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Eggenstein-Leopoldshafen Sechs Jahre vor Baubeginn: Wie bei Karlsruhes zweiter Rheinbrücke schon jetzt für die Umwelt vorgesorgt wird

Bereits bei Ankündigung der zweiten Rheinbrücke wurde dem ganzen Projekt vorgeworfen, Umwelt und Natur zu gefährden, was in einer Klage gegen das Land gipfelte. Obwohl der Bau der Brücke gerichtlich erlaubt wurde, ist das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe dennoch verpflichtet, im Vorfeld dafür zu sorgen, dass die durch den Bau entstandenen Umweltschäden ausgeglichen werden - wie genau das geschehen soll, erklären die Verantwortlichen während einem Pressegespräch.

Über ein Jahr ist vergangen, seit der Rechtsstreit zwischen Land Baden-Württemberg, Stadt Karlsruhe und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) beigelegt wurde. Gegenstand des Prozesses: Die zweite Rheinbrücke, die zwischen Wörth und Karlsruhe gebaut werden soll. Schon damals habe der Bund einige Anklagepunkte vorgebracht, nach denen beim Bau zu wenig Rücksicht auf Umwelt- und Naturschutz genommen werde.

Nachdem die Gerichte entschieden, dass die Brücke gebaut werden dürfe, wurden dennoch einige Ausgleichsmaßnahmen für den Bau vorausgesetzt. Diese Ausgleichsmaßnahmen seien dazu da, um im Vorfeld dafür zu sorgen, dass die Natur durch den Bau nicht geschädigt werde. "Wir haben uns bei diesen Maßnahmen nach den vom Bund vorgebrachten Fakten gerichtet", sagt Landschaftsarchitekt Hartwig Theobald, der diese Aufgabe für das RP Karlsruhe übernimmt.

Hartwig Theobald, Mitinhaber der Landschaftsarchitektur Theobald und Ness und teilverantwortlich für die Ausgleichsmaßnahmen. | Bild: Lars Notararigo

Ganz oben im Zeitplan stünde dabei die Umsiedelung der ansässigen Tierarten in neue Lebensräume. "Diese Ausgleichsmaßnahme muss noch lange vor Baubeginn im Jahr 2027 erfolgen, damit die verschiedenen Tierarten genügend Zeit haben, sich an ihre neuen Habitate zu gewöhnen", sagt Sylvia Felder, Regierungspräsidentin von Karlsruhe. "Sollten die Habitate nicht angenommen werden, brauchen wir genügend Vorlaufzeit, um zu reagieren."

Sylvia Felder, Regierungspräsidentin von Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

Hierbei würden verschiedene neue Habitate in bereits bestehende Naturräume um Eggenstein-Leopoldshafen eingebettet werden. "Beispielsweise haben wir nicht allzu weit vom Bauplatz entfernt einige Gesteinsstrukturen bereitgestellt, die als Lebensraum für Reptilien dienen sollen", erklärt der leitende Baudirektor des Projekts, Jürgen Genthner.

12 Hektar Wald-, Wiesen- und Wasserfläche

Weitere Projekte in der Nähe des Bauplatzes seien das Anlegen von Rasenflächen für Insekten, der Aufbau von Nistkästen für Vögel und Fledermäuse, das Umgraben eines nahe gelegenen Ackers, auf dem ein Waldstück angepflanzt werden soll und das ausheben künstlicher Teiche und Stillgewässer. Letztere nämlich seien als Ausweichhabitat für das amphibische Leben nahe der Rheinbrücke gedacht.

Jürgen Genthner, Leitender Baudirektor des Referats Straßenbau Mitte des Karlsruher Regierungspräsidiums. | Bild: Lars Notararigo

"An Wasserflächen haben wir insgesamt 6.600 Quadratmeter angelegt", sagt Theobald. "Für die Waldflächen haben wir 13.000 Kubikmeter Erde umgegraben, auf denen ab 2022 zirka 6,5 Hektar aufgeforstet werden sollen. Außerdem werden wir zirka 6.000 Sträucher und Heister anpflanzen. Diese sind von Plastikwannen umgeben, um Wühlmäuse abzuhalten. Insgesamt werden wir um die 12 Hektar Fläche bearbeiten", erklärt er.

