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Karlsruhe Zeitreise über den Karlsruher Schlossplatz: Die Geschichte hinter den 12 weißen Figuren - wer oder was steht da eigentlich?

Das Karlsruher Schloss ist weit über die Grenzen der Fächerstadt bekannt. Deutlich weniger ist über den Schlossvorplatz, der zuletzt zwischen 2006 und 2013 saniert wurde, bekannt. Doch neben dem Denkmal zu Ehren des Großherzogs Karl Friedrich fallen auf dem jetzt überwiegend grünen Platz insgesamt zwölf weiße Figuren auf, die den Weg in Richtung Schloss säumen. Unsere Redakteurin Katherine Quinlan-Flatter hat sich diese Werke mal genauer angeschaut und blickt zurück in die über 300-jährige Geschichte des Schlossvorplatzes.

Der Schlossplatz südlich vor dem Karlsruher Schloss entsteht 1715 bei der Gründung der Stadt Karlsruhe durch Karl III. Wilhelm Markgraf von Baden-Durlach. Ursprünglich dient der Platz als botanischer Barockgarten.

Vorplatz ist Ort für Versammlungen und Jahrmärkte

Über seine 300-jährige Geschichte wandelt sich der Platz vom Ehrenhof zum "Lustgarten" – einen Garten mit Menagieren, Konzertsälen und Pavillons, von dem die Orangerie erhalten geblieben ist – und schließlich zur heutigen öffentlichen Parkanlage.

Die Figur: "Borghesische Faun mit Bacchus–Kind"
Die Figur: "Borghesischer Faun mit Bacchus–Kind" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Der Karlsruher Schlossplatz war immer ein Ort für Versammlungen gewesen. Bis 1872 finden Jahrmärkte hier statt, danach wird die Anlage umgestaltet und neu bepflanzt. Während des Ersten Weltkriegs werden am Platz militärische Siege gefeiert und im Dritten Reich finden hier auch große Versammlungen mit mehreren tausend Teilnehmern statt.

Originale in vier Jahren geschaffen

Vor dem Platz und entlang der zentralen Achse stehen heute insgesamt zwölf mythologische Skulpturen, die antike Götter und Helden darstellen.

Die Figur: "Diana"
Die Figur: "Diana" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Gefertigt zwischen 1760 und 1764 vom Bildhauer Ignaz Lengelacher werden die ursprünglichen Skulpturen 1782 aufgestellt. Lengelacher ist vom 1758 bis 1764 Hof-Figurist in Karlsruhe. Geboren wird Lengelacher 1698 in Unterpeißenberg im Landkreis Weilheim-Schongau als Sohn eines wohlhabenden Bauers. Sein Vater ist zugleich Bürgermeister.

Nach erfolgreicher Familiengründung  in Tschechien und mehreren Umzügen, lässt sich Lengelacher in Bruchsal nieder. 1758 wird der Bildhauer als zweiter Hof-Figurist am badischen Hof in Karlsruhe angestellt – der Hof-Bildhauer Christoph Melling ist oft krank und kann seine Arbeit nicht alleine erledigen.

Die Figur:  "Farnesische Herkules"
Die Figur: "Farnesischer Herkules" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Lengelacher arbeitet zuerst an der Fertigstellung von Figuren und Trophäen. 1760 wird er jedoch beauftragt, die Zufahrtsstraße zum Schloss mit Plastiken zu schmücken.

Lengelacher verlässt Karlsruhe 

Bis 1764 schafft Lengelacher zwei Figurengruppen aus gelbem Sandstein: Simson im Kampf mit dem Löwen und Herkules, der den Drachen mit einer Keule erschlägt, und zwölf Einzelfiguren aus rotem Sandstein.

Die Figur: " Hercules im Kampf mit dem Drachen"
Die Figur: " Hercules im Kampf mit dem Drachen" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Von diesen Einzelfiguren sind heute acht Stück erhalten geblieben: Äskulap, Bacchus, Venus Kallipygos, Herkules, Hygieia, Pan, ein Flötenspieler und ein Borghesischer Faun mit Bacchus-Kind. Die Figuren werden erst 1773 aufgestellt. Allerdings sind sie bis 1801 bereits so beschädigt, dass sie mit Ölfarbe neu gestrichen werden.

Lengelacher seinerseits verlässt Karlsruhe 1764 und seine anschließenden Tätigkeiten sind nicht aufgeklärt, er stirbt 1780.

Die Figur: "Hygieia"
Die Figur: "Hygieia" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Im Jahr 1814 entsprechen die Skulpturen nicht mehr dem damaligen Zeitgeschmack und Friedrich Weinbrenner, Stadtplaner und Baumeister in Karlsruhe, lässt sie entfernen. Die acht besterhaltenen Figuren werden in den markgräflichen Garten in der Kriegsstraße gebracht.

Figuren schließlich kopiert

1957 werden acht der zehn Skulpturen wieder aufgestellt. In den 1960-er und 1970-er Jahren wird der Schlossplatz wieder umgestaltet. 1967 fand die Bundesgartenschau in Karlsruhe statt und eine Tiefgarage sowie eine Straßenunterführung werden südlich des Schlossplatzes angelegt.

Die Figur: " Simson im Kampf mit dem Löwen"
Die Figur: " Simson im Kampf mit dem Löwen" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

In den Jahren 1965 bis 1966 werden Kopien von Lengelachers Figuren aus Epoxidharz auf dem Schlossplatz aufgestellt und die Originale im Staatlichen Hochbauamt gelagert, wo sie sich auch heute noch befinden.

Die beiden Figuren von Hebe und Diana, die jeweils am nördlichen Ende der Reihen stehen, sind Ergänzungen vom deutschen Bildhauer Emil Sutor, die 1966-1967 errichtet wurden.

Die Figur: "Äskulap"
Die Figur: "Äskulap" | Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Diese ersetzen die verloren gegangenen Originale. Vom 2006 bis 2013 wird der Schlossplatz grundsätzlich saniert und umgestaltet. Die Figuren werden im August 2010 restauriert und im August 2011 neu aufgestellt.

Alle Figuren auf dem Schlossvorplatz:

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