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Karlsruhe Reaktionen zum Aus der Fahrkartenentwerter: Warum Karlsruher keine Lust haben, ihre Tickets erst in der Bahn zu kaufen

Klein und unscheinbar wirkten die meist gelben Kästen in den Karlsruher Bussen und Bahnen. Dennoch entschied ihr Stempel darüber, ob man "schwarzfährt" oder nicht. Nun sollen die Entwertungsautomaten in Karlsruhe nach und nach abgeschafft werden - das heißt konkret: Zukünftig kann man die Tickets nicht mehr im Vorfeld kaufen und zum Fahrtantritt entwerten. Diese Idee kommt nicht bei allen Fahrgästen gut an.

Der Kauf einer Bus- oder Straßenbahnkarte stellte die Fahrgäste des Öffentlichen Personennahverkehrs (Öpnv) von Karlsruhe bisher nur im Ausnahmefall vor größere Probleme. Viele Kunden des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) zogen es vor, sich prophylaktisch ein Ticket zu besorgen und es zum Fahrtantritt in den dafür eingerichteten Stempelautomaten zu entwerten. Ein System, mit dem der öffentliche Verkehr seit Jahren und Jahrzehnten durch den Fächer navigiert. Bis jetzt. 

Ein Ticketentwertungsautomat in der Linie S5. | Bild: Lars Notararigo

Denn der 11. Dezember ist laut KVV nicht nur der Tag vor dem Fahrplanwechsel, sondern auch der letzte Tag, an dem die Stempelautomaten ihren ursprünglichen Zweck erfüllen werden. Ab dem 12. Dezember gelten alle Tickets, die online, innerhalb der Bahnen und an den Haltestellenautomaten gekauft wurden, direkt zum Fahrtantritt.

"Wir fühlen uns überrumpelt"

Die KVV verspricht sich davon unter anderem eine einfachere Handhabe des Ticketkaufs und weniger Diskussionen um entwertete Fahrscheine. Fahrgäste, die regelmäßig mit der Bahn unterwegs sind, sehen diese Abschaffung allerdings deutlich kritischer. "Wir fühlen uns davon regelrecht überrumpelt - besonders weil die KVV im August bereits die Vierertickets abgeschafft hat", sagt das Ehepaar Edelgard und Hans-Joachim Dorn.

Beide seien langjährige Fahrgäste und ihrer Meinung nach überwiegen die Nachteile der Abschaffung deutlich. "Da man die Tickets nicht mehr im Voraus kaufen kann, werden sich lange Schlangen an den Automaten bilden. Mal angenommen, jemand muss nur zwei bis drei Haltestellen fahren, muss er vielleicht schon aussteigen bevor er den Automaten erreicht und ein Ticket kaufen kann", so Dorn.

Einen anderen Aspekt kritisiert Florian auf der Facebook-Seite von ka-news, wo die Änderung mit 100 Kommentaren heftig diskutiert wird. "In manchen Bahnen gibt es ja nicht einmal mehr Automaten. Dann wird man ja theoretisch dazu gezwungen, ohne Ticket zu fahren."

"Ein Gedränge in Coronazeiten ist riskant"

So betrachtet sei beispielsweise das Argument, dass es weniger Ausreden geben könne hinfällig, findet das Ehepaar Dorn. "Immerhin könnte man die Kontrolleure nun mit einem einfachen 'tut mir leid, ich war noch nicht dran' abspeisen." Ferner seien die langen Schlangen innerhalb der Bahnen ein Hygieneproblem. "So ein Gedränge zu Zeiten von Corona finde ich sehr riskant. Die KVV hätte zumindest abwarten können, bis sich die Lage bessert", sagen die Dorns.

Zwar sei es möglich, derartige Probleme teilweise zu umgehen, indem man die Automaten an den Haltestellen nutzt, doch erstens sei damit zu rechnen, dass "die meisten Menschen sich eher ein Ticket in der Bahn kaufen, da sie Angst haben, aufgrund von längerem Anstehen ihre Linie zu verpassen." Außerdem - und das sei das größere Problem - beklagen sich viele Fahrgäste, dass es nicht genügend Automaten gebe.

