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Karlsruhe Wohnungsmangel in Karlsruhe: So will die Stadt bis 2035 über 10.000 neue Wohnungen schaffen - und warum das trotzdem nicht reicht

Dass es in Karlsruhe an bezahlbarem Wohnraum mangelt, ist nichts Neues. Mit einer neuen "Stadtentwicklungsstrategie 2035 – Wohnen und Bauen", will die Stadt nun etwas dagegen tun. Doch es gibt ein Problem: Mit der Strategie könnten bis 2035 lediglich 10.300 neue Wohnungen im Stadtgebiet geschaffen werden - 14.200 Wohneinheiten würde es jedoch benötigen, um der angespannten Lage in Karlsruhe gerecht zu werden. Doch wohin damit?

Egal ob Familien, Studierende, Einkommensschwache - Wohnraum ist für alle (Neu-) Karlsruher Mangelware. Erst recht, wenn er bezahlbar bleiben soll. Dessen ist sich auch die Stadt Karlsruhe bewusst.

Nun hat die AG Wohnungsmarktbeobachtung einen neuen Bericht zur "Stadtentwicklungsstrategie 2035 – Wohnen und Bauen" veröffentlicht, welcher die Analyse des Karlsruher Wohnungsmarkts seit dem letzten 8. Sachstandsbericht "Wohnen und Bauen 2015" fortschreibt. Doch um was geht es dabei überhaupt?

Volkswohnung, Wohngeld und Wohnungslosigkeit - das ist die aktuelle Ausgangslage

Laut der neuen Stadtentwicklungsstrategie ist die Zahl der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in Karlsruhe seit 2010 von 282.000 Einwohnern auf rund 303.000 Personen gewachsen. Das entspricht einer Zunahme um 21.000 Personen beziehungsweise 7,4 Prozent. Hinzu kommt, dass in dem Beobachtungszeitraum zwischen 2010 und 2019 eine Abschwächung des jährlichen Bevölkerungswachstums zu beobachten war.

Blick über den Verlauf der Kaiserstraße.
Blick über den Verlauf der Kaiserstraße. Auch hier ist der Andrang auf Wohnungen groß. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Insgesamt wohnen 64,4 Prozent der Karlsruher Haushalte zur Miete. Etwas mehr als ein Drittel (35,6 Prozent) wohnt im selbst genutzten Eigentum. Doch wie die Stadtentwicklungsstrategie hervorhebt seien in diesem Zeitraum beim Preisniveau von Kaufobjekten (sechs Prozent Steigerung) als auch bei Neuvertragsmieten (zirka vier Prozent Steigerung) seit 2012 immense Anstiege zu beobachten.

In diesem Zusammenhang muss außerdem berücksichtigt werden, dass vor allem das Interesse an "preisgedämpftem Wohnraum" wie der Volkswohnung in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Auch die Anzahl der betreuten Personen des Wohnungslosenhilfe-Systems hat sich erhöht.

Waren im Jahr 2011 noch 235 Personen obdachlos, so beläuft sich die aktuelle Anzahl auf knapp 600 Personen. 1,2 Prozent aller wohnungsnachfragenden Haushalte in Karlsruhe beziehen außerdem Wohngeld. Die Zahl der ausgestellten Wohnberechtigungsscheine lag zuletzt bei 1.226.

Das neue Logo der Volkswohnung.
Das neue Logo der Volkswohnung. | Bild: Carsten Kitter

Die Anzahl der Geflüchteten aus der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Karlsruhe sind laut dem Schreiben jedoch nicht wohnungsnachfragerelevant ist und wurden darum bei den Analysen nicht berücksichtigt.

14.200 neue Wohnungen werden bis 2035 benötigt

Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, strebt die Stadt das Szenario eines "langfristig moderat angespannten Wohnungsmarkts" an, wodurch der "Anstieg der Wohnkosten sowohl für Mieterhaushalte als auch für (zukünftige) Eigentümerhaushalte abgebremst, die Suchdauer der Haushalte für Miete und Kauf gesenkt sowie die Suburbanisierung – insbesondere durch Haushalte in der Wachstums- und Familiengründungsphase – abgemildert werden" sollen. 

Befristete Mietangebote für Studenten werden derzeit weniger nachgefragt.
(Symbolbild) | Bild: picture alliance / Felix Kästle/dpa/dpa-tmn

In diesem Kontext sollen bis 2035 10.300 neue Wohnungen im Stadtgebiet geschaffen werden. "Die Erreichung der gesteckten ehrgeizigen Ziele ist kein Selbstläufer. Ein 'weiter so wie bisher' wird nicht ausreichen, um die angestrebten Entlastungen auf dem Wohnungsmarkt – speziell für die besonders von Schwierigkeiten bei der Wohnraumversorgung betroffene Nachfragegruppen – zu erreichen und nachhaltige sowie innovative Wohnlösungen und -projekte zu realisieren", heißt es in der neuen Stadtentwicklungsstrategie.

