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Stuttgart Einkaufstourismus-Gefahr in Baden-Württemberg: "Vernunft jedes Einzelnen zählt"

Die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg hatte lange darüber diskutiert, für Öffnungen die landesweite Inzidenz als Maßstab zu nehmen. Das sollte Einkaufstourismus zwischen den Kreisen und einen Flickenteppich zu vermeiden. Doch es kommt anders.

Wirtschaftsverbände aus dem Südwesten unterstützen den Beschluss des Landes, regionale statt landesweite Corona-Inzidenzwerte als Maßstab für Öffnungen etwa von Einzelhändlern zu nehmen.

Davon profitierten zumindest Einzelhändler in Städten und Landkreisen, in denen die Inzidenz pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen stabil unter 50 liege, teilte der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) am Freitag auf Anfrage mit.

Eine Frau mit Mundschutz auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Salzburg.
Eine Frau mit Mundschutz auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. | Bild: Barbara Gindl/APA/dpa

"Die Möglichkeit, kreisweise bei einem stabilen Inzidenzwert unter 50 zu öffnen, bietet für den davon profitierenden Einzelhandel eine Chance und ist deshalb zu begrüßen."

Zugleich sei aber klar, dass durch die Entscheidung "das Risiko eines ausgeprägten Einkaufstourismus befeuert" werde. "Hier muss auf die Vernunft jedes Einzelnen gesetzt werden. Denn klar ist auch, wenn die Infektionszahlen weiter steigen, dann stehen wir mittels Notbremse sehr schnell wieder vor erneuten Schließungen."

"Einkaufstourismus" wahrscheinlich

Der Handelsverband Baden-Württemberg teilte auf Anfrage mit, es sei wohl unvermeidlich, dass es zu einer Art Einkaufstourismus zwischen einzelnen Kreisen komme. Aber nun bestehe zumindest die Chance, Einzelhändler in Regionen mit niedrigen Inzidenzen durch Öffnungen wirtschaftlich "zu retten".

Eingeschränkter Einkaufsbummel: In der Corona-Krise geben viele Menschen weniger Geld aus als vorher.
(Symbolbild) | Bild: Peter Steffen/dpa/dpa-tmn

Die grün-schwarze Koalition hatte lange darüber diskutiert, für Öffnungen die landesweite Inzidenz als Maßstab zu nehmen, um Einkaufstourismus zwischen den Kreisen und einen Flickenteppich zu vermeiden. Doch das hätte bedeutet, dass es auf Sicht kaum eine größere Lockerung gegeben hätte.

Denn die landesweite Inzidenz steigt seit etwa zwei Wochen stetig und liegt über 50.

Ein Beschluss von Bund und Ländern sieht vor, dass von kommender Woche an bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 der Einzelhandel, Museen, Galerien, Gedenkstätten sowie zoologische und botanische Gärten wieder öffnen dürfen, teils unter Auflagen wie einer Kundenbegrenzung.

Bei einer Inzidenz von bis zu 100 sollen eingeschränkte Lockerungen für diese Bereiche gelten.

 

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  •   UngueltigDannZuLang
    (196 Beiträge)

    08.03.2021 15:03 Uhr
    So sehr ich es auch verstehen moechte
    Ich lebe teilweise in einem Land, das die Schulen in diesem Winter offen gelassen hat. Mein Kleiner hat mal gesagt, das mit der Maske ist gar nicht schlimm. So bleibt wenigstens der Mund warm bei offenen Fenstern.
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  •   tom1966
    (1281 Beiträge)

    08.03.2021 09:20 Uhr
    Vernunft des Einzelnen!
    Naja, wenn ich an den Bericht im Radio von heute Morgen denke (Corona-Party in Frankfurt mit 500 Jugendlichen / jungen Erwachsenen, meist eng und ohne Maske), so lässt mich das an der Vernunft der Menschen doch arg zweifeln! Für die Partygänger selbst ist das Risiko eines schweren Verlaufes im Falle einer Infektion releativ gering, aber haben die keine Kontaktpersonen (z.B. Verwandte), die einer Risikogruppe angehören? Ich finde so ein Verhalten im höchsten Maße rücksichtslos und egoistisch!

    Was das Einkaufen betrifft, so erwarte ich ein vergleichbares Verhalten: Der Kreis Germersheim öffnet noch nicht, da die Inzidenzen zu hoch sind (aktuell 130 lt. RKI). Aber einige wollen "shoppen" ohne Rücksicht auf Verluste und da es im Kreis nicht geht, fahren sie nach KA, MA, SP oder LU.
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  •   Kommentar
    (595 Beiträge)

    08.03.2021 18:49 Uhr
    Draußen
    Die "Party" war in einem Park. Und zu einer Party wurde es durch "Musik".
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  •   tom1966
    (1281 Beiträge)

    09.03.2021 07:23 Uhr
    Party draußen, na und?
    500 Menschen auf engem Raum meist ohne Maske - mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen!

