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Karlsruhe So leben die Karlsruher mit der Maskenpflicht: Eine ka-news-Reportage

Angesichts der steigenden Corona-Infektionen gilt seit 19. Oktober eine neue Corona-Verordnung. Diese schreibt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Fußgängerzonen vor, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Bei Vergehen droht ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro pro Person. Wie gehen die Karlsruher mit der neuen Regel um? Wie wird sie umgesetzt oder kontrolliert? ka-news-Redakteurin Lisa-Maria-Schuster hat sich in der Karlsruher Innenstadt mal genauer umgesehen und umgehört.

Den Himmel über der Karlsruher Innenstadt durchzieht ein leichtes Grau. Für Ende Oktober ist es noch ziemlich warm. Ich spaziere durch die Fußgängerzone ohne Jacke. Es ist trocken und regnet nicht. Doch: Viele Passanten sind nicht unterwegs.

Ich sehe kaum Menschen mit Maske

Die Innenstadt ist für einen Werktag um die Mittagszeit erstaunlich leer. In den Geschäften stehen beschäftigungslos und etwas einsam die Verkäufer. Warum ist dies wohl so? Vielleicht liegt es am Wetter und am leichten Nieselregen, der jetzt einsetzt. Es könnte aber auch an der neuen Maskenregelung liegen.

Auch wenn es lästig ist, ich habe in der Stadt meine Maske permanent auf. In der Jackentasche ist diese inzwischen sowieso schon fast so selbstverständlich wie Haustürschlüssel und Portemonnaie.

Viele Passanten sind am Vormittag in der Fußgängerzone nicht unterwegs. | Bild: Lisa-Maria Schuster

Wenn der Karlsruher der Meinung ist, dass er den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten kann, muss er jetzt in der Fußgängerzone einen Mund-Nasenschutz tragen. Die Einhaltung des Mindestabstands liegt dabei im Ermessen jedes Einzelnen. 

Kontrolliert wird nirgendwo

"So viel hat sich ja nicht geändert." findet Innenstadtbesucher Cedric Mally. "Es ist nur problematisch, dass jede Stadt andere Regeln hat. Es tragen auf jeden Fall mehr Leute Masken. Einen Unterschied zur Zeit vor Montag gibt es auf jeden Fall."

"So viel hat sich ja nicht geändert." findet Innenstadtbesucher Cedric Mally. "Es tragen aber auf jeden Fall mehr Leute Masken." | Bild: Lisa-Maria Schuster

Einsehen haben einige Passanten. "Ob ich in der Fußgängerzone eine Maske aufhabe ist mir egal." erklärt Corinne G. "Die neue Regel hat ihre Berechtigung. Bei den meisten Menschen sehe ich hier allerdings definitiv keine Mund-Nasenbedeckung."

"Die neue Regel hat ihre Berechtigung." erklärt Corinne G. "Bei den meisten Menschen sehe ich hier allerdings definitiv keine Mund-Nasenbedeckung." | Bild: Lisa-Maria Schuster

Das Empfinden der Passanten geht also auseinander. Einkäufer, die keine Maske tragen, reagieren überrascht, wenn sie auf die neue Regelung angesprochen werden. Ein Bußgeld zahlen will wohl niemand. Hastig wird der zerknüllte Mundschutz aus der Hosentasche gezogen. Viele wollen darüber mit mir erst gar nicht sprechen. 

Keine Maske in den Nebenstraßen

Obwohl Engpässe an manchen Stellen nicht vermieden werden können, hat eine Vielzahl der Passanten keine Maske im Gesicht. Das Ordnungsamt oder die Polizei sind den ganzen Vormittag nicht in Sicht. Laut der Pressestelle der Polizei würde es aber ein Konzept zur Maskenkontrolle geben. Nur nicht den ganzen Tag, sondern nur zu bestimmten Zeiten. 

Auch wenn meine Befragung von Passanten in der Fußgängerzone eher positiv ausfällt, sehe ich selbst maximal 20% der Fußgänger mit Mund-Nasenschutz. Der Rest nimmt es anscheinend nicht so genau.

"Angebracht finde ich es, wenn es voll wird. Wenn ich die Abstände einhalten kann, will ich die Maske nicht tragen." betont Klaus Schöffler. |

"Ich sehe kaum Menschen mit Maske." stimmt mir Klaus Schöffler zu. "Angebracht finde ich es, wenn es voll wird. Wenn ich die Abstände einhalten kann, will ich die Maske nicht tragen. Einige haben diese ja schon auf, wenn niemand um sie rum ist. Manche noch nicht mal im Gedränge." 

Es müsste mehr Kontrollen geben

Ronja Schüßler sitzt mitten in der Fußgängerzone. Sie führt gerade eine Verkehrszählung durch und hat daher bereits eine Weile den Überblick über die Besuchermenge auf der Kaiserstraße. "Ich glaube, es müsste besser definiert werden, wann die Maske getragen werden muss. Ohne einheitliche Klärung kann das ja jeder Besucher selbst bestimmen." sagt sie. 