Allerdings rechnet die Stadt bis zum Jahr 2035 mit einem Bedarf von rund 14.200 zusätzlichen Wohnungen, damit ein "ausgeglichener Wohnungsmarkt" zustande käme.

In begehrten Wohngegenden ein vertrauter Anblick: Wohnungssuche am Laternenpfahl.
In begehrten Wohngegenden ein vertrauter Anblick: Wohnungssuche am Laternenpfahl. | Bild: Oliver Berg

Ein Defizit, dass mit rund 3.900 Wohnungen in den umliegenden Gemeinden ausgeglichen werden soll. Von den neu gebauten Wohnungen soll durch den Neubau von Sozialmietwohnungen und den Ankauf von Belegungsrechten der derzeitige (2020) Bestand an Sozialmietwohnungen in Karlsruhe von 3.750 bis 2035 um 15 Prozent auf 4.300 anwachsen.

Doch auch die Nachhaltigkeit spielt in dieser Strategie eine besondere Rolle. So sollen bis 2035 rund 2.800 Wohnungen energetisch saniert werden. Doch wohin soll neuer Wohnraum überhaupt - in dem bereits stark nachverdichteten Karlsruhe?

Nordstadt und Neureut im Fokus für neue Wohnungen

Tatsächlich findet sich in der Strategie ein sogenannter "Flächennutzungsplan 2030", der in Karlsruhe und Umgebung mögliche Wohn und Gewerbeflächen ausweist. Dabei zeigt sich: Die Entwicklungsschwerpunkte sollen in Neureut und in der Karlsruhe Nordstadt angesiedelt werden.

Des Weiteren soll Wohnraum durch Nahverdichtungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Ebenso soll die Nutzung von bereits vorhandenen Wohngebieten, wie zum Beispiel durch die Umwandlung von gewerblichen Flächen in Wohnraum und ein Gesetz gegen Zweckentfremdung von Wohnraum in den Fokus rücken. Ob und inwieweit dieses Vorhaben stattfinden wird, obliegt jedoch dem Regierungspräsidium Karlsruhe

Bild: Stadt Karlsruhe /Stadtplanungsamt

"Die Ergebnisse sind alarmierend"

Zwar wurde jener Stadtentwicklungsstrategie mehrheitlich durch den Gemeinderat zugestimmt, dennoch sorgte die Beschlussvorlage am vergangenen Dienstag für einige Diskussionen. So zeigte sich der CDU-Stadtrat Tilmann Pfannkuch "ein wenig enttäuscht" über den Analysenteil des Berichts.

Tilman Pfannkuch, Fraktionsvorsitzender der CDU Karlsruhe
Tilman Pfannkuch, Fraktionsvorsitzender der CDU Karlsruhe | Bild: Roland Fränkle

"Wir brauchen mehr Wohnraum und reden wieder um den heißen Brei rum. Da hätte die Stadt viel mehr draus machen müssen", so Pfannkuch am Dienstag, womit er auf das nicht erreichte "Soll" der gebrauchten 14.200 Wohnungen anspielt.  Die Ergebnisse seien "alarmierend" so die CDU. 

Auch die FDP stimmt ihrem Vorredner zu. So sagt Stadtrat Tom Høyem: "Über Innenentwicklung zu sprechen reicht nicht. Immer höhere Standards bei bezahlbaren Wohnungen sind nicht machbar."

"Wie groß soll Karlsruhe noch werden?"

Ebenso ein Diskussionspunkt: Die Entsiegelung und Versiegelung von Wohnflächen, welche mit dem Zuwachs der Bevölkerung einhergehen würde: "'Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten' - dieser Spruch ist bekannt. Aber die Wahrheit ist doch: Wenn wir immer mehr günstigen Wohnraum schaffen wollen, aber nicht versiegeln und verdichten wollen, dann müssten wir angesichts des Bevölkerungszuwachses um Karlsruhe eine solche 'Mauer' bauen", kritisiert der Freie Wähler/Für Karlsruhe-Stadtrat Jürgen Wenzel.

