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Karlsruhe Bezahlbares Wohnen gegen Klimaschutz: Karlsruher Volkswohnung stehen auch nach Corona vor großen Herausforderungen

Die Volkswohnung Karlsruhe sind für jede achte Mietwohnung in der Fächerstadt verantwortlich und das Wohnungsunternehmen will sich auch in der Krise ein verlässlicher Partner für Stadt und Mieter sein. Doch neben der Corona-Krise muss sie dabei auch die Herausforderungen des Klimawandels bekämpfen. Wie dies gelingen soll, erklärten heute Geschäftsführer Stefan Storz und Karlsruhes Bürgermeister Daniel Fluhrer auf der Jahrespressekonferenz der Volkswohnung.

Auf der Jahrespressekonferenz am Dienstagvormittag präsentieren Karlsruhes Bürgermeister Daniel Fluhrer und Geschäftsführer Stefan Storz neben dem Geschäftsbericht der Volkswohnung für 2020 auch den neuen Markenauftritt von Karlsruhes größtem kommunalem Wohnungsunternehmen. Dabei wird klar: "Die Volkswohnung stehet auch nach dem Krisenjahr 2020 auf einem wirtschaftlichen stabilen Fundament", wie beide im Gleichgang betonen.

Auch in der Krise stabil

Zwar ging die Corona-Pandemie auch nicht spurlos an der Volkswohnung vorbei, doch "wir haben trotz aller Schwierigkeiten ein sehr gutes Jahr 2020 absolviert", so Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswohnung Daniel Fluhrer. Die Volkswohnung sei für bezahlbaren und günstigen Wohnraum in der Fächerstadt ein wichtiger Baustein. "Wir wollen auch in Krisenzeiten ein verlässlicher Partner sein", so Fluhrer weiter. 

Stefan Storz ist Geschäftsführer der Volkswohnungen Karlsruhe.
Stefan Storz ist Geschäftsführer der Volkswohnungen Karlsruhe. | Bild: Carsten Kitter

Diese Versprechen konnten gehalten werden. Nach Angaben von Fluhrer und Storz wurden im Jahr 2020 keine Kündigungen an Mieter ausgesprochen und seit März 2020 auch keine Miete erhöht. Zusätzlich wurden "über die gesetzliche Verpflichtung hinaus Mietstundungen und Ratenzahlungsvereinbarungen mit den Mietern getroffen", wie Storz erklärt.

6,31 Euro durchschnittliche Kaltmiete

Die durchschnittliche Nettokaltmiete bei Wohnungen der Volkswohnung liegt laut Geschäftsbericht bei 6,31 Euro pro Quadratmeter. "Damit sind wir ein fundamentales Gegengewicht   zum Markt", so Storz. Hier läge der Durchschnittspreis pro Quadratmeter bei 11,60 Euro.

"Wir sind nicht nur eine faire Vermieterin, sondern sind auch eine sichere Auftraggeberin für Handwerk, Dienstleister und Bauwirtschaft. Mit einem Jahresüberschuss von 12,9 Millionen Euro waren wir 2020 erfolgreich, unsere Ertragslage ist stabil und die Liquidität ist auch in der Krise gewährt", so der Geschäftsführer weiter. 

Daniel Fluhrer während der Pressekonferenz.
Daniel Fluhrer während der Pressekonferenz. | Bild: Carsten Kitter

Fluhrer ergänzt: "Schon vor Corona war die wirtschaftliche Entwicklung nicht ganz einfach und wir haben es geschafft die Liquidität zu stabilisieren und davon hat auch die Stadt als Gesamtkonzern profitiert. Die Volkswohnung ist auch für die Stadt eine wichtige Stütze."

Im nächsten Jahr 100 Jahre alt

Eine Stütze, die im kommenden Jahr 100 Jahre alt wird. Auch aus diesem Grund habe man sich dafür entschieden den Markenauftritt neu zu fassen. "Wir haben uns überlegt, für was die Volkswohnung wirklich steht, und haben uns deshalb auf den Weg gemacht uns bis in den Markenkern einen neuen Anstrich zu verpassen", erklärt Fluhrer.  "Durch das neue Design kommen unsere Werte wie Gemeinschaft, Nachbarschaft, ökologische und soziale Themen besser zum Tragen", ergänzt dazu Stefan Storz. 

Das neue Logo der Volkswohnung.
Das neue Logo der Volkswohnung. | Bild: Carsten Kitter

Neben dem Blick zurück ins Geschäftsjahr und der Vorstellung des neuen Designs, stand ein weiteres wichtiges Thema im Mittelpunkt der Pressekonferenz: Klimaschutz und Nachhaltigkeit. 

Gemeinsam mit der Stadt Karlsruhe hat sich auch die Volkswohnung die Klimaneutralität bis 2040 gesetzt. "Wir haben unseren Ausgangspunkt definiert und Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind tief in unseren Geschäftsprozessen implementiert", sagt Storz. Auf dem Weg zum Ziel setzt die Volkswohnung vor allem auf Dekarbonisierung. Bedeutet: Energieerzeugung und heizen ohne fossile Brennstoffe zu nutzen. Dafür sollen in den kommenden Jahren rund 200 Millionen Euro investiert werden und eine Modernisierungsquote von mindestens zwei Prozent sei dafür erforderlich. 

