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Ein Kommentar von Daniel Cornicius Kommentar: Warum die Palästinenser keine Opfer sind

"Wir löschen se aus;)". Mit diesen Worten kommentiert ein Facebook-Mitglied den Aufruf zu einer Anti-Israel Demonstration in Karlsruhe am Wochenende. Ein anderer Kommentar des selben Nutzers, der mit "Der Hitler hatte recht" begann, ist mittlerweile gelöscht. Nach dem Zwischenfall um die Gaza-Hilfsflotte schwappt die Anti-Israel-Welle um die Welt und steigert sich stellenweise in einen blanken Hass - eine PR-Strategie, die aufgegangen ist.

Immer wieder reagieren Deutsche genervt auf den mahnenden Zeigefinger,den der Zentralrat der Juden in Deutschland gelegentlich erhebt. Betrachtet man die Reaktionen - nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch in Deutschland - auf die Kampfhandlungen zwischen der israelischen Marine und dem Hilfskonvoi für Gaza, kann man verstehen, wovor die Juden warnen. Ohne nachzufragen, was genau auf See passiert ist und aus welchem Grund, entlud sich reflexartig ein Anti-Israel-Gewitter auf breiter Front, das auch Unterschiede zwischen Israel und Judentum nicht mehr berücksichtigte.

Natürlich ist Kritik an Israel durchaus legitim. Doch zeigt sich immer wieder, dass in der Beurteilung des Nahost-Konflikts durchweg mit zweierlei Maß gemessen wird:

Es ist kaum zu ertragen, wie selbst ernannte Pazifisten immer wieder die vermeintliche israelische Unterdrückung der angeblich wehrlosen und leidenden Menschen auf der Westbank und in Gaza anprangern, diese medienwirksam inszenieren und dabei nicht begreifen, dass diese Außendarstellung der Palästinenser als Waffe eingesetzt wird - und das überaus erfolgreich. Das Märtyrertum als professionalisierte PR-Strategie - übrigens ein beliebtes Motiv in der orientalischen Welt.

Das Leiden instrumentalisiert

Dass die Menschen im Westjordanland und in Gaza leiden, kann kaum bestritten werden. Nur, sind es wirklich die Israelis, unter denen die palästinensische Zivilbevölkerung zu leiden hat? Oder sind es nicht eher die militanten Islamisten, die Hamas in Gaza, die Hisbollah im Libanon, aber auch Staaten wie Iran und Syrien, die den Konflikt am Laufen halten und dabei die Zivilbevölkerung rücksichtslos für ihre Zwecke instrumentalisieren? Die das Leiden der eigenen Bevölkerung oder Glaubensbrüder benutzt, um Druck auf Israel auszuüben.

Dass die Hamas die Annahme der Hilfsgüter, deren Transport von Israel gestoppt wurde, verweigert, um damit politische Forderungen durchzusetzen, zeigt, dass die Bedürfnisse der notleidenden Gaza-Bevölkerung klar hinter den taktischen Zielen der Hamas zurückstehen. Wer die Not der Menschen in Gaza lindern will, sollte vielleicht mal bei der örtlichen Verwaltung nachfragen, was da los ist.

Beispiel Libanon-Krieg 2006: Während die Deutschen sich vom Sommermärchen verzaubern ließen, benutzte die Hisbollah zivile Wohngebäude als Waffenlager und Raketen-Abschussstationen für den Kampf gegen Israel. Die resultierenden Schläge der Israelis auf diese umfunktionierten Militärstützpunkte wurden der Welt als Beweis vorgeführt, wie grausam doch die Juden gegen die arabische Zivilbevölkerung vorgingen. Dass die Israelis die Menschen in den Zielregionen vor ihren Angriffen mit Flugblättern warnten, war auch in hiesigen Medien eine unbedeutende Randnotiz.

