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Karlsruhe/Stuttgart Kommentar: Grün-Rot - welche Halbwertszeit hat "historisch"?

Die Wahl wurde in Japan verloren - da war man sich in der CDU schnell einig. Stimmen tut es nicht. Die CDU hat die Wahl hier in Baden-Württemberg verloren, weil sie sich zu sehr auf den Erfolgen der letzten Jahrzehnten ausgeruht hat. Richtig ist allerdings, dass die Grünen die Wahl wegen Japan gewonnen haben. Jetzt könnte sie von ihrem eigenen Erfolg überrollt werden.

Die Wahl wurde nicht in Japan verloren, sie wurde dort gewonnen. Die japanische Atomkatastrophe hat den Grünen in Baden-Württemberg einen Auftrieb verschafft, von dem die einstige Öko-Partei selbst nicht zu träumen gewagt hat. Die Zugewinne der Grünen-Kandidaten, oft im zweistelligen Prozentpunkte-Bereich, sprechen eine deutliche Sprache. Nun müssen die Grünen allerdings beweisen, dass sie halten können, was der Wähler sich von ihr verspricht.

Regieren unter dem Mikroskop

Und das dürfte alles andere als einfach werden. Nach dem "historischem Sieg" sind die Erwartungen an den Machtwechsel groß: Atomkraftwerke abschalten, Stuttgart 21 stoppen, mehr Bürgerbeteiligung - und alles natürlich am liebsten sofort. Vorsorglich warnte der erste Grüne Ministerpräsident in spe, Winfried Kretschmann, zwar schon am Wahlabend davor, zu schnell zu viel zu verlangen - hören wollte das aber vor lauter Siegestaumel niemand. Um so schneller könnte nun die Katerstimmung folgen. Wer schnell hoch fliegt, kann auch schnell tief fallen.

Grün-Rot wird in den nächsten Monaten wie unter dem Mikroskop regieren. Befürworter wie auch Gegner werden dem ersten grünen Ministerpräsidenten genau auf die Finger schauen. Enttäuschungen sind zumindest auf der Seite der Befürworter vorprogrammiert. Als Oppossition etwas zu fordern ist immer einfacher, als es dann auch in die Tat umzusetzen.

Bewährungsprobe schon bei Amtsantritt

Kretschmanns erste Bewährungsprobe steht schon vor seinem Amtsantritt an - nämlich bei seiner Wahl. Im künftigen Landtag sind die Grünen nur mit einem Sitz mehr vertreten als die SPD. Und die wird sich erst noch daran gewöhnen müssen, plötzlich als Juniorpartner einen grünen Ministerpräsidenten zu stützen.

Hinzu kommt, dass die CDU zwar in praktisch allen Wahlkreisen verloren hat, dennoch mit 39 Prozent immer noch die stärkste Kraft im Land ist. Die Grünen dagegen konnten vor allem Nichtwähler zum Urnengang bewegen. Deren Begeisterung könnte allerdings so schnell wieder verpuffen, wie sie gekommen ist - etwa wenn Japan nicht mehr täglich über die Fernsehschirme flimmert oder die Rot-Grüne Landesregierung die Fortsetzung von Stuttgart 21 verkünden muss. Hinzu kommt, dass viele dieser Wähler mit dem Wechsel zu Grün-Rot zwar lauter diffuse Hoffnungen, aber nur wenig konkrete Ziele verbinden dürften. Was wenn die nicht erfüllt werden?

Kretschmann ist politikerfahren genug, um sich dieser Gefahr bewusst zu sein. Er weiß, dass Grün-Rot die Wahl zwar gewonnen hat, sich diesen Sieg aber nun erstmal verdienen muss. Ob dieses Wissen für fünf Jahre Grün-Rot reicht, muss sich aber erst noch zeigen. Anders formuliert könnte man auch sagen: Jetzt wird sich zeigen, welche Halbwertszeit "historisch" hat - und ob Grün-Rot die Chance ist, die es für das Land sein kann.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5411 Beiträge)

    28.03.2011 22:59 Uhr
    Besseres
    fällt mir zu diesen Gurken nicht ein !
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (46 Beiträge)

    28.03.2011 17:13 Uhr
    ...
    Interessant, wie viele sich sicher sind, dass die Partei nicht in der Lage sein wird zu regieren, wo sie hier noch niemals jemand regieren sehen hat.
    Sicher fehlt die Erfahrung, aber das heisst ja nicht automatisch, dass sie völlig unfähig sind.

