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Karlsruhe/Rastatt Rauchende Fahrer, Beulen und kaputte SEV-Busse: ka-Reporter berichten von ihren "Abenteuerfahrten" zwischen Karlsruhe und Rastatt

Verspätungen, unfreundliches Personal, falsche Auskünfte. Von vielen Fahrgästen wurde zunehmend Kritik bezüglich des Schienenersatzverkehres (SEV) in Karlsruhe laut. Doch mit den genannten Beschwerden ist es nach Angaben von zwei ka-news.de-Lesern nicht getan. Beide erheben schwere Vorwürfe gegen das Busunternehmen und dessen Fahrer. Darunter: Rauchen während der Fahrt, gefährliches Fahrverhalten bis hin zu einem abgelösten Bus-Bauteil, welches einen der beiden am Kopf verletzte. Selbst beim Auftraggeber des Busunternehmens, der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), bleibt nur Unverständnis zurück.

Viele Fahrgäste dürften nun erleichtert aufatmen. Denn seit dem 8. November dürfen zwischen Karlsruhe und Rastatt wieder die Bahnen rollen. Doch zuvor hat der dortige SEV vor allem für eines gesorgt: Blanke Nerven. Schuld an der Misere soll ein Busunternehmen namens "Rhein Baden Bus" gewesen sein, welches die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) engagiert hatte.

Sowohl in den Foren der Sozialen Medien als auch über andere Kommunikationswege wurden immer wieder Beschwerden seitens der Fahrgäste laut. Die Situation gipfelte schließlich darin, dass die AVG sogar den Auftrag neu vergeben musste. 

Busfahrerin trägt keine Maske und raucht 

Zwei dieser Fahrgäste, die den SEV teilweise mehrmals am Tag nutzten, sind Sina, 32 Jahre alt, und Manfred, 38 Jahre alt, aus Bietigheim. "Wenn der Bus nicht zu spät kam oder ausgefallen ist, war ich gegen 8 Uhr in Karlsruhe. Dass der Bus aber gar nicht fährt, hat man oft erst vor Ort mitbekommen", erzählt Sina im Gespräch mit ka-news.de. Dabei seien die Gründe aber nicht immer nachvollziehbar gewesen.

Das Schriftbanner an einem Bus weist auf den Schienenersatzverkehr hin. (Symbolbild)
Das Schriftbanner an einem Bus weist auf den Schienenersatzverkehr hin. (Symbolbild) | Bild: Andreas Arnold/dpa/Archivbild

"Einmal ist der Bus ausgefallen, weil der Busfahrer mit seiner Frau Streit hatte. Das hat mir einer der dortigen Mitarbeiter erzählt. Ansonsten haben sie immer irgendwelche Ausreden für ihre Verspätungen gefunden, sodass wir irgendwann aufgehört haben, nachzufragen", ergänzt ihr Partner Manfred.  Darüber hinaus sollen sich die Busfahrer oftmals selbst nicht an die Maskenpflicht gehalten haben.

Fahren Kinder oder Minderjährige mit, gilt in vielen europäischen Ländern ein Rauchverbot im Auto.
Rauchen am Steuer (Symbolbild). | Bild: Franziska Gabbert

"Einmal hat die Busfahrerin während der Fahrt geraucht. Dieselbe Frau ist auch mal nach hinten gelaufen und hat die Gäste aufgefordert, den Mundschutz richtig anzuziehen. Sie selbst trug keinen. Als ich dann nachfragte, warum sie keinen trägt, ist sie wortlos wieder zurück zum Platz gegangen", so der 38-Jährige. 

Abdeckung fällt während der Fahrt herunter

Doch damit nicht genug. Auch der Fahrstil der Busfahrer soll nach Angaben des Paares sehr rabiat gewesen sein. "Die haben regelmäßig den Bordstein mitgenommen, haben Gas gegeben und wieder scharf abgebremst. Einmal ist denen irgendwo bei Durmersheim ein Unfall passiert. Da sind wir zwar nicht mitgefahren, aber einer der Mitarbeiter hat mir davon Bilder auf seinem Handy gezeigt.  Er hat es richtig ins lächerliche gezogen, dass er nicht richtig fahren kann", erzählt Manfred. 

