Browserpush
21  

Karlsruhe Von wegen Karlsruhes Wohnzimmer: Verkommt der Marktplatz mit diesen Problemen zur Rumpelkammer der Fächerstadt?

Der letztes Jahr fertiggestellte Marktplatz stößt nicht bei allen Karlsruhern auf Zuneigung. In einigen ka-news.de-Lesern provozierte er eine regelrechte Abstoßreaktion und das nicht nur in Bezug auf die Ästhetik: Baumaterial, Fläche, mangelnder Schatten und die Abnutzung nach einem Jahr, seien in keinem Verhältnis zu seiner zehnjährigen Bauphase. Aber ob diese Vorwürfe gerechtfertigt sind? ka-news.de bittet die Stadt um ein Statement.

Bereits die Karlsruher CDU-Fraktion kritisierte einen besorgniserregenden Zustand des Marktplatzes. Im Zuge eines offenen Briefes, wurden vor allem die Platten und Pflastersteine als zu schnell zu sehr abgenutzt bezeichnet. Dies sind allerdings nicht alle Mängel, die dem Marktplatz bisweilen angekreidet wird.

Bei genauer Betrachtung wirken bereits viele Platten abgenutzt. | Bild: Lars Notararigo

Unter anderem die Wasserspiele beziehungsweise ihre häufigen Ausfälle wurden ka-news.de als Beschwerde von verschiedenen Lesern zugetragen. Genauso die Unebenheit des Platzes, der mangelnde Schatten und, ähnlich wie die CDU-Fraktion, den rissigen Bodenbelag, der durch schwere Gerätschaften beschädigt sein soll. ka-news.de fragt bei der Stadt Karlsruhe an, welche Haltung sie zu diesen Kritikpunkten vertritt.

1. Die Wasserspiele ständig außer Betrieb?

Zu häufigen Ausfällen der Wasserspiele sei zu sagen, dass die Installation im Jahr 2020 von 119 Betriebstagen insgesamt siebeneinhalb Tage gewartet werden musste. Im aktuellen Kalenderjahr mussten die Waasserspiele seit ihrer Inbetriebnahme am 17. Mai einen halben Tag im Juli und drei weitere Tage im August außer Funktion bleiben. Grund dafür seien Desinfektionsarbeiten gewesen, wie die Stadt erklärt. In der Summe  seien die Wasserspiele also von bisher 233 Betriebstagen insgesamt elf Tage funktionsunfähig gewesen. (Stand 8. September).

2. Ist der Marktplatz uneben?

Beispielsweise der User "Karlsruhe 1966" fordert in einem Kommentar innerhalb des ka-news.de Forums, den Marktplatz zu begradigen. "Aktuell hat man beim Gang über den Marktplatz das Gefühl, dass einem der Kreislauf wegrutscht. Und das nur weil der Platz so uneben ist", so sein Statement.

Ist der Marktplatz uneben? Wird einem wirklich beim bloßen Spazieren gehen schwindelig? | Bild: Lars Notararigo

Dem Vorwurf der Unebenheit könne die Stadt allerdings nicht zustimmen, obwohl er - wie ein Sprecher erklärt - "geneigt" sei. Und zwar "aus gutem Grund", denn die Neigung sei bewusst zur Entwässerung gewählt worden. Regengüsse oder sonstige Wassermassen könnten auf diese Weise gezielt durch den Neigungswinkel des Platzes in die jeweiligen Abflüsse geleitet werden. Eine Begradigung sei im Hinblick auch auf die Sicherheitsvorschriften nicht möglich.

3. Kein Schatten auf dem Marktplatz

Immer wieder ploppt im Zusammenhang mit dem Marktplatz das Thema Schatten auf. Einige Leser werfen den Bauherren auch den geringen Schattenanteil des Marktplatzes vor. So etwa der User Reger mit den Worten: "Schatten muss man sich in den Fensternischen suchen." Ein Eindruck der vom User "IchKA" bestätigt wird: "Schattenspendende Bepflanzung, auch mobil, gibts nicht."

Im Zusammenhang mit der Initiative der Linken-Gemeinderatsfraktion zu mehr Entsiegelung in der Innenstadt schlug auch Lukas Bimmerle in eine ähnliche Kerbe: "Die Situation hier ist natürlich bedauerlich. Wir haben unser Bestes gegeben, zumindest noch ein paar Bäume auf den Platz zu bekommen, aber hier scheiden sich in Sachen Stadtplanung die Geister", sagte er gegenüber ka-news.de

Viele Stände - aber keine Bäume. | Bild: Lars Notararigo

Was den Schattenmangel auf der gesamten Fläche des Marktplatzes angeht, so hat die Stadt bereits 2019 mitgeteilt, dass der U-Bahn-Tunnel, der unterhalb des Marktplatzes verläuft, keinen Raum für Bäume und deren Wurzeln lasse. Zur Aufstellung anderer Schattenquellen äußert sich die Stadt nicht. Abkühlung solle durch einen regelmäßigen Betrieb der Wasserspiele erreicht werden.

