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Grötzingen Kita-Zoff in Grötzingen: Anwohner des Wohngebiets "Im Speitel" wollen Neubau verhindern

Wenn irgendwo in Karlsruhe ein Bauprojekt ansteht, ist meist auch mit Kritik und Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen. So auch im Grötzinger Wohngebiet "Im Speitel". Dort wird derzeit diskutiert, eine Grünfläche zu bebauen. Eine Kindertagesstätte und ein Wohngebäude sollen dort entstehen, sehr zum Leidwesen der Anwohner.

Rund 30 von ihnen organisieren sich seit ein paar Wochen in einer Interessengemeinschaft, die den Grünstreifen, das so genannte "Wäldchen" erhalten und die Kindertagesstätte an dieser Stelle verhindern will. Es geht darum, dass die bestehende Kindertagesstätte "Kegelsgrund" extrem sanierungsbedürftig ist. Nach Meinung vieler sogar so sanierungsbedürftig, dass ein Neubau sinnvoller wäre, zudem könnte der Kita-Betrieb bei einem Neubau übergangslos weiterlaufen, während im Rahmen einer jahrelangen Sanierung Kinder in anderen Einrichtungen oder in einer Behelfs-Containerlösung untergebracht werden müssten.

Da das Gelände, auf dem die "Kita Kegelsgrund" heute steht nicht genug Erweiterungsmöglichkeiten bietet, soll ein möglicher Neubau um wenige hundert Meter auf das Grundstück im Wohngebiet "Im Speitel" verlagert werden. Die Karlsruher Volkswohnung hat Interesse bekundet, diese Kita zu bauen, verbunden mit zusätzlichem Wohnraum, der dort entstehen würde.

Verkehrskollaps durch Elterntaxis

Das wollen aber die besorgten Anwohner im Speitel nicht. Sie befürchten den Verkehrskollaps - vor allem durch den Bring- und Abholverkehr an der geplanten Kita, die so genannten "Elterntaxis", halten die bestehende Verkehrssituation schon jetzt für unerträglich und chaotisch. "Gerade in den Abendstunden sind hier alle Parkplätze überfüllt, es wird am Straßenrand, in Brandschutzzonen und im Wendehammer der Sackgasse geparkt, so dass man kaum noch durchkommt" erklärt Ulrich Breitenbach, einer jener Anwohner, die sich gegen die Bebauung wehren wollen.

"Nicht auszudenken, was wäre, wenn hier mal Krankenwagen und Feuerwehr durch müssten." Allerdings berichtet er auch von einer Befahrung durch die Feuerwehr, die keine Problemsituation erkannt haben will, jedoch seine Meinung nach auch nur eine Momentaufnahme festgehalten habe, so der Anwohner.

Grötzingen, Im Speitel
Ulrich Breitenbach ist einer der Anwohner, die sich gegen eine Bebauung des "Wäldchens" wehren | Bild: Schwitalla

Diese Sorge entkräftet aber ganz aktuell die Grötzinger Feuerwehr. In einem Schreiben von Marco Veith, dem Abteilungskommandanten der Feuerwehr in Grötzingen, vom 27. Juli heißt es: "Wir sind Im Speitel gewesen beziehungsweise haben die Rettungszufahrt über die Tullaweg, die Pfinz-Brücke in Richtung Rettungszufahrt zum Im Speitel gefahren. Alle Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Grötzingen würden so im Notfall in die Straße Im Speitel kommen, falls vorne die Straße zugestellt sein sollte. (...) Ein paar kleine `Probleme` hatten wir in der Tullaweg mit der Höhe der Fahrzeuge, da dort Äste herunter hängen. Man könnte diese aber wieder zurück schneiden." Demnach gibt es gleich zwei Zufahrtsmöglichkeiten in das Wohngebiet, die im Ernstfall genutzt werden könnten.

Erhaltenswerte "grüne Lunge"

Aber Breitenbach findet auch, dass das "Wäldchen" als solches erhaltungswürdig ist. Zwar ist der Bolzplatz schon etwas in die Jahre gekommen und auch die Aufenthaltsqualität ist an dem Hanggrundstück eher gering, aber der Bewuchs und die alten Bäume seien als "grüne Lunge des Speitels" durchaus schützenwert, meint Breitenbach. Auch der Bolzplatz werde von den Kindern gerne genutzt.

