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Karlsruhe Schienen-Chaos in Karlsruhe: Bis die Bahnen wieder regulär fahren, kann es noch Wochen dauern

Seit Dienstagabend geht im Karlsruher ÖPNV fast nichts mehr: Nahezu der gesamte Straßenbahnverkehr ist aufgrund von Hitze-Schäden an den Gleisen ausgefallen. Und auch wenn einzelne Bahnen inzwischen wieder fahren - die Ursachenforschung und Behebung aller Gefahrenstellen könne sich laut Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) noch über Wochen hinziehen.

Am Dienstagabend um 18 Uhr wurde nach und nach der gesamte Schienenverkehr im Karlsruher Stadtgebiet lahmgelegt. Der Grund: Die Hitze hatte das Vergussmaterial, welches Gleise und Asphalt verbindet und ebnet, an vielen Stellen aufgeweicht und geschmolzen. Zahlreiche Bahnen mussten daraufhin ihren Betrieb einstellen, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

"So etwas gab es in Karlsruhe noch nie. Es war ein völlig unvorhergesehenes Ereignis, das uns kalt erwischt hat", sagt Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK, im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Es tut uns sehr leid, auch für die Fahrgäste, die nun bei den aktuellen Temperaturen nicht mehr auf die Straßenbahnen zurückgreifen können."

Woher kommen die plötzlichen Hitze-Schäden? 

Den Bahnverkehr noch am Dienstag zu stoppen, sei allerdings die einzige Alternative gewesen, denn: Die Bahnen haben die klebrigen Überreste des Vergussmaterials über ihre Räder aufgenommen und mitgeschleift.

Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). | Bild: Lars Notararigo

Schienen, Weichen sowie Räder und Bremsen der Bahnen seien daher mit dem dickflüssigem Bitumengemisch verklebt - Ein Gemisch, das auch in der ganzen Stadt verteilt in kleinen Anhäufungen zu finden ist. Rund fünfzig Strecken im gesamten Karlsruher Stadtgebiet seien daher aktuell nicht benutzbar.

Alexander Pischon, kaufmännischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe VBK und des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV).
Alexander Pischon, kaufmännischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe VBK und des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV). | Bild: Lars Notararigo

Die Ursache, warum das Vergussmaterial überhaupt schmelzen konnte, sei zum jetzigen Zeitpunkt unklar. "Bisher konnten wir es noch nicht restlos feststellen", sagt Alexander Pischon, kaufmännischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe. 

Wann fahren die Bahnen wieder im Normalbetrieb?

"Uns blieb kaum eine Wahl, als den Verkehr zu stoppen, ansonsten hätten wir riskiert, dass die Notbremsfunktionen nicht mehr funktionieren oder dass eine Bahn ganz einfach an der Schiene kleben bleibt und die Mobilität der gesamten Umgebung lahmlegt", erklärt Egerer.

Ralf Messerschmidt, Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). | Bild: Lars Notararigo

Nach Aussage des VBK-Betriebsleiters Ralf Messerschmidt hätte der Schienenverkehr so über Monate eingeschränkt bleiben können. Weil gleich reagiert worden sei, gehe er eher davon aus, dass es "Tage, vielleicht Wochen dauern wird, bis wir wieder einen einhundertprozentig funktionierenden Schienenverkehr bieten können".

100 Helfer arbeiteten die ganze Nacht durch

Darauf arbeite man schon seit Dienstag hin: Nahezu 100 Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer, Fremdfirmen, Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und auch die VBK selbst haben in einer langen Schicht in der Nacht zum Mittwoch durchgearbeitet, um die hartnäckigen Verschmutzungen möglichst schnell zu beseitigen, so die VBK.

Einige Haltestellen auf der Linie 2 - etwa am Klinikum oder am Zundhüttle in Wolfartsweier, wo nach bisherigen Erkenntnissen das Vergussmaterial zuerst geschmolzen sein soll - seien so bereits freigeräumt worden. Seit Mittwoch um 16 Uhr fährt auch S5 wieder entlang Ost-West-Achse über die Kaiserstraße.

