Karlsruhe Kulturausverkauf vom Tisch?

Robert Mürb von der Landesvereinigung Baden in Europa ist zuversichtlich (Foto: ka-news)
Wie die Landesvereinigung Baden in Europa erfahren haben will, zeichnet sich im "Kulturgüterstreit" eine Lösung ab, durch die sowohl die einzigartige Klosteranlage Salem wie auch die übrigen badischen Kulturgüter gerettet werden könnten. Für die Sanierung der Klosteranlage im südbadischen Salem werde offenbar eine Lösung gefunden, bei der es nicht notwendig sein werde, andere Kulturgüter zu veräußern.

Mehr als 70 Mitglieder der Landesvereinigung waren am Wochenende in Salem und trafen dort unter anderem Landtagspräsident Peter Straub mit einer Delegation aus dem Landtag in Stuttgart. Als sich die beiden Gruppen und Prinz Bernhard von Baden an der Pforte des Salemer Münsters trafen, versicherte Straub, dass für die Sanierung der Anlage gesorgt werden müsse, ohne dafür andere Kulturgüter angreifen zu müssen. "Sie dürfen nicht in fremde Hände gelangen. Das Parlament wird einen Weg finden", versicherte Straub. Der ursprüngliche Plan der Landesregierung, wertvolle historische Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe zu verkaufen, um die Sanierung von Schloss Salem zu finanzieren, hatte im vergangenen Jahr einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Als Folge des Proteststurms wurde ein entsprechender Vergleich, den die Landesregierung und das Markgrafenhaus ausgehandelt hatten, ausgesetzt.

Oettinger: Dem Haus Baden droht die Überschuldung

Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Günther Oettinger hatte der Vorstand der Landesvereinigung dieses Thema ebenfalls erörtert und "ermutigende Signale vom Regierungschef erhalten". Der Ministerpräsident plädierte dafür, auf das Ergebnis der Expertengruppe zu warten, die bis zum Herbst feststellen soll, welche Kulturgüter dem Land Baden-Württemberg und welche dem Haus Baden gehörten (ka-news berichtete). Dann solle sein "Drei-Säulen-Modell" (ka-news berichtete) zum Tragen kommen, mit dem unter anderem Gelder durch eine Stiftung sowie von Sponsoren und Spendern für die Sanierung des Klosters aufgebracht werden sollen. Das Haus Baden ist bereit, das Kloster Salem in die Stiftung einzubringen.

Nach Oettingers Angaben sei es dringend notwendig, für die Finanzierung zu sorgen, weil das Haus Baden spätestens im kommenden Frühjahr insolvent sei. Es drohe die Überschuldung. Wenn aber eine Lösung gefunden werde, dann bedeute dies einen Zeitgewinn. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Banken mitspielen würden, sobald ein gangbarer Weg gefunden sei. Der Ministerpräsident schilderte, wie beeindruckt er bei seinem ersten Besuch von der "unglaublichen Anlage" gewesen sei.

Tag der Offenen Tür: Haus Baden gestattet Blick hinter die Kulissen

Auch Prinz Bernhard deutete an, dass die schützenswerte Kulturanlage in nicht allzu ferner Zukunft zerschlagen werde, wenn nicht bald die nötigen Gelder aufgebracht würden. Er rechnete vor, dass seine Familie alleine in den letzten beiden Jahrzehnten zirka 30 Millionen Euro aus eigener Tasche aufgebracht hätte, um das immer öffentlich zugängliche und unter anderem von beiden christlichen Kirchen, der Schlossschule Salem, dem Bodenseekreis und privaten Unternehmen genutzte Kloster zu unterhalten. Der laufende Betrieb könne mit den dort erwirtschafteten Erträgen ökonomisch gehalten werden. Dringende Sanierungen aber könnten aus dem Forst- und Weinbaubetrieb des Hauses Baden nicht mehr erbracht werden. Er appellierte an das Land, seiner Verantwortung für diese Anlage gerecht zu werden, die flächenmäßig doppelt so groß sei wie das Schloss Ludwigsburg und nur unwesentlich kleiner als das Schloss in Mannheim, die beide mit Millionenaufwand auf Vordermann gebracht worden seien.

Auch der Gemeinderat der Gemeinde Salem forderte in einer einstimmig gefassten Resolution, das kulturhistorische Erbe Salem dürfe nicht Opfer eines politischen Streits werden. Das Gremium unterstützt den Vorschlag des Hauses Baden, die Zukunft des Schlosses durch eine gemeinnützige Stiftung zu sichern. Auf den Einwand aus der Landesvereinigung, damit sei aber nichts zu den anderen in Frage stehenden Kulturgütern gesagt, beschwichtigte Prinz Bernhard und versicherte abermals, er wolle eine einvernehmliche Lösung finden. Am Wochenende hatte das Haus Baden zu einem Tag der Offenen Tür auf Schloss Salem eingeladen, um mehr Verständnis für den Erhalt des historischen Ensembles zu wecken.

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