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Karlsruhe Schweine-Kannibalismus bei Karlsruher Hofladen: Hat der Inhaber etwa seine Tiere falsch gehalten?

Einkaufen im Hofladen um die Ecke: Produkte von dort gelten nicht nur als regional, sondern oft auch als "Bio" pur. Doch ein Video, welches der Redaktion von einer Leserin zugesendet wurde, von einem Hofladen aus Rüppurr erweckt einen anderen Eindruck. Schweine beißen einem verletzten Tier Stücke aus dem Bein heraus. Kurz darauf soll der Inhaber bereits von der Tierschutzorganisation Peta und durch den Soko-Tierschutz angezeigt worden sein. Zuerst hatte die BNN über die "Aufregung im Schweinestall" berichtet. Doch wie weit geht die Schuld des Inhabers und was sagt das Veterinäramt dazu?

Es ist ein sonniger Nachmittag, als sich die ka-news.de Leserin dazu entschließt, einen Spaziergang zu unternehmen. Das Ziel: Ein Hofladen, gelegen am Stadtrand von Karlsruhe Rüppurr, der mit seinen offenen Ställen geradezu dazu verlockt, einen Blick auf die Tiere zu werfen. 

Schweine attackieren Artgenossen

Was die Besucherin allerdings zu Gesicht bekommt, ist, ihrer Meinung nach, alles andere als artgerecht. Ein verletztes Tier wird von seinen Stallgenossen angegriffen und immer wieder gebissen.

Ein Hausschwein in einem Stall eines Agrarbetriebes.
Ein Hausschwein in einem Stall eines Agrarbetriebes. | Bild: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

"Dies stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, und das, obwohl der betroffene Hof mit besonderem Tierwohl wirbt. Den Tierrechtsorganisationen Peta und Soko Tierschutz wurden die Aufnahmen bereits zugespielt und beide haben Anzeige erstattet", berichtet die Frau gegenüber ka-news.de. Peta und der Soko-Tierschutz bestätigen dies auf Nachfrage der Redaktion. 

Schweine-Kannibalismus "gehört dazu"

"Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat die Ermittlungen bereits über die zuständige Polizeibehörde veranlasst, der Vorfall ist im Übrigen durch die Ermittlungen bestätigt worden. Das Schwein soll auch abends bereits notgetötet worden sein", heißt es in einer E-Mail von Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei Peta Deutschland. 

Edmund Haferbeck, "Tier-Anwalt" bei Peta Deutschland
Edmund Haferbeck, "Tier-Anwalt" bei Peta Deutschland | Bild: unknown/Peta

Er betont in derselben Stellungnahme allerdings auch, dass derartige Vorfälle bei der Schweinehaltung keine Seltenheit seien. "Solche Vorfälle gehören quasi dazu", so der Peta "Tier-Anwalt".  Dies bestätigt auch die leitende Veterinärsdirektorin von Karlsruhe, Alexandra Börner, die mit dem Fall in Rüppurr vertraut ist: "Schweine sind Allesfresser. Wenn ein Schwein krank wird, dann gehen die anderen Tiere darauf los."

Aber inwiefern besteht dann eigentlich eine Straftat, wenn ein solches Verhalten im Schweinestall als "normal" angesehen wird? Nach Aussagen von Haferbeck und Börner sei in so einem Fall ausschlaggebend, wie lange das Tier gelitten habe. Denn: Laut dem Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes darf einem Wirbeltier nicht "aus Rohheit, erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt werden."

In Brandenburg sind in drei Haltungen auch Hausschweine von der Schweinepest betroffen (Symbolfoto).
(Symbolbild) | Bild: Andreas Arnold/dpa

"Eigentlich war das nur ein unglücklicher Zufall. Der Hof erfüllt alle rechtlichen Vorgaben zur Schweinehaltung, das hat das Veterinäramt überprüft. Der einzige Grund, weshalb jetzt weitere Ermittlungen anstehen, ist, dass das Schwein über einen längeren Zeitraum gelitten hat", erläutert Börner im Gespräch mit ka-news.de.

Im Zuge der Ermittlungen wurde der Schweine-Kadaver nun an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (Cvua) Karlsruhe gebracht. Je nachdem, wie lang das Tier schon krank oder verletzt gewesen war, wirke sich das wiederum auf das Strafmaß des Hofes aus.

"Die Menschen haben keinen Bezug mehr zur Schweinehaltung"

"Ein unglücklichen Zufall", sagt auch der Inhaber des Hofladens, Matthias Becker. 

"Es tut mir wirklich leid, dass so was vorgefallen ist. Das ist das erste Mal, dass so was passiert, seitdem ich hier arbeite. Und ich mache das wirklich schon ziemlich lange. Wir checken die Ställe jeden Tag regelmäßig, aber wir können nicht permanent 24 Stunden bei den Schweinen sein", so Becker auf Nachfrage der Redaktion. 

Ein Blick ins Innere des Schweinestalls bei Beckers Hofladen. | Bild: Hofladen Becker / Privat

Dass Besucher jedoch ins Innere des Stalls blicken können, sei durchaus gewollt, um die Haltung der Tiere für die Kundschaft transparent zu gestalten - allerdings ist von außen nur der Blick in den Außenbereich des Schweinestalls möglich. Das habe aber durchaus seine Gründe, wie der Landwirt erläutert.