"Ältere Menschen sind mit der Technik überfordert"

Natürlich bliebe auch die Option, sein Ticket online über verschiedene Apps zu erwerben. Doch auch hierbei blieben einige Fahrgäste nicht ohne Bedenken: "Mir persönlich ist das Bezahlen per Handy zu unsicher - und ich glaube auch viele ältere Fahrgäste kommen mit digitalem Bezahlen überhaupt nicht klar", sagt Dorn. Ein Eindruck, der unter den befragten Fahrgästen auf häufige Zustimmung trifft.

"Ältere Menschen sind mit der Technik überfordert", schreibt ka-news.de-Leserin Anne in einer E-Mail. "Keiner denkt an die ältere Generation die Bahn fährt, jedoch kein Handy nutzt", sagt Facebook-Userin Beate dazu. "Viele ältere Menschen besitzen zudem auch kein Smartphone und da wären wir wieder bei den Ticketautomaten an den Haltestellen und in der Bahn", ist ein weiterer Eindruck der ka-news-Leserin Saskia.

"Das ist alles nicht durchdacht"

Die Abschaffung der Entwertungsautomaten bei vielen Fahrgästen das Gefühl einer überhasteten Entscheidung, in der kaum genug Vorbereitung stecke. "Das ist alles nicht durchdacht", fast Dorn zusammen. "Was passiert zum Beispiel an den Grenzen des Verkehrsverbundes? Kann man von der Pfalz hierher sein Ticket noch entwerten? Oder was ist mit den Touristen? Man wirbt die Leute zum Einkaufsbummel in die Stadt und dann lässt man sie mit vollen Tüten vor dem Automaten stehen, weil sie ihre Tickets nicht im Voraus kaufen können."

Auch unter der Erde werden Fahrgäste künftig nur zum sofortigen Fahrtantritt zahlen können. | Bild: Hammer Photographie

Für ihn bleiben zu viele Fragen, die ihm der KVV auch nicht beantwortet habe, als er mit ihm Kontakt aufnahm, offen. "Es ist sehr schade, dass der KVV gerade jetzt, wo die Kombilösung fast fertig ist, eine solche Aktion bringt. Das wirft meiner Meinung nach einen Schatten auf ihren Erfolg."

Alternativen und Lösungsvorschläge?

Auf die Frage hin, wie der KVV ihre Probleme besser hätte lösen können, zeigt sich erneut ein bestimmter Tenor unter den befragten Fahrgästen: Günstigere Ticketpreise oder Tarife nach Vorbild anderer Städte. "Beispiel Dresden: Soweit ich das verstanden habe, bekommen da bestimmte Gruppen die Monatskarte Gesamtgebiet für 15 Euro", schreibt Anne Spengler.

(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Die meisten sind sich aber darüber einig, dass es am besten sei, wenn der KVV die Ticketentwertungsautomaten einfach in Bussen und Bahnen lasse oder zumindest "dass man das Wunschgebrauchsdatum an einem Automat eintippen kann", so etwa Facebook-Nutzer Dietmar Werner. Nicht ganz hoffnungslos ist auch das Ehepaar Dorn: "Nun ja, vollständig abgebaut werden die Automaten ja erst in einem halben Jahr. Vielleicht lässt sich der KVV ja bis dahin noch umstimmen."

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  •   Grünwinkler
    (25 Beiträge)

    17.11.2021 15:56 Uhr
    Wer kauft noch Dauerkarten?
    Viele sind im Home-Office und fahren nur noch gelegentlich. Andere Verkehrsverbünde bieten schon preisgünstige Mehrfahrten-Bundles an!
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  •   Grünwinkler
    (25 Beiträge)

    17.11.2021 14:15 Uhr
    Dauerkarten
    Wer kauft denn noch Dauerkarten, wenn er überwiegend im HomeOffice ist? Andere Verkehrsverbünde bieten hier schon flexible Lösungen z.B. für peisgünstige 10 Fahrten-Bundels an!
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  •   andip
    (11342 Beiträge)

