Lars Lehmann: Basketball-Nationalspieler im Rollstuhl

Angefangen hat alles mit einer Reha-Maßnahme in Langensteinbach - das ist jetzt 18 Jahre her. Inzwischen spielt Lars Lehmann Basketball in der Ersten Bundesliga und trat schon zweimal bei den Paralympischen Spielen für Deutschland an.

"Die Physiotherapeutin meinte damals, ich sollte mir doch das Basketball mal anschauen", erinnert sich der 32-Jährige. Das tat er auch und ist bis heute nicht mehr davon los gekommen. Nach ersten Liga-Erfahrungen in Langensteinbach, wechselte Lehmann während des Studiums nach Heidelberg. Mit der SG Heidelberg-Kirchheim wurde der Basketballer 2003 deutscher Meister. Nach seinem Studienabschluss im Jahr 2004  bewarb er sich zunächst in der Gegend - jedoch ohne Erfolg. Schließlich sollte ihm sein Sport zur Hilfe kommen.

Zunächst jedoch konzentrierte sich der Ettlinger auf die anstehenden Paralympischen Spiele in Athen. Nach seiner Rückkehr war er ein gefragter Mann bei den deutschen Vereinen. So kam es, dass die Frankfurter "Mainhatten Skywheelers", um ihn als Spieler zu bekommen, anboten, ihm bei der Jobsuche zu helfen. "Also bin ich seit November 2004 in Frankfurt", berichtet Lehmann. Die Skywheelers spielen Erste Bundesliga und sind seiner Meinung nach die beste Amateurmannschaft in Deutschland.

Lehmann ist in Ettlingen aufgewachsen und auch für die Ausbildung zog es ihn nicht gerade weit weg: Er absolvierte sein Wirtschaftsingenieursstudium an der FH Karlsruhe. Auf den Rollstuhl angewiesen ist er aufgrund einer sogenannten inkompletten Lähmung, mit der er seit der frühen Kindheit lebt. "Als ich drei Jahre alt war hatte ich angeblich eine Rückenmarksinfektion. Allerdings waren sich die Ärzte nicht sicher, ob das wirklich die Lähmung verursacht hat", erinnert sich Lehmann.

Im Moment steckt der Amateur-Basketballer in Trainingsvorbereitungen für die Europameisterschaft im Oktober in der Türkei: "Das ist dann schon wochenendfüllend." Im vergangenen Jahr war er mit der deutschen Mannschaft in Peking am Start: "Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis: Ab dem Viertelfinale haben wir jedes Spiel vor 14.000 Zuschauern gespielt. Ob er in drei Jahren wieder zu den Paralympics, dann nach London, mitfahren wird, möchte er sich noch offen lassen. "Familie würde schon vorgehen ...", schmunzelt der 32-Jährige.

Für Aufsehen sorgte der Rollstuhl-Basketball allerdings weniger wegen der sportlichen Erfolge, als vielmehr durch den Doping-Skandal von Lehmanns Mannschaftskollege Ahmet Coskun. "Natürlich fallen die negativen Schlagzeilen immer mehr auf", beklagt Lehmann. Dabei hätte die Mannschaft noch Glück gehabt, dass die Probe während des letzten Lehrgangs in Deutschland von Coskun genommen worden war und nicht in Peking. "Dann wären wir alle nach Hause gefahren", so der Ettlinger, der seinem Mannschaftskameraden die Unschuldsbekundungen abnimmt.

"Das Mittel ist heute nicht mal mehr auf der Liste. Und er hatte das Haarwuchsmittel von seinem Arzt verordnet bekommen, das konnte er nachweisen." Er stelle auch fest, dass Doping im Behindertensport immer mehr ein Thema sei. "Seit drei Jahren werden während der Trainingslager regelmäßig Stichproben genommen." Dabei ist seiner Meinung nach ein gezieltes Doping in seinem Sport nur schwerlich vorstellbar. "Es geht ja nicht nur um Kraft wie bei Power-Lifting oder anderen Einzel-Kraftsportarten", so Lehmann.

Im Rollstuhl-Basketball käme es zudem im Gegensatz zu "Fußgänger-Basketball" nicht auf einzelne sehr gute Spieler an. "Da braucht man 'ne Bank", erklärt der Aufbauspieler, "denn jeder hat eine ganz bestimmte Aufgabe, je nach dem Grad seiner Behinderung." Zur aktuellen Trainigsform der Nationalmannschaft befragt, antwortet Lehmann mit unbeabsichtigter Komik: "Alle sind fit, wir sind da nicht gehandicapt." Darüber muss er selbst lachen. "Daran sieht man, dass es mir gar nicht so präsent ist."

Die vielbeschworene Barrierefreiheit in Karlsruhe findet er nur teilweise durchgesetzt. "Ich fahre immer von Ettlingen mit der Bahn nach Karlsruhe rein und da ist es schon schwierig alleine, weil die Bahn nicht niederflurig ist." Andererseits bewegt er sich schon sein Leben lang mit dem Rollstuhl in Karlsruhe und sei immer klar gekommen. "Ich kenne aber auch andere Menschen, die mit dem Kopfsteinpflaster zum Beispiel mehr Probleme haben." Etwas Positives ringt er sich dann doch noch ab: "Ich finde jedenfalls immer einen Behindertenparkplatz." Und fügt hinzu: "Wenn man weiß, wo sie sind ... "

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Keep on rollin’

Was ist Ihre größte Stärke?
Ehrgeiz

Was ist Ihre größte Schwäche?
Nicht Nein sagen können

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Astronaut – die Sterne und das Weltall haben mich schon immer fasziniert.

Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
Eine Familie gründen

Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
Nicht zum Ende zu kommen

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten? 
Ohne meinen Rollstuhl wäre ich ganz schon aufgeschmissen

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Eigentlich niemanden, da derjenige dann das Glück hätte eine wahnsinnige Aussicht zu genießen.

Welcher Mensch beeindruckt Sie?
Alle die was aus ihrem Leben machen und es nicht "vergeuden"

Welche Musik und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
Musik: Fantastische Vier
Film: Star Wars

Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
"Das Spiel des Engels" von Carlos Ruiz Zafón

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Delphin

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Egal – alleine das Gefühl zu wissen wie es ist, Frau zu sein ist interessant

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die geographische Lage (Nähe zum Elsaß und dem Schwarzwald) und das Vogelbräu

Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
Das Wildparkstadion endlich erneuern

Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
Carl Friedrich Benz

Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
Die deutsche Küche

Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
Betrachtet man die Wahlversprechen der Parteien ist es eigentlich egal wer mehr Einfluss bekommt. Diejenigen die den Einfluss bekommen sollten sich nur mal an ihre Versprechen halten.

Wie und wo möchten Sie sterben?
Mit reinem Gewissen

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Weder noch, ich komme wieder

(tan)

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