Karlsruhe Kehraus bei Familienheim

Die "Familienheim-Affäre" zieht immer weitere Kreise (Foto: ka-news)
Gestern Abend fand die erste außerordentliche Vertreterversammlung der Karlsruher Baugenossenschaft Familienheim statt, bei der unter anderem die personellen Konsequenzen aus der Affäre um den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Günther Rüssel befunden wurde. Dabei wurden fünf von sieben Mitgliedern des Aufsichtsrats, der nun aus acht Mitgliedern besteht, abberufen.

Noch vor der Versammlung um die "Familienheim-Affäre", waren vor zwei Tagen die Vorstände Emil Gaiser und Reinhold Kästel zurückgetreten (ka-news berichtete). Der neue Geschäftsführer Michael Veiga erstattete Anzeige gegen Günther Rüssel und Siegfried Lenz, nachdem Wirtschaftsprüfer verdächtige Geschäftspraktiken seines Vorgängers aufgedeckt hatten.

Aufsichtsrat hielt Sitzungen ab um Kosten zu Decken

Der neue Geschäftsführer Michael Veiga (Foto: ka-news)
Grund für Veigas Anklage war, dass sich Günther Rüssel, sowie der gesamte Aufsichtsrat, unter anderem ungerechtfertigte aber enorme monatliche Aufwandsentschädigungen und Sitzungsgelder einverleibt haben sollen (ka-news berichtete). Laut Abrechnungen gab es allein im Jahr 2005 insgesamt 286 Sitzungen, von denen ab dem 1. Oktober allerdings keine im Sitzungssaal der Berufsgenossenschaft stattfand.

So beispielsweise am Wochenende des dritten bis fünften Juli 2005, als der Aufsichtsrat nach Berlin fuhr und neben den Aufsichtsratsmitgliedern hier auch ihre Ehepartner anwesend waren, wobei deren Kostenanteil bei 500 Euro lag. Um diese Kosten auszugleichen, hielt der Aufsichtsrat an diesem Wochenende einfach jeden Tag "Sitzungen" ab. Die Gesamtkosten dieses Wochenendtrips lagen im Übrigen bei etwa 14.600 Euro.

Anwalt soll Schadensersatzansprüche geltend machen

In den letzten drei bis fünf Jahren entstand laut Veiga unter Rüssel, Vorstandsvorsitzendem Lenz sowie Gaiser und Kästel auf diese Weise ein Gesamtschaden von 803.000 Euro. Für den neuen Aufsichtsrat gelten daher neue Regeln: Barauszahlungen im Allgemeinen sollen begrenzt werden, was auch seine Auswirkung auf Vergütungen und Sitzungsgelder hat.

Außerdem ist ein Anwalt damit beauftragt, Schadensersatzansprüche zu prüfen. Aufgrund von Verjährungsfristen handelt es sich hier um den Schaden aus den Jahren 2001 bis 2005. Dennoch ist bei den Verhandlungen ein höchstmöglicher Ausgleich das Ziel. Wer vom ehemaligen Aufsichtsrat haftbar gemacht wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, doch "Rüssel und Lenz sind immer dabei", so Veiga.

"Familienheim" bekommt Neuanstrich (Foto: ka-news)
Familienheim mit neuem Gesicht

Die Baugenossenschaft Familienheim Karlsruhe ist in jeglicher Hinsicht um einen Neuanstrich des Images bemüht. Das neue Gesicht bezieht sich nicht nur auf die Fassadenarbeiten der Baugenossenschaft, sondern um das gesamte Image: man möchte wieder mehr Partner als nur Vermieter sein und vor allem alles tun, damit ein solches "Kollektiv-Versagen" des Aufsichtsrats nicht mehr vorkommt, erklärte der neue Geschäftsführer.

Der Zukunft der Baugenossenschaft sieht Veiga durch die "Familienheim-Affäre" nicht gefährdet und auch dem Schadensersatz-Prozeß sieht er zuversichtlich entgegen, auch wenn er sich auf einen längeren Zeitraum einstellt: "Wie heißt es in der Werbung? Ich bin jung, ich habe Zeit."

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