16  

Weiherfeld-Dammerstock Autonomes Fahren in Karlsruhe: Traum oder jetzt schon Wirklichkeit? ka-news.de macht den Test

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Eine Teilantwort auf diese komplexe Frage bietet ab dem 22. April ein Projekt im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock. Hier können Bürger ein autonomes Shuttle per App buchen und sich praktisch durch den gesamten Stadtteil fahren lassen. Doch wie genau funktioniert das und wie selbstständig fahren die kleinen Shuttles wirklich? ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter hat den Test gemacht.

Autonomes Fahren - mit dem Auto unterwegs, ohne sich um Verkehr, Vorfahrtsregeln oder die sonstigen üblichen Aufgaben des Fahrens zu kümmern. Eine Sache, die ich bisher nur als Hollywood filmen kannte, doch nun wird sie Wirklichkeit. 

Fährt die Zukunft heute schon in Karlsruhe?

Denn in Weiherfeld-Dammerstock startet ab dem 22. April ein solches Projekt für die Öffentlichkeit. Alle Aufgaben, die sonst der Fahrer übernimmt, sollen hier vom Fahrzeug - dem EVA-Shuttle - gesteuert werden. 

Vor dem Test: Carsten Kitter vor dem EVA-Shuttle.
Vor dem Test: Carsten Kitter vor dem EVA-Shuttle. | Bild: Lars Notararigo

Reine Träumerei oder ist die Zukunft doch schon heute? Einen Tag bevor das Projekt für die Bürger Karlsruhes startet, konnte ich mich selbst von der Alltagstauglichkeit des kleinen Elektro-Shuttles überzeugen. 

Auf den ersten Blick haut mich "Anna", der Name des Shuttles, mit dem ich unterwegs sein durfte ( die anderen beiden heißen "Ella" und "Vera") nicht gerade vom Hocker. 

Täglich per App buchbar

Denn "Anna" ist ein schätzungsweise 2,50 Meter langer, ein Meter breiter und 2,20 Meter hoher Kasten auf vier Rädern mit großen Fenstern und bietet coronabedingt Platz für drei Fahrgäste. Ausgestattet ist er an allen vier Kanten mit Sensoren und Kameras. Vom perfekten, windschnittigen Hightech-Fahrzeug aus "Minority Report" oder "I Robot" ist "Anna" also noch ganz weit weg. 

Bild: Lars Notararigo

Aber: Man soll Bücher ja nicht aufgrund ihres Aussehens beurteilen und so steige ich neugierig mit einem Sicherheitsfahrer ein.

Moment... Ein Fahrer? Bei einem autonomen Fahrzeug? Das hatte ich mir dann doch anders vorgestellt, ein Sicherheitsfahrer muss aufgrund der aktuellen Gesetzeslage aber mit an Bord sein. 

Bild: Lars Notararigo

So startet dann meine erste autonome Fahrt mit Sicherheitspersonal in der Nürnberger Straße. Leise - weil elektrisch - fädelt sich das kleine Shuttle in den fließenden Verkehr ein. In einem gemächlichen Tempo geht es dann Richtung Speyerer Straße. 

"Anna" fährt vorsichtig

Schon kurz nach dem Start fällt mir auf: Mit "Anna" zu fahren ist eigentlich wie mit dem Bus zu fahren, nur elektrisch, mit weniger Fahrgästen, aber genauso ruckelig. 

In den engen Nebenstraßen des Karlsruher Stadtteils ist "Anna" recht vorsichtig unterwegs, fährt aber selbstständig an parkenden Autos vorbei und hält ausreichend Abstand. Auch an einer virtuellen Haltestelle in der Mainzer Straße hält "Anna" selbstständig an. Wie genau das aussieht, seht ihr im Video. 

Vorfahrtsregeln beachtet das autonome Shuttle selbst. Bis es aber dann wirklich erneut losfährt, muss die Lücke zwischen zwei heranfahrenden Autos doch recht groß sein. Auf jeden Fall größer als die Lücke, die ich für mich als Autofahrer als "problemlos ausreichend" bezeichnen würde. 

Abbiegen, einordnen alles autonom

Zurück auf der Nürnberger Straße geht es wieder Richtung Bushaltestelle und Wendehammer. Auch beim Abbiegen ordnet sich das Shuttle alleine auf die richtige Spur ein und lässt den Gegenverkehr durchfahren. Auch dazu gibt es ein Video. 

Zwar drückt der Sicherheitsfahrer während der Fahrt immer mal wieder einen Knopf oder dreht einen Schlüssel, aktiv eingreifen muss er während der Fahrt aber nur einmal und zwar um aktiv loszufahren, da eine offene Autotür "Anna" anhalten ließ, obwohl ausreichend Platz zum Ausweichen war.  Aus Sicherheitsgründen eingreifen musste der Fahrer nicht und ich fühlte mich auch zu jederzeit sicher. 

Fazit nach 15 Minuten?

So endet nach knapp 15 Minuten meine erste autonome und auch elektrische Fahrt. Mein Fazit?

Bild: Lars Notararigo

Ich bin wirklich beeindruckt, wie ein Fahrzeug praktisch ohne Unterstützung im Straßenverkehr zurechtkommt. Zwar ist es langsam unterwegs und das ein oder andere Problem - wie die offene Autotür - tauchte dann doch auf, doch ich denke für den angedachten Zweck - die letzten Meter zwischen Haltestelle und Haustür - sind die kleinen Shuttles durchaus geeignet. 

Auch das kostenlose und mobile buchen per App ohne festen Fahrplan sind gute Argumente, um das Angebot zu nutzen. Mich als passionierten Autofahrer bringt das Konzept dann aber doch näher zum ÖPNV.

Ab dem 22. April werden drei solcher Shuttles in Weiherfeld-Dammerstock unterwegs sein. ka-news.de testet für euch wie autonom die Fahrzeuge wirklich sind.
Ab dem 22. April werden drei solcher Shuttles in Weiherfeld-Dammerstock unterwegs sein. ka-news.de testet für euch wie autonom die Fahrzeuge wirklich sind. | Bild: Lars Notararigo

Und da ich nicht in Weiherfeld-Dammerstock wohne und auch sonst keine Berührungspunkte mit dem Stadtteil habe, war die erste gleichzeitig wohl auch meine letzte Fahrt mit einem der drei Shuttles. Ausprobieren sollten es die Bürger aber auf jeden Fall. Aber: Zu 100 Prozent fahren die autonomen Shuttles (noch) nicht. 

Hier gibt es noch mehr Bilder vom Shuttle-Test

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (16)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   ALFPFIN
    (7659 Beiträge)

    22.04.2021 10:43 Uhr
    Selbstfahrende Busse
    In Monheim laufen einige autonom fahrende Busse schon längere Zeit.
    "Probleme gebe es allerdings mit spontanen Zwangstopps - immer wenn zum Beispiel Radfahrer oder Autos den selbst fahrenden Bussen zu nahe kommen. Man will hier Verständnis erwirken bei den anderen Verkehrsteilnehmern.
    Es soll versucht werden, ob die Sensoren der Busse vielleicht weniger sensibel eingestellt werden können".
    Da müsste man dann auch wieder auf Verständnis von den Verkehrsteilnehmern hoffen, wenn das Bussle so ganz unsensibel auf die Radfahrer zufährt. 😉
    So könnten natürlich auch die Erfahrungen bei uns sein. Und hoffentlich werden die Busse im „Hintergrund“ auch ständig überwacht.
    „Ja, wo fährt denn das Bussle hin“ ……
    Also ich warte erst einmal ab, und solange ich kann, laufe ich Kurzstrecken fußläufig, zumindest wenn die Plattfüße und die Hühneraugen mich noch nicht so arg plagen. 😊
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   udoh
    (1945 Beiträge)

    22.04.2021 16:40 Uhr
    Ich finde die Sicherheitsmechanismen sehr wichtig
    Auch wenn die Teile weniger gefährlich wirken als eine Bahn, ein unplanmäßiger Stopp braucht weniger Zeit als ein Unfall - selbst bei menschenverachtender Betrachtung also die bessere Alternative.
    Nicht dass auch noch diese Kisten auch noch zu den gefährlichsten Deutschlands werden.
    Vor dem Aufweichen Sicherheit, dem Zitat: "Sensoren weniger sensibel einstellen" kann man ja noch das ungeduldig, aufgebrachte "Weg frei meine Straße" Klingeln und Pfeifen einbauen zwinkern
    Im Ernst: eine interessante Sache, die erstmal massentauglich, wesentlich kundennäher ist als alles was wir heute als ÖPNV kennen. Zukunftsweisender als ein Millardenloch alle Mal
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   myopinions
    (1236 Beiträge)

    22.04.2021 10:38 Uhr
    ................ein überflüssiges
    Verkehrshindernis (bin gestern hinterher gefahren), das keiner braucht.

    Warum kein E-Sprinter mit entsprechenden Sitzplätzen und einem Fahrer? Das wäre billiger, effizienter und würde nicht auch noch Arbeitsplätze vernichten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Reger
    (543 Beiträge)

    22.04.2021 12:15 Uhr
    Wer braucht sowas?
    Diese Technik wird propagiert. Doch wer verlangt danach? Ich bestimmt nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (12345 Beiträge)

    22.04.2021 09:22 Uhr
    zunächst mal macht man sich noch mehr abhängig von Handy & Co.,
    darüberhinaus wirds kritisch, wenn es zum ersten Verkehrsunfall mit Personenschaden gekommen ist:

    dann war es niemand!

    Also: Weg damit!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ökovisor
    (50 Beiträge)

    22.04.2021 07:07 Uhr
    Noch unrealistisch
    Echtes autonomes Fahren von Pkw, Lkw, Taxis wird es noch lange nicht geben.
    Vorher werden Schienenfahrzeuge an der Reihe sein, was es in einigen wenigen Ländern schon gibt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   udoh
    (1945 Beiträge)

    22.04.2021 16:51 Uhr
    Ich schätze es sind bereits mehr autonome Autos als Schienenfahrzeuge unterwegs
    Klar, bei den Teslas darf der "Fahrer" nicht Zeitung lesen, während zwischen den Terminals in Frankfurt keiner im Wagen anwesend ist, aber die Personalkosten für den Fahrer je zahlendem Passagier sind einem ICE doch verschwindend im Vergleich zum Nahverkehrsbähnle, Bus, LKW oder Taxi.
    Also da wo es einfacher ginge - auf dedizierten Schienenferntrassen - loht sich die Personaleinsparung imho weniger als beim viel individuelleren Nahverkehr.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12138 Beiträge)

    22.04.2021 09:03 Uhr
    !
    U-Bahn Nürnberg bspw. auf einigen Linien
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bingobongo
    (533 Beiträge)

    22.04.2021 10:53 Uhr
    interessante Liste
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_automatischer_spurgef%C3%BChrter_Systeme
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kawai
    (246 Beiträge)

    22.04.2021 09:02 Uhr
    Korrekt
    Das einzige, was zur Zeit realistisch ist, ist dies: Sehr teure Fahrzeuge mit aufwändiger Sensorik, die komplex kalibriert werden muss, ständige Verbindung zu einer Überwachungszentrale, in der ein Mensch das Fahrzeug aus schwierigen Situationen lenken kann, und das Ganze auf speziell festgelegten Routen.

    Für alles andere fehlt uns noch ein Durchbruch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.