Bild: Freie Wähler Karlsruhe

Dies befürchtet auch die Fraktion KAL/Die Partei. Fraktionsvorsitzender Lüppo Cramer erklärt: "Hierzu hat unsere Fraktion die Prämisse: Dort, wo versiegelt ist, kann nachverdichtet werden. Dort, wo nicht versiegelt ist, nicht. Aber ich stelle auch die Frage in den Raum: Wie stark soll und muss Karlsruhe überhaupt noch wachsen? Das heißt nicht, dass es eine Mauer geben wird, aber wir müssen uns dennoch fragen: Wie groß soll Karlsruhe eigentlich noch werden?"

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  •   Iglaubsnet
    (1020 Beiträge)

    05.08.2021 19:09 Uhr
    Und
    wer investiert dann noch? Eine grün geführte Stadt, das wird unbezahlbar.
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  •   maehdrescher
    (1650 Beiträge)

    02.08.2021 15:46 Uhr
    Bei uns in der Straße
    +++ Das Posting verstößt gegen unsere AGB und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   AhmedDerAufklärer
    (680 Beiträge)

    03.08.2021 12:44 Uhr
    Der
    "Rust Belt" ist aber auch ganz schön rostig, trotz oder wegen Marktwirtschaft ohne Leitplanken zwinkern
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  •   till
    (947 Beiträge)

    02.08.2021 16:06 Uhr
    Dummgesabbel
    ... wird durch ständiges Wiederholen auch nicht besser. Neoliberales Festhalten an alten überholten Zöpfen führt in die Katastrophe. Das soziale Ungleichgewicht wird immer größer. Der Klimawandel und die Folgen sind der Beweis dafür, dass es so nicht weitergeht. Auch nicht mit den selbsternannten Klima "Experten". Ihr habt schon viel zu viel Vertrauen verspielt.
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  •   andip
    (11221 Beiträge)

    02.08.2021 13:59 Uhr
    Aha
    Da sehen sicherlich manche wieder den Sozialismus heraufziehen.
    Und selbst in dem gab es privaten Grundbesitz.
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  •   kommentar4711
    (3305 Beiträge)

    02.08.2021 13:42 Uhr
    ANTWORT AUF "FDP UND CDU SIND TEIL DES PROBLEMS"
    Das mit dem Grund gehören finde ich weniger das Problem. Was mich eher stört ist, dass ein gekauftes Grundstück nicht bebaut werden muss. Ich bin selbst im Umland groß geworden, Vater von einem Schulkameraden hatte ein großes Grundstück am Ortsrand, als dann hintendran ein Neubaugebiet kam hat er sich das hinten am Grundstück angrenzende neue Grundstück noch dazu gekauft und seinen XL Garten zum 6XL Garten ausgebaut. Ist heute, 30 Jahre später, immer noch so. Und ich kenne inzwischen im Umland mehrere Fälle, bei denen Leute auf dem Ort mehrere Grundstücke nebeneinander gekauft haben. DAS ist in meinen Augen hochgradig daneben. M. E: gehören Grundstücke grundsätzlich über die Stadt gehandelt und wenn es nach 5 Jahren nicht bebaut ist, dann fällt es an die Gemeinde zurück.
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  •   Kommentar
    (987 Beiträge)

    02.08.2021 13:10 Uhr
    Wenn man
    jetzt noch wüsste, was Erbpacht bedeutet - und was da die üblichen Zeiträume sind ...
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  •   till
    (947 Beiträge)

    02.08.2021 13:16 Uhr
    Das wäre
    .. Sache der Politik. Da gibt es natürlich einiges zu beachten. Stichwort Erbe, Altlasten usw. Was passiert, wenn jmd stirbt mit dem Gebäude usw. Alles Dinge, die zu lösen wären. Aber auch gelöst werden können. Sozial gerecht und auch ökologisch sinnvoll.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (680 Beiträge)

    02.08.2021 12:58 Uhr
    Ein
    Problem ist auch das Anspruchsdenken, also dass der Wohnraum pro Person sehr Jahrzehnten Jahr für Jahr steigt. Daher die Knappheit. Z.B. in der Weststadt gibt es immer weniger Bewohner bei fast gleich bleibendem Wohnraum. Wie soll man damit umgehen?
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  •   maehdrescher
    (1650 Beiträge)

    02.08.2021 15:51 Uhr
    Da haben einige doch schon eine Lösung:
    Der Wohnraum wird dann künftig vom Staat pro Person zugewiesen. Und wer z.B. als Zwei-Personen-Haushalt mehr als 60 qm bewohnt, der wird umgesiedelt in eine kleinere Wohnung. Die bisherige größere Wohnung wird dann einer Großfamilie zugewiesen.

    So stellen Sie sich das doch in etwa vor, oder? Steht das eigentlich so schon im Parteiprogramm oder traut man sich so weit noch nicht?
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