Karlsruhe Katastrophenvorsorge

Umweltkatastrophen werden dem Menschen mehr schaden als bisher (Foto: pr)
Wachsende Ballungsräume und die damit verbundene Landflucht sind heutzutage weit verbreitete Phänomene. Extreme Wetterereignisse, die sich im Zuge des Klimawandels in den nächsten Jahren häufen werden, würden so Mensch, Industrie und Wirtschaft einen weitaus größeren Schaden zufügen als bisher (ka-news berichtete). Nach Lösungen für dieses in naher Zukunft entstehende Problem wird noch bis zum heutigen Dienstag auf dem 8. Forum "Katastrophenvorsorge im Klimawandel" an der Universität Karlsruhe gesucht.

Die Vorsitzende des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge (DKKV), Dr. Irmgard Schwaetzer, betonte bei einer Vorstellung der wichtigsten Vorträge die Bedeutung des Katastrophenschutzes in Zeiten metereologischer Ausnahmeerscheinungen. Ziel des Vereins ist es, in Zusammenarbeit mit Politik und Bevölkerung Konzepte zu einer wirkungsvollen Vorsorge zu erstellen. Der Aufbau von Frühwarnsystemen, Baunormen bei Gebäuden und die Raumplanung in gefährdeten Gebieten seien Mittel, um die Gefahren zu minimieren.

Katastrophenschutz ist bei Unternehmen kein Thema

Schwaetzer fordert eine sofortige Umsetzung der ermittelten wissenschaftlichen Ergebnisse der metereologischen Untersuchungen in Schutzkonzepte vor Ort. Vor allem müsse die Vorsorge sofort nach einer Katastrophe beginnen, um möglichst wirkungsvoll zu sein. Gerade die Entwicklungsländer könnten sich schwerer von den Folgen einer Umweltkatastrophe erholen, so Schwaetzer weiter. Das DKKV kann auf erfolgreiche Projekte zum Katastrophenschutz unter anderem in El Savador, Mosambik und auf den Philippinen verweisen.

Das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) als Mitveranstalter der Tagung steht für die Verbindung zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Vor allem die Unternehmen hätten sich zum Thema Katastrophenschutz nicht positioniert und würden ihn als Standortfaktor oft nicht berücksichtigen, so Professor Lothar Stempniewski vom CEDIM.

Risikokarte für Gemeinden

Einen wichtigen Beitrag zur Prognose von extremen Wetterereignissen leitet dieses Gemeinschaftsprojekt der Universität Karlsruhe und des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) mit seiner Risikokarte für Deutschland. Hier sind für fast alle Gemeinden in Deutschland die Risiken der von Unwettern, Erdbeben und vom Menschen ausgehenden Gefahren eingetragen.

Aus aktuellem Anlass berichtete auch der Feuerökologe und Waldbrandspezialist Professor Johann Georg Goldammer von seinen Erfahrungen bei der Bekämpfung der verheerenden Brände in Griechenland im Sommer dieses Jahres. Landflucht habe dort zu verlassenen, einst kultivierten Gebieten geführt, die jetzt zuwucherten und somit viel Nahrung für neuerliche Feuer bieten würden.

Viele Feuer von Menschen verursacht

Die Abwanderung der Jugend in die Städte sei aber auch in Deutschland zu beobachten, so Goldammer. Zudem hätten die Jugendorganisationen des Katastrophenschutz durchaus auch Personalmangel. Goldammer beklagt weiter das in der Forstwirtschaft voranschreitende Outsourcing. Deutsche Förster hätten zum Beispiel aufgrund ihres breiten lokalen Wissens in der Zeit unmittelbar nach Orkan "Lothar" wertvolle Arbeit zur Aufrechterhaltung von Verkehr und Infrastruktur geleistet.

Goldammer appelliert an die Politik, kohlenstoffdioxidhaltige Biotope zu erhalten und Feuerschutzmanagement als Einnahmequelle zu etablieren.Der Klimawandel ist für ihn nur ein Faktor für die außergewöhnlich hohe Zahl von Waldbränden: Viele Feuer seien vom Menschen verursacht.

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