Wer an den Gazakrieg Anfang 2009 zurückdenkt, erinnert sich an Berichte über eine rücksichtslos vorgehende israelische Armee, der es scheinbar nur um die Terrorisierung der palästinensischen Bevölkerung ging. Dass der vorausgegangene unaufhörliche Raketenbeschuss aus Gaza auf israelisches Territorium und der diesen erst ermöglichende Waffenschmuggel von Israels Kritikern als unbedeutendes Detail abgetan wird, spricht für sich.

Die Türkei als Anwalt der Unterdrückten

Auch über die blutige Serie von palästinensischen Selbstmordattentaten in Israel zur Jahrtausendwende, der hauptsächlich Zivilisten zum Opfer fielen und die zum Bau einer trennenden Mauer führten, wird selten gesprochen. Die Mauer freilich wird heftig als Unterdrückungsinstrument kritisiert - auch wenn sie die Attentatswelle eingedämmt hat.

Wir erleben also eine neue Art der Kriegsführung, eine PR-Schlacht, die allein auf der Basis des David-gegen-Goliath-Prinzips beruht. Interessant, dass gerade die Türken sich nun so wortgewaltig auf die Seite der vermeintlich Unterlegenen schlagen, wo doch gerade sie eine lange Erfahrung mitbringen. Würde es sich vor einer Solidarisierung mit den gebeutelten Palästinensern nicht anbieten, über die Situation der gebeuteten Kurden in der Türkei nachzudenken? Oder sich vielleicht an die Aufarbeitung der Geschichte mit den gebeutelte Armeniern zu machen?

21 Jahre Tian'anmen - und keiner geht hin!

Gewiss ist Israels Vorgehen in vielen Fällen ein brutales - weil eben ein kriegerisches. Wer aber dem palästinensischen Opfer-Mythos des unterdrückten, friedliebenden Volkes kritiklos aufsitzt, enttarnt sich als naiver Polit-Romantiker, der den europäischen Selbstgeißelungs-Zwang des Post-Imperialismus auslebt. Die Palästinenser führen einen Krieg; nur mit anderen Waffen. Und sie sind im Vorteil - wie die globale Welle der Anti-Israel-Demonstrationen belegt. Vielleicht sollte Herr Mankell sich das noch einmal vor Augen führen, bevor er das nächste mal mit Aktivisten einer als islamistisch eingestuften Organisation (IHH) in See sticht und lieber noch einen Krimi schreiben.

Es ist mehr als traurig, dass der Schwede genauso wie seine Mitstreiter von der deutschen Linkspartei nicht eine Silbe einer viel eindeutigeren Unterdrückungssituation widmen wollen: Diese Woche jährte sich zum 21. Mal das chinesische Massaker am Platz des himmlischen Friedens 1989. Zwar liegt das Ereignis etwas zurück, doch setzt sich das Leid für Demokraten, aber auch Tibeter und Uiguren in China sogar unter den Augen der Weltöffentlichkeit bei den olympischen Spielen fort.

Wo sind hier die ambitionierten Friedensengel, die die chinesische Abriegelung durchbrechen wollen? Ohne eine Märtyrer-PR-Lobby wie sie die Palästinenser haben, werden sich die Aktivisten kaum zu Aktionen verleiten lassen. Außerdem ist es weit sicherer und bequemer, einen Staat wie Israel zu attackieren, der an demokratische Prinzipien und rechtsstaatliche Normen gebunden ist und seine Gegner nicht einfach irgendwo verschwinden lassen kann.

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Kommentare (120)
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    06.06.2010 22:59 Uhr
    Ich las einst
    dass Extremisten bieder Seiten kooperierten, um den Konflikt am Laufen zu halten. Das sagt schon alles. Es sagt auch, dass ausgesprochen naiv ist, wer außerhalb der Region für eine der beiden Seiten Partei ergreift.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    07.06.2010 18:05 Uhr
    langsam kriegsmüde?
    Es ist wirklich erstaunlich, dass die Betroffenen nicht langsam mal kriegsmüde werden. Seit Jahrzehnten beharken die Kriegsparteien sich schon. Mir scheint es plausibel, dass der Kampf von dritter ,besser: unbetroffener, Seite durchaus gewollt ist und gefördert wird. Allen voran fällt mir da der Iran und USA ein. Um so weniger verstehe ich die Friedensaktivisten mit Knüppeln in der Hand. Sie lassen sich so oder so vor einen Karren spannen.