In dieser locker umgegrabenen Erdmasse werde bald ein Wald aufkeimen, der die vom Rheinbrückenbau vertriebenen Tiere aufnehmen soll. | Bild: Lars Notararigo

Die umgestalteten Flächen sollen noch immer frei begehbar für Menschen sein. "Allerdings sollte man die Teiche für Amphibien nicht als Badesee nutzen", sagt Theobald. Auch in größerer Ferne sollen Maßnahmen erhoben werden. An einem alten Nato-Tanklager in Huttenheim sollen die nicht mehr benötigten Betonböden aufgebrochen und für Pflanzenwuchs freigegeben werden - dabei werde bei allen Arbeiten auf Schonung geachtet.

"Wir wollen eine Aufwertung des Naturraums"

"Schon beim Umgraben der Erde haben wir möglichst bodenschonendes Gerät verwendet", erklärt Theobald. "Und diesen Grundsatz wollen wir bei allen Arbeiten, egal ob in unmittelbarer Nähe oder weiter entfernt, beibehalten.  Wir wollen keinen Schaden am bestehenden Naturraum riskieren - im Gegenteil: Wir wollen eine Aufwertung des Naturraums", so der Landschaftsarchitekt.

In Plastikwannen eingelassen, soll das hier wachsende Gestrüpp bald ein Zuhause für Insekten und Kleintiere bieten. | Bild: Lars Notararigo

Entsprechend seien auch viele Kosten für den Naturschutz in Kauf genommen worden. "Alleine die jetzigen Maßnahmen zur Umgrabung und Habitatsbildung werden 700.000 Euro kosten", erklärt Regierungspräsidentin Felder. "Und das sind nur die Ausgleichsmaßnahmen, die vor Baubeginn fällig sind", fügt Genthner hinzu. "Manche Arbeiten können erst während und nach dem Brückenbau durchgeführt werden."

Insgesamt rechne man mit einem Budget von 4,5 Millionen Euro, welches der Erhaltung von Natur und Umwelt zugutekomme. "Man muss der Natur für jede Baustelle etwas zurückgegeben. Und ich finde das Budget zeigt, wie viel sich das Land den Umweltschutz kosten lässt", wie die Regierungspräsidentin schließt.

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Karlsruhes zweite Rheinbrücke | ka-news.de: Eine zweite Rheinbrücke für Karlsruhe wird schon lange diskutiert. Die Argumente der Rheinbrücken-Befürworter und der Rheinbrücken-Gegner in Karlsruhe, der Pfalz sowie den aktuellen Stand der Planung haben wir für Sie zusammengefasst.
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  •   BMWFahrer
    (856 Beiträge)

    26.11.2021 22:50 Uhr
    50 Jahre CDU in Bund und Land
    haben es nicht geschafft.

    Und kaum sind die Grünen in Bund und Land, wird die zweite Brücke gebaut.
    WAS IST DAS FÜR EINE VERKEHRTE WELT?
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  •   mkalle
    (116 Beiträge)

    26.11.2021 20:49 Uhr
    Alternativen zum MIV
    Währenddessen wird die Radverbindung, die sowieso schon ziemlich mies ist, immer weiter zugunsten des Kfz verschlechtert. Der südliche Radweg soll komplett zurückgebaut werden, und der nördliche, auf dem sich mit zweiter Rheinbrücke dann beide Fahrtrichtungen tummeln dürfen, wird kompliziert und im Zick-Zack um das Ölkreuz herumgeführt.
    Was resultiert in der endgültigen Zerstörung der Radverbindung über den Rhein. Da bringt die Radverbindung über die zweite Rheinbrücke auch nicht wirklich was, sie ist zwar das Mindeste, aber die Wichtige ist die über die bestehende Brücke, KA und Wörth liegen nunmal dies und jenseits der alten, und nicht der neuen Brücke.
    Man kann nur hoffen, dass sich das RP an den geschlossenen Vergleich hält und die bestehende Radverbindung NICHT wie ursprünglich vorgesehen ruiniert, sondern verbessert, und zwar tatsächlich verbessert und nicht mit Farbe, ein paar Lämplen und Schildern Augenwischerei betreibt.
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  •   Hadda
    (47 Beiträge)

    26.11.2021 18:58 Uhr
    Die verloren gehende Natur ...
    ... kann man mit keinem Geld der Welt ersetzen. Und die verloren gehende Wohnqualität der betroffenen Stadtteile auch nicht. Aber wen jucken diese Menschen? Den Durchgangsverkehr auf jeden Fall nicht. Das sind osteuropäische Fahrer auf dem Weg von Spanien nach Bulgarien. Die Befürworter dieser tollen Brücke blicken es nicht und denken nur an ihre 5 Minuten Zeitersparnis auf dem Weg aus der Pfalz zu ihrem Arbeitsplatz. Danke aus Neureut!
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