Man sei sich innerhalb der Interessengemeinschaft durchaus bewusst, dass Grötzingen mehr Betreuungsplätze für Kinder brauche, man sei auch nicht kinder- oder familienfeindlich, betont er. Aber den Kita-Neubau sehe man dann doch eher in der Ringelberghohl, wo es ja auch schon einen gültigen Bebauungsplan für eine Kita gebe, ein solcher müsste im Speitel erst geschaffen werden.

Verkehrssituation durch Anwohner "hausgemacht"

Und während sich die Interessengemeinschaft bereits mit Flugblatt-Aktionen, Info-Veranstaltungen und einer geplanten Unterschriftenaktion für den Kampf gegen die Stadtverwaltung wappnet, zeigt sich diese zwar verständnisvoll aber vom Aktionismus der Bürger überrascht.

Grötzingen, Im Speitel
Nachmittags gegen 17 Uhr ist die Park- und Durchfahrtssituation noch recht entspannt | Bild: Schwitalla

"Die Sorgen und Anliegen der Bürger kann ich sehr gut nachvollziehen. Das verkehrliche Problem besteht jedoch bereits jetzt schon, da etliche Anlieger verkehrsbehindernd und verkehrswidrig parken. Selbst wenn die Kita an Ort und Stelle saniert wird, bleibt die Verkehrssituation prekär, da der Speitel eine lange Sackgasse ist. Dieses Problem existiert allerdings schon länger - spätestens seit sich das Verhalten der Bürger in Bezug auf die Anschaffung von mehreren Kfz pro Wohneinheit oder größeren Kfz, die in keine Tiefgarage mehr passen, verändert hat", sagt Grötzingens Ortsvorsteherin Karen Eßrich.

Grötzingen, Im Speitel
Erst gegen 20 Uhr verschärft sich nach Angaben der Anwohner die Park- und Durchfahrtssituation | Bild: Breitenbach

Gleichzeitig betont sie aber, dass über die Zukunft der Kita Kegelsgrund noch gar keine endgültige Entscheidung gefallen sei: "Der Ortschaftsrat hat mehrheitlich der Verwaltung den Auftrag gegeben, nach Lösungen für eine Sanierung der Kita Kegelsgrund zu suchen. Hier stellte die Verwaltung insgesamt fünf Varianten vor, von denen drei Varianten nun in der engeren Prüfung sind. Es liegen jedoch noch keine Ergebnisse für eine Entscheidung vor. (..) Da wir immer noch im Stadium der Verwaltungsprüfung sind, hat man sich auch noch nicht entschieden. Alle Varianten sind weiterhin in der Planung. Sollte der Kindergarten an Ort und Stelle saniert werden, sind die Kosten kostenkontrolliert zu planen und können frühestens im Doppelhaushalt 2021/2022 eingestellt werden. Mit dem Bau könnte dann daher frühestens Anfang 2021 begonnen werden. Sollte sich der Ortschafts- und der Gemeinderat für einen Neubau im Speitel entscheiden, müsste ein vorhaben bezogener Bebauungsplan beschlossen werden. Für dieses Verfahren kalkulieren wir rund zwei Jahre ein. Vor Erlass eines Bebauungsplans kann auch ein Bauträger nicht bauen."

Zwei Kitas - zwei Verfahren

Auch ein Neubau in der Ringelberghohl braucht seine Zeit, kann daher kaum als Alternative gesehen werden, zumal der errechnete Bedarf an Betreuungsplätzen beide Kitas parallel nötig macht. Allerdings befindet sich die Planung dort bereits in einem fortgeschrittenerem Stadium. "Es wird angestrebt, die Bebauung ohne eine Bebauungsplanänderung umzusetzen. Die Vorbereitung der Mehrfachbeauftragung wird Mitte März wieder aufgenommen. Der Neubau Ringelberghohl wird unter Durchführung eines konkurrierenden Verfahrens (Mehrfachbeauftragung) durch das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft umgesetzt. Eine Einstellung in den Doppelhaushalt 2021/2022 wird angestrebt. Ende 2022 sei mit der Inbetriebnahme zu rechnen", heißt es in Protokollen aus dem Ortschaftsrat.

