3  

Karlsruhe Weihnachtsbaum: Hallo Plastik - Tschüss Natur? Experten mit klarer Meinung zur Weihnachtstanne

Christbäume gehören zu Weihnachten, wie Schnee, Lebkuchen und Besinnlichkeit. Damit unsere Wohnzimmer mit dem satten Grün geschmückt werden kann, sterben für uns Deutsche jedes Jahr rund 30 Millionen Weihnachtsbäume. Angesichts der Klimakrise und dem Trend zur Nachhaltigkeit könnte ein Plastik-Tannenbaum massenhaft Leben retten. Oder nicht?

Plastik-Tannen in weiß, rot, lila, grün, blau oder gelb, oder doch eine Tanne, Fichte, Douglasie, oder Kiefer?  All das sind Geschmacksfragen, über die sich bekanntlich streiten lässt. Über Fakten lässt sich eher weniger streiten und diese sehen wie folgt aus: 

Fakten zu künstlichen Christbäumen

Künstliche Weihnachtsbäume aus Plastik bestehen meist aus Polyvinylchlorid, Polyethylen und Metall, wodurch diese äußerst langlebig sein können. Durch den Kauf eines Plastikbaums kann in der Theorie viel Zeit an Baumwachstum "gespart" werden.

Bild: Tobias Hase

Ein echter Baum muss mindestens sieben Jahre wachsen, bevor er gefällt werden darf, meint die Informationsseite nachhaltig-sein.de. Hochgerechnet auf zehn Jahre Weihnachten mit einem Baum, macht 70 Jahre Ersparnis, wenn stattdessen ein künstlicher Baum angeschafft wird der jedes Jahr verwendet wird.

Christbäume aus der Natur - noch zeitgemäß?

Künstliche Weihnachtsbäume werden meistens in China produziert und haben so einen langen Transportweg, der sich negativ auf ihre CO2-Bilanz auswirkt. Außerdem muss eine Plastik-Tanne mindestens 20 Jahre in Gebrauch sein, um eine bessere Öko-Bilanz aufweisen zu können, als ein echter Baum.

Im Gegensatz dazu ist ein echter Weihnachtsbaum CO2-neutral, denn während des Wachstums spaltet der Baum Kohlenstoffdioxid aus der Luft mithilfe der Photosynthese in Kohlenstoff und Sauerstoff.

Den Sauerstoff gibt der Baum frei und den Kohlenstoff speichert der Baum im Stamm, den Ästen und den Nadeln. Hat ein Tannenbaum ausgedient, wird er meist verbrannt und gibt den gespeicherten Kohlenstoff als Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre ab.

Bild: Grafik VNWB

Für die zum Teil hohe Öko-Bilanz der Naturbäume sind meist die langen Transportwege ausschlaggebend, da viele Weihnachtsbäume nicht in Deutschland angebaut werden.

Nicht zu vergessen werden darf, dass konventionell erzeugte Christbäume nicht selten mit Chemikalien behandelt werden, um schlussendlich in sattem Grün zu erstrahlen.

Was meinen die Experten dazu?

"Christbäume sind keine Treiber der Klimakatastrophe"

Gottfried May-Stürmer von Bund-Baden-Württemberg sieht in echten Tannenbäumen keinen Einfluss auf die Klimakrise. "Echte Christbäume sind weder Treiber für die Klimakatastrophe, noch für die Corona-Pandemie."

Gottfried May-Stürmer vom Bund Baden-Württemberg.
Gottfried May-Stürmer vom Bund Baden-Württemberg. | Bild: BUND Baden-Württemberg

Tests zeigen zwar, "dass konventionell erzeugte Christbäume nicht selten mit Pestizidrückständen belastet sind", Plastik-Christbäume seien aber trotzdem keine bessere Alternative. "Ich halte Plastik-Christbäume für deutlich schlechter im Bezug auf die Umwelt-Auswirkungen".