    Dass dass Ganze im Freien stattfand, macht es etwas besser, aber noch lange nicht gut. Das Verhalten ist nach wie vor egoistisch und rücksichtslos!
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  •   Prof.Baerlapp
    (767 Beiträge)

    09.03.2021 09:55 Uhr
    Aber es war vorhersehbar
    dass man nach einem Jahr Corona-Beschränkungen und Verboten einen Teil der Menschen einfach nicht mehr erreicht. Lockdown ist etwas, was für eine kurze Phase tauglich ist und eingehalten wird (siehe letztes Frühjahr), aber eben nicht über 12 und noch mehr Monate. Da müssen wir einfach ehrlich sein.

    Ich will damit kein Fehlverhalten rechtfertigen. Ich denke nur, man muss der Wahrheit ins Auge sehen. Je länger es dauert, desto mehr werden wir erleben, dass die Akzeptanz für die Regeln bröckelt. Deswegen wäre es auch so wichtig gewesen, dass die Impfkampagne zügig läuft und nicht im derzeitigen Schneckentempo. Da fehlt den Leuten schlicht die Perspektive.
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  •   AhmedDerAufklärer
    (193 Beiträge)

    09.03.2021 14:50 Uhr
    Soweit
    mir bekannt war gar nicht 12 Monate Lockdown, sonder vielleicht 5. Das ist auch lange, aber doch weniger als die Hälfte Ihrer Angabe.
    Können Sie bitte aufklären, was Sie meinen?
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  •   tom1966
    (1281 Beiträge)

    09.03.2021 10:13 Uhr
    Akzeptanz
    Es ist mir völlig bewusst, dass die Akzeptanz der Einschränkungen nachlässt. Ich selbst bin auch nicht mehr sonderlich motiviert, sehe aber ein, dass wir damit noch ein paar Monate lang leben müssen. Ich denke, wenn es wieder wärmer wird, werden - wie letztes Jahr- die Zahlen wieder sinken und es wird mehr möglich sein, und bis dahin müssen wir durchhalten - das sind noch ca. 2 Monate.

    Dass in vielen Branchen die Unternehmen ab Abgrund stehen ist mir auch klar, nur was bringt es, wenn wir jetzt öffnen und in zwei oder drei Wochen wieder schließen müssen, weil die Zahlen exponentiell steigen (nur als Annahme!) . Hier hätten die Überbrückungshilfen der Regierung besser greifen müssen: Z.B. ein gewisser Prozentsatz (deutlich > 50%) der Fixkosten (Löhne, Mieten usw.) werden übernommen und zeitnah ausbezahlt.

    Warten wir mal ab, wie sich die Öffnungen auswirken, ich für meinen Teil bin da jedenfalls nicht sonderlich optimistisch.
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  •   Kommentar
    (595 Beiträge)

    09.03.2021 11:12 Uhr
    Warum brauchen wir
    vor dem Sommer niedrige Inzidenzwerte, wenn die Nachverfolgung besser funktioniert und große Teile der wirklichen Risikogruppen geimpft sind?

    Und warum wird bei einer Enteignung nicht der volle Wert entschädigt?

    Und woher kommt der Optimismus in Bezug auf den nächsten Winter? Es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass die Situation dann nicht wieder eine sehr ähnliche sein wird. Wenn über den Sommer mehr geöffnet wird, werden sich auch alle "erfolgreichen" Varianten weltweit verbreiten. Und auch dann wird über den ganzen Winter eine flächendeckende Inzidenz von unter 50/100000 ohne Maßnahmen vollkommen unrealistisch sein.
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  •   Berty87
    (973 Beiträge)

    07.03.2021 07:28 Uhr
    Vernunft
    Jedes Einzelhändler.

    Ist schon lange rum. Insolvenzen drohen, und da soll noch eine Vernunft sein. Ne ne ne. Die Händler sind froh um esen Cent denn Sie einnehmen können.
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  •   schlaule2
    (347 Beiträge)

    06.03.2021 17:35 Uhr
    man sollte in jeder Situation auf die Vernuft
    des Einzelnen hoffen können, funktioniert halt nicht, illegale Autorennen, Raserei, LKW Fahrer die am Handy datteln, Corona ist eine Grippe, usw. wenn jetzt geöffnet wird sind die meisten dabei alles zu 100% auszureizen nur weil es erlaubt ist, Hirn einschalten würde häufig helfen...
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