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Berlin Rufe nach einheitlichen Corona-Regeln immer lauter

Die Kanzlerin war unzufrieden mit dem letzten Bund/Länder-Treffen zur Bekämpfung der Pandemie. Kommende Woche steht eine weitere Beratung mit den Ministerpräsidenten an. Die Erwartungen sind hoch.

Vor einem erneuten Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder in der kommenden Woche werden die Rufe nach schärferen und vor allem einheitlicheren Corona-Regeln lauter.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier sprach sich wie zuvor Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dafür aus, notfalls auch mehr Kompetenzen auf den Bund zu verlagern. "Entscheidungen eines einzelnen Bundeslandes können Auswirkungen auf alle anderen Bundesländer haben. Deshalb brauchen wir dringend mehr gemeinsame Entscheidungen", erklärte er in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Entweder durch alle Länder zusammen oder - wo das zu schwerfällig ist - auf Bundesebene, wo die Länder ja durchaus beteiligt sind", fügte er offenbar mit Blick auf den Bundesrat hinzu.

"Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag Ende September.
"Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag Ende September. | Bild: Michael Kappeler/dpa

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die in der Pandemie einen besonders vorsichtigen und strikten Kurs fährt, sagte der "Bild": "Ich sehe den Anstieg der Zahlen mit Sorge. Es ist gut, dass wir die Corona-Ampel eingeführt haben. Wir müssen aber nächste Woche bei der Konferenz der Ministerpräsidenten beraten, ob weitere Schritte erforderlich sind."

Gehen Ansagen nicht weit genug?

Auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat Gesprächsbedarf, will aber zunächst abwarten, ob die letzten Beschlüsse von Bund und Ländern wirken. Sein Land habe sie schnell umgesetzt. "Ob diese ausreichen, wird sich in den kommenden zehn bis vierzehn Tagen zeigen. Diese Zeit sollten wir abwarten, bevor wir weitere Schritte einleiten", sagte er ebenfalls «Bild».

Merkel hatte sich bereits mit den Beschlüssen der vergangenen Runde mit den Ministerpräsidenten vor eineinhalb Wochen unzufrieden gezeigt. "Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden", sagte die CDU-Politikerin bei den Beratungen laut Teilnehmern. Wenige Tage später hatte sie in einem dramatischen Videoappell die Bevölkerung aufgefordert, auf jede unnötige Reise oder Feier zu verzichten und zu Hause zu bleiben.

Wenn Freiwilligkeit nicht hilft - kommen neue Zwangslockdowns?

Bundesweit liegt die Zahl der Neuinfektionen inzwischen über dem Warnwert von 50 pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Samstagmorgen haben die Gesundheitsämter in Deutschland 14.714 neue Corona-Infektionen gemeldet, so viele wie noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland. Da es allerdings am Donnerstag zeitweise zu Datenlücken bei der Übermittlung von Infektionszahlen gekommen war, könnten in der jüngsten Zahl der Neuinfektionen entsprechende Nachmeldungen enthalten sein. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung überschritt am Samstag die Marke von 10.000.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der in der Corona-Krise eher auf Merkels Linie liegt, will trotz zunehmender Kritik an seinem eher strikten Kurs festhalten. "Ich habe keinen Grund, meinen Kurs zu ändern", sagte der CSU-Chef der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Wir haben mit allen grundsätzlichen Einschätzungen Recht behalten."

Ein Schild informiert Passanten auf dem Nürnberger Hauptmarkt über die Maskenpflicht und weitere Regeln.
Ein Schild informiert Passanten auf dem Nürnberger Hauptmarkt über die Maskenpflicht und weitere Regeln. | Bild: Daniel Karmann/dpa

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach gibt es nur zwei Möglichkeiten: freiwillige Kontaktbeschränkungen eines Jeden oder "immer neue Zwangs-Lockdowns". "Wird das Virus laufen gelassen, schießen die Zahlen so schnell in die Höhe, dass die Krankenhäuser überfordert sind und viel zu viele Menschen an Corona sterben", sagte der schon seit Monaten warnende Epidemiologe der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ("NOZ"/Samstag). "Wir müssen also ganz schnell die persönlichen Kontakte herunterfahren, damit wir nicht in einem Monat im Gesundheitsnotstand aufwachen."

Zwei Polizisten nehmen an einer Tram-Haltestelle in Würzburg von einer Frau nach einem Verstoß gegen die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr die Personalien auf.
Zwei Polizisten nehmen an einer Tram-Haltestelle in Würzburg von einer Frau nach einem Verstoß gegen die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr die Personalien auf. | Bild: Nicolas Armer/dpa

Der Landkreistagspräsident Reinhard Sager wies auf die Probleme vieler Gesundheitsämter hin, die Masse an Neuinfektionen noch nachzuverfolgen. Die Länder forderte er auf, sie schnell personell zu verstärken, so wie im Sommer vereinbart. Auf Grundlage des Pakts von Bund und Ländern sei "derzeit noch keine Neueinstellung erfolgt", so Sager in der "NOZ". Der Pakt müsse rasch umgesetzt werden. "Seitens der Länder muss es hier um Schnelligkeit gehen."

Polizei kontrollierte verschärfte Maßnahmen in Berlin

Vizekanzler Olaf Scholz äußerte Verständnis für junge Menschen, die hungrig aufs Leben sind. "Ich verstehe alle, die jeden Tag voll auskosten, die feiern und Freunde treffen wollen", sagte der Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat dem Nachrichtenportal watson. Doch es brauche Geduld. "Die aktuellen Einschränkungen zum Schutz vor Corona sind für viele nervig, für andere bedrückend und für wieder andere auch wirtschaftlich eine Zumutung. Leider sind sie nötig, um Schlimmeres zu verhindern. Wir sollten weiter alles tun, um die zu schützen, die wir lieben und deren Gesundheit uns wichtig ist."

Im besonders betroffenen Berlin gelten ab Samstag neue Beschränkungen. Ein Mund-Nasen-Schutz muss nun auch auf Märkten und auf zehn besonders belebten Straßen, in Shoppingmalls und Warteschlangen getragen werden. Rund 1.000 Polizisten wollen jeweils am Samstag und Sonntag kontrollieren, wie die verschärften Regeln eingehalten werden.

© dpa-infocom, dpa:201024-99-61568/4

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  •   kritiker_2014
    (563 Beiträge)

    25.10.2020 23:00 Uhr
    Der Quacksalber aus Bayern
    soll sich erstmal um sein eigenes Königreich kümmern anstatt anderen Ratschläge zu erteilen.
    Die haben die höchsten Todeszahlen und die schlechteste Nachverfolgungsrate.
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  •   Vollbürger
    (95 Beiträge)

    25.10.2020 14:56 Uhr
    Führung statt föderalem Zaudern
    Genau wie in der Schulpolitik fährt Deutschland durch das föderale Zaudern und Zerreden (Siehe Armin Luschet) vor die Wand.
    Es wird Zeit für Ansagen und Handeln von oben wenn die Landesfürsten unten sich nicht an Absprachen halten.
    Es tut einem weh, zu sehen wie dieses Land von diesen Zauderern und Falschtoleranter Populisten so vor die Wand fährt!
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