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Berlin Verbot für Einweg-Plastik kommt Mitte 2021

Imbissbuden ohne Plastik-Gabel, Partys ohne Plastik-Trinkhalme, der Kaffee auf die Hand ohne Plastik-Rührstäbchen: Das soll in der EU ab Sommer 2021 Alltag werden. Das Verbot ist in Brüssel längst besiegelt. An der Umsetzung in Deutschland gibt es aber Kritik.

Das Aus für Plastikbesteck, Plastik-Wattestäbchen und Einwegbecher aus Styropor rückt näher. Die Bundesregierung brachte am Mittwoch die Umsetzung des EU-Verbots auf den Weg. Umweltschützer und auch die kommunalen Müll-Entsorger fordern aber noch Nachbesserungen.

2050 mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren?

"Viele Einwegprodukte aus Kunststoff sind überflüssig und kein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen", teilte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit. Viel zu oft endeten Kunststoffe zudem in der Umwelt oder den Meeren.

"Wenn die weltweite Vermüllung so weitergeht, haben wir 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Weltmeeren." Das Verbot werde zu besseren und umweltfreundlichen Produkten führen." Vor allem Mehrweg ist aus Umweltsicht das Mittel der Wahl."

Besser Glas als Plastik, aber Hauptsache Mehrwegflaschen - das schont die Umwelt.
Besser Glas als Plastik, aber Hauptsache Mehrwegflaschen - das schont die Umwelt. | Bild: Ina Fassbender/dpa

Ende 2018 war in Brüssel der Beschluss gefallen, ab Sommer 2021 in der EU Einwegprodukte aus Kunststoff, für die es gute Alternativen gibt, zu verbieten. Das betrifft Wattestäbchen, Plastikbesteck und -teller, Strohhalme, Rührstäbchen etwa für den Kaffee, Luftballonstäbe sowie Styroporbecher und -behälter für Essen zum Mitnehmen. Außerdem gilt das Verbot für Produkte aus Kunststoffen, die durch eine Reaktion mit Sauerstoff - Oxidation genannt - in winzige Teile zerfallen.

Plastikbesteck soll ab 3. Juli 2021 nicht mehr verkauft werden dürfen

In der Corona-Krise hatten Entsorger zuletzt insgesamt steigende Müllmengen gemeldet - aus Angst vor dem Virus wird demnach öfter auf Einweg-Artikel gesetzt. Ab 3. Juli 2021 soll es nun eine Ordnungswidrigkeit werden, etwa Plastikbesteck zu verkaufen.

Alternativen könnten in Zukunft etwa Holzgabeln an Imbissbuden sein oder bei Gartenpartys mehrfach verwendbare Trinkhalme aus Glas, stabilem Kunststoff oder anderen Materialien. Wattestäbchen gibt es in den Drogeriemärkten längst auch mit Stil aus Papier zu kaufen.

Die Konsumgüterbranche arbeitet daran, typische Plastikprodukte zu ersetzen - etwa den guten alten Strohhalm gegen dauerhafte Modelle aus Metall.
Die Konsumgüterbranche arbeitet daran, typische Plastikprodukte zu ersetzen - etwa den guten alten Strohhalm gegen dauerhafte Modelle aus Metall. | Bild: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Die Produkte, die verboten werden, machten etwa ein Zehntel des Müll-Volumens auf Straßen und in öffentlichen Mülleimern der Kommunen aus, in Einzelfällen sogar bis zu einem Fünftel, sagte der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp.

Bei der Umsetzung der EU-Richtlinie liege der Teufel im Detail: Einweg-Plastik dürfe nicht einfach durch Einweg-Produkte aus anderem Material ersetzt oder Einweg-Produkte als "mehrfach verwendbar" deklariert werden.

Deutsche Umwelthilfe ist nicht zufrieden

Auch die Deutsche Umwelthilfe ist nicht zufrieden. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) wolle nur Mindestanforderungen der EU realisieren, sagte Abfall-Experte Thomas Fischer der dpa. "Das ist ambitionslos und wird der Rolle Deutschlands als Zugpferd innerhalb der Europäischen Union nicht gerecht."

Eine Ausweitung des Verbots auf alle Einweggetränkebecher und Essensboxen aus Kunststoff wäre ebenso notwendig wie eine verbindliche Mehrwegförderung und eine nachvollziehbare Abgrenzung von Einweg- und Mehrwegprodukten.

Tüten-Verbot hat mit EU-Verordnung nichts zu tun

Das geplante Verbot von Plastiktüten an der Ladenkasse ist übrigens eine andere Baustelle und hat mit der EU-Verordnung nichts zu tun. Das Tüten-Verbot hatte das Kabinett schon Ende 2019 beschlossen - der Gesetzentwurf ist im parlamentarischen Verfahren und war schon Thema im Umweltausschuss des Bundestags.

