Karlsruhe Kommunalwahl 2004

(Grafik: ka-news)
Wie bereits an den Freitagen zuvor informieren wir unsere Leser auch heute wieder über die Standpunkte der Fraktionen im Karlsruher Gemeinderat zu aktuellen Themen der Kommunalpolitik. Heute beschäftigen sich die Fragen mit der Förderung der Kultur in der Fächerstadt.
Wie gedenken Sie, die lokale Kulturszene, auch abseits der Bewerbung Karlsruhes als Kulturhaupstadt, zu fördern? Wie beurteilen sie die Ausgewogenheit zwischen Großprojekten und der Kleinkultur in Karlsruhe?

"Es macht keinen Sinn, nur auf Hochkultur zu setzen" (Foto: pr)
Hans-Jürgen Vogt, Kultursprecher der CDU: "Das Verhältnis in Karlsruhe zwischen der Großkultur und der Kleinkultur ist ausgewogen, weil in den vergangenen Jahren viel für die Kleinkultur gemacht wurde. Eine richtige Großkultur mit festen Angestellten wie dem Staatstheater oder dem ZKM ist jedoch gar nicht mit der Kleinkultur zu vergleichen. Brauchen tun wir beides. Es macht keinen Sinn, nur auf Hochkultur zu setzen. Was wir genauso wenig machen können, ist, die Förderung für die große Kultur zu halbieren und dies dann für die Kleinkultur zu verwenden.
Von uns wurde ja bereits versucht, eine möglichst gerechte Verteilung des Kulturetats zu erreichen, von dem auch der Sport als Teil der Breitenkultur dazugehört. Insgesamt muss natürlich gesagt werden, dass wir auf bessere Zeiten hoffen, um Kürzungen wieder rückgängig gemacht werden können. Wir können jetzt nicht 'den Karren an die Wand fahren' so wie andere Städte dies gemacht haben und gegen die Wand fahren. Dies erfordert den ständigen Dialog mit den Kultureinrichtungen. Wir erwarten von diesen, dass sie Projekte gegebenenfalls zurückstellen, um durch so bei den übrigen eine höhere Qualität zu erreichen. Wir konnten auch feststellen, dass dies überwiegend der Fall ist."

"Im Großen und Ganzen wird die Kultur in Karlsruhe eigentlich ganz ordentlich gefördert" (Foto: pr)
Heinrich Maul, Fraktionsvorsitzender der SPD : "Im Großen und Ganzen wird die Kultur in Karlsruhe eigentlich ganz ordentlich gefördert. Die Stadt setzt sich schon lange dafür ein, Einrichtungen zu schaffen, die auch Alternativen zu den großen Einrichtungen darstellen. Auch kleine Theater wurden gefördert. Und wir tun dies auch weiterhin. Die Stadt unterstützt aber auch die schaffenden Künste direkt. Als Beispiel sind da die Ateliers für Maler zu nennen, die hinter dem Hauptbahnhof eingerichtet wurden. Es gibt ja auch in Karlsruhe eine Menge junger Maler, aufgrund der Kunsthochschule und der Hochschule für Gestaltung. Der Kunstverein wird ja von der Stadt auch nachhaltig.
Die Situation, wie sie gerade beim Verhältnis der Großkultur zur Kleinkultur vorherrscht, kann ich nur als unbefriedigend beschreiben. ZKM und Staatstheater werden mit Millionenbeträgen gefördert. Dagegen sind die Summen, mit denen zum Beispiel Künstlerateliers oder kleinere Theater gefördert werden völlig unbefriedigend. Wenn man aber mit dem in Karlsruhe herrschenden Anspruch das Staatstheater betreibt, dann werden dafür die entsprechenden Mittel benötigt. Das Staatstheater braucht Personal, das diesen Ansprüchen gerecht wird. Und das kostet Geld. Immerhin ist das Niveau in Karlsruhe recht beachtlich.
Grundsätzlich: die Relationen sind leider nicht zu ändern. Wenn man nicht bereit ist, soviel Geld dafür auszugeben, dann sollte man sich fragen, ob man ein solches Theater braucht.

"Ein Eckstein ist für mich die Kulturinsel am Ostaue-Park" (Foto: pr)
Michael Obert, Fraktionsvorsitzender der FDP/Aufbruch für Karlsruhe: "Der Charme der Bewerbung als Kulturhauptstadt liegt gerade darin, dass in diesem Bewerbungsprozess viele Vernetzungen und Konzeptionen geschaffen werden. Diese würden natürlich auch über die Bewerbung hinaus bestehen bleiben. Ganz wichtig, ja geradezu ein Eckstein für mich die Kulturinsel am Ostaue-Park. Durch die Bewerbung als Kulturhauptstadt wurden viele neue Impulse für dieses Projekt geschaffen. Wir müssen diesen Weg jetzt auch weitergehen. Es darf kein Zurück geben.
Die Frage der Ausgewogenheit wird meines Erachtens sehr schräg diskutiert, besonders hinsichtlich dem Streitpunkt 'Badisches Staatstheater'. Das Großprojekte wie das Theater oder das ZKM sehr viel Geld benötigen, um zu funktionieren, muss man wissen. Man sollte sich die Frage stellen: Möchte ich diese Einrichtungen oder möchte ich sie nicht? Auf der anderen Seite hat die Stadt, gerade in den letzten Jahren, die Förderungen stark ausgebaut, auch wenn im letzten Haushalt geringe Kürzungen hingenommen werden mussten. Beide Arten der Einrichtungen, groß wie klein, gehören untrennbar zusammen. Man kann nicht das eine ohne das andere tun."