    Und zum Thema, das Wahlergebnis lag nur an Japan: Wenn man sich die Umfragewerte der letzten Monate anguckt, sieht man, dass die Grünen seit dem GAU in Japan lediglich um ca. 3% gestiegen sind.
    Den größten Zuwachs gabs im Herbst, als die Polizei (unter dem Kommando des CDU-Innenministers) Demonstranten bekämpft hat.

    Siehe http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/baden-wuerttemberg.htm
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  •   citizentm
    (1417 Beiträge)

    29.03.2011 01:05 Uhr
    Hallo Herr Kaiser
    Erfahrung im Regieren heisst im Ländle im wesentlichen Erfahrung in Korruption. Das war schon immer so. Im neuen digitalen Zeitalter der Transparenz, das gerade erst begonnen hat, fällt das nur viel mehr auf.

    Haltung und Inhalt zählen in Zukunft wieder mehr. Den selbst die BLÖD kann nicht verhindern, dass die Schaumschläger von Schwesterwelle bis Lügenbaron entlarvt werden als Kleider ohne Kaiser.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5411 Beiträge)

    28.03.2011 17:58 Uhr
    Japan
    ist die ideale und billige Ausrede, so lässt sich das Debakel am besten in die Tasche lügen,die Merkel macht´s vor und die Anderen der Partei machen das Gleiche und schlüpfen der Merkel hintenrein.
    In BW war eindeutig S21 mit dem ganz unschuldigen, aber hinterlistigen Oberfettle Mappus DAS Schlüsselerlebnis zum jetztigen Ergebnis, JP spielte hierbei nur eine wichtige, aber untergeordnete Rolle.
    Let´s go Grün/Rot !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (29986 Beiträge)

    28.03.2011 17:48 Uhr
    Dann mach
    mal die 3% bei den Grünen weg und bei der CDU dazu (reines Rechenspielchen, aber immerhin denkbar).

    Was den Grünen dieses Ergebnis verschafft hat steht im Kommentar. Die Mobilisierung der Nichtwähler. Es ist ohnehin traurig, dass es 35% Nichtwähler gibt, die erst sagen, dass ihnen alles wurscht ist und dann nachher Geschrei machen wenns nicht so läuft wie sie sich das vorgestellt haben.
    Nur wer wählt darf auch motzen.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (4000 Beiträge)

    28.03.2011 18:48 Uhr
    Ich glaub nicht,
    dass ALLEN Nichtwählern alles wurscht ist. Ich denke vielmehr, dass auch Nichtwählen eine sehr wohlüberlegte Entscheidung sein kann!
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    28.03.2011 22:20 Uhr
    Mit Verlaub
    das ist dummer Bullshit. Wer nicht wählen geht, und sei das Übel auch noch groß, hat gar nichts mehr rumzumeckern. Was ändert sich denn, wen keiner mehr wählen geht? Dann wählen halt die anderen Deine Regierung. Man nennt es Demokratie.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (4000 Beiträge)

    28.03.2011 22:57 Uhr
    Kaufst Du ein Produkt, das Dich nicht überzeugt,
    nur weil nix anderes da ist?

    Ich erlaube mir, den Markt zu kritisieren, wenn er mir nicht das liefert, was ich möchte!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (10 Beiträge)

    28.03.2011 17:44 Uhr
    MrTweek
    aus meiner Sicht völlig richtig: die Wasserferfer im Herbst sind in den Gedächtnissen vieler fest verankert - und dazu der "unwissende" Hauptverantwortliche, getreu dem recht üblichen Politiker-Grundsatz "Ich war's nicht, es waren die anderen".
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  •   elch
    (501 Beiträge)

    28.03.2011 17:04 Uhr
    5 Jahre - X
    Anschliessend gibt es eine Abwahl mit scheitern an der 5% Hürde!
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