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Karlsruhe Heute fällt die Entscheidung zur Umfahrung Hagsfeld: Die wichtigsten Fragen im Überblick

Am Dienstag hat die lange Debatte über die Südumfahrung Hagsfeld ihr vorläufiges Ende: Der Karlsruher Gemeinderat entscheidet über den Bau des umstrittenen Verkehrsprojekts und auch darüber, ob die Straße als Brücke oder Unterführung realisiert wird. Vor der Abstimmung hat ka-news.de die wichtigsten Punkte zur Debatte noch einmal in der Übersicht.

Warum eine Umfahrung Hagsfeld?

Die Stadtteile Hagsfeld und Rintheim sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Dafür ist eine Umfahrung geplant, die die Autobahnabfahrt Karlsruhe Nord mit der B10 und der L560 verbindet. Zusätzlich soll der Technologiepark über einen neuen Anschluss direkt an die Umfahrung angeschlossen werden.

 

Was ist bisher passiert?

Begonnen hat das Projekt, das sich heute "Südumfahrung Hagsfeld" nennt, als erster Teil der einst geplanten Nordtangente. Doch letztendlich wurde nur kleines Stück Nordtangente Realität: von der Autobahn A5 bis zur Elfmorgenbruchstraße.

Dann war erst einmal Schluss: Der Gemeinderat entschied im Jahr 2009, die Nordtangente doch nicht zu bauen. Und somit lag der weitere Ausbau der Strecke ab der Elfmorgenbruchstraße auf Eis, denn damit fiel das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan heraus. Ein Stück Nordtangente soll nun dennoch hinzukommen: eben jener Abschnitt bis zur L560, die Südumfahrung Hagsfeld.

Nach mehreren gescheiterten Planungsversuchen steht das Konzept nun fest. Am Dienstag soll der Karlsruher Gemeinderat das Projekt beschließen.

Welche Varianten gibt es?

Da die Strecke eine Gleistrasse der Deutschen Bahn kreuzt, hat man sich auf zwei Trassenvarianten geeinigt: Entweder kommt für die Anbindung eine Brücke über die Schienen hinweg oder ein Trog, der die Autos darunter hindurch führt, in Frage:

Die Unterführung ist 280 Meter lang . Sie taucht von der Elfmorgenbruchstraße her kommend kurz hinter der Alte Bach ab und unterquert die DB-Trasse und den Hinterwiesenweg mit 4,70 Meter Tiefe. Rund 100 Meter weiter nach Westen erreicht die Straße wieder die Geländeoberkante und wird ebenerdig zur Haid-und-Neu-Straße geführt.

Dateiname : Lageplan Varianten Umfahrung Hagsfeld
Dateigröße : 4.61 MBytes.
Datum : 30.06.2020 07:38
Download : Download Now!

Die Brücke ist rund 430 Meter lang. Sie erhebt sich von der Elfmorgenbruchstraße kommend kurz vor der Alte Bach, wird mit einer Höhe von 6,40 Meter über die DB-Trasse geführt und endet hinter der Rintheimer Hauptstraße. Die Rampen der Brücke erstrecken sich jeweils bis an die Knotenpunkte heran. Die Stadt favorisiert diese Variante.

Warum wird eine Brücke bevorzugt?

Die Stadt spricht sich in ihrer Beschlussvorlage für den Gemeinderat für eine Realisierung der Umfahrung als Brückenvariante aus. Die Entscheidung hierfür begründet sie unter anderem auf einer sogenannten Abwägungsmatrix, in der verschiedene Anforderungen für beide Varianten geprüft werden, etwa Umweltauswirkungen, Sicherheitsempfinden und Kosten. Die Brücke erfülle laut der Verwaltung mehr dieser Anforderungen als ein Unterführungsbauwerk. Diese sind:

  • Verkehrliche Ziele (Entlastung der Stadtteile) werden erreicht
  • Negative Auswirkungen auf ansässige Tierarten bleiben weitgehend aus
  • Geringe Trennwirkung für Menschen, Tier- und Pflanzenwelt
  • Sichtbeziehungen werden freigehalten, Sicherheitsempfinden ist größer
  • Querende Fuß- und Radwege können ebenerdig erhalten bleiben, ebenso die Alte Bach
  • Kosten sind mit zirka 55 Millionen Euro geringer als bei der Trogvariante (zirka 70 Millionen Euro)

Was spricht für, was gegen die Umfahrung?

Über die Südumfahrung Hagsfeld - die gleichzeitig auch eine Nordumfahrung Rintheim ist - wurde in den vergangenen Jahren viel diskutiert. Bringt das Projekt tatsächlich die erhoffte Verkehrsentlastung? Wirkt sich die Straße nicht negativ auf Umwelt und Klima aus? Ist die Umfahrung tatsächlich notwendig?