"Groß- und Kleinprojekte sind für uns kein Widerspruch" (Foto: pr)
Gisela Splett, Fraktionsvorsitzende der Grünen: "Kulturpolitik ist für uns sehr wichtig. Mit oder ohne der Bewerbung Karlsruhes als Kulturhauptstadt. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass kleinere, freie Einrichtungen genauso wie innovative Projekte gefördert werden. Nach dem Beispiel in Stuttgart, wo es einen speziell für solche Einrichtungen geschaffenen 'Fördertopf' gibt, könnte man auch hier in Karlsruhe verfahren.
Groß- und Kleinprojekte sind für uns kein Widerspruch. Beides wird in einer Stadt gebraucht. Genau das ist es doch, was uns hier so auszeichnet: die gesunde Mischung aus beidem. Es darf aber nicht passieren, dass bei der Stadt die Gewichtung zugunsten der großen Projekte verschiebt. Darauf läuft es ja, wie beim Badischen Staatstheater, leider hinaus. Bei kleinen Einrichtungen wurde gekürzt und beim Staatstheater erhöht. Die Grünen stehen dafür ein, dass die Belastungen auf alle Parteien, ob klein oder groß, zu gleichen Lasten verteilt wird.
Für uns wichtig ist zum Beispiel die Kulturinsel am Ostaue-Park und die dauerhafte Etablierung einer Kulturoase hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof."

"Die Kulturhauptstadt ist das Projekt der nächsten Jahre schlechthin" (Foto: pr)
Eberhard Fischer, Kultursprecher der KAL: "Die Kulturhauptstadt ist das Projekt der nächsten Jahre schlechthin! Zentrales Projekt der Kulturhauptstadt muss die Kulturinsel Ostaue sein. Eines muss aber klar sein: Die Förderung von Projekten zur Kulturhauptstadt darf nicht einfach aus dem laufenden Kulturetat genommen werden. Denn der ist schmal geworden, vor allem für mittleren und kleinen Einrichtungen und für Projekte. Also bedeutet 'Kultur fördern' auch Geld. Die KAL möchte eine Kultur-Servicestelle als Anlaufpunkt für solche Kultur-Veranstalter, Künstler und Künstlerinnen schaffen, die projektbezogene Kultur in Karlsruhe anbieten möchten.
Zur Ausgewogenheit zwischen Großprojekten und 'Kleinkultur': Eine lebendige Kulturszene lässt sich nur schwer in Schubladen stecken. Die Grenzen sind fließend. Deshalb unsere Forderung: Die Stadt kann nicht dem hervorragenden, aber 'teuren' Staatstheater mehr Geld geben und zu den anderen hervorragenden Kultureinrichtungen sagen: Ätsch, für Euch haben wir weniger Geld als bisher. Aber genau diese Politik begeht die Stadt gerade, unterstützt von einer großen Mehrheit im Gemeinderat. Dabei ist doch Lust auf Stadt ohne kulturelle Vielfalt nicht vorstellbar.
Außerdem: Die Karlsruher Kultur muss lebendig bleiben, offen sein für Veränderungen. Wofür will die Stadt in Zukunft mehr, wofür weniger Geld in die Hand nehmen. Die im Rahmen der Haushaltskonsolidierung aufgestellten Kriterien sind dafür ein guter Ansatz."

"Die Förderung der Kultur in Karlsruhe gestaltet sich sehr widersprüchlich" (Foto: pr)
Niko Fostiropoulos, Gemeinderat der PDS: "Die Förderung der Kultur in Karlsruhe gestaltet sich sehr widersprüchlich. Der Zuschuss für das Staatstheater für das Jahr 2004 wird um 1.531.400 Euro erhöht. Die Bewerbung zur Kulturhauptstadt kostet zwei Millionen Euro. Die Durchführung wird 50 Millionen Euro kosten. Mit der Erklärung, wir müssen sparen, wurden bei allen anderen Kultureinrichtungen Kürzungen vorgenommen. Eine Stadt die sich als Kulturhauptstadt bewirbt, muss die Vielfalt der Kultur fördern und die Qualität schützen, dass geht nun mal ohne Geld nicht.
Interessanterweise weigern sich die Fraktionen vehement sich die Frage zu stellen, wie es sein kann, dass die Stadt genug Geld hat um die erneute Fehlkalkulation der Neuen Messe von 14,6 Millionen Euro für das Jahr 2004 zu bezahlen und im Bereich Kultur gekürzt wird. Dafür gibt es eine Antwort: Die Fraktionen von CDU, FDP und SPD haben mit Leidenschaft die Neue Messe gewollt und im Gemeinderat beschlossen.Sie sind auch dafür Verantwortlich, dass eine reiche Stadt wie Karlsruhe Kürzungen bei der Kultur, bei sozialen Projekten und bei der Gesundheit vornimmt."

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