Das EU-Verbot zielt auf Plastik-Artikel, die der Kommission zufolge besonders oft an den Stränden der Mitgliedsstaaten gefunden werden. Auch die deutschen Küsten sind nach Angaben des Umweltbundesamts verschmutzt. Im vergangenen Jahr hatte die Behörde angegeben, an der Nordsee würden 390 Müllteile pro hundert Meter gefunden und an der Ostsee 70 - der Großteil davon aus Plastik.

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Kommentare (22)
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  •   timo
    (3138 Beiträge)

    24.06.2020 17:13 Uhr
    Könnt ihr euch noch an den Aufschrei erinnern
    als konventionelle Glühbirnen verboten wurden. Heute würde keiner mehr auf die Idee kommen diese kurzlebigen Stromfresser zu kaufen.
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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    24.06.2020 20:03 Uhr
    Hallo imo
    ...... rechtzeitig habe ich mich eingedeckt und bin nach wie vor mit meinem Licht zufrieden zwinkern
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  •   schlaule2
    (182 Beiträge)

    25.06.2020 10:51 Uhr
    die kann man doch noch kaufen
    die Hersetellung ist bei uns verboten, nicht der Verkauf..

    Bei Conrad und Westfalia gibt die von Osram und von NoName Hersteller
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  •   timo
    (3138 Beiträge)

    25.06.2020 10:24 Uhr
    Hallo iwi
    hoffentlich keiner der über die bösen Strompreise jammert. Wenn man gerne das zehnfache beim Licht ausgibt wäre das nämlich ziemlich behämmert.
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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    25.06.2020 10:45 Uhr
    Hallo timo
    Hallo Timo, ich lebe ziemlich zurück gezogen weil mich das „Gejammere“ meiner Mitmenschen auf den Sack geht, ich jammere nie, die Freude die andere dadurch bekämen gönne ich denen nicht.
    So wie es kommt wird es genommen.
    Gruß Kiwi
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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    24.06.2020 20:11 Uhr
    der Kiwi
    hat noch die Stromfresser 100 Watt Birnen -- dafür hat er kein E- Rad - der Umwelt zu Liebe.
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  •   Chris.Lok75
    (718 Beiträge)

    25.06.2020 02:39 Uhr
    ?
    Find ich gut.
    Hab auch noch ne Kiste Glühlampen.
    Die sollten noch ein paar Jährchen reichen. grinsen
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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    25.06.2020 09:19 Uhr
    Chris
    Hallo Chris. Lok 75
    Wenn ich so zurück denke.
    42 geb. nur kurz was ich so in Erinnerung habe.
    Die Bude war ewig kalt, morgens waren Eisblumen an den Fensterscheiben, Kaffee – ja der Lindes – Lindes ja der schmeckt.
    Toiletten-Papier alte Zeitungen kleingeschnitten in dem kleinen Häuschen an einen Nagel gehängt.
    Strom wenn da war – meine Mutter musste immer etwas Geld in den Zähler werfen wenn sie welches hatte - gab es nur zum Kochen.
    Radio ! wie gab es so etwas da schon.?
    Fleisch heute – bääääh – gab es wenn überhaupt nur sonntags.
    Kleider durfte ich von zwei älteren Brüdern auftragen, Herzchen auf den Ellenbogen usw.
    Alles was ich damals „zwangsgespart“ habe verbrauche ich heute – ohne schlechtes Gewissen zu bekommen.
    Und wenn ich mit meinem Wägelchen (Renault – Cabrio) eine Runde fahren möchte, gut dann bin ich eben eine OPA-UMWELTSAU
    Gruß kiwi
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  •   Chris.Lok75
    (718 Beiträge)

    25.06.2020 13:34 Uhr
    ?
    Hallo kiwi,

    bin noch a bisserl jünger aber Eisblumen kenn ich auch noch.
    Strom war auch öfters abgestellt(Eltern geschieden, Erzeuger kein Unterhalt gezahlt).
    Mutter hatte kein allzugroßes Einkommen und nur eine Minirente.
    Jetzt nach Mutters Tod hänge ich auch ab und zu mal die Umweltsau raus.
    Die nölenden Kollegen ignoriere ich einfach.
    Gruß Chris
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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    25.06.2020 14:57 Uhr
    Hallo Chris
    Deine Worte habe ich gelesen - hast auch einiges auf den jungen Schultern ertragen müssen.
    Das kenne ich auch und noch vieles mehr.
    Erkunde ich einmal was es bedeutet hat in einer kleinen Stadt ein Kuckucks- Kind zu sein.
    Gruß Kiwi
    Ich wurde geboren ohne dass ich es wollte,
    sicher werde ich auch sterben ohne dass ich es will.
    Lasst mich wenigstens so leben wie ich will.

    Das sind so meine allgemeinen Gedanken
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