Das sind nur einige der Fragen, die sich Bürger und Politiker gleichermaßen immer wieder gestellt haben.  Die Vor- und Nachteile der geplanten Umfahrung hat ka-news.de hier einmal genauer gegenübergestellt: 

Wie stehen die Bürger zu dem Projekt?

Das Projekt spaltet die Anwohner der betroffenen Stadtteile Rintheim und Hagsfeld. Während die einen sich nach der versprochenen Verkehrsentlastung sehnen, sind die anderen der Ansicht, dass diese mit der Umfahrung gar nicht eintreten wird.

Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld.
Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld. | Bild: Stadt Karlsruhe

"Den Hagsfeldern wurde ein Floh ins Ohr gesetzt, wir Rintheimer brauchen die Straße nicht!", fasst es beispielsweise Helmut Rempp, Vorsitzender des Bürgervereins Rintheim, im vergangenen Jahr im Gespräch mit ka-news.de zusammen. Im Kampf gegen das ungeliebte Bauprojekt haben sich zahlreiche Bürger sogar in einer Online-Petition zusammengeschlossen. Auch bei einer Info-Veranstaltung im Januar wurde die geteilte Ansicht über das Projekt noch einmal deutlich.

Auf der anderen Seite stehen die Anwohner in Hagsfeld. Zu Stoßzeiten wird ihr Ortskern zum Verkehrs-Hotspot, Gehwege werden zur Fahrbahn - zum Nachteil der Radfahrer und Fußgänger. Daher haben auch sie eine Online-Petition gestartet - allerdings pro Umfahrung.

"Wir können und wollen das nicht mehr aushalten", sagt Anwohner Andreas Tischer im Gespräch mit ka-news.de im März. Um das zu verdeutlichen, haben die Hagsfelder die gesammelten Unterschriften am Montag, einen Tag vor der Gemeinderatsentscheidung, an Oberbürgermeister Mentrup übergeben.

Was wollen die Stadträte erreichen?

Im Rahmen des anstehenden Gemeinderatsbeschlusses am Dienstag haben mehrere Fraktionen die Gelegenheit genutzt, sich noch einmal mit Anträgen und Anfragen zu dem Bauprojekt zu äußern. So fordern die CDU und die FDP, statt der Brücke das Unterführungsbauwerk in der Planung vorzuziehen. Die Grünen wiederum möchten erreichen, dass die Südumfahrung ganz aufgegeben und stattdessen alternative Mobilitätslösungen für Hagsfeld und Rintheim gefunden werden.

Ähnlich sieht das die Fraktion KAL/Die Partei. Da ihrer Ansicht nach die Verkehrsentlastung durch die Umfahrung nicht ausreichend gewährleistet werden kann, sollen alternative Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Hagsfeld in Betracht gezogen werden - etwa Poller, Straßensperrungen und die Einrichtung von Anliegerstraßen. 

Die Grünen haben zudem den Antrag eingebracht, weitere Möglichkeiten für den geplanten Anschluss der neuen Trasse an den Technologiepark zu prüfen. Aktuell wird der Anschluss an die Albert-Nestler-Straße in den Planungen favorisiert.

Die Linke möchte erreichen, dass ein Beschluss zur Umfahrung Hagsfeld erst gefasst wird, wenn die Auswirkungen auf das Klima in Karlsruhe und im betreffenden  Bereich untersucht sind und entsprechend den Gemeinderats-Beschlüssen zum Klimaschutzkonzept und zur Darstellung der Klimarelevanz in Gemeinderatsvorlagen vorliegen.

Die AfD-Fraktion möchte ebenfalls erst weitere Studien, etwa zur Verkehrsbelastung, durchgeführt sehen, beantragt aber ansonsten, die Planung und Umsetzung der Umfahrung ohne weitere Verzögerungen voranzutreiben.

Wie geht es nach der Gemeinderatsentscheidung weiter?

Nach der Entscheidung des städtischen Gremiums entweder für die von der Stadt favorisierte Brückenvariante oder die Troglösung werden alle erforderlichen Unterlagen für das offizielle Planfeststellungsverfahren erarbeitet und beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingereicht.

Ein Planfeststellungsverfahren ist ein besonderes, streng formalisiertes Genehmigungsverfahren über die Zulässigkeit beispielsweise einer Straßenbaumaßnahme. Das Verfahren beinhaltet ein gesondertes Anhörungsverfahren und dient der Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange und ist Voraussetzung für die Genehmigung der Maßnahme.

Auch Träger öffentlicher Belange sowie Umweltverbände werden angehört. Dadurch wird die durch den Gemeinderat beschlossene Variante näher auf Themen wie Verkehr, Umwelt, Lärmschutz und Kosten untersucht. Ist danach der Planfeststellungsbeschluss gefasst worden, steht dem Bauprojekt faktisch nichts mehr im Wege. Mitte 2019 hieß es aus dem Rathaus: Ein Baubeginn ist frühestens in fünf Jahren denkbar.

