11  

Karlsruhe Südumfahrung Hagsfeld: "Gerät das Projekt ins Stocken, werden wir wieder aktiv!"

Für die Anwohner in Hagsfeld ist eine Verkehrserleichterung in Sicht: Die politischen Entscheidungsträger haben Ende Juni dem umstrittenen Verkehrsprojekt Südumfahrung zugestimmt. Mit der neuen Straße sollen in einigen Jahren weniger Autos durch den Stadtteil rollen. "Wir sind erleichtert", so Anwohner Andreas Tischer, "man ist endlich einen Schritt weiter."

"Das ist kein Dauerzustand", kommentiert Anwohner Andreas Tischer das Verkehrsaufkommen in Hagsfeld, "wir ertragen das schon lange genug, das ist nicht mehr lebenswert." Schleichend hat sich die Anzahl der Autos über die Jahre vermehrt - bis zu den Hauptverkehrszeiten morgens und abends stundenlang Stoßstange an Stoßstange angesagt ist. Ein Überqueren der Straße - unmöglich.

"Schleichweg Hagsfeld"

Die Zunahme am Verkehr kam mit dem Autobahnanschluss Karlsruhe-Nord, erzählt Tischer. Obwohl es keine offizielle Ausschilderung gibt, nutzen viele Pendler den "Schleichweg" durch die 30er-Zone - den Hagsfelder Ortskern.

"Einen weiteren Zuwachs hat es mit dem Start der Baustellen zwischen Karlsruhe und Bruchsal gegeben. Viele weichen über Hagsfeld aus", sagt Tischer, "und mit jedem Unfall auf der A5 zwischen Karlsruhe und Bruchsal ist hier das Verkehrschaos komplett."

Anwohner kämpfen für Südumfahrung

Zusammen mit vielen weiteren Unterstützern kämpfte Tischer in den vergangenen Monaten für die Verkehrsumfahrung. Das Ergebnis: Eine Petition mit 1.500 Unterschriften, welche Ende Juni dem Oberbürgermeister Frank Mentrup übergeben wurde. Am Tag darauf stand das Projekt zur Abstimmung auf der Tagesordnung des Karlsruher Gemeinderats.

Oberbürgermeister Frank Mentrup nimmt die Unterschriften entgegen.
Oberbürgermeister Frank Mentrup nimmt die Unterschriften entgegen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dieser stimmte der Verkehrsmaßnahme zu: Mit 27 Ja- gegen 20 Nein-Stimmen wurde der Bau bewilligt. Bei den Befürwortern ist man erleichtert: "Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, um die Entscheidung zu realisieren und dass sie auch wirklich ein Ja zur Umfahrung bedeutet", so Tischer im Gespräch mit ka-news.de. 

ÖPNV und Radwege sind keine Lösung

Im Vorfeld der Entscheidung demonstrierten viele junge Klimaaktivisten gegen die neue Straße - und auch im Stadtteil Rintheim äußerte man sich gegen die geplante Umfahrung. Was sagen die lärmgeplagten Anwohner den Gegenparteien?

"Fakt ist: Der Verbrennungsmotor ist noch nicht abgeschafft - er wird noch gebaut und noch genutzt. Und auch die Alternativen wie Fahrrad, Erdgas-, Autogas- oder Wasserstoffautos benötigen eine Straße zum Fahren", so Tischer.

Bild: Alex Hammer|Hammer Photographie

Grundsätzlich befürworten die Anwohner den Ausbau von ÖPNV und Radwegen - eine Lösung für ihr Verkehrsproblem sei das aber nicht. "Der Hauptteil des Verkehrs sind Pendler, keine lokalen Autos - die steigen nicht auf andere Verkehrsmittel um."

Unterführung statt Brücke

Tischer bezweifelt, dass die neue Straße mehr Verkehr für Rintheim bedeutet: Der Großteil der Autos fährt derzeit durch Hagsfeld - denn: "Rintheim hat alle Schleichwege bereits geschlossen." Mit der neuen Straße soll auch Rintheim - mit dem Ostring - entlastet werden. Für Hagsfeld würde die neue Straße mindestens 3.000 Fahrzeuge weniger bedeuten, sind sich die Befürworter sicher. 

Bild: Alex Hammer|Hammer Photographie

Die Stadträte haben sich für die Trogvariante entschlossen: Die neue Straße, welche die Elfmorgenbruchstraße mit der Haid-und-Neu-Straße verbinden soll, wird unter den Bahngleisen durchgeführt. Die Alternative wäre eine Brücke über die Gleise gewesen. Diese ist noch nicht ganz vom Tisch: Gibt es etwa umweltrechtliche Komplikationen, ist die Brücke immer noch eine Alternative.

Nur die Südumfahrung alleine wird den Hagsfeldern keine Erleichterung bringen, ist sich der Anwohner sicher: "Es muss eine Kombination aus verkehrsberuhigenden Maßnahmen sein. Der Stadtteil muss für den Durchfahrtsverkehr unattraktiv werden." Ein Vorbild könnte Wolfartsweier sein: Hier sorgen ein Tempolimit von 20 km/h und Blitzer für weniger Verkehr.

Wie es sein könnte: Das zeigte im März und April die Auswirkungen von Covid-19: "Es war deutlich weniger Verkehr: Man konnte problemlos aus dem eigenen Hof ausfahren und die Straße überqueren", erzählt Tischer.

