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Karlsruhe Killerspiele: "Rechs Äußerung zeugt von großer Ahnungslosigkeit"

Heribert Rech, Innenminister des Landes Baden-Württemberg, lehnt ein härteres Waffengesetz ab, möchte sich aber für ein Verbot von "Killerspielen" einsetzen. "Ich halte sie für abartig und gefährlich", so Rech. In den Fraktionen des Karlsruher Gemeinderats erhält er für dieses Vorhaben allerdings wenig Zustimmung. Wir haben uns dort einmal umgehört.

Thorsten Ehlgötz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU und Stadtrat, findet, dass ein reines Verbot von "Killerspielen" nicht durchsetzbar sei. "Wir können nicht alles mit Gesetzen verbieten", so Ehlgötz. "Pauschalisieren durch Verbote ist immer schlecht." Im Gegensatz zu Rech befürwortet Ehlgötz, der der selben Partei angehört, ein härteres Waffengesetz: "Wir brauchen die Waffengesetze, um einem Missbrauch vorzubeugen".

Die SPD schließt sich dieser Meinung an. Rechs Kommentar erachtet Doris Baitinger, Fraktionsvorsitzende der SPD und Stadträtin, als scheinheilig: "Es zeugt von großer Ahnungslosigkeit", so Baitinger. "Killerspiele töten keine Menschen. Rech will sich nur die Unterstützung der Waffenlobby sichern. Er lenkt vom eigentlichen Problem ab." Weiterhin fordert die Fraktionsvorsitzende wesentlich höhere Umgangsvoraussetzungen mit Waffen. Auch die Verwahrungsauflagen sollen härter gestaltet werden. Die SPD fordert, den Privatbesitz von großkalibrigen Faustfeuerwaffen zu verbieten.

"Rechs Äußerung ist eine Beleidigung für alle Spieler"

Auch Jörg Rupp, Kreisvorstand der Grünen-Fraktion, möchte großkalibrige Gewehre aus den Privathaushalten verbannen."Am liebsten würden wir waffenlose Haushalte sehen, wissen aber, dass dies nicht durchsetzbar ist", sagt Rupp."Es wäre gut, wenn Munitionen und Gewehre getrennt voneinander aufbewahrt werden würden." Außerdem sieht er ein großes Problem im illegalen Waffenbesitz. Über ein Verbot von Killerspielen kann Rupp nur den Kopf schütteln.

"Rech wollte wahrscheinlich eine Schlagzeile produzieren, was anderes kann ich mir nicht vorstellen. Die Spiele werden geprüft, bevor sie auf den Markt kommen und können somit nicht abartig sein. Seine Äußerung ist eine Beleidigung für alle Spieler." Rupp sieht auch die Gefahren wie Sucht und Abstumpfung, findet aber, dass eine Diskussion nicht von oben herunter, sondern nur in der Gesellschaft geführt werden muss.

Gegen eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes spricht sich Heinz Golombeck, Stadtrat und FDP-Mitglied, aus. "Wenn wir Waffen verbieten, müssten bald alle Schützenvereine geschlossen werden. Die Menschen sind nach den Amokläufen wach gerüttelt und gehen sorgfältiger mit dem Thema um", so Golombeck.  In einem Verbot für gefährliche Computerspiele sieht er aber keine Lösung. "Das wäre verfassungsrechtlich sogar bedenklich", sagt Golombeck. "Wie soll man dieses Gesetz überhaupt umsetzen? Eine entscheidende Frage ist auch, ob die PC-Spiele überhaupt die Ursache für Amokläufe sind." Golombeck möchte vor allem auch die Eltern in die Pflicht nehmen, die das Spielverhalten ihrer Kinder am Computer überprüfen können.

"Allgemein abrüsten, auch was die Sprache betrifft"

Lüppo Cramer, Stadtrat und Aktivist der Karlsruher Liste, lehnt ebenfalls ein Verbot für "gefährliche" Computerspiele ab. "Wir müssen erst einmal allgemein 'abrüsten', auch was die Sprache betrifft. Der Begriff 'Killerspiele' hat nichts mit der Realität zu tun", so Cramer. Das Waffengesetz soll seiner Meinung nach nicht verschärft werden. Er stimmt Rech zu, der sich vorerst für eine Beobachtung der Auswirkungen der letzten Gesetzesverschärfung ausspricht. "Wir sollten das Gesetz aber nicht einfach nebenher laufen lassen, sondern die Auswirkungen wirklich beobachten und prüfen. Ich plädiere für eine sozial richtige Anwendung."