Gründe seien ein hoher Energieverbrauch, eine geringe Haltbarkeit, ein Müllproblem und die Gefahr, dass die Reste als Mikroplastik in den Mägen von Fischen oder Vögeln landen. 

"Plastikfasten, gerade auch zu Weihnachten"

Der Verband natürlicher Weihnachtsbaum e.V. sieht hingegen den natürlichen Weihnachtsbaum in Sache Umweltschutz deutlich vorne. Denn der Plastikbaum sei biologisch nicht abbaubar und produziere rund 48 Kilogramm CO2 bei der Herstellung, dem Transport und der Entsorgung. "Jeder Naturbaum dagegen ist grundsätzlich CO2-neutral", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Julian Stratenschulte

Durch das Fällen von Weihnachtsbäumen schrumpft der Wald nicht. "Die Anzahl der Bäume bleibt immer gleich, da auf einer Weihnachtsbaumkultur immer gleich viele Bäume neu gepflanzt werden, wie zum Weihnachtsfest geerntet wurden", so Benedikt Schneebecke, ein Sprecher des Verbandes.

Plastikbäume scheinen auf den ersten Blick langlebig und deshalb umweltfreundlich, doch Schneebecke merkt an: "Ein Kunstbaum müsste 17 bis 20 Jahre im Einsatz sein, um seine negative Ökobilanz auszugleichen, deswegen sind natürliche Weihnachtsbäume ökologisch um ein Vielfaches überlegen."

Nabu: "Wenn Weihnachtsbaum, dann bitte ohne Chemie"

Der Naturschutzbund (Nabu) klärt auf, dass Weihnachtsbäume keine Abfallprodukte der heimischen Forstwirtschaft sind. "Mehr als 80 Prozent der verkauften Gehölze stammen heute aus Weihnachtsbaumplantagen in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird", so der NABU-Landeschef Johannes Enssle in einer Pressemitteilung.

Bild: NABU/ Adam Schnabler

Konkret setze man Insektizide, und Herbizide ein um beispielsweise auch eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln zu erhalten. Eine naheliegende Alternative könnte ein Plastikbaum sein? Nein, denn "mit Plastikmüll haben wir ja wirklich genug Sorgen", so Enssle. 

Fazit: Natur- schlägt Kunstbaum

Weihnachten mit einem nadelnden Christbaum? Oder doch jedes Jahr dieselbe Plastik-Tanne? Die Experten sprechen sich für die Bäume unserer Heimat aus.

Nabu- Forstexperte Sönke Hofmann empfiehlt Nadelbäume aus der Durchforstung beim nächsten Förster, "bio- oder FSC-zertifizierte Bäume oder Bäume aus lokalen Gärtnereien."

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (3)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   myopinions
    (1183 Beiträge)

    20.12.2020 11:59 Uhr
    .................ein Plastikbaum,
    womöglich auch noch fertig geschmückt und aufklappbar wie ein Regenschirm? Niemals!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12030 Beiträge)

    21.12.2020 11:24 Uhr
    !
    Schmücken muss man schon selbst ...
    Jedenfalls bei meinen Plastikbäumen.
    Der älteste der 4 ist inzwischen mindestens 44 Jahre alt nach dem ältesten von ihm gefundenen Bild ... Nadelt noch immer kaum! zwinkern
    Und die jüngeren dürften inzwischen auch alle >= 20 Jahre auf den Nadeln haben ... Ein kleiner Teil des Behangs könnte schon >= 50 Jahre alt sein
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10895 Beiträge)

    21.12.2020 12:15 Uhr
    Da bist du wohl eine Ausnahme
    Ich schätze mal, dass die meisten ihre Plastikbäume nicht so lange haben und die genauso schnell wegwerfen wie einen natürlichen.
    Mal abgesehen davon, dass das heutzutage produzierte Zeug bestimmt keine 20 Jahre oder länger hält sondern schon vorher auseinanderfällt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.