Bild: privat/ka-news.de Leser Sina und Manfred

Dementsprechend demoliert sollen nach Angaben des Paares auch die Busse ausgehen haben. Von mit Klebeband fixierten Bauteilen bis zu einem heiß laufenden Motor im hinteren Teil des Busses sei alles mit dabei gewesen.  Wortwörtlich die Krönung sei allerdings gewesen, als Manfred während der Fahrt ein Teil der Deckenabdeckung auf den Kopf fällt. Nicht nur, dass der 38-Jährige nach eigenen Angaben eine Beule davontrug, auch das Busunternehmen soll nicht angemessen reagiert haben.

Die Abdeckung wurde im Nachgang mit Panzertape wieder an der Decke fixiert. | Bild: privat/ka-news.de Leser Sina und Manfred

"Ich habe dann versucht mich dem Busfahrer mitzuteilen, aber der hat kein deutsch verstanden", erzählt Manfred und seine Partnerin Sina ergänzt: "Teilweise fanden wir diese 'Abenteuerfahrten' ja noch recht amüsant, aber im Nachhinein sieht man erst wie ernst die Lage eigentlich war", so die 32-Jährige. "Wir haben uns auch schon überlegt, einen Anwalt hinzuzuziehen."

Werden die Busse vorher nicht geprüft?

Noch ominöser wird die Geschichte allerdings, als die Redaktion  das Unternehmen "RheinBadenBus" um eine Stellungnahme bitten möchte. Der Grund: Die Homepage-Domain funktioniert nicht, Anrufe verlaufen ins Leere und werden sogar weggedrückt. Der Anbieter will allem Anschein nach nicht kontaktiert werden.

Wir bitten daraufhin die AVG um eine Stellungnahme, die bereits in einer Pressemitteilung bekanntgegeben hatte, den Betroffenen Fahrgästen eine "Kompensationsleistung" zurückzugeben. Aber wie kann es sein, dass solch ein Unternehmen überhaupt gebucht wird?

Fahrgäste in einem Bus der Berliner Verkehrsbetriebe. (Archivbild).
Fahrgäste in einem Bus. (Archivbild) | Bild: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

"Unternehmen, die sich im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens um einen Auftrag bei der AVG bemühen, müssen neben vielen anderen Kriterien versichern, dass ihre Fahrzeuge verkehrs- und betriebssicher sind und eine Betriebserlaubnis vorliegt. Das ist selbstverständlich auch beim Unternehmen 'RheinBadenBus' abgefragt und vom Unternehmen versichert worden", heißt es in einer Stellungnahme des AVG. 

Schienenersatzverkehr in Karlsruhe
Ein Schienenersatzverkehr in Karlsruhe | Bild: Florian Kaute

Allerdings stellten Faktoren wie die Kontakthinterlegung im Rahmen des Vergabeverfahrens keine ausschlaggebenden Punkte dar. Dennoch prüft die AVG "aufgrund der Unzuverlässigkeit und Schlechtleistung" des Unternehmens, die Firma zukünftig von weiteren Vergabeverfahren auszuschließen. Eine weitere Zusammenarbeit sei nicht beabsichtigt.

Bild: privat/ka-news.de Leser Sina und Manfred

"Wir werden alle vertraglichen Möglichkeiten ausschöpfen, die nicht erbrachten Leistungen zum Abzug zu bringen. Weiterhin prüfen wir Schadensersatzforderungen für die aufgrund der unzureichenden Leistung des Unternehmens zusätzlich eingesetzten SEV-Busse", heißt es in dem Statement weiter. Hinsichtlich der Kopfverletzung des ka-news.de Lesers, so die AVG, könnten die zwei Schadenersatzforderungen gegenüber dem Fahrzeughalter geltend machen. 

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Kommentare (13)
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  •   JOSI
    (411 Beiträge)

    14.11.2021 17:39 Uhr
    Ist KA-NEWS noch eine seriöse Presseplattform?
    Mit einer seriösen Berichtserstattung?