"Die VBK würde im Notfall auch mal ein Taxi bezahlen"

Das Ziel laut Ascan Egerer: Das Schienennetz in den kommenden Tagen wieder zu stabilisieren. "Wir wollen bereits Donnerstag früh mit dem nächsten Schritt beginnen, damit ein großer Teil des Schienennetzes sukzessiv wiederhergestellt und in Betrieb genommen werden kann."

Laut Ralf Messerschmidt sei die Ost-West-Achse dabei momentan die höchste Priorität, "unmittelbar danach kommt die Rüppurrer Straße, wo die S4 bis Mittwochabend wieder fahren soll". Über diese beiden Verbindungen wolle man auch Ersatz-Linien einrichten, die Wolfartsweier mit der Rheinstrandsiedlung und die Waldstadt über die Kaiserstraße mit Heide verknüpfen.

Bild: Thomas Riedel

Wann genau alle Bahnen wieder im Regelbetrieb fahren können, sei daher laut Ascan Egerer bisher ebenso unklar wie die Kosten, die bis zum Ende des Notbetriebs entstehen werden.

Klar aber sei: Bis es soweit ist, wolle man den Fahrgästen laut Alexander Pischon entgegenkommen: "Wir werden sehr kulant mit unserem Schienenersatzverkehr sein. Die Busse sollen so regelmäßig und günstig wie möglich zur Verfügung stehen. Und sollte ein Karlsruher aufgrund des Straßenbahnausfalls mal ein Taxi nehmen müssen, wird die VBK gerne bereit sein, es zu bezahlen."

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  •   Mondgesicht
    (2690 Beiträge)

    17.06.2021 15:13 Uhr
    Wie kann das sein?
    Gestern Abend wurde noch angekündigt, heute würde zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Also, selbst wenn die eigentliche Schadensursache bei einer externen Firma liegen sollte - für die Kommunikation gegenüber den Fahrgästen sind immer noch die VBK selbst zuständig. Und das bekommen sie anscheinend nicht hin. Vollmundige Ankündigungen, denen keine entsprechenden Taten folgen - das kennen wir aus der Politik. Aber akzeptabel wird es dadurch noch lange nicht.
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  •   Genervt_KA
    (76 Beiträge)

    17.06.2021 14:45 Uhr
    Absetzen und sofort Kontrollgremium her !
    KLAR, passieren Unfälle.....aber das riecht eher nach "Pfusch am Bau" und Vetternwirtschaft.

    Die netten Herren auf den Bildern im Artikel sollten auf Herz und Nieren überprüft werden was die Vergabe und Materialbeschaffung angeht. Statt der vielen verbrannten Steuergelder sollte mal persönliche Haftung geltend gemacht werden..dann klappt das mit der Sorgfalt vielleicht auch besser. So aber redet in 3-4 Monaten (wenn der Bitumen Matsch mal weg ist) kein Mensch mehr darüber.

    Dürfen wir die Kinder also mit dem Taxi zur Schule fahren lassen? Prima. (denn die Busse fahren sehr sehr sporadisch und sind zu voll)
    Rechnung an Herrn Mentrup oder an KVB?
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  •   andip
    (11232 Beiträge)

    17.06.2021 15:40 Uhr
    Aufträge werden an Fachfirmen vergeben
    und zwar zwangsweise an die, die das "beste" Angebot machen.
    Für schlechtes Material und Pfusch bei der Ausführung haftet aber dann die Firma, die den Auftrag erhalten hat und nicht der Auftraggeber.
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  •   udoh
    (1997 Beiträge)