    Was zur Zeit der Gründung Israels passierte mag großes Unrecht oder auch nicht gewesen sein, darüber bilde ich mir kein Urteil. Offensichtlich ist, dass die Israelis heute ihren Staat nie kampflos aufgeben werden, ob einem das gefällt oder nicht. Jedes Unterfangen, dieses trotzdem militärisch durchsetzten zu wollen ist führt nur zu weiterer Gewalt. Da müssen bessere Lösungen her.
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  • unbekannt
    (322 Beiträge)

    07.06.2010 05:58 Uhr
    ja
    Egal wo das so gelesen wurde oder ob die wirklich kooperieren, ich will dem zustimmen, dass es immer sehr genaue Hintergrundinformationen braucht um sich nur für eine Seite einzusetzen. Und wenn man es tut sollte man keine Gewalt anstacheln. Dazu muss man beide Seiten gehört haben und wenn es um Gruppen geht auch herausfinden, wie diese mit Gewalttätern innerhalb der eigenen Reihen umgehen. Z.B. ob Notwehr gar keine war, was Testballons sind die Reaktionen auslösen, was Provokationen sind und wer damit begann …
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    06.06.2010 20:39 Uhr
    Kommentar 100 lautet:
    Schade, dass die Besatzungsmächte ihr Vorhaben nicht umgesetzt und Deutschland unter sich filitiert haben.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    06.06.2010 23:56 Uhr
    Filetieren oder filieren
    filitieren sollte man vielleicht Grossvögel. zwinkern

    Und es wurde ja gemacht. Die Amis und die Franzosen haben das Filet bekommen. grinsen
    Glücklicherweise haben sie es uns wieder überlassen ohne es totzubraten...
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    06.06.2010 23:58 Uhr
    xxx
    Noch ein schneller Kommentar rechtzeitig zum Gedenken an den D-Day. Stehen Sie bequem!!!
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    06.06.2010 20:49 Uhr
    ??
    Warum soll das denn schade sein? Höre ich da eine Aversion gegenüber Deutschland raus?
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    06.06.2010 20:58 Uhr
    ...
    Zitat von Du Höre ich da eine Aversion gegenüber Deutschland raus?


    Du kannst raushören was Du willst. Das ist Dein gutes Recht. Aber ich schäme mich hier fremd für manche Aussagen und Untestellungen, die die unter Unwisseneit rausgeblasen werden. Und Deiner Kommentar gehört leider auch dazu. Historische Fakten sind nicht enthalten. Ich sehe diese Taktik (sollte es eine sein) dann aus einer Verzweiflung heraus, um Aufmerksamkeit zu Erlangen... Die Palis werden seit Jahrzehnten und auch schon VOR der Hamas untersdrückt.

    Nur: Für wie blöd lässt sich eigentlich unser Dtl.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    06.06.2010 21:32 Uhr
    historische Fakten
    Es war auch nicht meine Absicht historische Fakten darzustellen. Die kann jeder selbst nachlesen. Da gibt es genug Quellen im Internet.
    z.B. hier.
    Fremdschämen? Passt! Manche Kommentare sind unterirdisch.
    Zum Beispiel das Rumgeschimpfe über den bösen deutschen Staat, der besser gar nicht existieren sollte. An Unsachlichkeit kaum mehr zu überbieten.
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    06.06.2010 22:10 Uhr
    Ohne Unterstellungen geht es wohl nicht?
    Böser Staat etc. kommt jetzt aber nicht von mir. Das kann da bleiben woher es kommt und schimpfen trifft es auch nicht. Mal wieder zuviel reininterpretiert und anmaßend. Sorry. Mach woanders weiter.
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