So soll es mit der Klimaneutralität klappen

Dabei soll vor allem die Schwestergeselllschaft KES (Karlsruher Energieservice GmbH) mit ihrem 100-Dächer-Programm mithelfen. Das Programm wurde bereits bei einer Pressekonferenz der Stadt zur Photovoltaik-Offensive vorgestellt. Wichtig dabei: "Die Klimaneutralität muss immer mit bezahlbarem Wohnraum einhergehen und wir sind der Überzeugung, dass sich beide Themen miteinander kombinieren lassen", betont Storz.

Am Eingang prangt aktuell noch das alte Logo.
Am Eingang prangt aktuell noch das alte Logo. | Bild: Carsten Kitter

Der Weg zur Klimaneutralität ist aber noch ein weiter wie Storz einräumt. "Aktuell ist noch kein Gebäude von uns klimaneutral, aber die Frage ist ob bei der Energieerzeugung CO2 entsteht." Ziel sei es nahezu bei null anzukommen, dafür seien aber riesige Investitionen nötig. "Wir schätzen die Kosten dafür zwischen rund 250 Millionen und einer Milliarde Euro. Grund für die extreme Spanne ist, dass wir auch immer schauen müssen welche Maßnahme wir nun konkret umsetzten", erklärt Storz. Bundeszuschüsse seien für die Umsetzung unabdingbar. 

"Da wir aber auch denkmalgeschützte Gebäude im Bestand haben, werden wir die Bilanz unseres Immobilienstandes nie auf ein perfektes Level senken. Dafür müssen wir bei Neubauten dann 'positives' rausholen um in der Querverrechnung klimaneutral zu werden", ergänzt Fluhrer abschließend. Auch der Bau-Bürgermeister betont, dass sich das Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und bezahlbaren Wohnen immer die Waage halten müsse. 

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  •   barheine
    (702 Beiträge)

    28.07.2021 07:20 Uhr
    Ein modernes Gebäude muss heute mindestens so viel Energie produzieren, wie es verbraucht. Sonst wird es für die Mieter und Vermieter bald unter dem Strich noch teurer; denn Energie wird sicherlich in den kommenden Jahren nicht billiger. Und wer will dann noch in ein Haus ziehen ohne PV-Anlage auf dem Dach?
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  •   smuudo
    (286 Beiträge)

    29.07.2021 10:09 Uhr
    👍🏻
    Genau das ist der Ansatz. Genauso viel Energie selbst produzieren wie es verbraucht! Klimaneutral versteht sich. Den Einsatz alternativer Baustoffe zur Verbesserung des Klimawandels sehe ich nicht unter den fünf ersten Prioritäten.
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  •   FG1961
    (519 Beiträge)

    28.07.2021 06:14 Uhr
    Klimaneutrales Bauen?
    Das wird ebenfalls spannend. Sicherlich Holz, jedoch wird jeder CO2-Umwandler dringend benötigt.
    Was gibt es für Alternativen? Vom Abbau bis zur Entsorgung?
    Es bleibt spannend.
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  •   silberahorn
    (10956 Beiträge)

    28.07.2021 08:57 Uhr
    Noch nicht genau erklärt
    wurde, was für Beton das ist, der gerade an 3D-Druck Häusern ausprobiert wird. Allerdings wird ein deutlich höherer Zementanteil auch nicht gut sein, wenn die Zementindustrie zu den Hauptverursachern von Treibhausgasen zählt.
    Gut ist, dass an Materialien aus Pilzen geforscht wird. Das Myzel (Wurzelwerk von Pilzen) soll sehr stabil für selbsttragende Strukturen sein. Allerdings wachsen Pilze auch nur bei bestimmten Temperaturen.
    Man probiert auch Dämmungen mit PopCorn.
    Oder, wie das eine Frau aus Karlsruhe als Neuerung aufbrachte, mit angeschwemmten Pflanzen aus dem Meer zur Dachdämmung.

    Letztendlich sollte man tatsächlich viele neue Materialien ausprobieren und auch mal das Risiko eingehen, dass es finanziell zum Flop werden kann. Dafür klappt ein anderes Material und wird ein Verkaufsrenner.

    Aber irgendwie scheint das System von: "das haben wir aber schon seit dem Krieg so gemacht und gut daran verdient" nicht kleinzukriegen zu sein.
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  •   Motorhead
    (679 Beiträge)

    28.07.2021 07:15 Uhr
    Wo
    soll das Holz herkommen? Es ist Mangelware und nun den Rest abholen wäre fatal. Da muss man sich andere Gedanken machen.
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  •   mueck
    (12301 Beiträge)

    28.07.2021 11:12 Uhr
    !
    Das letzte Mal, als (Mittel?ganz?)Europa abgeholzt war, kam das Magdalenenhochwasser in nie gekannter Höhe und hat auch gleich noch die Äcker wggespült ...
    Die Holzknappheit hielt an, bis ein gewisser Genuese und seine Nachfolger große Wälder jenseits des großen Teiches (wieder)entdeckten.
    Kürzlich war im Fernsehen zu sehen, dass dieser Kontinent nun auch Holz aus Schland-Wäldern importiert ...
    Tja ...
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  •   Motorhead
    (679 Beiträge)

    28.07.2021 14:10 Uhr
    Der Mensch
    Ist lernfähig . Nicht. 🙄
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