Karlsruhe Kommunalwahl 2004

(Grafik: ka-news)
Noch etwas mehr als drei Wochen bis zur Kommunalwahl und langsam sollte sich jeder ein Bild darüber gemacht haben, welche Partei am ehesten Politik nach dem eigenen Geschmack macht. Wir wollen Ihnen helfen. In der heutigen Frage beschäftigen wir uns mit der Innenstadt und im Speziellen mit der Fußgängerzone:

Mit dem ECE-Center wird es für viele kleine Geschäfte in Karlsruhe sehr knapp. Aber auch ohne das Großprojekt ist es eng. Wie lässt sich in Karlsruhe der Einzelhandel stärken? Wie lässt sich die Attraktivität der Innenstadt, insbesondere der Fußgängerzone erhöhen, um mehr Kaufkraft nach Karlsruhe zu locken?

"Einer der Knackpunkte ist die extreme Belastung der Kaiserstraße." (Foto: pr)
Bernhard Weick, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU: "Einer der Knackpunkte ist die extreme Belastung der Kaiserstraße, die zum Kritikpunkt der einkaufenden Bevölkerung wird. Das bedeutet, dass die Fußgängerzone von der sehr hohen Dichte der Straßenbahnen befreit werden muss, um eine Kaufatmosphäre zu schaffen, die auch ein Kauferlebnis nach sich zieht.
Dazu kommt, dass viele Einzelhändler gerade nicht wissen, wie sich das ECE-Center auswirken wird. Manche fragen sich: 'Haben wir auf der Kaiserstraße überhaupt eine Zukunft?'. Dem können die Händler begrenzt entgegenwirken, in dem sie versuche, sich optisch und in ihrem Warensortiment von der Konkurrenz abzuheben. Da gibt es sicher ein Potential.
Wichtig ist, dass mit Karstadt ein Magnet auf der Kaiserstraße sitzt. Dies könnte weitere positive Impulse in der Fußgängerzone initiieren."

"Der SPD sind die Einkaufs- und Begegnungsmöglichkeiten in den einzelnen Stadtteilen wichtig." (Foto: ka-news)
Angela Geiger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD: "Der SPD sind die Einkaufs- und Begegnungsmöglichkeiten in den einzelnen Stadtteilen wichtig. Das heißt, wir wollen Anstrengungen unternehmen, um die Versorgung vor Ort mit Dingen des täglichen Bedarfs sicherzustellen. Ein Entgegenkommen von städtischer Seite aus wäre wünschenswert. So wäre eine Senkung der Mieten bestimmter Räumlichkeiten zum Beispiel eine Möglichkeit.
Wir werden die Bemühungen der Einzelhändler unterstützen, so dass sie in ihrem Stadtteil bleiben können und das Angebot für die immer älter werdende Gesellschaft sichern.
Wir haben die Hoffnung, dass mit der Ansiedlung des ECE-Centers die Mieten in der Kaiserstraße sinken werden und daraufhin wieder echte Einzelhändler die Chance haben, sich dort anzusiedeln. Das ist wichtig, um die Fußgängerzone lebendig zu halten, die Attraktivität zu erhöhen und ein vielfältiges Angebot sicherzustellen."

"Das ECE-Center ist eine Chance, weil es ein riesiger Magnet für Konsumenten aus dem ganzen Umland ist." (Foto: pr)
Michael Obert, Fraktionsvorsitzender von FDP/Aufbruch für Karlsruhe: "Das ECE-Center ist eine Chance, weil es ein riesiger Magnet für Konsumenten aus dem ganzen Umland ist. Wir haben damit die Chance, Leute, die teilweise nach Mannheim oder Stuttgart abgewandert sind, wieder zurückzuholen. Und wenn die erst einmal in Karlsruhe sind, werden die nicht nur im ECE-Center einkaufen, sondern auch in der Innenstadt bummeln. Ein zweiter, erwünschter Effekt ist die Senkung der Mieten in der Kaiserstraße. Das Nachgeben der Mieten wird auch wieder den kleineren Händlern die Aussicht auf einen Platz dort ermöglichen und nicht nur den großen Ketten, die sich das leisten können.
Aber auch vor Fertigstellung des ECE-Centers und der U-Strab gilt: Der Zustand der Fußgängerzone muss einfach attraktiver werden. Ein ordentliches Beleuchtungskonzept gehört dazu, genauso wie die Verbesserung der Be- und Entladesituation."

"Wir wollen, dass die Fußgängerzone weiter in die Fläche ausgedehnt wird." (Foto: pr)
Klaus Stapf, Stadtrat von Bündnis90/Die Grünen: "Wir haben das ECE-Center abgelehnt. Mit der Postgalerie und dem Mendelssohn-Zentrum sehen wir bereits eine starke Konkurrenz für die Einzelhändler. Für Zukunft muss feststehen: keine großen Einkaufszentren mehr! Auch nicht in den zentrumsnahen Stadtteilen. Des Weiteren bleibt die Möglichkeit, die Attraktivität der Innenstadt durch eine Reduzierung der Baustellen zu erhöhen. Die Behinderungen müssen auf ein Minimum reduziert werden. Weiter wäre es wünschenswert, den Händlern die Möglichkeit zu geben, dass sie ihre Geschäfte selbst optisch aufwerten können. Ob dies durch Topfpflanzen oder ähnliches geschieht, sei dahingestellt.
Wir wollen, dass die Fußgängerzone weiter in die Fläche ausgedehnt wird, um diesen 'Schlauch' Kaiserstraße, in dem die Aufenthaltsqualität tatsächlich nicht so hoch ist, zu überwinden. Wir wollen nach Süden gehen, zum Beispiel mit Cafés, um den Bereich offener, freundlicher und heller zu gestalten.
Die Stadt muss versuchen, die Leerstände so zu gestalten, dass sie nicht abschreckend wirken. Die Stadt sollte auch auf die Schnelle Arrangements mit Mietern und Existenzgründern treffen können, die diese Geschäfte in Übergangszeiten nutzen können und dafür eventuell Renovierungsarbeiten durchführen."