    Oder ist KA-NEWS mittlerweile die Plattform für Influenzer und andere Social Medias?
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  •   mhitzler
    (120 Beiträge)

    13.11.2021 23:29 Uhr
    OH Ka-News
    Die Probleme begannen zum Beginn der Herbstferien und traten nicht nur zwischen Rastatt und KA, sondern auch im Ersatzverkehr Ettlingen-Karlsruhe auf.
    Nur: Ka-News hat da nichts von mitbekommen. Auch nichts von den telefonierenden Busfahrern und den wegen fehlendem Versicherungsschutz vom KO-Dienst stillgelegten Bussen (insgesamt 12). UND auch nicht einmal, dass die massiven Verspätungen zwischen Ettlingen und Ka von der AVG selbst verursacht waren, weil die eigenen Baufahrzeuge auf den Schienen in Ettlingen die Bahnübergänge blockierten. Und das alles ist jetzt schon 2 Wochen her und ihr merkt das jetzt erst (nachdem die BNN da sehr aktuell berichtet hatte). Schwach.
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  •   melotronix
    (3564 Beiträge)

    13.11.2021 13:28 Uhr
    Ausschreibungen
    werden oftmals nach den Kriterien der günstigsten Variante priorisiert. Ich erlebe das schon seit Jahren selbst. Billig zahlt eben mindestens zweimal. Diesen Spruch sollte man nicht unterschätzen!
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  •   lenkdreiachser
    (422 Beiträge)

    13.11.2021 18:24 Uhr
    Schweizer Lösung
    Man sollte es machen wie in der Schweiz: Hier kommt bei Ausschreibungen stets das zweitgünstigste Angebot zum Zug.
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  •   udoh
    (2020 Beiträge)

    19.11.2021 16:57 Uhr
    Ob günstigster oder zweitgünstigster Anbieter
    Man muss in der Ausschreibung klare Vorgaben schaffen, Kontrollen und Kündigungsoptionen einbauen.
    Unrealistisch billige Angebote kann man auch ablehnen - es sei denn der Ausschreibende z.B."nur" 500 Mio für ein Projekt...

    Meistens ist das BILLIG aber schlicht weg gewollt! Die Budgetverantwortlichen müssen das Bestellte ja schließlich nicht unbedingt nutzen
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  •   Kicherente
    (218 Beiträge)

    13.11.2021 12:53 Uhr
    AVG-Führung voll in Mitverantwortung
    Wer einen Subunternehmer anheuert muss auch sicherstellen, dass die Aufgabe ordnungsgemäss bewältigt wird und dass Beschwerden von Kunden nicht ignoriert werden. Da ist mindestens eine Person fehl am Platz.
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  •   BMWFahrer
    (825 Beiträge)

    13.11.2021 18:19 Uhr
    Zitat von Kicherente Wer einen Subunternehmer anheuert muss auch sicherstellen, dass

    Sagt wer? Steht wo?
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  •   Svantovit
    (184 Beiträge)

    14.11.2021 09:05 Uhr
    Nö?
    Der Hauptunternehmer haftet für den Subunternehmer. Nach § 278 BGB wird ein Verschulden des Subunternehmens also dem Hauptunternehmer zugeschrieben. Allerdings können Ansprüche an den Subunternehmer weitergegeben und Mängelbeseitigungen eingefordert werden.
    Die AVG steht somit als erster Ansprechpartner in der Verantwortung.
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  •   wolkenschauer
    (1480 Beiträge)

    13.11.2021 11:31 Uhr
    Sicherheit und teils kriminelle Verantwortungslosigkeit
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   karl143
    (361 Beiträge)

    13.11.2021 13:45 Uhr
    Was in aller Welt
    hat die AfD mit dem Versagen beider Busunternehmen zu tun? Das müssen sie mir mal erklären. Schlimm genug, wenn ein öffentlich-rechtliches Unternehmen diesen Zuständen tatenlos zusieht.
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