Karlsruhe Sie ist Nordbadens einzige Maurermeisterin - und bald auch Schönheitskönigin?

Zwischen Kelle, Mörtel und Steine fühlt sie sich pudelwohl: Die 27-jährige Julia Schäfer weiß, wie man anpackt: Sie ist Maurermeisterin - die einzige in Nordbaden. Doch auch das ist der Powerfrau aus dem Kraichtal noch nicht genug: Sie tritt bei der Wahl zur Miss Baden-Württemberg an. "Ich möchte aufzeigen, dass man gut aussehen und trotzdem was im Kopf haben kann."

"Ich bin ausgebildete Maurermeisterin und arbeite im Geschäft meiner Eltern, einem Bauunternehmen mit 21 Beschäftigten im Kraichtaler Stadtteil Unteröwisheim", erzählt sie lachend und schiebt nach: "Ich bin sehr gerne da".

Die junge Maurermeisterin geht ihren eigenen Weg.
Die junge Maurermeisterin geht ihren eigenen Weg. | Bild: Hans-Joachim Of

So richtig mit Kelle, Mörtel und Steinen? "Das auch, doch aktuell ist mehr Büroarbeit angesagt, aber ich kann auch auf der Baustelle mit anpacken". Dann werden schicke Klamotten gegen Arbeitskleidung eingetauscht und in die Hände gespuckt, so wie es früher schon eine deutsche Musikband besang.

Ihre Hobbys? "Baggerfahren" kommt es wie aus der Pistole geschossen. Aber auch Motorradfahren oder mit den Hunden spielen, stehen ganz weit oben bei Julia Schäfer, die gerne Tattoos mag und als Mädchen im Ort die Kickschuhe schnürte.

Powerfrau mit Köpfchen

Nach Haupt- und Realschule absolvierte die in Bruchsal geborene Julia eine Lehre als Bürokauffrau, machte in der Folge auch das Wirtschafts-Abitur. Maurerlehre und anschließende Meisterschule an der Heinrich-Hübsch-Schule in Karlsruhe folgten nahtlos.

Während ihrer Maurerausbildung war Julia immer das einzige Mädchen in der Klasse.
Während ihrer Maurerausbildung war Julia immer das einzige Mädchen in der Klasse. | Bild: Hans-Joachim Of

Natürlich war die ehrgeizige Powerfrau, die in allen Lebenslagen "ihren Mann steht", stets das einzige Mädchen in der Klasse, doch der Respekt unter den Jungs war ihr gewiss. Tatsache ist, dass Julia Schäfer die erste Frau seit 2012 ist, die in Nordbaden ihre Prüfung zur Maurermeisterin geschafft hat.

Klar, dass sich inzwischen auch der "Handwerkskalender 2020" mit dem Bild von Julia schmückt. Anfangs wollte sie ein kleines Geheimnis um ihren Beruf machen, doch inzwischen geht sie offen damit um, postet Bilder in den sozialen Netzwerken – und zahlreiche Follower sind begeistert.

15.000 Bewerberinnen für Miss Baden-Württemberg

So entstand aus einer ursprünglichen Schnapsidee im Freundeskreis ein konkreter Plan und die Frau, die in Zukunft gerne ein Unternehmen an leitender Position führen möchte, bewarb sich bei der Misswahl Baden-Württemberg.

Wenn sie in schicken Schuhen, modernen Kleidern und modischen Accessoires unterwegs ist, könnte sie als Model durchgehen. Doch sie kennt nicht einmal ihre Maße, nennt lediglich ihre Größe von 1,67 Meter.

"Handwerk und Misswahl muss kein Widerspruch sein"

Die erste von mehreren Hürden ist bereits genommen, denn von über 15.000 Anwärterinnen ist sie zusammen mit neun weiteren Kandidatinnen für die Miss Baden-Württemberg nominiert.

Bei der Bewerbung war Ehrlichkeit und Authentizität gefragt. "Sei du selbst" hieß es in der Ausschreibung. "Handwerk und Misswahl muss kein Widerspruch sein."

Julia Schäfer liebt es Bagger oder Radlader zu fahren.
Julia Schäfer liebt es Bagger oder Radlader zu fahren. | Bild: Hans-Joachim Of

"Ich möchte aufzeigen, dass man gut aussehen und trotzdem was im Kopf haben kann", so Schäfer. Überhaupt: Sie möchte mit Klischees aufräumen, jungen Menschen und Frauen Mut machen, sich selbst zu verwirklichen und ihren Träumen zu folgen.

Wie lässt sich ein Miss-Amt mit dem Maurer-Beruf vereinbaren?

Wie sich ihr Beruf mit der einer Miss vereinbaren lässt? "Das wird man sehen, doch soweit will ich im Moment noch nicht denken", lautet die Antwort. "Zuerst kommt der Betrieb, wobei ich neben meiner Mutter die einzige Frau bin. Dann müsste man sehen, wie wir das alles auf die Reihe bekommen", so Schäfer.

Julia Schäfer hofft auf zahlreiche Unterstützer aus der Region.
Julia Schäfer hofft auf zahlreiche Unterstützer aus der Region. | Bild: Hans-Joachim Of

Fakt ist: Sollte sie für die Miss Germany nominiert werden, geht es für die Mädels drei Wochen lang in ein Vorbereitungscamp. "Das würde sicher lustig, wobei dann in unserem Geschäft die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden müssten", so Julia - ganz die Unternehmerin.

Ob Julia Schäfer eine Runde weiterkommt, entscheidet sich nach dem 21. September. Dann endet das Online-Voting. "Die besten drei Mädels aus jedem Bundesland werden einer Jury vorgestellt, dann geht es ans Eingemachte", so Schäfer. Sollte Julia ganz oben auf dem Treppchen stehen, darf sie Anfang nächsten Jahres bei der Wahl zur "Miss Germany 2021" im Europapark Rust antreten.

Das Online-Voting zur Miss-Wahl läuft noch bis Montag, 21. September: Unter  missgermany.de kann für die Favoritin gestimmt werden.

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