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Druckansicht: Schweine-Kannibalismus bei Karlsruher Hofladen: Hat der Inhaber etwa seine Tiere falsch gehalten? | ka-news
 

Karlsruhe Schweine-Kannibalismus bei Karlsruher Hofladen: Hat der Inhaber etwa seine Tiere falsch gehalten?

(Symbolbild) | Bild: Roland Weihrauch/dpa

Einkaufen im Hofladen um die Ecke: Produkte von dort gelten nicht nur als regional, sondern oft auch als "Bio" pur. Doch ein Video, welches der Redaktion von einer Leserin zugesendet wurde, von einem Hofladen aus Rüppurr erweckt einen anderen Eindruck. Schweine beißen einem verletzten Tier Stücke aus dem Bein heraus. Kurz darauf soll der Inhaber bereits von der Tierschutzorganisation Peta und durch den Soko-Tierschutz angezeigt worden sein. Zuerst hatte die BNN über die "Aufregung im Schweinestall" berichtet. Doch wie weit geht die Schuld des Inhabers und was sagt das Veterinäramt dazu?

Es ist ein sonniger Nachmittag, als sich die ka-news.de Leserin dazu entschließt, einen Spaziergang zu unternehmen. Das Ziel: Ein Hofladen, gelegen am Stadtrand von Karlsruhe Rüppurr, der mit seinen offenen Ställen geradezu dazu verlockt, einen Blick auf die Tiere zu werfen. 

Schweine attackieren Artgenossen

Was die Besucherin allerdings zu Gesicht bekommt, ist, ihrer Meinung nach, alles andere als artgerecht. Ein verletztes Tier wird von seinen Stallgenossen angegriffen und immer wieder gebissen.

Ein Hausschwein in einem Stall eines Agrarbetriebes.
Ein Hausschwein in einem Stall eines Agrarbetriebes. | Bild: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

"Dies stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, und das, obwohl der betroffene Hof mit besonderem Tierwohl wirbt. Den Tierrechtsorganisationen Peta und Soko Tierschutz wurden die Aufnahmen bereits zugespielt und beide haben Anzeige erstattet", berichtet die Frau gegenüber ka-news.de. Peta und der Soko-Tierschutz bestätigen dies auf Nachfrage der Redaktion. 

Schweine-Kannibalismus "gehört dazu"

"Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat die Ermittlungen bereits über die zuständige Polizeibehörde veranlasst, der Vorfall ist im Übrigen durch die Ermittlungen bestätigt worden. Das Schwein soll auch abends bereits notgetötet worden sein", heißt es in einer E-Mail von Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei Peta Deutschland. 

Edmund Haferbeck, "Tier-Anwalt" bei Peta Deutschland
Edmund Haferbeck, "Tier-Anwalt" bei Peta Deutschland | Bild: unknown/Peta

Er betont in derselben Stellungnahme allerdings auch, dass derartige Vorfälle bei der Schweinehaltung keine Seltenheit seien. "Solche Vorfälle gehören quasi dazu", so der Peta "Tier-Anwalt".  Dies bestätigt auch die leitende Veterinärsdirektorin von Karlsruhe, Alexandra Börner, die mit dem Fall in Rüppurr vertraut ist: "Schweine sind Allesfresser. Wenn ein Schwein krank wird, dann gehen die anderen Tiere darauf los."

Aber inwiefern besteht dann eigentlich eine Straftat, wenn ein solches Verhalten im Schweinestall als "normal" angesehen wird? Nach Aussagen von Haferbeck und Börner sei in so einem Fall ausschlaggebend, wie lange das Tier gelitten habe. Denn: Laut dem Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes darf einem Wirbeltier nicht "aus Rohheit, erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt werden."

In Brandenburg sind in drei Haltungen auch Hausschweine von der Schweinepest betroffen (Symbolfoto).
(Symbolbild) | Bild: Andreas Arnold/dpa

"Eigentlich war das nur ein unglücklicher Zufall. Der Hof erfüllt alle rechtlichen Vorgaben zur Schweinehaltung, das hat das Veterinäramt überprüft. Der einzige Grund, weshalb jetzt weitere Ermittlungen anstehen, ist, dass das Schwein über einen längeren Zeitraum gelitten hat", erläutert Börner im Gespräch mit ka-news.de.

Im Zuge der Ermittlungen wurde der Schweine-Kadaver nun an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (Cvua) Karlsruhe gebracht. Je nachdem, wie lang das Tier schon krank oder verletzt gewesen war, wirke sich das wiederum auf das Strafmaß des Hofes aus.

"Die Menschen haben keinen Bezug mehr zur Schweinehaltung"

"Ein unglücklichen Zufall", sagt auch der Inhaber des Hofladens, Matthias Becker. 

"Es tut mir wirklich leid, dass so was vorgefallen ist. Das ist das erste Mal, dass so was passiert, seitdem ich hier arbeite. Und ich mache das wirklich schon ziemlich lange. Wir checken die Ställe jeden Tag regelmäßig, aber wir können nicht permanent 24 Stunden bei den Schweinen sein", so Becker auf Nachfrage der Redaktion. 

Ein Blick ins Innere des Schweinestalls bei Beckers Hofladen. | Bild: Hofladen Becker / Privat

Dass Besucher jedoch ins Innere des Stalls blicken können, sei durchaus gewollt, um die Haltung der Tiere für die Kundschaft transparent zu gestalten - allerdings ist von außen nur der Blick in den Außenbereich des Schweinestalls möglich. Das habe aber durchaus seine Gründe, wie der Landwirt erläutert.

"Der Außenbereich wirkt erstmals schmutzig, weil die Schweine diesen Bereich als Toilette nutzen. Im Inneren schlafen die Tiere. Wenn da die Leute ständig reinschauen könnten, würde man sie ständig wecken. Ich muss mich da nach den Bedürfnissen der Schweine richten, wenn ich diese Einblicke anbiete. Da merkt man eben, dass die Menschen den Bezug zur Schweinehaltung komplett verloren haben."

Bußgeld im dreistelligen Bereich?

Was Becker allerdings kritisiert, ist, dass die ka-Reporterin erst einmal die Szene gefilmt und sich anschließend an die Medien, Peta und den Soko-Tierschutz wandte und nicht zuerst das Gespräch mit einem Mitarbeiter gesucht habe. 

Der Schweinestall beim Hofladen Becker | Bild: Hofladen Becker / Privat

"Ich finde es schade, dass die Dame nicht erst mit uns gesprochen hat. Organisationen wie Peta sind ja allgemein gegen Nutztierhaltung und versuchen uns schlechtzumachen. Das wirkt sich dann natürlich auch auf unseren Laden aus",  so der Hofladen-Chef.

Ein Ergebnis des Cvua bezüglich der Untersuchung des Schweinekadavers habe er allerdings noch nicht erhalten, wie er der Redaktion gegenüber mitteilt: "Ich denke, dass das Ergebnis die Tage kommen wird." Nach Angaben von Börner und des "Tier-Anwalts" Haferbeck könnte auf den Inhaber eine Geldstrafe "in einer dreistelligen Größenordnung" zukommen.

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