4. Der Boden - schon nach einem Jahr abgenutzt?

Die eingebauten Natuatursteinplatten seien ein Jahr nach ihrer Einweihung ausgeblichen, rissig und abgenutzt - so sehr, dass die CDU-Fraktion nach ernsthaften Schäden forschen möchte. Für diesen Zustand gäbe es laut Erklärung der Stadt mehrere Ursachen. Der Naturstein, aus dem die Platten des Marktplatzes bestünden, seien in ungebundener Bauweise (also ohne Bindematerial wie etwa Mörtel) aufeinandergeschichtet worden.

Man verspreche sich von dieser Bauweise, dass die Untergrundleitungen des Marktplatzes im Wartungsfall leichter zu erreichen werden - es bedeute aber auch, dass der Untergrund des Marktplatzes im Nachhinein verdichtet werden müsse, bis er die gewünschte Stabilität erreicht habe. Das schwere Gerät, das den Marktplatz regelmäßig befahre, sei zumindest teilweise durch diese Verdichtungsmaßnahmen zu erklären.

Schwerer Verkehr heiße für den Marktplatz auch: Attraktionen und Veranstaltungen. | Bild: Lars Notararigo

Ebenso seien diese Arbeiten und das schwere Gerät die Erklärung dafür, warum die Bodenplatten unter solch starker Beanspruchung stehen und somit bereits Risse und ausgegraute Farben entstanden sind. Schädigungen, die die Nutzbarkeit oder gar die Sicherheit des Platzes einschränken, sehe die Stadt aktuell allerdings nicht. "Der Marktplatz ist immerhin auch für die Verwendung von schwerem Verkehr ausgelegt", wie ein Sprecher erklärt.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (21)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   yokohama
    (3451 Beiträge)

    11.09.2021 01:33 Uhr
    Schade
    dass Joseph Beuys nicht mehr lebt. Ein Experte für "Stadtverwaldung", so der Name eines Projektes in Kassel. Wie dort hätte er drei Bäume so angepflanzt, dass die Sichtachse zum Schloss versperrt ist. Unsere Baumfreunde hätten ihre Freude daran.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Karsten2010
    (238 Beiträge)

    10.09.2021 22:39 Uhr
    Hauptsache übertreiben !!
    Zitat: "Man hat das Gefühl, dass einem der Kreislauf wegrutscht". Das liegt wohl eher am Kreislauf bestimmter Leute als am Marktplatz.
    Wenn ein Marktplatz als Solcher genutzt werden soll, dann kann man keine üppige, schattenspendende Vegetation erwarten. Wer ins Grüne will, hat es bis zum fast angrenzenden Schlosspark nicht weit. Man sollte jetzt mal abwarten bis noch die restlichen Baustelleneinrichtungen weg sind und vielleicht auch die Kaiserstraße im Bereich des Marktes genauso gepflastert wird. Dann wäre auch noch Platz für ein paar Pflanzenkübel mehr.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Laetschebachschorsch
    (3220 Beiträge)

    10.09.2021 16:53 Uhr
    Es ist immer das gleiche Geheule,
    der Bürger kann nichts machen, er muss damit leben. Falsch! Merkt euch euren Ärger, es kommen wieder Wahlen und da könnt ihr handeln. Aber was kann der Bürger gegen Mitarbeiter der Stadt in leitender Funktion unternehmen, die ungeachtet ihrer Arbeit lebenslang ihre Bezüge erhalten und nicht einmal dafür zur Verantwortung herangezogen werden? Die sich ja in der Vergangenheit sogar gegen Entscheidungen des Stadtrates wendeten. Das müssten Mitarbeiter auf Zeit sein, die man dann auch leichter auswechseln kann.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schillerlocke
    (596 Beiträge)

    10.09.2021 14:54 Uhr
    Ist das jetzt wirklich die Rumpelkammer?
    Den Kinderspielplatzbrunnen brauche ich jetzt auch nicht unbedingt. Ich fände so einen kunstvoll gestalteten Barockbrunnen wesentlich ästhetischer und dieser Stadt weitaus angemessener. Aber das können die Bauingenieure heute nicht mehr. Und das man aus einem Marktplatz keinen Park machen will verstehe ich voll und ganz. Ruckzuck hätten wir da eine zwielichtige Szene.