Das Gebäude der Kita Kegelsgrund wiederum könnte im Notfall auch noch fünf Jahre weiter unterhalten werden, um den angedachten Plan weiter zu verfolgen – und das getrennt vom Bau in der Ringelberghohl, da es sich dabei um zwei völlig unabhängige Verfahren handle, wie die Ortsvorsteherin betont.

Neuer Spielplatz, neue Grünanlage

Was den Erhalt des "Wäldchens" im Speitel betrifft, widerspricht Karen Eßrich den Anwohnern: "Das unbedingt dieses Wäldchen erhalten bleiben muss, kann ich nicht ganz nachvollziehen, da die Grünlunge an sich auf alle Fälle bestehen bleibt, nur vielleicht an einer anderen Stelle. Nach den Planungen, ist die Grünfläche allerdings bei einem Neubau größer. Persönlich finde ich den Spielplatz und den Bolzplatz von der Anlage her auch nicht sehr attraktiv. Diese komplette Anlage einschließlich Bolzplatz soll bei einer Sanierung oder einem Neubau neu und attraktiver angelegt werden. Hierbei werden selbstverständlich die Bedürfnisse der Kinder und Jugendliche berücksichtigt und auch erfragt."

Im Speitel
Um dieses Grüngrundstück in der Grötzinger Wohnanlage "Im Speitel" geht es. Die Stadt überlegt ein Wohnhaus mit Kita zu bauen, einige Anwohner wollen das verhindern. | Bild: Schwitalla

Verwaltung sucht Kommunikation mit Anwohnern

Dennoch will sie auf die besorgten Bürger zugehen: "Der Ortschaftsrat wünscht sich eine Informationsveranstaltung zur Verkehrssituation im Speitel und Aufklärung über das Verhalten in Notsituationen und Gefahrenlagen. Die Ortsverwaltung wird diese Veranstaltung mit den zuständigen Fachbehörden versuchen zu organisieren." 

Außerdem gab die Ortsvorsteherin zum Wochenanfang ein Schreiben der Interessegemeinschaft an die Stadtverwaltung weiter. Darin wird um eine sorgfältige Analyse der Verkehrssituation im Speitel gebeten. Idee ist,  Analyse und Gutachten im Rahmen einer Studentenarbeit durchführen zu lassen, um Kosten zu sparen und möglichst zeitnah belastbare Zahlen zu haben.

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Kommentare (62)
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  •   felino
    (330 Beiträge)

    31.07.2018 00:57 Uhr
    echt jetzt...?
    Ich frage mich ernsthaft, ob es nicht schon ein Sport ist, dass immer irgendjemand garantiert gegen ein Vorhaben ist. Das ist schlicht eine Unsitte, die unglaublich nervend ist. Gegen Kernstadt oder Südstadt oder auch Aue ist die Parksituation da doch geradezu paradiesisch.und wir reden von einem kleinen Wohnhaus mit Kita und einem neuen, größeren Park mit Spielplatz - für mich klingt das nicht allzu falsch.
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  •   chris
    (666 Beiträge)

    30.07.2018 23:46 Uhr
    sachliche Lösung möglich
    dieser Bolzplatz ist übel...da traut sich abends doch keiner mehr hin...Das Verkehrsproblem ist aber lösbar...einfach mal mehr Geld ausgeben...KITA bauen und direkt bei Bolzplatz eine Abfahrt für PKW mit Wendehammer vor der Kita. Als Ausgleich viele neue und große Bäume pflanzen. Der Stress im Speitel entsteht vor allen Dingen wegen der schlechten Wendemöglichkeit. Die Feuerwehr spircht hier mE zu einfach davon, dass sie da immer durchkommt. Es ist schlichtweg eng dort und wenn kein Parkraum mit Wendehammer in den Stoßzeiten da ist, ist es zu eng! Daher große Rampe runter und Wendehammer bauen, plus neue, schöne große Bäume...!!! Geht doch...man muss nur mal nachdenken.
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    30.07.2018 16:07 Uhr
    Typisch deutsch,
    die ganze Welt retten wollen, aber bitte keine Kitas im eigenen Rotweingürtel. traurig
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  •   dipfele
    (5448 Beiträge)