Wie die Gemeinderäte abgestimmt haben und was die Fraktionen zu den Plänen sagen - ka-news.de wird live vor Ort sein und berichten.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   Messer
    (349 Beiträge)

    30.06.2020 15:22 Uhr
    Hoffentlich wird diese Naturzerstörung abgelehnt
    die CDU/FDP-Betonköpfe wollen das restliche bisschen Natur in Karlsruhe zerstören, aber es sind ja bald Wahlen...
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  •   kommentar4711
    (2496 Beiträge)

    30.06.2020 13:56 Uhr
    Wenn ich sowas wieder lese...
    "alternative Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Hagsfeld in Betracht gezogen werden - etwa Poller, Straßensperrungen und die Einrichtung von Anliegerstraßen" -> Glaubt man denn wirklich, dass da heute jemand zum Spaß durch fährt? Die Leute müssen da irgendwo hin, und das wird sich nicht ändern wenn man Poller aufstellt.
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  •   A1Fan
    (6 Beiträge)

    30.06.2020 14:48 Uhr
    Sparlösung
    Das wäre die Sparlösung. Wenn es richtig gemacht wird hätte es wohl zur Folge, dass der Ostring noch voller wird als er jetzt schon ist. Alternativ einfach Abfahrt Karlsruhe-Nord in Richtung Hagsfeld dicht machen...
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  •   kommentar4711
    (2496 Beiträge)

    30.06.2020 15:03 Uhr
    RE: Sparlösung
    Ne, das wäre keine Sparlösung, das wäre überhaupt nix. Und die Abfahrt dicht machen und alles woanders fahren lassen ist auch keine Lösung. Außer natürlich für die direkten Anwohner. Aber mit dem Ansatz "Hauptsache nicht bei mir" ist man noch nie zu einer sinnvollen Lösung gekommen.
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  •   A1Fan
    (6 Beiträge)

    30.06.2020 15:23 Uhr
    Ironie
    Sorry, ich hätte das als Ironie markieren müssen. Dass das so nicht geht ist mir auch klar.
    Der Autobahnanschluss zieht an dieser Stelle den Verkehr an. Da nicht weiter gedacht/gebaut worden ist müssen die Anwohner in Hagsfeld den Durchgansverkehr ertragen. Das hat auch nichts NIMBY zu tun.

    Ich erwarte mir allerdings von der Sitzung nachher kein Ergebnis. Die Hängepartie geht weiter.
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  •   Der_Pendler
    (142 Beiträge)

    30.06.2020 13:06 Uhr
    Junge, junge...
    ...so viele neue Brücken grinsen
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  •   Svantovit
    (119 Beiträge)

    30.06.2020 11:44 Uhr
    Reaktionär
    Anders kann man dieses Projekt und auch das der geplanten zweiten Rheinbrücke nur bezeichnen. Verkehrskonzepte, die den Stau lediglich verlagern und gleichzeitig viel Geld kosten, gab es in der Vergangenheit schon genug.
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  •   A1Fan
    (6 Beiträge)

    30.06.2020 13:04 Uhr
    Dringend nötig
    Der Autobahnanschluss Nord macht ohne dieses Verbindungsstück keinen Sinn.
    Es kann nicht sein, dass Hagsfeld als Verkehrsanbindungbindung Richtung Stutensee und auch zum Technologiepark dient. Zumal in den nächsten Jahren weitere Firmen im Tech. Park angesiedelt werden sollen.

    Die Lärm und Verkehrsbelästigung in Hagsfeld ist zu hoch. An den viel befahrenen Straßen befinden sich Grundschule und Kindergarten.

    Die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30km/h wird i.a. ja ignoriert. Vorallem Abends wird gerne auch mal mit 50+ durchgefahren ....

    Ich werde mir daher sehr genau anschauen, wie die einzelnen Gemeinderatsmitglieder abstimmen werden.
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  •   Toffl
    (110 Beiträge)

    30.06.2020 10:19 Uhr
    Die Brücke
    wäre mit viel weniger Eingriff verbunden - man kann noch darunter durch laufen, sie zerschneidet die Landschaft nicht so wie der Trog - sieht man im Video sehr gut. Und im Sommer hat man Schatten zwinkern
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  •   lynx1984
    (3303 Beiträge)

    30.06.2020 11:25 Uhr
    Brücke
    wobei es noch preisgünstiger wäre die Rampen aufzuschütten und nicht diese Stelzen im Bereich der Rampen vor der eigentlichen Brücke zu verwenden. Das hätte sogar den (bekannten) Effekt, dass dort die ganzen Echsen weiterhin nisten könnten. Das würde das brach liegende Stück, ja gar Todland reaktivieren.
    Damit wäre auch den Umweltschützern recht getan.
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