Andreas Tischer, Initiator der Open Petition "Für eine Umfahrung Hagsfeld".
Andreas Tischer, Initiator der Open Petition "Für eine Umfahrung Hagsfeld". | Bild: Alex Hammer|Hammer Photographie

Etwas ausharren müssen die Hagsfelder noch - einige Jahre. "Die Entscheidung heißt nicht, dass sofort die Bagger rollen", so Tischer. Man rechnet damit, dass die Umsetzung des Projekts noch rund fünf Jahre dauern wird - aber: "Man ist einen Schritt weiter. Das Thema ist nicht abgehakt, wir werden es natürlich weiter verfolgen. Sollte das Projekt ins Stocken geraten, werden wir uns auch wieder aktiv zu Wort melden."

Wie geht es weiter?

Jetzt werden alle erforderlichen Unterlagen für das offizielle Planfeststellungsverfahren erarbeitet und beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingereicht.

Ein Planfeststellungsverfahren ist ein besonderes, streng formalisiertes Genehmigungsverfahren über die Zulässigkeit beispielsweise einer Straßenbaumaßnahme. Das Verfahren beinhaltet ein gesondertes Anhörungsverfahren und dient der Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange und ist Voraussetzung für die Genehmigung der Maßnahme.

Auch Träger öffentlicher Belange sowie Umweltverbände werden angehört. Dadurch wird die durch den Gemeinderat beschlossene Variante näher auf Themen wie Verkehr, Umwelt, Lärmschutz und Kosten untersucht. Ist danach der Planfeststellungsbeschluss gefasst worden, steht dem Bauprojekt faktisch nichts mehr im Wege. Mitte 2019 hieß es aus dem Rathaus: Ein Baubeginn ist frühestens in fünf Jahren denkbar.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (11)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   tom1966
    (528 Beiträge)

    02.09.2020 07:58 Uhr
    Höchste Zeit
    Es war höchste Zeit, dass das Problem in Angriff genommen wurde. Zu den Stoßzeiten quält sich eine durchgehende Kolonne durch Hagsfeld.
    Wie kann man einen Autobahnanschluss (KA Nord) bauen, der von der einen Seite nur durch eine schmale Ortsdurchfahrt erreichbar ist? Jeder der aus der Nordhardt an der AS KA Nord auf die Autobahn will, muss durch Hagsfeld. Das ist vorsichtig ausgedrückt suboptimal.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nun
    (19 Beiträge)

    01.09.2020 15:56 Uhr
    So ist es
    Man hätte ja erst mal die Alternativen zur Umfahrung ausprobieren können...Baustellen werden ja in karlsruhe eh nicht fertig,egal ob man früher oder später anfängt!
    Ich frage mich z.B., als Bewohner der Oststadt wann hier endlich eine Umfahrung kommt.
    Denn am Georg-Friedrich Kreisel ist es genauso schlimm
    .
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   alexka
    (4 Beiträge)

    01.09.2020 16:51 Uhr
    keine Entlastung zu erwarten
    Die letzte , von der Stadt in Auftrag gegebene Verkehrsprognose hat eine Entlastung der von 3300 Fahrten pro Tag in der Brückenstraße in Hagsfels berechnet - dem gegenüber wird für die neue Straße ein Aufkommen von 23.000 Fahrzeugen pro Tag berechnet - wo ist hier die Entlastung ? Durch die Straße wird Verkehr in diesen Bereich der Stadt verlagert und staut sich dann dort - wem wird dadurch geholfen ? Hoffnung macht, dass sich die Folgen von Corono auch verkehrstechnisch nachhaltig auswirken werden. Durch vermehrtes Home-Office wird die Zufahrt zum Technologiepark nicht mehr im geplanten Umfang benötigt werden. Darum ging es den Planern hauptsächlich. Die Belange der Anwohner haben eh eine untergeordnete Priorität. Stellt sich die Frag ob die geplanten 70 Mio. dann noch zu rechtfertigen sind.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ari1234
    (5 Beiträge)

    02.09.2020 16:47 Uhr
    Nutzt nur einem geringen Teil von Karlsruher Bürgern etwas
    Hilft weder den Anwohnern an den stark befahrenen Strassen in der Oststadt und in der Weststadt. Für diese wird der Verkehr weiter zunehmen. Ist nicht akzeptabel.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   357.Magnum
    (154 Beiträge)

    01.09.2020 10:06 Uhr
    Gelaber
    immer nach dem Motto: "Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd and're an“ .
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gaensebluemchen
    (575 Beiträge)

    01.09.2020 17:38 Uhr
    Genau so ...
    ... ist das.
    Vor allem muss erst mal die Kohle dafür gefunden werden, bei all den anderen Baustellen, deren Kosten explodieren, eine sportliche Aufgabe.
    Und die Einnahmen der Stadt werden durch das Virus auch nicht gerade besser ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   tom1966
    (528 Beiträge)

    01.09.2020 12:23 Uhr
    ????
    Was wollen Sie damit sagen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1280 Beiträge)

    01.09.2020 08:45 Uhr
    super
    aber, wenn ich lese wie lange das dauern soll bekomme ich Tränen in die Augen.
    Die Wirtschaftslage muss ja hervorragend sein. Ich bin sicher die Chinesen erledigen das locker in 3 Monaten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Beiertheimer
    (1166 Beiträge)

    01.09.2020 10:15 Uhr
    Zum Thema Chinesen
    Kurz nachdem die Chinesen das Krankenhaus in Wuhan fertig gestellt haben erhielten sie eine Anfrage unserer Bundeskanzlerin ob es möglich sei den Flughafen in Berlin fertig zu bauen.
    Die Antwort kam prompt: Wegen einer Nachtschicht würde man nicht anreisen. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11831 Beiträge)

    01.09.2020 09:21 Uhr
    !
    China ist auch nicht mehr das, was es einmal war ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.