    Das allerdings diese mit viel Aufwand verlegten Steinquarter Risse bekommen sollen, das wäre die endgültige Bankrotterklärung an diese Bauwirtschaft. Da wurde lange dran rumexperimentiert und die Verlegung ging nur mittels Maschinen, die diese Blöcke ins Bett über die UStrab exakt nach Plan reingestemmt haben. Und die Dinger bekommen Risse? Und das sei normal?

    Mir hat der alte Marktplatz mit seinen schönen Pflastersteinen und der Reminiszenz an das Straßburger Münster sehr viel besser gefallen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   IchKA
    (1200 Beiträge)

    10.09.2021 14:24 Uhr
    Die Angestellten der Stadtgesellschaft
    bei der Stadtverwaltung machen nach wie vor, dirigistisch was sie wollen. Bürgerbeteiligung nur als Alibi moderner Öffentlichkeitsarbeit. Macht man halt heute so. Angefangen von den klotzigen Betonabgängen zur kleinsten U-Bahn der Welt, über den völlig ungeeigneten und mittlerweile großräumig versauten Belag, der sich wölbt, zu hoch eingebaut ist und die Pyramide versinken lässt, die nicht mehr ihre Höhe hat. Die Peinlichkeit mit den Bänken zeugt von der gleichen Geschmacksverirrung wie die Lichtmasten, die auf einem historischen Platz nichts verloren haben. Die dreisten Ausreden der städtischen Strategen, dass schattenspendende Begrünung nicht möglich wäre ist eine unverschämte Behauptung und offenbart die Wir-nach-Gutsherrenarthaltung, ungeachtet dessen, was Bürgerwille ist. In Barcelona legen sie ganze Kreuzungen für den Verkehr still und schaffen mit großen mobilen Bäumen schattige Grünoasen. Insgesamt ist die teure Platzgestaltung Ausdruck von Unvermögen der Verwaltung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kommentar
    (1121 Beiträge)

    11.09.2021 00:39 Uhr
    Die Abgänge
    sind wirklich nicht schön. Und in der Kaiserstraße zum Teil auch ziemlich dicht an den Wänden der Gebäude - und dann auch immer auf beiden Seiten nebeneinander mit ziemlich schmalem Durchgang.

    Warum nicht wenigstens zum Teil die Abgänge in die Gebäude verlegt wurde, verstehe ich nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   barheine
    (743 Beiträge)

    10.09.2021 12:55 Uhr
    Wenn ich Handwerker im Haus hatte und es treten daran Mängel auf, lasse ich das auf deren Kosten nachbessern. Nur so 'ne Idee.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (7846 Beiträge)

    10.09.2021 12:39 Uhr
    Nun ja,
    wenn man den Marktplatz schon als Wohnzimmer bezeichnet, dann ist dies ein Wohnzimmer in einem "Altbau" und den der Bauherr zwar saniert hat, aber gerade mal so, dass die zukünftigen Nutzer erst später merken, das alles nur Blendwerk war. Kennt man ja.
    Mein Vorschlag wäre, wenn denn schon keine Bäume, das "Planschbecken" stilllegen, die meiste Zeit können die Kinder ohnehin nicht planschen, weil es nur dürftig plätschert und Kübel darauf stellen mit hochwachsenden Pflanzen, drum herum Bänke stellen. Ach, ja und die Wasserrohre entfernen, nicht dass es dann doch aus Versehen wieder mal plätschert. 😉
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ramius
    (223 Beiträge)

    10.09.2021 12:18 Uhr
    Welches
    schwere Gerät befährt denn regelmässig den Marktplatz?
    Autos dürfen doch gar nicht auf dem Marktplatz fahren.
    Wenn damit die Anlieferung für die Marktstände gemeint ist, dann muss das eben in Zukunft unterbleiben oder der Markt verschwinden.

    Und wenn man auf dem Marktplatz dank Fehlplanung keine Bäume pflanzen kann, dann muss man eben den Markplatz wieder abreißen und neu bauen. Aber den Stand einfach so lassen, das geht nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   müllermeier
    (124 Beiträge)

    10.09.2021 14:51 Uhr
    schweres Gerät .......
    ist fast jeden Tag auf dem Marktplatz. Denk nur mal an letztes Wochenende, da mussten u.a. zig bigpacks mit Sand rumgekarrt werden, Absperrungen braucht man man ja auch regelmässig für irgendwelche baulichen Massnahmen, Fressbuden müssen aufgebaut werden usw.usw. Ein Platz zum Erholen und/oder als Vorzeigeobjekt für die Touristen ist es auf jeden Fall nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen