30  

Karlsruhe Keine tanzenden Elefanten: Karlsruhe verbietet Wildtiere in Zirkussen - und kann dafür teuer verklagt werden

Elefanten und Tiger, die Männchen machen: Diese Szenen sind typisch für viele Zirkusbesuche. Doch immer wieder wird der Tierschutz laut, Wildtiere gehören nicht in die Manege. Da ein gesetzliches Verbot noch immer fehlt, werden viele Städte selbst aktiv und finden Wege, Wildtiere aus den Zirkussen, die in ihrer Stadt gastieren wollen, zu verbannen. Auch Karlsruhe hat nun ein solches Verbot erlassen - und begibt sich damit juristisch auf dünnes Eis.

Die Debatte ist schon lange ein Thema: Sollten Wildtiere für lustige oder spektakuläre Zirkusnummern herhalten müssen? Da das Tierschutzrecht kein eindeutiges Verbot darstellt, ergreifen viele Städte selbst die Initiative. Sie suchen eigene Wege, um mit ihren Möglichkeiten das Wildtierverbot umzusetzen, denn sie selbst können die Tierschutzgesetze nicht ändern. Ob Baden-Baden, Heidelberg oder Stuttgart - viele Städte sind vorangegangen und haben auch ohne rechtliche Grundlage einen Lösung gefunden.

 

Auch in Karlsruhe werden künftig keine Wildtiere in Zirkussen mehr erlaubt sein. Denn seit der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag ist es beschlossene Sache: Die Stadt Karlsruhe verbietet die Tiershows. Ob Bären, Elefanten, Giftschlangen oder gar Delfine - die Liste der Tiere, die künftig in der Fächerstadt nicht mehr in der Manege zu finden sein werden, ist lang.

Schon im September vergangenen Jahres hat sich der Karlsruher Gemeinderat für ein solches Verbot ausgesprochen. Daraufhin sollte eine Liste erstellt werden, welche Tiere in der Zukunft aus den Zirkussen der Stadt verbannt werden sollen. Diese steht nun fest: Darauf finden zum einen "ungeeignete" Tiere wie Flamingos oder Pinguine, zum anderen "gefährliche" Tiere wie Elefanten oder Großkatzen Erwähnung.

 

 

"Wir sagen ganz klar: Elefanten, die auf den Hinterbeinen stehen und Männchen machen, das braucht ein Zirkus nicht", sagt Michael Zeh von der SPD bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag. "Eine artgerechte Tierhaltung in Zirkussen ist nicht möglich", ergänzt Christine Großmann von den Grünen. 

Michael Zeh
Michael Zeh von der SPD-Gemeinderatsfraktion Karlsruhe. | Bild: SPD Karlsruhe

Für das nun feststehende Verbot wendet die Stadt allerdings einen "Trick" an: Denn sie darf zwar nicht die Tierschutzgesetze ändern, aber öffentliche Flächen einer bestimmten Nutzung widmen. So kann sie festlegen, für welchen Zweck die Plätze zur Verfügung stehen sollen und über diese sogenannte "Teilentwidmung" kann sie Zirkussen mit Wildtieren die Zulassung für den Standort verwehren.

Die Zirkusse klagen - und das kann teuer werden

Doch dieser Schritt birgt ein Risiko: Die Stadt läuft Gefahr, von Zirkusunternehmen verklagt zu werden. Denn die Zirkusse pochen auf das Recht der freien Berufsausübung. Die Urteile fallen unterschiedlich aus, doch in einigen Städten - beispielsweise in Ulm oder Düsseldorf - mussten die kommunalen Flächen am Ende doch als Veranstaltungsort für Zirkusse zur Verfügung gestellt werden. 

Schon lange steht das Thema auf der Agenda: Banner einer Demo im Jahr 2013. | Bild: ErS

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Stadt Ulm hat Beschwerde eingelegt und nun liegt die Klage eine Instanz höher, beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim, das sich nun mit dem Fall beschäftigen muss. "Noch fehlt leider die hochrichterliche Entscheidung", führt Rahsan Drogan von der Karlsruher CDU aus.

Dieses rechtliche Glatteis und die damit verbundene Unsicherheit könnte die Stadt teuer zu stehen kommen. "Wir holen uns mit dieser Entscheidung ein Prozessrisiko ins Haus und können uns sicher sein, dass wir uns als zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg eine Klage einfangen", gibt Thomas Hock von der FDP zu bedenken.

Kommunalwahl 2019 FDP
Thomas H. Hock, Stadtrat der FDP. | Bild: FDP Karlsruhe

"Da geht es nicht nur um zehn- oder zwanzigtausend Euro", so Hock weiter und unterstreicht, welche finanziellen Folgen eine solche Klage nach sich ziehen kann. Sein Stadtratskollege Oliver Schnell von der AfD spricht sogar von siebenstelligen Beträgen.

Circus Krone droht mit einer Klage

Ein Kläger hat sich schon angekündigt: Der Circus Krone, der auch in diesem Jahr in Karlsruhe zu Gast war. "Gegen Städte mit einem kommunalen Wildtierverbot klagen und gewinnen wir", sagte Frank J. Keller, Tierschutzbeauftragter des Zirkus im April. Er argumentiert, dass alle Darbietungen auf den natürlichen Bewegungsabläufen der Tiere beruhen. "Wenn die Stadt uns ihre Flächen nicht mehr zur Verfügung stellt, nimmt sich der Zirkus einfach ein Privatgelände."

Der Karlsruher Weihnachtszirkus kommt ohne Tiere in der Manege aus. | Bild: ErS

Wer am Ende tatsächlich am längeren juristischen Hebel sitzt, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Das Wildtierverbot in Karlsruhe wird kommen und lässt nach dem Beschluss nicht lange auf sich warten. Bereits ab dem 1. November werden Zirkusse mit Wildtieren auf städtischen Plätzen nicht mehr zugelassen.

Um den Weihnachtszirkus, der ab dem 20. Dezember auf dem Messplatz sein Zelt für die Besucher öffnet, müssen die Karlsruhe allerdings nicht bangen: Dort steht in diesem Jahr keine Nummern mit den nun verbotenen Wildtieren auf dem Programm.

ka-news-Hintergrund: Das Wildtierverbot in Karlsruhe

Sollen Wildtiere im Zirkus in Karlsruhe erlaubt sein oder nicht? Über diese Frage diskutieren Stadträte und Bürgermeister in Karlsruhe bereits seit 2010. Im September 2018 schließlich entschied sich der Gemeinderat - entgegen der Empfehlung der Stadtverwaltung - für ein Verbot von Zirkusaufführungen mit gefährlichen Wildtieren.

Als Argumente führte er allgemeine Gefahrenabwehr an. Damit galt das Verbot aber nur theoretisch, denn: Eine Liste der gefährlichen Tierarten fehlte. Diese hat die Stadtverwaltung in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag nun nachgereicht. Damit kann das "Verbot von Zirkusaufführungen mit gefährlichen Wildtieren auf städtischen Plätzen und öffentlichen Flächen" ab dem 1. November dieses Jahres umgesetzt werden.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet. 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (30)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Bodybuilder
    (27 Beiträge)

    25.10.2019 09:57 Uhr
    Finde es in Ordnung.
    Ich finde es okay, das hätte schon längst verboten gehört..die ganzen Zirkusse weg.ist in meinen Augen Tierquälerei.
    Mit allen Tieren.die da die Kunststücke vorführen müssen..tiere sind tiere und keine marionetten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (417 Beiträge)

    24.10.2019 15:14 Uhr
    wenn ich hier die Beitraege lese
    Andi-b7 ist einer davon, dann bekomme ich einen widerlichen Geschmack.
    Wilde Tier im Zirkus vorzufuehren ist gelinde gesagt zum kotzen.
    Richtig auch in Zoos ist es nicht grossartig jedoch dort werden sie zumindest nicht zu Kunststuecken gezwungen. Einfach mal googlen wie Tiere in Zirkussen ihre euch erfreulichen Auftritte erlernen. Nun zumindest sah ich noch keinenZookeeper mit Peitsche herumlaufen.
    Wieso ich ein Recht habe so zu beurteilen? Nun fuer 7 Jahre war ich ein Honorary Rangers im Hlushluwe-Imfolozi Park. Heute nicht mehr da mit fast 79 Jahren zu alt dafuer. Jedoch mindestens zweimal pro Monat verbringe ich Zeit darin. Im Besitz von FGASA 1 und 2
    Tiere in Gefangenschaft geboren koennen nicht ausgewildert werden? Bullshit dies benotigt ein paar Wochen und sie koennen es und dies wesentlich schneller als die Zwangskunsstuecke.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andi-b7
    (2982 Beiträge)

    24.10.2019 20:25 Uhr
    Aha was willst du mir damit sagen ?
    Ich gehe seit 40 Jahren aufs Klo und doch bin ich kein Abwasserspezialist.