    30.07.2018 22:54 Uhr
    Noch schlimmer....
    ...selber mit ihren SUV andere terrorisieren, aber wehe ein Fremder macht das mit denen vor der Haustüre.
    Die Grundsatzfrage wäre aber: Müssen den alle Wege mit dem PKW zurückgelegt werden ? Oder kann man einem dreijährigen Kind zumuten, allein in die Kita zu gehen?
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  •   dramutie
    (1531 Beiträge)

    01.08.2018 17:35 Uhr
    nein
    ein dreijähriges kind kann das nicht, ebensowenig wie fahrradfahren. aber je nach entfernung kann man das kind im fahrradsitz befördern, gemeinsam laufen oder zwei ecken weiter weg parken und den rest laufen - ist latürnich alles gefährlich, weil die helikopter-muddies und -pappies rücksichtslos kreisen ...
    diese taxi-diskussion gibt es schon ewig, nur sind die niedlichen pampersbomber mittlerweile zu hausfrauenpanzern mit viagra-nebenwirkung mutiert.
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  •   Winston_Smith
    (594 Beiträge)

    30.07.2018 16:28 Uhr
    In Grötzingen hatten die Grünen bei der Landtagswahl
    34,5 % zwinkern
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  •   Hüttenkäse
    (421 Beiträge)

    30.07.2018 16:41 Uhr
    Im Speitel sogar 35,0 %
    Hat irgend jemand behauptet, dass Grünen-Wähler "von Natur" aus kinderfreundlich sind?

    Was mich in diesem Zusammenhang besonders belustigt, ist der Begriff "grüne Lunge" für das fragliche Grundstück. Wenn man sich die Speitel-Wohnsilos bei Google Earth ankuckt, stehen die doch mitten im Grünen.
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  •   dramutie
    (1531 Beiträge)

    30.07.2018 17:11 Uhr
    hat in büchig wunderbar funktioniert
    die argumentation - trotz googel-erde-hinweis.
    schließt euch doch mal mit den bi dort kurz, die haben nix mehr zu tun. lachwald ist gerettet, oobe gewählt.
    dann haben wir die hier von der backe. bevor ihnen womöglich irgendwas anderes zum stadtratquälen einfällt.
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  •   Freidenker
    (31 Beiträge)

    30.07.2018 18:04 Uhr
    In Buechig (Stutensee)
    wurde ein unglaublicher Hype aufgebauscht von Bewohnern, deren Haeuser deswegen gebaut werden konnten, weil ein Grossteil des frueheren Lachwalds gerodet wurde. Der restliche Lach"wald" ist lediglich ein vergroesserter Hundeka*kplatz, aber die jetzigen Anwohner haben es geschafft eine richtige Progromstimmung gegen die Stadtverwaltung zu erzeugen und leider haben sie mehrheitlich solche BuergerInnen mobilisiert, die den Lach"wald" noch nie gesehen haben. Leider haben sich die extremen Egoismen der Anwohner durchgesetzt, obwohl in Blankenloch und Buechig jede/r innerhalb von ein paar Minuten entweder im Hardtwald oder im Auwald sein kann, und das sind Waelder, die den Namen verdienen. Fuer Groetzingen ist zu hoffen, dass nicht ein ebensolcher giftiger Hype instigiert wird. Man koennte sich fremdschaemen, dass brave BuergerInnen nicht bereit sind, Kindergaerten aktiv zu unterstuetzen. Aber bei den Gruenen wundert mich inzwischen nichts mehr!
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  •   dramutie
    (1531 Beiträge)

    30.07.2018 19:08 Uhr
    d'accord
    hätte selbst ich kaum besser formulieren können.
    die gegebenheiten sind jedoch sehr ähnlich und bei allem spott in meinem posting (ich habe damals auch mit google earth gegen ein lächerlichwald-hundeklo argumentiert) hoffe ich für die jetzigen betroffenen auf eine sachlichere debatte ohne üble konsequenzen.
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