"Einkaufen in Karlsruhe muss wieder zum Erlebnis werden." (Foto: ka-news)
Lüppo Cramer, Fraktionsvorsitzender der KAL: "Das ECE-Center ist eine Herausforderung für den Einzelhandel, denn mit dem Angebot und der Präsentation sind viele Karlsruherinnen und Bewohner der Region unzufrieden. ECE ist aber auch eine Chance: Bei mehr Flächenangebot in der City sinken mittelfristig die Mietpreise pro Quadratmeter in der 1a-Zone Kaiserstraße. Wegen der hohen Mieten gibt es ja immer mehr Ketten-Läden und immer weniger interessante, inhaber-geführte Geschäfte.
Die Stadt muss ihre Hausaufgaben machen. Das ist vor allem der öffentliche Raum: Sauberkeit, Licht, attraktivere Stadtmöblierung - etwa bei den Papierkörben und Bänken -, Sanierung des Pflasters, Ausweitung der Fußgängerzone entlang der Fächerstraßen und in die westliche Kaiserstraße. Einkaufen in Karlsruhe muss wieder zum Erlebnis werden - in der City wie in Mühlburg oder Durlach. Viele gute Vorschläge hat die Bürgerbeteiligung City2015 gebracht. Die war ja viel mehr als eine Vorbereitung der Kombilösung. Oder das Plätzekonzept! Ruht leider alles in den Schubladen der städtischen Planer. Fehlendes Geld als Ausrede zählt nicht: Eine attraktive City bringt ja wieder mehr Gewerbesteuer.
Auch der Einzelhandel muss sich bewegen: Mehr Service , einheitliche und nachfrageorientierte Öffnungszeiten und vieles mehr. In der City-Initiative und dem Citymanager sieht die Karlsruher Liste einen starken Partner von Handel und Gastronomie.

"Die Attraktivität der Stadt kann mit einer vernünftigen Gestaltung der City gesteigert werden." (Foto: pr)
Niko Fostiropoulos, Stadtrat der PDS: "Mit dem ECE-Center wird die Kaufkraft nicht wirklich erhöht werden. Es wird lediglich eine Verschiebung von den Wohnvierteln und von der Kaiserstraße zum Ettlinger Tor geben. Erste Auswirkungen auf die Kaiserstraße sind jetzt schon zu erkennen. Nicht attraktive Geschäfte siedeln sich in der Kaiserstraße an, sondern Billigläden mit Ein-Euro-Produkten. Übrigens, attraktive Geschäfte mit höherwertiger Ware bekommt man nicht dadurch in die Stadt in dem die Verkaufsflächen im Zentrum um 33 Prozent erhöht, sondern durch eine hohe Nachfrage nach teuren Produkten. Kein Unternehmen würde sich dieses Geschäft entgehen lassen, wenn es diese Nachfrage in Karlsruhe wirklich gäbe.
Die Attraktivität der Stadt kann mit einer vernünftigen Gestaltung der City gesteigert werden. Plätze dürfen nicht zugebaut werden, wie zum Beispiel der Kronenplatz, der Bahnhofsvorplatz und der Stephanplatz. Sie müssen so gestaltet werden, dass Menschen sie gerne annehmen. Ein positives Beispiel ist der Ludwigsplatz. Die Kaufkraft kann erhöht werden, wenn man nicht nur auf die Konzentration in der City setzt, sondern die Wohnviertel ebenfalls mit attraktiven kleinen Zentren mit Einkauf, Freizeit und Kultur ausstattet. Das entlastet die City und erhöht die Lebensqualität in den Wohnbereichen."

"Der derzeitige Schlauch Kaiserstraße muss sich auch in Richtung Stadtgarten und Kongresszentrum weiter in die Fläche ausbreiten." (Foto: pr)
Jürgen Wenzel, Gemeinderatskandidat für Bürger für Karlsruhe + ödp: "So wie ich haben sich viele Kandidaten unserer offenen Listenverbindung beim Bürgerbeteiligungsverfahren City 2015 engagiert, da uns schon seit langer Zeit bewusst ist, dass unsere Innenstadt einem Wandel durchläuft dessen Ausgang heute noch nicht abzuschätzen ist. Sicherlich wird es zu Leerbeständen in der Kaiserstraße durch das ECE-Center kommen aber dadurch sinken die Mieten was der Ansiedlung von neuen Einzelhändlern entgegenkommt. Andererseits bietet das ECE-Center eine Chance für die Stadtentwicklung in Richtung Süden. Diese muss mit dem Rückbau und Umgestaltung und der Aufhebung der trennenden Wirkung der Kriegstraße, wie sie Mehrheitlich beim Bürgerbeteiligungsverfahren gefordert wurde, verwirklicht werden.
Der derzeitige Schlauch Kaiserstraße muss sich auch in Richtung Stadtgarten und Kongresszentrum weiter in die Fläche ausbreiten. Auch dies war eine Forderung aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren ebenso wie die Umgestaltung der Kaiserstraße. Diese muss grüner und attraktiver werden. Wir die Bürger für Karlsruhe + ödp setzen auf eine Belebung unserer Innenstadt durch den Erhalt der oberirdischen Straßenbahn."

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