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Berlin Steigende Corona-Zahlen: Kommt die Maskenpflicht im Freien?

Berlin will die Partyszene stärker kontrollieren, andere liebäugeln mit einer Maskenpflicht auch im Freien. Die wieder steigenden Corona-Zahlen machen zunehmend Sorge. Doch nur die Infektionszahlen zu betrachten, sei kurzsichtig, meint NRW-Ministerpräsident Laschet.

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen gibt es eine Debatte um erneute Beschränkungen. Diskutiert wird über eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen.

Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) brachte zudem strengere Kontrollen für Feiernde ins Spiel. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schlug vor dem Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten in der kommenden Woche eine neue Art der Risikobewertung vor.

Eine getragene Mundschutzmaske liegt in der Münchener Innenstadt auf dem Gehweg. In der bayerischen Landeshauptstadt gelten ab Donnerstag verschärfte Kontaktbeschränkungen sowie eine generelle Maskenpflicht in Teilen der Altstadt.
Eine getragene Mundschutzmaske liegt in der Münchener Innenstadt auf dem Gehweg. In der bayerischen Landeshauptstadt gelten ab Donnerstag verschärfte Kontaktbeschränkungen sowie eine generelle Maskenpflicht in Teilen der Altstadt. | Bild: Peter Kneffel/dpa

"Mit Corona leben lernen bedeutet in erster Linie, alle Entwicklungen genau im Blick zu haben. Dabei dürfen wir nicht nur auf die reinen Infektionszahlen schauen", sagte Laschet dem "Handelsblatt". Er forderte, die Kapazität der Krankenhäuser und die Zahl der intensivmedizinisch behandelten und beatmeten Covid-19-Patienten stärker in die Lagebewertung einfließen zu lassen. Gleiches gelte für den Anteil zurückverfolgbarer Infektionen, die Anzahl der Tests und den Anteil positiver Testergebnisse.

"Ampel"-System im Gespräch

"Wir brauchen für ganz Deutschland ein standardisiertes Corona-Monitoring, das die Pandemieentwicklung kommunenscharf abbildet", sagte Laschet. Er stellte sich damit hinter den Vorschlag seines Corona-Expertenrats, der sich für ein "Ampel"-System ähnlich wie in Österreich ausspricht.

Dort wird die Corona-Lage in den verschiedenen Regionen wöchentlich mit vier Farben von Grün (niedriges Risiko) bis Rot (sehr hohes Risiko) bewertet. Kriterien sind neben den Infektionszahlen auch, ob Erkrankte sich auf Reisen oder vor Ort anstecken, die Auslastung der Krankenhäuser, die Gesamtzahl der Tests und Faktoren wie Tourismus.

Je nach Farbe müssen konkrete Maßnahmen bis hin zur Schließung etwa von Gastronomie und anderen Einrichtungen getroffen werden. Derzeit steht die österreichische Corona-Ampel nirgends auf Rot, zeigt aber in zahlreichen Städten mit orangener Farbe ein hohes Risiko an.

Entscheidung zu neuen Regelungen am Dienstag erwartet

Auch das Land Berlin nutzt seit längerem eine Corona-Ampel - allerdings nur mit drei Kriterien: der Zahl der Neuinfektionen, der Auslastung von Intensivbetten und der Zahl, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Zweimal rot bedeutet Handlungsbedarf.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag bundesweit 2.153 neue Corona-Infektionen. Am Dienstag will Kanzlerin Merkel die steigenden Zahlen und mögliche Konsequenzen mit den Ministerpräsidenten der Länder besprechen. Am Sonntag trifft sie sich bereits mit den CDU-Ministern ihres Kabinetts.

Polizisten kontrollieren die Einhaltung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr.
Polizisten kontrollieren die Einhaltung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Müller kündigte bereits verschärfte Kontrollen an. "Es gibt natürlich auch illegale Partys und dann muss man mit Polizeieinsatz da natürlich auch gegen vorgehen", sagte er in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" am Donnerstagabend. "Wir machen das auch schon, aber das muss mit Sicherheit auch verschärft werden."

Viele Falscheintragungen in Kontaktdaten-Liste

Die Gaststättengewerkschaft NGG appellierte an Restaurant- und Kneipen-Besucher, sich mit korrekten Kontaktdaten in die ausliegenden Listen einzutragen. Zuletzt waren viele Falscheinträge aufgefallen, so dass bei Infektionsfällen nicht alle möglichen Kontaktpersonen kontaktiert werden können.

In der Debatte um eine bundesweite Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen trat Gesundheitsminister Jens Spahn auf die Bremse. "Aus meiner Sicht macht es Sinn, dass das tatsächlich lokal, regional, nach dem Infektionsgeschehen auch passiert", sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend in den ARD-"Tagesthemen". Frank-Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, sagte der "Passauer Neuen Presse": "Überall dort, wo ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, muss man alles tun, um es zu senken. Dazu gehören auch Masken." Bei höchstem Infektionsgeschehen sei eine Maskenpflicht auch auf öffentlichen Plätzen durchaus sinnvoll.