"Der Außenbereich wirkt erstmals schmutzig, weil die Schweine diesen Bereich als Toilette nutzen. Im Inneren schlafen die Tiere. Wenn da die Leute ständig reinschauen könnten, würde man sie ständig wecken. Ich muss mich da nach den Bedürfnissen der Schweine richten, wenn ich diese Einblicke anbiete. Da merkt man eben, dass die Menschen den Bezug zur Schweinehaltung komplett verloren haben."

Bußgeld im dreistelligen Bereich?

Was Becker allerdings kritisiert, ist, dass die ka-Reporterin erst einmal die Szene gefilmt und sich anschließend an die Medien, Peta und den Soko-Tierschutz wandte und nicht zuerst das Gespräch mit einem Mitarbeiter gesucht habe. 

Der Schweinestall beim Hofladen Becker | Bild: Hofladen Becker / Privat

"Ich finde es schade, dass die Dame nicht erst mit uns gesprochen hat. Organisationen wie Peta sind ja allgemein gegen Nutztierhaltung und versuchen uns schlechtzumachen. Das wirkt sich dann natürlich auch auf unseren Laden aus",  so der Hofladen-Chef.

Ein Ergebnis des Cvua bezüglich der Untersuchung des Schweinekadavers habe er allerdings noch nicht erhalten, wie er der Redaktion gegenüber mitteilt: "Ich denke, dass das Ergebnis die Tage kommen wird." Nach Angaben von Börner und des "Tier-Anwalts" Haferbeck könnte auf den Inhaber eine Geldstrafe "in einer dreistelligen Größenordnung" zukommen.

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Kommentare (33)
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  •   Iglaubsnet
    (1020 Beiträge)

    16.09.2021 13:16 Uhr
    Aja jetzt
    aber net immer glei mit de grosse Keule drufhaue, s langt wenn die Dame beschämt is.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12814 Beiträge)

    13.09.2021 17:28 Uhr
    welch ein Schweinestall,
    was???
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  •   Beiertheimer
    (1345 Beiträge)

    13.09.2021 17:26 Uhr
    Also da behauptet der H.Börner
    Zitat von Artikel Der einzige Grund, weshalb jetzt weitere Ermittlungen anstehen, ist, dass das Schwein über einen längeren Zeitraum gelitten hat", erläutert Börner im Gespräch mit ka-news.de.


    Und im weiteren Verlauf des Artikels steht dann dass das Ergebnis der vet.Untersuchung noch gar nicht vorliegt.
    Da hat H.Börner wohl eine Glaskugel um das Ergebnis schon im Voraus zu wissen?
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  •   redaktion
    (1364 Beiträge)

    13.09.2021 17:43 Uhr
    Lieber Leser,
    damit ist gemeint, dass das Ergebnis vom Cvua Karlsruhe noch nicht vorliegt. Die müssen dort erst feststellen, wie lange das Schwein schon krank bzw. verletzt war. Das ist wichtig für das Strafausmaß. Dass das Schwein allerdings über einen gewissen Zeitraum hinweg gelitten hat, steht außer Frage.

    Viele Grüße aus der Redaktion!
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  •   andi-b7
    (3351 Beiträge)

    15.09.2021 19:19 Uhr
    Wieviel bekommt den die Reporterin wegen Unterlassung?
    Ist das eure Art von Tierschutz ? Erst Handy ziehen Filmen und dann noch zum Tierschutzverein rennen? Schämt euch einfach das wäre angebracht.....
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  •   kommentar4711
    (3296 Beiträge)

    14.09.2021 08:52 Uhr
    RE. Lieber Leser,
    Die Formulierung "gewisser Zeitraum" finde ich jetzt schon wieder zweifelhaft. Eine Stunde ist auch ein "gewisser Zeitraum" und so oft kann kein Bauer kontrollieren. Noch gilt die Unschuldsvermutung.
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  •   Beiertheimer
    (1345 Beiträge)

    13.09.2021 18:48 Uhr
    Liebe Redaktion
    Dass das Tier über einen Zeitraum gelitten hat ist klar, aber die Definition über lang, zu lang das liegt einfach noch nicht vor.
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  •   Swo0osH1980
    (2 Beiträge)

    13.09.2021 17:15 Uhr
    Bild-Überschriften-Niveau
    Hat der Inhaber etwa seine Tiere falsch gehalten? Wenn Ihr im Artikel selbst die Klarstellung über das Verhalten der Schweine als normal bezeichnet. Da wird der Hofladen aus meiner Sicht erstmal ganz blöd in eine Ecke gedrückt um Aufrufe zu generieren.
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  •   Käsekuchen
    (5 Beiträge)

    13.09.2021 16:53 Uhr
    Soweit ich von einem Schwager des Bruders eines Onkels
    gehört habe sollen jetzt auch bereits Intensive Ermittlungen gegen die beteiligten Schweine geführt werden. Es besteht der begründete, dringende Tatverdacht der gemeinschaftlichen Körperverletzung im Stall. Diesbezüglich speziell ausgenbildete Veterinäre und Stallpsychologen sollen bereits als Taskforce vor Ort sein. grinsen grinsen grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12814 Beiträge)

    13.09.2021 17:30 Uhr
    und der Nachbar
    hat einen Bruder in Cannstatt, dessen Oma hat einen Schoßhund, der kann "V-f-Bäääh" bellen.
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