Karlsruhe So erlebten Karlsruher Kinos die erste Öffnung nach dem Lockdown: "Das erste Wochenende war überwältigend"

Es sind zwei Kinos, wie sie auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten - der Filmpalast am ZKM und die Kinemathek Karlsruhe. Beide jedoch durften am ersten Juli zum ersten Mal wieder ihre Pforten für Filmfreunde aller Art öffnen. Der Ansturm auf die jeweiligen Kinos unterschied sich allerdings deutlich.

Die allererste Filmaufnahme wurde innerhalb Karlsruhes im Jahre 1896 aufgeführt, nur ein Jahr nachdem das weltweit erste Kino eingerichtet wurde. So gesehen hat die Fächerstadt eine lange Tradition  in Bezug auf die Kunst des bewegten Bildes. Umso härter traf es Karlsruher Filmfreunde, als mit dem Beginn des Lockdowns auch die Kinos ihren Betrieb einstellen mussten.

"Erstes Wochenende war überwältigend"

Seit 1. Juli jedoch, dank den eingeleiteten Öffnungsschritten, kehrte die Filmkultur nach Karlsruhe zurück. Zwei Kinos unterschiedlicher Art berichteten im Gespräch mit ka-news.de von ihrer ersten geöffneten Woche nach den brachliegenden Corona-Monaten: Der Filmpalast am ZKM und das stadteigene Filmkunststudio, die Kinemathek. Beide sprechen dabei von einem durchaus erfolgreichen Eröffnungswochenende.

"Wir waren wirklich überrascht vom großen Zuspruch der Besucher", sagt Tilman Bandel, Theaterleiter des Filmpalasts. "Das erste Wochenende war regelrecht überwältigend." Einige Vorstellungen, darunter auch mittäglich aufgeführte Filme, seien in der ersten Woche restlos ausverkauft gewesen. Und den Vorverkaufszahlen zu urteilen, erwarten wir dass auch das kommende Wochenende sehr stark wird", wie Bandel hinzufügt.

Tilman Bandel, Theaterleiter des Filmpalasts am ZKM.
Tilman Bandel, Theaterleiter des Filmpalasts am ZKM. | Bild: Filmpalast am ZKM

Eine derartiges Aufgebot, ausgehungerter Cineasten habe sich in der Kinemathek dagegen nicht geboten. "Das erste Wochenende verlief bei uns eher langsamer", sagt der dortige Programmverantwortliche Michael Endepols.  Seines Erachtens nach müsse "sich die Wiedereröffnung der Kinemathek erst einmal wieder herumsprechen, bevor wieder mehr Gäste unser Filmangebot wahrnehmen". Die Anzahl der erschienenen Stammgäste sei aber zufriedenstellend gewesen.

Michael Endepols, Programmverantwortlicher der Kinemathek Karlsruhe.
Michael Endepols, Programmverantwortlicher der Kinemathek Karlsruhe. | Bild: Kinemathek Karlsruhe e.V.

Entsprechend dieser Besucherzahlen und auch der Kapazität des eigenen Personals sei es dabei auch zu unterschiedlichen Hygienemaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen gekommen.

Maske, keine Testpflicht - Testpflicht, keine Maske

"Wir haben ein halbes Jahr unter Coronabedingungen gespielt", sagt Theaterleiter Bandel stellvertretend für den 70-Mann-starken Filmpalast. "Dadurch hat sich unser Team bereits auf die Corona-Verordnungen eingestellt." Alle Mitarbeiter seien dementsprechend gebrieft worden hätten das Kino so corona-sicher wie möglich eingerichtet. "Wir achten darauf dass der Abstand ununterbrochen gewahrt wird. Dafür führen wir die Besuchergruppen auch in den Saal oder versehen den Boden mit Markierungen."

Bild: Filmpalast am ZKM

Auch die Anzahl erlaubter Besucher sei zu diesem Zweck ebenfalls limitiert worden. "Zurzeit erlauben wir 250 Personen pro Kinosaal um den Abstand zu wahren." Natürlich sei Abstand dabei nicht die einzige Vorsorge gegen das Infektionsrisiko: "Es herrscht die ganze Zeit über Maskenpflicht", wie Bandel betont, "unglücklicherweise auch während der Vorstellung, wie uns die derzeitige Verordnung vorschreibt. Dafür ist es uns möglich, auf Impf- Test- oder Genesungsnachweise zu verzichten."

