er als Motivationstrainer und Coach arbeitet. Einen mittlerweile immer größeren Teil seiner Zeit wendet er auch für seine 1996 gegründete Initiative "Projekt-Gewaltprävention" auf. Ziel dieser Initiative ist es, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass Gewalt in den Medien beziehungsweise Action im Film für Film- und Stuntcrew harte Arbeit bedeutet und das Gewalt nichts ist, was man verherrlichen oder übernehmen sollte. "Ich sage den Kids immer: 'Ich bin einer von euch, nur zwanzig Jahre älter'."

König ist zwar selbst kein Pädagoge oder Psychologe, meint aber, das diese Kollegen die wichtigsten Personen sind, mit denen er im Austausch steht. Er will den Kindern und Jugendlichen zeigen, dass sie, wenn sie wollen, alles erreichen können - auch ohne Gewalt. In Karlsruhe wird er bald einen TV- und Kinospot mit Jugendlichen Laien-Darstellern zum Thema Gewaltprävention drehen. Dies geschieht in Kooperation mit Regisseur Oliver Langewitz und dem Team des Filmboard Karlsruhe. Der Wahl-Kölner bleibt bei allem, was er tut, sich selbst und seinem Motto stets treu: "Da anfangen, wo andere aufhören und das Unmögliche möglich machen!"

Beschreiben Sie sich mit drei Worten:
Flexibel, kreativ, aufgeschlossen.

Was ist Ihre größte Stärke?
Mein Wille und mein Engagement.

Was ist Ihre größte Schwäche?
Meine Ungeduld.

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Filmstuntman. Dank meiner Stärke wusste ich, dass die Zeit dafür irgendwann kommen würde.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Den Erfolg meiner Arbeiten und Projekte, zum Beispiel meiner Initiative "Projekt-Gewaltprävention", weiter auszubauen, sowie Jean-Paul Belmondo zu treffen!

Was nervt Ihre/n Partner/in am meisten an Ihnen?
Dass ich zu viel Zeit mit meinem Beruf verbringe. Und mein Handy.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Mein Handy.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Egoisten, Lügner, falsche Menschen und Schaumschläger.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Neben meiner Tochter und meiner Frau: Nelson Mandela.

Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
"Ghost - Nachricht von Sam", "Ali". In meiner Jugend und bis heute war und ist mein Idol Jean-Paul Belmondo und die melancholische Titelmusik von "Der Profi" mit Belmondo.

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Meine Drehbücher.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Kein Kommentar.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Kein Kommentar.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Alles! Viel Natur, wunderschöne Blumen- und Parkanlagen. Die gastronomische Vielfalt sowie das kulturelle Angebot, dass Karlsruhe multikulturell ist und vor allem unser KSC!

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister/in wären?
Die zunehmende Bürokratie endlich abbauen, im Interesse unserer Mitmenschen handeln. Beweisen, dass Karlsruhe noch mehr dahinter, als nur vor hat!

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Absolut unsere Sportler! Unsere Mannschaft vom KSC, unsere Boxsportler/innen, sowie die Vielzahl von Künstlern und Film- und Fernsehmachern.

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Das kommt auf das jeweilige Land an, in welchem ich mich befinde und die damit verbundenen Vor- und Nachteile. Unser Wetter würde mich auf jeden Fall abhalten zu kommen!

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Kein Kommentar.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Ich hoffe, dass ich noch lange Zeit haben werde, um mir darüber Gedanken zu machen. Aber normalerweise im Kreise meiner engsten Familie.

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Es ist für mich eine Lebensaufgabe, daran zu arbeiten, in den Himmel zu kommen.

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