    Auf dieser Erde sind seit ihrer Entstehung 99 % der Tier und Insekten wieder ausgestorben.
    Daran hat der Mensch einen Anteil von 0,01 % .
    Schon mal darüber nachgedacht das es einige Arten ohne Zoo und Zirkus garnicht geben würde ?
    Wieviele Weise Löwen und Tieger haste schon in freier Wildbahn gesehen die eigenständig überleben ?
    Nur mal so einfach mal ein bisschen fürs nachdenken es muss nicht alles schlecht sein.....
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   zahlenbeutler
    (1351 Beiträge)

    25.10.2019 10:55 Uhr
    das ist mal
    wieder eine meisterliche wissentschaftliche Erklärung, Zirkusse verhindern das Artensterben, übrigens Insekten sind auch Tiere, treten allerdings selten im Zirkus auf bis auf den gemeinen Manegenspinner
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (417 Beiträge)

    24.10.2019 22:21 Uhr
    Deine 40Jaehrige Klo-Erfahrung
    erkennt man deutlich bei deiner Antwort.
    Weisse Loewen im Zoo oder Zirkus grinsen grinsen

    At the present time (2018), there are 13 White Lions in their natural habitat: 7 White Lions at the Trust's wildlife area, 4 White Lions in Timbavati-Umbabat-Klaserie Reserves, and 2 white cubs in the central Kruger National Park.
    Dies sind Tierparks und keine Zoo's oder Zirkusse.
    Was meine Kenntnisse der Tierwelt anbetrifft einfach mal FGASA ansehen.
    OK es kann natuerlich sein, dass du da nichts kapierst, Englisch lernt man nicht auf dem Klo.

    Dieses schon vor 8 Jahren ein Dias Video fuer den ich einen Preiss bei BBC gewann.
    Central Kalahari
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   redaktion
    (1188 Beiträge)

    25.10.2019 09:26 Uhr
    Liebe Kommentatoren...
    ...wir freuen uns, dass Sie hier so rege diskutieren. Auch wenn es ein emotionales Thema ist, sehen Sie bitte von persönlichen Sticheleien ab. Sonst behalten wir uns vor, einzelne Kommentare zu sperren.
    Liebe Grüße,
    die Redaktion.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (417 Beiträge)

    25.10.2019 10:50 Uhr
    Bitte
    um Entschuldigung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Weichei
    (417 Beiträge)

    24.10.2019 22:26 Uhr
    Sorry vergessen
    Passwort notwendig PJW12
    Teil 1 und 2
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   AlterMann
    (87 Beiträge)

    24.10.2019 12:55 Uhr
    Vergangenheit
    Ich denke mal dass diese fahrenden Tiershows früher mal eine Berechtigung hatten um den Menschen diese Tiere zu zeigen.
    Inzwischen gibt es aber überall Zoos in denen man sich die Tiere in etwas artgerechterer Haltung ansehen kann. Und dann hat noch jeder einen Fernseher in dem Tiersendungen gezeigt werden.
    Diese Präsentation von Tieren im Zirkus ist für mich ein Relikt aus der Vergangenheit auf das ich verzichten kann. Obwohl ich eigentlich eigentlich, schon altersbedingt, eine gewisse Vorliebe für das althergebrachte habe. Dies gehört aber nicht dazu.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Shakespeare
    (1 Beiträge)

    24.10.2019 12:03 Uhr
    hektische "Aktivität"
    Ich will vorab bekunden das ich die Haltung von im speziellen Wildtieren in Zirkusen auch nicht befürworte
    Aber zum einen fällt einem der hektische fast kopflose Aktivismus so mancher "etablierter" Partei auf die ihre Felle schwimmen sieht, so bald es um irgend ein Publikumsträchtiges Thema seien es nun die Weihnachtsbäume, oder die atkock entdeckte Tier und Naturliebe und deren Schutz, . . .der natürlich mehr als nötig, . . .aber solche (tatsächlichen!) Aktivitäten wären schon erheblich früher von Nöten gewesen, und nicht erst wenn "das Kind in den Brunnen gefallen ist" !
    Das zum einen,. . .zum anderen tut man den Tieren die noch im Umfeld Zirkus gehalten werden denke ich, keinen Gefallen mit dieser "Politik" die mehr an ein Anfallsleiden erinnert als an vorausschauendes durchdachtes Handeln, oder was "denken" die Damen und Herren der "politischen" "Prominenz" was wohl mit den Leid tragenden Tieren geschehen wird wenn die Zirkusbetreiber sie nicht mehr ernähren können ?!?!?!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.