An den Haltestellen hängt nur bei wenigen der Mundschutz unterm Kinn. | Bild: Lisa-Maria Schuster

Zumindest in den Haltestellenbereichen halten die meisten Spaziergänger die Maskenpflicht ein. Nur bei wenigen hängt der Mundschutz weit unterm Kinn. Insbesondere da, wo Sitzplätze sind, scheint die Maskenpflicht zu enden. Obwohl bei Verstößen gegen die neue Regelung nicht nur eine Verwarnung, sondern ein Bußgeld droht. Aber kontrolliert wird bisher nirgends, so scheint es mir zumindest. 

In den Nebenstraßen trägt dann niemand mehr eine Mund-Nasenbedeckung. Vermutlich weil hier besser der Abstand zu anderen Spaziergängern eingehalten werden kann. Vielleicht auch weil dieser Bereich nicht mehr als Teil der Fußgängerzone empfunden wird. 

Infektionszahlen müssen wieder sinken

Es müsste wohl mehr Kontrollen geben, um die neue Regelung bei allen Passanten durchzusetzen. Zunächst müssen Ordnungsamt und Polizei aber erstmal ein Konzept haben um die neue Maskenpflicht zu kontrollieren. Spätestens zum Telefonieren nehmen die meisten Spaziergänger die unangenehme Maske sonst doch wieder ab. Das Genuschel unter dem Stoff ist ja auch nicht zu verstehen. 

Klar ist, dass die Infektionszahlen wieder sinken müssen. Schlimm wäre, wenn den Geschäfte in der Innenstadt durch die neue Maskenpflicht weiterer Umsatz wegbrechen würde. Ob die Fußgängerzone noch leerer wird als heute Vormittag? Das wird sich noch zeigen. Klar ist: Die Maskenpflicht trübt eben den Einkaufsspaß.

Zumindest an den Haltestellenbereichen halten die meisten Spaziergänger die Maskenpflicht ein. | Bild: Lisa-Maria Schuster

"Ich ziehe meine Maske in der Fußgängerzone immer auf." erklärt Gabriele S. "Oft fahre ich aber wegen der neuen Regelung überhaupt nicht mehr in die Innenstadt. Hier kaufe ich nur noch das Nötigste." Ich nicke ihr zu. So geht es sicher vielen, mir eigentlich auch. 

Einsicht haben die meisten Passanten

Nach meinem Rundgang durch die Fußgängerzone weiß ich: Die Meinungen zur Akzeptanz der neuen Maskenpflicht sind unterschiedlich. Einsicht, dass die aktuelle Regelung notwendig ist, haben die meisten Menschen mit denen ich gesprochen habe.

Eine leichte Skepsis bleibt aber dennoch. Wie es scheint, wollen einige Besucher es immer noch nicht lernen. Damit jeder mitzieht müssen vermutlich bald die Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei einsetzen oder verstärkt werden. Dann wird sich erst zeigen, ob die Karlsruher bereit sind in der Fußgängerzone Masken zu tragen. 

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  •   ka76199
    (61 Beiträge)

    28.10.2020 09:01 Uhr
    Ob die Maske
    jetzt was nützt oder nicht, ich weiß nur eins, dass ich als Brillenträger jetzt ständig entzündete Augen habe.
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  •   Tom2000
    (10 Beiträge)

    28.10.2020 07:27 Uhr
    Unklare regelung
    Sehr unklare Regelung Herr Mentrup. Und dann keine Kontrollen - prima.

    Warum einfach nicht generell eine maskenpflicht in allen Fussgängerzonen und ansonsten bei unterschreiten des mindestabstands.
    Corona ist doch mehr als eine Grippe - wie von Ihnen Anfang März hier geäussert - das wissen wir doch jetzt. Gell?
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  •   Kruppstahl
    (1225 Beiträge)

    27.10.2020 01:32 Uhr
    Es geht auch einfach
    "§ 3 Mund-Nasen-Bedeckung
    (2) Eine Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung besteht nicht
    für Personen, die glaubhaft machen können, dass ihnen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aus gesundheitlichen oder sonstigen zwingenden Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar ist, wobei die Glaubhaftmachung gesundheitlicher Gründe in der Regel durch eine ärztliche Bescheinigung zu erfolgen hat."
    Bei einem "akuten" Fall von Gesundheitsbeeinträchtigung (beispielsweise Übelkeit) kann ich kein Attest vorlegen, da es urplötzlich aufgetreten ist. Ein Arzt kann auch im Nachhinein nichts mehr diagnostizieren. Somit fällt das Attest in diesem Fall aus.
    Die Aussage, daß man aus gesundheitlichen oder anderen Gründen keine Maske tragen kann, reicht völlig aus.
    Laßt euch nicht verrückt machen und nutzt das euch gegebene Recht voll aus.
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  •   Kruppstahl
    (1225 Beiträge)

