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Karlsruhe Tierretter aus Karlsruhe hilft Haustieren in Hochwassergebieten: "Es sah da unten aus wie im Krieg"

Viele Menschen aus den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mussten angesichts der Flut überstürzt ihr Hab und Gut zurücklassen - darunter auch ihre Haustiere. Um ihnen zu helfen, war unter anderem Tierretter Markus Wagner aus Karlsruhe vor Ort im Einsatz.

"Es sah da unten aus wie im Krieg", erzählt Markus Wagner von der Tiertaxi-Zentrale Karlsruhe/Stutensee im Gespräch mit ka-news.de. "Ich habe gestern auch nochmal Zeit für mich gebraucht, um mich zu erholen und das Ganze zu verarbeiten." Seit Montagabend ist der 39-Jährige wieder zu Hause bei seiner Familie.

Organisation der Tierrettung dauerte zu lange

Stationiert war Wagner kurz vor dem überfluteten Dorf Erftstadt-Blessem. Insgesamt seien sechs Tierretter-Vereinigungen aus ganz Deutschland mit zirka 30 Personen vor Ort gewesen, um bei der Tierrettung mitzuhelfen. Finanziert durch Spenden und ausgestattet mit Medikamenten, Futter und Co. fuhr Wagner dann am Samstagabend in das Hochwasserkatastrophengebiet in Nordrhein-Westfalen.

Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem. Einige Häuser sind dort eingestürzt, Menschen werden vermisst.
Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem. Einige Häuser sind dort eingestürzt, Menschen werden vermisst. | Bild: Rhein-Erft-Kreis/dpa

Doch erst einmal angekommen, gab es schon das erste Problem: Die Retter durften gar nicht direkt in das Gebiet hinein. "Die Organisation ist leider nicht so gut gelaufen. Bis wir das 'OK' vom Krisenstab bekommen haben, waren schon einige Stunden vergangen. Das heißt aber noch lange nicht, dass dann die Polizei auch Bescheid weiß", erzählt Wagner.

Kurzum: Bis die Tierretter in das Dorf durften, waren einige Stunden bereits vergangen. Zeit, die man besser hätte nutzen können? Wagner zeigt hier ein Stück weit Verständnis: "Man weiß ja nicht, was da in dem Ort noch passiert und da will keiner den Kopf hinhalten."

Kleinere Tiere blieben bei Evakuierung meist zurück

Als es dann endlich losging, war es Wagners Aufgabe, sich in verlassene Wohnungen zu begeben, dort nach den vermissten Haustieren zu suchen, und zu den Besitzern zu bringen. Zuvor hatte man in den sozialen Netzwerken bereits Aufrufe gestartet, um herauszufinden, wo die Tiere sich noch aufhielten, so der Tierretter.  Hinzu kamen die Bitten der Anwohner vor Ort, die Wagner darum baten, ihre Tiere aus den Wohnungen zu befreien.

Zwei Autos der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee.
Zwei Autos der Tier-Taxi-Zentrale aus Stutensee. | Bild: Markus Wagner

Insgesamt 25 Anlaufstellen kamen so zusammen, die Wagner während seines Aufenthalts aufsuchen sollte. Besonders Hauskatzen, Nagetiere oder Vögel standen hier auf seiner "To-Do-Liste". Hunde seien eher die Ausnahme gewesen, da diese bereits bei der Evakuierung mitgenommen wurden.

Größere Tiere wurden sich selbst überlassen

"Man muss sich vorstellen, dass die Menschen bei einer Evakuierung 15 Minuten Zeit haben, um das Nötigste mitzunehmen. Da bleiben Kleintiere dann doch eher zurück als der Familienhund", erläutert Wagner. Größere Tiere wie zum Beispiel Pferde wurden durch das Öffnen der Ställe quasi sich selbst überlassen.

Tierrettung im Hochwassergebiet bei Erftstadt
Insgesamt 30 Personen waren in Erftstadt-Blessem für die Tierrettung zuständig. | Bild: Markus Wagner

"Ich weiß, dass es hier einen Hof mit zehn Pferden gab. Bei der Evakuierung haben die Leute die Ställe aufgemacht und die Pferde sind auf den Straßen herumgerannt. Nur zwei davon haben überlebt", erzählt er. "Wie viele Tiere insgesamt gestorben sind, kann ich nicht sagen."

50 Tiere an ihre Besitzer übergeben

Umso schöner sei es für den 39-Jährigen, wenn er die Haustiere wohlbehalten an seine Besitzer in der Notunterkunft übergeben könne. "Wir konnten 50 Tiere aus den Wohnungen retten. Eine Person wollte uns sogar Geld dafür geben, weil sie so dankbar war, dass wir ihren Graukopfpapagei mitsamt Voliere zu ihr transportiert haben. Ich habe das Geld natürlich abgelehnt."

Tierrettung im Hochwassergebiet bei Erftstadt
Tierrettung im Hochwassergebiet bei Erftstadt | Bild: Markus Wagner

Auf die Frage, ob er nochmal in die Hochwassergebiete fahren wird, so wie es die Karlsruher Feuerwehr aktuell tut, hält Wagner aber für unwahrscheinlich:

"Von den sechs Vereinigungen sind zwei dort geblieben, um weiter nach Tieren zu suchen. ich werde da vermutlich nicht mehr hingehen. Eben auch, weil sich die Lage soweit beruhigt hat, dass meine Hilfe nicht mehr benötigt wird."

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  •   lynx1984
    (3430 Beiträge)

    23.07.2021 07:31 Uhr
    Danke!
    Man darf dazu auch mal Danke sagen!
    Tierrettung ist auch ehrenhaft - erst recht wenn dies in der Freizeit und auf eigenes Risiko geschieht.
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  •   Motorhead
    (549 Beiträge)

    23.07.2021 13:34 Uhr
    Schließe
    mich an. Den ganzen Helfern kann nicht genug Dank entgegengebracht werden.
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