Karlsruhe/Bruchsal Kein Ende in Sicht

Seit fast einem halben Jahrhundert das Zuhause von Pommerenke: die JVA Bruchsal (Foto: ka-news)
Deutschlands am längsten inhaftierter Strafgefangener sitzt seit mehr als 47 Jahren in der Vollzugsanstalt Bruchsal. Eine Entlassung ist nicht absehbar. Der 1938 geborene Heinrich Pommerenke, genannt das "Ungeheuer vom Schwarzwald", war 1960 wegen einer ganzen Serie von Verbrechen, darunter brutale Morde an vier Frauen, zu sechsmal lebenslänglich verurteilt worden.

Seit dem 19. Juni 1959 ist Pommerenke ununterbrochen eingesperrt. Im Jahr 2001 wurde sein Antrag auf vorzeitige Entlassung beziehungsweise Wiederaufnahme des Verfahrens vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgewiesen. Bei einem Gespräch mit der Presseagentur dpa äußerte der 69-Jährige zwar die Hoffnung, eines Tages doch noch in Freiheit zu gelangen - was aber eine umfassende Therapie voraussetze, um draußen wieder "lebensfähig" zu sein. Der baden-württembergische Justizminister Ulrich Goll (FDP) sieht nur eine kleine Chance, dass Pommerenke eines Tages doch noch entlassen wird, "bis dahin ist es, fürchte ich, kein kurzer Weg", zitiert dpa den Minister.

Mordserie begann angeblich nach Kinobesuch in Karlsruhe

Aus Sicht eines Gutachters gelte Pommerenke nach wie vor als rückfallgefährdet, eine Entlassung sei deshalb derzeit nicht verantwortbar. Selbst weitere Lockerungen für den schwer kranken Mann, der das Gefängnis nur an vier Tagen im Jahr in Begleitung eines Wachbeamten für einige Stunden verlassen darf, lehnt Goll ab, "weil das einen entsprechenden Aufwand bedeutet".

Pommerenke beging in den 1950er Jahren mindestens vier Sexualmorde. Hinzu kommen vielfache Vergewaltigungen und weitere Straftaten. Seinen ersten Mord soll er verübt haben, nachdem er in einem Kino in Karlsruhe den Film "Die zehn Gebote" gesehen hatte. Eine Szene in dem Film, der Tanz leicht bekleideter Frauen um das Goldene Kalb, hätten ihn, so der Serienmörder selbst, zu seinen Taten angeregt. Noch am selben Abend beging er den ersten Mord in einem Park in der Nähe des Kinos.

"Lebenslänglich" = im Schnitt 20 Jahre Haft

Nur selten dauern lebenslange Haftstrafen in Deutschland mehr als 30 Jahre. Wie eine dpa-Umfrage ergab, sitzen Straftäter in Ausnahmefällen allerdings auch mehr als vier Jahrzehnte im Gefängnis. So ist ein Häftling in Rheinland-Pfalz seit mehr als 46 Jahren, in Niedersachsen ein verurteilter Mörder seit 42 Jahren und in der bayerischen Justizvollzugsanstalt Straubing ein Straftäter unter anderem wegen Mordes, versuchten Mordes und Raubes mit Todesfolge seit 41 Jahren eingesperrt.

Diese Insassen haben damit mehr als das Doppelte der durchschnittlichen Haftdauer im Gefängnis verbracht. Laut dpa werden nach einer bundesweiten Erhebung aus dem Jahr 2004 zu lebenslang verurteilte Häftlinge im Schnitt nach knapp 20 Jahren vorzeitig entlassen. Rechne man die Todesfälle und Abschiebung von Ausländern mit, sinke die durchschnittliche Dauer auf 18 Jahre.

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