    27.10.2020 01:50 Uhr
    "...oder sonstigen zwingenden Gründen nicht möglich oder nicht zumutbar ist..."
    Das können Panikattacken, Kurzatmigkeit, Übelkeit uvm. sein.
    Ein Bußgeld wird bei korrekter Darstellung der Umstände niemals durchsetzbar sein.
    Wenn sich allerdings einer mit nem breiten Grinsen auf diese Unstände beruft, könnte das dann doch ein wenig schwierig werden. Deshalb: Hirn einschalten.
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  •   mueck
    (11901 Beiträge)

    26.10.2020 17:44 Uhr
    !
    Im Frühjahr hat man Läden, Restaurants, Theater, ... zugemacht, die Leute gingen ohne Maske an die frische Luft und die Zahlen gingen runter ...
    Inzwischen weiß man mehr über Corona, dass es vor allem beim längeren Zusammenhocken in geschlossenen Räumen gefährlich wird ...
    Also ordnet man im Freien Maskenpflicht an und wer die Nase voll hat in oder von der Maske, geht in die Kneipe, ein Bierchen trinken, oder ins Kino.
    Und die Zahlen gehen hoch.
    Findet den Fehler ...
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  •   Zackenbarsch
    (262 Beiträge)

    26.10.2020 19:28 Uhr
    Am Mittwoch
    trifft sich Merkel mit den Ministerpräsidenten. Gehen Sie davon aus dass dieser 'Fehler' dann korrigiert wird. Sprich: Gaststätten, Kinos, Sporthallen usw. werden geschlossen. Willkommen im zweiten Lockdown.
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  •   silberahorn
    (10612 Beiträge)

    26.10.2020 18:10 Uhr
    Von Fehlern
    möchte ich da nicht reden wollen. Es gibt nämlich mehrere Komponenten. Die rückläufigen Zahlen waren auch der Witterung im Sommer geschuldet. Im Herbst nehmen Infektionskrankheiten aller Art zu.

    Im Herbst wird die Luft feuchter. Es entsteht in unserer Zone ein Klima, bei dem auch Pilze verstärkt gesucht und gefunden werden können. Viele Pilzarten bevorzugen zum Austreiben der Pilze aus dem Myzel nämlich Temperaturen von 8 bis 18 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Das hat erste einmal nichts mit Covid zu tun, wurde aber zur Erklärung der Unterschiede zum Sommer genannt.

    Es kommt auch auf die Anzahl der Viren an, die ein Körper zu verkraften hat. Und eine Maske zu tragen erhöht die Aufmerksamkeit für eventuelle Gefahren. Beim Sport treiben sollen die Viren besonders schnell tief in die Lunge kommen, weil man tiefer atmet. usw.
    Die Zahlen in Karlsruhe haben sich in wenigen Tagen verdoppelt, also muss eine Mischung aus Vernunft und Regeln zumindest versucht werden.
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  •   Freigeist1
    (1553 Beiträge)

    26.10.2020 19:52 Uhr
    Und der
    Ausbruch im August in Spanien? Dort war es doch nur wenig herbstlich. Und warum gehen jetzt in Europa die Zahlen hoch, kaum aber in Nordamerika? Die haben auch Herbst.
    Die Erklärung der hier versammelten Hobbyvirologen werfen oft mehr Fragen auf als sie beantworten.
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  •   silberahorn
    (10612 Beiträge)

    26.10.2020 23:43 Uhr
    In Spanien
    wird gerade im Sommer bei Hitze in den Häusern kaum gelüftet. In Cadiz ist mir aufgefallen, dass die Gassen eng sind und auch Geschäfte kaum erkennbar sind. Das Leben spielt sich wegen der Hitze im Inneren ab. Und feucht wird es durch die Kondensation die bei Temperaturschwankungen entsteht.
    Außerdem sitzen Menschen bei starker Mittagshitze dann in den Häusern dicht beieinander.
    In Madrid wird es ähnlich sein, zusätzlich noch ohne Meer in der Nähe.
    Nordamerika (USA und Kanada) haben ähnliche Covid-Kurven wie wir.

    Ich bin kein Hobbyvirologe, aber durchaus schon in der Welt herumgekommen. Mich haben die diversen Lebensweisen und Maßnahmen, die sich in Bauten jahrhundertelang entwickelt hatten, schon lange interessiert. Selbst Fensterkonstruktionen können Auswirkungen haben.
    Zu mueck noch ergänzend: die Kontakterfassung auf Straßen ist anderes als in Kneipen.
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  •   Kommentar
    (147 Beiträge)

    26.10.2020 17:38 Uhr
    Verhältnismäßigkeit
    https://bnn.de/karlsruhe/karlsruhe-stadt/maskenpflicht-im-oeffentlichen-raum-gilt-im-stadt-und-landkreis-karlsruhe-auch-unter-ehepartnern
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