In der Kinemathek wiederum gelten geradezu komplementäre Sicherheitsvorschriften: "Tickets stellen wir nur im Austausch gegen einen negativen Coronatest oder einen Impf- oder Genesungsnachweis aus", so Michael Endepols. "Eine Maske muss während der Vorstellungen allerdings nicht getragen werden. Mit unseren 15 Mitarbeitern könnten wir wahrscheinlich sowieso nicht kontrollieren, ob alle Besucher durchgehend Masken aufhaben."

Das Foyer der Kinemathek Karlsruhe.
Das Foyer der Kinemathek Karlsruhe. | Bild: Kinemathek Karlsruhe e.V.

Da momentan hauptsächlich Stammgäste in der Kinemathek aufschlugen, könne man sich auch besser um die Sicherheitsvorkehrungen kümmern. "Ich kenne viele unserer Stammgäste mit Namen", so Endepols, "viele davon sind schon älter und zweimal geimpft. Das und die vergleichsweise geringe Zahl unserer Gäste macht es einfacher, bei den Sicherheitskontrollen den Überblick zu behalten."

Die Ursache für diese geringere Besucherzahl im Vergleich zu Kinos wie dem Filmpalast sieht der Programmverantwortliche vor allem in den Inhalten des gezeigten Programms.

Blockbuster gegen Independent Filme

Im Gegensatz zum Filmpalast, der modernes Blockbuster-Kino biete, setze sich die Kinemathek mit Filmen auseinander, die, so Endepols, "noch kein allzu starkes kommerzielles Potenzial haben". Dazu gehörten Arthouse Filme, Beispiele aus der Filmgeschichte aber auch Produktionen lokaler Filmemacher aus Karlsruhe und Baden. In ihrer sogenannten 'Gatekeeper-Funktion'  würden alle Filme von der Belegschaft der Kinemathek nach selbst festgelegten Qualitätsmerkmalen ausgewählt werden.

Der Filmpalast hingegen sei mit seiner "Mischung aus aktuellen deutschen- und Hollywoodfilmen" ganz einfach massentauglicher, so Endepols Meinung. Auch Tilman Bandel bestätigt, dass viele Produktionen international erfolgreicher Filmstudios momentan sehr großen Anklang fände. Dieser Umstand habe indes aber auch seine Kehrseiten, denn die schiere Menge an Neuerscheinungen erschwere es dem Kunden bisweilen, sich für einen Film zu entscheiden.

Ein rapider Anstieg an Neuerscheinungen

Auch die Vielzahl an neu gestarteten Filmen sei dem Virus geschuldet, wie  Theaterleiter Bandel erklärt: "Wir halten uns bei frischer Ware, was das Programm des Filmpalasts angeht", so seine Worte, "und da sehr viele Filme während der Pandemie entweder während des Drehs auf Eis gelegt wurden, oder durch den Lockdown nicht gezeigt werden konnten, starten die meisten davon erst jetzt, wo die Inzidenzen zurückgehen."

Trotz dieses rapiden Anstiegs wolle der Filmpalast keine Neuerscheinung auslassen. "Das bedeutet allerdings, dass wir ältere Filme - nämlich diejenigen, die während des Lockdowns herauskamen und daher vielleicht wenig Resonanz fanden - nicht mehr zeigen können." Dem gegenüber steht das Geschäftsmodell des Filmkunststudios Kinemathek.

Ein Karlsruher Streaming-Service

"Während des Lockdowns unterhielten wir einen Streaming-Service, um die Filme, die sonst im Lockdown untergegangen wären, trotzdem zeigen zu können", berichtet Michael Endepols. "Diesen Dienst werden wir auch weiterhin anbieten. Trotzdem planen wir, die älteren Filme aus den Monaten des Lockdowns parallel zu den neueren auf die Leinwand zu bringen." Freilich wäre das nicht möglich, wenn die Kinemathek nicht aus der Unmenge von Neustarts, die für sie Interessantesten auswählen könnte.

"Ich bin sehr froh darüber, dass wir die Filme neben dem Streaming auch wieder Filme im Kino zeigen können", so Michael Endepols. "Immerhin wird man im Kino auch ein wenig aus der Einsamkeit des Lockdowns geholt. Man sieht sich Filme an, die vielleicht nicht überall laufen, trifft Gleichgesinnte und tauscht sich aus. Für mich hat das Kino neben der kulturellen auch eine soziale Funktion."

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