© dpa-infocom, dpa:200925-99-709481/2

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  •   peddersenn
    (1029 Beiträge)

    27.09.2020 16:25 Uhr
    Grundsätzlich
    sehe ich es als sinnvoll an, wenn ner Massnahme zwei Dinge zugrunde liegen:

    Erstens muss es ein Problem geben - und zweitens muss die Massnahme gegen dieses Problem etwas ausrichten.

    Das Problem der Ansteckung im Freien bei Abstand besteht quasi nicht - alle Erkenntnisse bisher lassen drauf schliessen, dass Ansteckung anders - und woanders- passiert. Und wo keine Ansteckung wahrscheinlich ist, ist ne Maske sinnlos bis kontraproduktiv.

    Ausser man pocht auf die Sichtbarmachung von "Solidarität und Vorsicht".
    Da würde dann aber auch ein Button am Revers genügen.
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  •   maehdrescher
    (1465 Beiträge)

    27.09.2020 14:17 Uhr
    So traurig
    Bin heute ein bisschen durch die Stadt spaziert. An den Bahn- und Bushaltestellen kaum jemand mit Maske. 90 Prozent ohne. Wo doch die Maske auch im Freien so einen hervorragenden Schutz bietet.

    Ich bin so enttäuscht und betrübt. In allen Umfragen stehen doch angeblich 90 Prozent voll hinter den Corona-Maßnahmen. Wie kann es dann an den Haltestellen umgekehrt sein? Liebe Landsleute, kehret um und befolget die Weisungen eurer Regierung.
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  •   peddersenn
    (1029 Beiträge)

    27.09.2020 16:18 Uhr
    traurig?
    Nun ja, vielleicht liegt das dran, dass die Leute nicht registrieren, dass auch die Haltestelle zur Bahnbenutzung gehört - und also auch theoretisch "maskenpflichtig" ist.

    Urteilt man nach der Frage, ob man da Mindestabstände unterschreitet, ist das aber definitiv nicht automatisch der Fall.

    Wichtig ist doch eher IN der Bahn.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1605 Beiträge)

    27.09.2020 01:25 Uhr
    Masken im Freien ...
    ... sind nicht nur sinnlos, sondern sogar schon schädlich. Auf der einen Seite ist das Infektionsrisko im Freien gering bis nicht existent,daher können die Masken da keine nennenswerten Infektionen verhindern. Auf der anderen Seite sind diese Masken bei dauerhaftem Tragen Heim- und Brutstätten für Pilze und Bakterien, also alles andere als gesund. Ich würde es sehr begrüßen, wenn unsere Politkaste wieder auf den Boden der Tatsachen ankommen und von dort aus Entscheidungen treffen würde.
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  •   andip
    (10627 Beiträge)

    28.09.2020 08:31 Uhr
    Die Bakterien
    die sich angeblich in der Make vermehren, sind die, die man selber vorher da rein geschnauft hat.
    Und die machen einen auch nicht kränker, als man vorher auch schon war, bzw. man ist schon gegen die immun.
    Das sollte nun wirklich nicht das Problem sein.
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  •   Kommentar
    (94 Beiträge)

    27.09.2020 12:57 Uhr
    Endlich
    hat sich das Wissen durchgesetzt, dass sich Viren allein nicht in Masken vermehren können. Hat lange genug gedauert.

    Die Masken sollten regelmäßig ersetzt oder gereinigt werden. Und bei Nichtrauchern und gesunden Menschen sollte die eigene Nase eigentlich ein ganz gutes Instrument sein, um die Sauberkeit der eigenen Maske zu beurteilen.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1605 Beiträge)

    27.09.2020 13:51 Uhr
    Das Viren sich nicht alleine ...
    ... in der Maske vermehren konnen sondern Wirtszellen brauchen ist doch so was wie Basiswissen? Und die Probleme mit Pilzen und Bakterien doch auch? Das weiß sogar eine Biologieniete wie ich. Und die Gefahren die davon ausgehen sollten auch bekannt sein? Ach, gibt es eigentlich wieder Desinfektionsmittel wie Sterilium - funktioniert gegen Pilze und Bakterien - problemlos und halbwegs preiswert zu kaufen? Damit kann man in wenigen Minuten eine Maske wieder ungefährlich machen.

    Alternativ dazu kann man einen Schlauchschal (Demobedarf) nehmen und den jeden Abend kurz von Hand durchwaschen (z.B. mit Neutralreiniger) und über Nacht wieder trocknen lassen. Der hilf auch bei Siffwetter ... Ist IMNSHO sinnvoller als eine Mund-Nase-Bedeckung, AKA Schnutenpulli.
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  •   maehdrescher
    (1465 Beiträge)

    26.09.2020 17:55 Uhr
    Wie schade
    Spahn scheint nicht begeistert von genereller Maskenpflicht auf Plätzen. Ich bin natürlich dafür und trage meine jetzt schon 24/7, natürlich auch beim Schlafen. Ich liebe Masken. Bitte mehr Maskenpflicht und zwar auf ewig.
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  •   santana
    (1244 Beiträge)

    27.09.2020 09:33 Uhr
    @maehdrescher
    Was für ein dümmlicher Kommentar
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  •   Beiertheimer
    (1166 Beiträge)

    26.09.2020 19:56 Uhr
    Ein weitere Vorteil der Maskenpflicht 24/7
    ist das Abnehmen. Da würde mancher aus der Risikogruppe adipositas rutschen.
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