    17.06.2021 17:16 Uhr
    Jein, man muss den günstigsten Anbieter nehmen, ABER:
    Die Ausrede, dass der billigste Anbieter genommen werden muss und daher Pfusch vorprogrammiert ist, sehe ich als ebenso billige Ausrede für betriebsinterne, eigene Versäumnisse.
    1. kann jeder Bieter bei unrealistischen Angeboten ausgeschlossen werden (man kann sowas natürlich auch z.B. aus politischen Gründen bewusst durchwinken, weil vielleicht gerade ein paar 100 Mio Budget da sind) das dürfte aber hier nicht Fall gewesen sein
    2. muss die Leistung vom Auftraggeber vor der Zahlung geprüft werden. Wer nicht oder nur mangelhaft geprüft die Rechnung durchwinkt oder das Durchwinken veranlasst macht Inhouse den Fehler!
    3. können die Spezifikationen mangels Qualifikation oder Sorgfalt des Auftraggebers natürlich genauso mangelhaft sein wie die Überprüfung der Leistung.

    Wir können ja hoffentlich davon ausgehen, dass auch auf der Seite der Auftraggeber Profis sitzen die ihr Geschäft nicht zum ersten Mal verrichten und die für ihre Aufgabe notwendige Qualifikation und Erfahrung mitbringen.
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  •   quicksilver
    (109 Beiträge)

    17.06.2021 14:36 Uhr
    solange
    kein Personenschaden entstanden ist, kann für alles bezahlt werden... Ärgerlich für alle Pendler (einschließlich mir) ... auf dem Fahrrad ist es doch auch ganz schön - und angenehmer bei 30 als in der Strombüx.
    Hier wird im allgemeinen wohl ein Produktionsfehler vorliegen. Punkt. Da hat keiner gespart oder vorsätzlich etwas falsch gemacht haben... jährlich werden mio autos zurückgerufen, tonnen an Lebensmittel aus Sicherheitsgründen entsorgt... da regt sich keiner auf...
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  •   Chris23
    (720 Beiträge)

    17.06.2021 14:32 Uhr
    Nur als Warnung
    Die Angaben in der Fahrplan auskunft sind miserabel können aber müssen nicht stimmen.

    Die Busse selbst fallen aus je nach Lust und Laune, aber das ist ja kein Problem der KVV und man kann als jemand der nur regelmäßig fahrkarten kauft ja auf keinen Service bestehen dem man nur mit einer Tageskarte bezahlt (der Pöbel mit 90 Minuten Tickets ist wohl unterster Bodensatz)
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  •   liveatmeganite
    (3 Beiträge)

    17.06.2021 12:00 Uhr
    In Essen 2015 warens die Räder
    "Ursache für den Störfall auf der Nordstrecke in Essen gefunden: Räder der U-Bahnen ragen über die Schiene heraus. So wurde aufgeweichtes Bitumen aufgerollt."
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  •   Apu
    (251 Beiträge)

    17.06.2021 11:47 Uhr
    Naja
    Eigentlich dürfen fehler ja passieren. Allerdings ist es nicht mehr zumutbar was in Karlsruhe passiert. Nichts funktioniert auf anhieb, immer muss nachgebessert werden. Fehlkalkulationen und wohl für die Öffentlichkeit schön gerechnete projekte. Wie mit den Steuergelder umgegangen wird ist schon eine Frechheit. Jetzt fallen die bahnen wochenlang aus. Jetzt werden die menschen erst recht ermutigt mit dem pkw oder rad zu fahren
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  •   Reger
    (687 Beiträge)

    17.06.2021 12:46 Uhr
    Die Stadt
    überschätzt sich offensichtlich bei vielen ihrer Vorhaben. Zeit zur gründlichen Prüfung ist heutzutage auch nicht mehr vorhanden, da ja Zeit angeblich Geld ist.
    Insgesamt gibt die Stadt kein besonders einladendes Bild ab. Welchem Touristen könnte ich so wie so etwa vor 25 Jahren empfehlen, sich die schöne Stadt Karlsruhe anzusehen.
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  •   liveatmeganite
    (3 Beiträge)

    17.06.2021 11:22 Uhr
    ...Wie in Essen 2015 passiert
    https://www.youtube.com/watch?v=wjm2FtkxCCU

    "Mehrere Straßenbahnen saßen in Essen-Altenessen fest, da sich der Bitumen an den Gleisen aufgrund der extremem Hitze verflüssigt hatte."
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