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Kommentare (15)
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  • unbekannt
    (29 Beiträge)

    05.03.2010 08:18 Uhr
    Widerwärtige Opportunisten
    Diese BW-CDU ist wirklich das Letzte. On se won händ verbietet man mündigen Bürgern nach 22 Uhr den Alkoholkauf anstatt den Jugendschutz durchzusetzen on se other Händ ist das nur ein billiges Zugeständnis an die Wirte (Wähler) die man durch das Rauchverbot verprellt hatte. Diese können ja weiter ausschenken. Das Vorgehen gegen konservative Schützenvereine würde auch zu viele Stimmen kosten, also wird man gegen PC Spieler hetzen. Viele dieser Spieler sind Nerds die sich noch nie im Leben geprügelt haben. Warum verbieten die nicht agressiven Hip-Hop? Gegen die gewaltverherrlichende Gangsta Subkultur der Minderheiten vorzugehen wäre polit inkorrekt und würde auch Stimmen kosten - deshalb! Und nicht zuletzt Rau mit seiner Französich-zwangs-Rheinschiene. Bevormundung durch ahnungslose Greise gabs schon im Kommunismus. Wenigstens hatte man da aber eine lebenslange Beschäftigungsgarantie am Arbeitsplatz! Die können uns diese CDU Nieten selbstverständlich nicht mal ansatzweise bieten.
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  •   ralf
    (3535 Beiträge)

    05.03.2010 04:39 Uhr
    Zur CDU
    Ist eine Partei wählbar, die zwar eine Verschärfung des Waffengesetzes ablehnt (ohne echte Waffen keine Amoklaufopfer), aber Computerspiele verbieten will (ein Computerspiel hat noch nie einen Menschen getötet).

    Ich glaube, so eine Partei ist nicht wählbar!
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  •   Smartraver
    (7545 Beiträge)

    05.03.2010 08:24 Uhr
    Heh du Ahnungsloser...
    "ohne echte Waffen keine Amokopfer"... blubb... das ist wie, "ohne Schüler keine Amokopfer". Die Waffe macht alleine garnichts, genau wie das PC Spiel. Es gab schon Amokläufer die hatten noch selbstgebaute Bomben und Molotow-Cocktails dabei. Und man kann auch mit einem Messer Amok laufen oder einem Samuraischwert (huch, das hatten wir ja schon in PF und nicht mal an einer Schule). Man kann auch mit einem Knüppel Amok laufen und viele erschlagen etc.pp... Richtig muss das also heissen: Ohne Amokläufer keine Amokopfer. Und hier muss man ansetzen.
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  •   ralf
    (3535 Beiträge)

    05.03.2010 15:28 Uhr
    Komische Argumentation
    Sollte man Schusswaffen nun frei im Supermarkt verkaufen, da von ihnen selbst keine Gefahr ausgeht?
    Wenn man dann noch Schüler verbietet, gibt es auch keine Schulamokläufe mehr...

    Nein!!!
    Eine Schusswaffe ist nunmal in falschen Händen etwas gefährliches. Darum sollten Menschen nur soweit es unbedingt nötig ist Zugriff auf Schusswaffen haben. Solange Hobby-Sportschütze eine Schusswaffe zu Hause - teils sogar auf dem Nachttisch liegen haben, kann jederzeit etwas passieren. Genau hier sollte man anfangen, das Problem zu lösen.
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  •   Smartraver
    (7545 Beiträge)

    05.03.2010 18:37 Uhr
    Sinnlos mit dir darüber...
    reden zu wollen. Wozu im Supermarkt? Wie kommst du darauf bzw. wo hab ich das gefordert? Mach dich doch nicht an den Schusswaffen fest. Die Waffengesetze sind härter den je. Die härtesten weltweit. Ganz wenige haben legal Waffen. Sie werden von amerikanischen Waffenlobbiiesten angeführt, die damit ihre Interessen vertreten. PC Spiele "produzieren" keine Amokläufer und sie üben auch nicht damit, weil ungeeignet. Den Rest überlesen?
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  •   haenger
    (501 Beiträge)

    05.03.2010 00:20 Uhr
    Ach,
    solange es Leute gibt, die "World of Warcraft" tatsächlich als "Killerspiel" bezeichnen ist jegliche Diskussion sinnlos. Da klemmts wo ganz anders.

    Computer sind böse, seeeehr böööööse...
    Löschen wir lieber alle Games, dann haben wir mehr Platz für die Verbindungsdaten aller Bundesbürger zwinkern
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    05.03.2010 00:07 Uhr
    Mich würd mal interessieren
    wer was an einem Spiel, das man sich irgendwo im web runterladen kann geprüft hat. Ich hab davon zwar keine Ahnung aber versuchs halt mal mit Logik. Kann es sein, dass man da bei den Grünen nach 30 Jahren immer noch ein bisschen realitätsfremd ist?
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  • unbekannt
    (6808 Beiträge)

    05.03.2010 06:56 Uhr
    vieleicht...
    ....stellst du mal nen Link hier rein, wo ein solches Spiel legal im Netz zu beziehen ist. grinsen
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    05.03.2010 12:09 Uhr
    Davon
    hab ich wie gesagt keine Ahnung, aber ich hab auch nicht behauptet, dass es legal sein muss. zwinkern
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  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    04.03.2010 21:01 Uhr
    Ach!
    Vor ca. einem Jahr zu der IFNG klang das alles noch ganz anders. Aber nach 3,5% Piratenpartei im Wahlkreis Karlsruhe hat man sich vielleicht doch mal wenigstens mit diesem einen Thema etwas näher beschäftigt.

    ...oder einfach Standpunkte übernommen.
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