    17.11.2021 13:44 Uhr
    Na ja
    Ich habe noch nie lange Schlangen vor den Ticketautomaten gesehen, weder in den Bahnen noch an den Halten, diese Befürchtungen dürften reichlich übertrieben sein.
    Genauso die pauschale Unterstellung, ältere Menschen wären prinzipiell zu doof um mit den Automaten umzugehen oder auch mit einem Smartphone.
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  •   Kommentar
    (1331 Beiträge)

    17.11.2021 20:45 Uhr
    In der Innenstadt
    reicht es aus, eine Bahn zu verpassen, und man hätte einfach gleich laufen können. Dann braucht man keine lange Schlange sondern nur einen langsamen Automatenbenutzer vor einem. Und wenn man früher zur Haltestelle geht, kann man auch gleich wieder die gesamte Strecke gehen.

    Daher habe ich mir stempelbare Fahrkarten gekauft, als ich noch häufiger mit der Straßenbahn gefahren bin. Inzwischen habe ich mir das abgewöhnt.
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  •   Reger
    (823 Beiträge)

    17.11.2021 15:02 Uhr
    Nein,
    ältere sind nicht zu doof, sondern die habens vielleicht nicht so drauf.
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  •   tom1966
    (1768 Beiträge)

    17.11.2021 14:19 Uhr
    Keine langen Schlangen
    vor den Fahrkartenautomaten. Woran liegt das wohl? Vielleicht daran, dass man die Fahrscheine im Vorfeld irgendwo kaufen kann?
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  •   timo
    (3424 Beiträge)

    17.11.2021 18:20 Uhr
    Das Argument war tatsächlich nicht so gut,
    aber mal im Ernst: wie viel Prozent der Kunden entwerten bei Einstieg? Die meisten haben doch ein Dauerticket, oder?
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  •   FinnMcCool
    (604 Beiträge)

    17.11.2021 13:16 Uhr
    Warum die Karlsruher keine Lust haben?
    Weil sie es nicht anders gewohnt sind.
    Ich war vor vielen Jahren in Stuttgart und habe mir am Automat direkt die tickets gekauft, die ich am Tag gebraucht hatte. Nur um dann festzustellen, dass diese direkt ab Ausgabe gültig sind und ich davon nur eines nutzen konnte.
    In zwei Jahren, wenn sich jeder daran gewohnt hat hört man wohl keine Klagen mehr.
    Und der Wunsch "wenn man zumindest sein Wunschdatum angeben könnte" - dann gibt es wieder ein Diskussionspunkt mehr, von wegen "ich wollte doch den 11.11. eingeben, habe mich aber wohl leider vertippt und habe jetzt ein Ticket für den 11.1."
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  •   lenkdreiachser
    (424 Beiträge)

    18.11.2021 08:06 Uhr
    Stuttgart.... und München
    'Sofortentwertung' ist aber etwas anderes als 'kein Vorverkauf'. In Stuttgart ist es sehr wohl möglich, Fahrkarten im Voraus zu erwerben, nur halt nicht am Automaten bzw. hier nur in Form von Mehrfahrtenkarten. Am besten orientiert sich am System der S-Bahn München. Hier kann man wählen, ob die Fahrkarte mit sofortiger Gültigkeit oder zum Entwerten ausgegeben werden soll, wobei standardmäßig die erste Option vorbelegt ist. Diese Lösung kam übrigens auch erst nach massiven Protesten zustande, nachdem man quasi über Nacht auf eine Sofortentwertung umgestellt hatte. Letztlich haben sich die Fahrgäste dem Raub der Vorkaufsmögllichkeit erfolgreich widersetzt.
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  •   Grünwinkler
    (25 Beiträge)

    17.11.2021 14:21 Uhr
    Wer kauft noch Dauerkarten?
    Viele sind im Home-Office und Dauerkarten werden immer weniger verkauft. Andere Verkehrsverbünde bieten deshalb schon preisgünstige Mehrfahrten-Bundles an.
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