Marathonfieber in Karlsruhe

Albert Olbrechts kurz vor dem Zieleinlauf auf der chinesischen Mauer (Foto: pr)
Sagt Ihnen der Name Emil Zatopek noch etwas? Jener legendäre viermalige Olympiasieger von London und Helsinki, der aufgrund seines unnachahmlichen Laufstils mit dem Beinamen "Lokomotive aus Prag" bedacht wurde?

Wussten Sie auch, dass der im Jahre 2000 verstorbene Tscheche ein Pendant im idyllischen Albgaustädtchen Ettlingen hat? Nun, das hat nicht unbedingt etwas mit den Erfolgen zu tun, jedoch mit dem Laufen generell. Zatopeks Leben war ebenso durch das Laufen geprägt wie das von Albert Olbrechts.

Der am 4. Februar 1915 im englischen Croydon bei London geborene Sohn eines belgischen Friedensrichters und Rechtsanwalts läuft und läuft und läuft - und das nunmehr schon seit fast 33 Jahren. Zwar begann die Läuferkarriere des gelernten Gartenbauarchitekten erst recht spät, doch dafür pflegte er sie umso intensiver als manch anderer seiner Sportskameraden. Es war im 1972 als Olbrechts im Alter von 57 Jahren am Straßenrand seiner Heimatgemeinde Ettlingen stand und den Teilnehmern des dortigen Volkslaufs beim örtlichen Straßenrennen zuschaute. Die Worte Olbrechts zu seiner Frau damals: "Schau die alten Knacker, die da noch mitlaufen!"

Olbrechts "küsst" Ettlinger Stadion aus Dornröschenschlaf

Auch beim Triathlon schnupperte Olbrechts mal rein (Foto: pr)
Olbrechts, schon immer ein Mann der Tat, zeigte sich trotz seiner Frotzeleien angetan vom Elan der etwas betagteren Läufergarde und fackelte nicht lange. Schon kurze Zeit später hatte der zu diesem Zeitpunkt noch recht junge Lauftreff in Ettlingen ein neues, wenn auch schon etwas älteres Mitglied in seinen Reihen. Bis heute hält Olbrechts seinem Verein die Treue und engagiert sich nach Leibeskräften. Egal ob es sich um die Organisation von Reisen zu den unterschiedlichsten Wettkämpfen handelt, die Initiierung eigener Veranstaltungen oder bis zum heutigen Tag unvergessene Staffelläufe zu den Ettlinger Partnerstädten.

Darüber hinaus machte das Läufer-Urgestein aus dem Albtal bei vielen weiteren Engagements von sich Reden. So war er zum Beispiel als Drehorgelspieler für die gute Sache der Aktion Sorgenkind oder als laufender Nikolaus bei den verschiedensten Volksläufen in der Region unterwegs. Vor allem erwähnenswert ist aber sein Beitrag zum Bau des Ettlinger Albgaustadions. Nach Beendigung der Erdarbeiten und Aufschüttung des Ovals durch die Amerikaner 1953 verfiel die Sportstätte im "Baggerloch" in eine Art Dornröschenschlaf. Bis Olbrechts in Prinzenmanier kam und das Geschehen wachküsste.

Trainingsfaules Multitalent

So verlegte er in seiner Freizeit eigenhändig über 6.000 Stufen und war so maßgeblich an der Wiederaufnahme der Arbeiten am später 30.000 Zuschauer fassenden Stadion beteiligt, welches 1981 feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Als Dank für seine Verdienste verlieh ihm die Stadt Ettlingen den goldenen Sibylla-Taler - die höchste Auszeichnung für sportliche Leistungen. Sehen lassen kann sich auch die penibel geführte Wettkampfbilanz des "langen Blonden", der es in seiner Karriere auf 932 Teilnahmen brachte. Jede Urkunde und noch so kleine Ergebnisliste wird mit Sorgfalt und viel Hingabe abgeheftet. Die Reihe der Ordner hat inzwischen eine Stärke von mehreren Metern erreicht.

Die Zeit dieses Staffellaufs liegt schon einige Zeit zurück (Foto: pr)
Olbrechts als Multitalent zu bezeichnen ist keinesfalls übertrieben. Vom 100 Meter-Sprint bis hin zur Marathonstrecke hat er jede olympische Disziplin abgedeckt. Sogar Ultra-Distanzen über 100 Kilometer schrecken ihn nicht. Seine Bestzeit über den "Hunderter" steht bei 12,22 Stunden, die er im Alter von 70 Jahren im französischen Vogelgrün gelaufen ist. Einzig am Hürdenlauf hat sich der Jubilar noch nicht versucht, dafür aber bereits zweimal Triathlonluft geschnuppert. Bei der Menge an Teilnahmen stehen unter dem Strich selbstverständlich auch eine ganze Menge von Erfolgen zu Buche. Und das, obwohl sich Olbrechts selbst als sehr trainingsfaul bezeichnet. "Trainieren braucht man in meinem Alter nicht mehr", so der 90-Jährige.

Olbrechts Rezept: Nicht rauchen, wenig Alkohol und seine Frau

Trotz dieser sportlichen Untugend bildet er seit vielen Jahren eine feste Größe auf nationalen und internationalen Meisterschaften. So hat sich der Ettlinger auf Weltmeisterschaften bis heute sechs Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen erlaufen. Weiteres Edelmetall sammelte er auf Europameisterschaften sowie unzähligen Wettbewerben auf Landes- und Kreisebene. Darüber hinaus hält er in der Altersklasse M75 badische Rekorde über 200, 1.000, und 1.500 Meter, in der Klasse M80 über 3.000 und 10.000 Meter. In diesem Jahr startet Olbrechts erstmals in der Kategorie 90+ und hat sich aus diesem Grund den Termin der Seniorenweltmeisterschaften im spanischen San Sebastian schon einmal dick angestrichen.

Ein Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Olbrechts beim Osterlauf 2003 (Foto: pr)
Das Geheimnis seines rüstigen Daseins begründet er damit, nie geraucht und übermäßig Alkohol konsumiert zu haben. "Ganz schön auf Trab hält mich aber auch meine Frau!" Sie ist 33 Jahre jünger als ihr Mann. Kennengelernt haben sich die beiden auf einer Urlaubsreise in Spanien. Beim "Fiducia Baden-Marathon" am Sonntag, 18. September, will Olbrechts auch wieder an den Start gehen. Sicherlich wird der 90-Jährige dann einigen Jungen zeigen, dass man im hohen Alter immer noch fit sein kann. (ak)

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