23  

Berlin Offizielle Corona-Warn-App steht zum Download bereit

Künftig sollen die Bundesbürger auch ihr Handy verwenden können, um die Corona-Epidemie einzudämmen. Die Regierung baut darauf, dass viele mitmachen - alles soll aber ausdrücklich freiwillig sein.

Nach wochenlangen Vorbereitungen geht die offizielle deutsche Warn-App für den Kampf gegen das Coronavirus an den Start. Die Bundesregierung stellt die neue Anwendung heute (10.30 Uhr) in Berlin vor.

App wirkt nur dann, wenn sie viele Menschen laden

In den App-Stores von Google und Apple stand die Anwendung bereits in der Nacht zur Verfügung. Das Herunterladen soll für alle Bürger freiwillig sein, um mit Hilfe von Smartphones das Nachverfolgen von Infektionen zu erleichtern. Die Regierung wirbt für eine breite Nutzung und verspricht hohen Datenschutz. Forderungen nach einem Gesetz lehnte sie ab. Die Ärzte unterstützen die neue App.

Corona-Warn-App in Deutschland.
Corona-Warn-App in Deutschland. | Bild: ka-news.de

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist ein sehr sinnvolles Instrument." Die App sorge auf einfache Weise dafür, Infektionsketten zu erkennen. "Sie ermöglicht aber auch, persönliche Vorsorge zu treffen - indem man sich bei einer entsprechenden Warn-Meldung testen lassen kann." Die App wirke natürlich nur dann, wenn man möglichst viele Menschen fürs Mitmachen gewinne. "Sie würde noch besser wirken, wenn man das System grenzüberschreitend in Europa gangbar machen könnte."

App misst Abstände von Smartphones

Die App soll am Vormittag von Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), mehreren Ministern, dem Robert Koch-Institut und den beauftragten Unternehmen SAP und Telekom vorgestellt werden. Sie kann messen, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind.

Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie in der Nähe eines Infizierten waren. Kontaktdaten werden nicht - wie zunächst vorgesehen - zentral gespeichert, sondern nur auf den Smartphones. Die Entwicklungskosten betragen rund 20 Millionen Euro.

Screenshot iOS-Store Download Corona-Warn-App.
Screenshot iOS-Store Download Corona-Warn-App. | Bild: ka-news.de

Nutzer konnten die App bereits in der Nacht zum Dienstag auf ihr Smartphone herunterladen. Im App-Store von Google war sie bereits um kurz nach 2 Uhr morgens verfügbar, bei Apple dauerte es etwas länger. Nutzer klagten in sozialen Medien über Verzögerungen bei der Verfügbarkeit der App sowie über Probleme beim Herunterladen. In weniger als einer Stunde schienen die Startschwierigkeiten dann überwunden.

"Nutzung ist sinnvoll"

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, nannte die App einen sinnvollen Baustein im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. "Es ist absolut sinnvoll, die Chancen der Digitalisierung für den Kampf gegen Corona zu nutzen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die App könne aber auch keine Wunder vollbringen, und sie ersetze natürlich weder Abstands- noch Hygieneregeln.

Eine längere Entwicklungszeit sei auch allemal besser als schlecht funktionierende Schnellschüsse, wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten. Baas äußerte sich zugleich kritisch zur Rolle von Apple und Google. "Das Gesundheitswesen darf nicht in eine Abhängigkeitsfalle der großen US-Konzerne geraten - gerade, wenn es um den Umgang mit und die Nutzung von Daten geht."

Anonymer Vorgang auf Basis von Zahlencodes

Kanzleramtsminister Helge Braun beschwor die Sicherheit des Programms. "Diese App ist so sicher, wie sie nur sein kann", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenportal "t-online.de". Der Quellcode sei offengelegt worden, ein höheres Maß an Transparenz könne man "kaum leisten". Braun bekräftigte das Versprechen der Bundesregierung, dass die Nutzung der App freiwillig bleibt: "Es gibt keinen Zwang, die App zu installieren. Ein Gesetz, das die Deutschen zum Download der Corona-App zwingt, schließe ich ausdrücklich aus. Wir werden beim freiwilligen Modell bleiben."

Helge Braun, Chef des Kanzleramtes, spricht während einer Pressekonferenz.
Helge Braun, Chef des Kanzleramtes, spricht während einer Pressekonferenz. | Bild: Oliver Killig/zb/dpa

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach versicherte, die Nutzung sei aus Sicht des Datenschutzes unbedenklich: "Niemand wird kontrolliert", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Es werden nur Zahlencodes ausgetauscht. Von diesen Zahlen aus kann niemand auf die Person schließen. Der gesamte Vorgang ist anonym." Er verspreche sich "keine Wunder davon, aber eine Menge im Kampf gegen das Virus."

Die Regierung wies Forderungen aus der Opposition zurück, Regelungen zur Freiwilligkeit und zum Datenschutz in einem eigenen Gesetz festzuschreiben. In der Datenschutzgrundverordnung sei alles Notwendige geregelt, argumentierte etwa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Verbraucherzentrale pocht auf Freiwilligkeit

Die Verbraucherzentralen pochen darauf, dass die App tatsächlich freiwillig bleibt. So dürfe es nicht sein, dass etwa Arbeitgeber, Restaurants oder Behörden eine Nutzung der App doch einmal als Zutrittsvoraussetzung definierten.

An manchen Läden bilden sich Warteschlangen, da sich bereits zu viele Kunden im Geschäft befinden.
An manchen Läden bilden sich Warteschlangen, da sich bereits zu viele Kunden im Geschäft befinden. | Bild: Ingo Rothermund

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag): "Ich bin davon überzeugt, dass es einen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass niemand benachteiligt werden darf, der die App - aus welchen Gründen auch immer - nicht nutzt."

Bei Warnung: Gesundheitsamt aufsuchen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte, besonders Beschäftigte in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen zum Mitmachen zu sensibilisieren. Justizministerin Lambrecht sagte den Funke-Zeitungen, aus ihrer Sicht sei die Warn-App für Kinder mit Smartphones genauso zu empfehlen wie für Erwachsene - das müsse aber jede Familie für sich selbst beurteilen.

Der Deutsche Städtetag appellierte an die Nutzer der App, den Kontakt zum örtlichen Gesundheitsamt zu suchen, wenn die App ihnen eine Warnung anzeigt: "Damit können sie ein effizientes und zügiges Arbeiten der Gesundheitsämter unterstützen", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (23)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   heaven
    (850 Beiträge)

    16.06.2020 18:32 Uhr
    ... und wer
    noch ein älteres IPhone hat auf dem iOS 13.5 nicht läuft
    guckt genau wie die Android 4.4 Benutzer in die Röhre traurig
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Riewespitz
    (92 Beiträge)

    16.06.2020 17:30 Uhr
    Hab die App
    heruntergeladen und aktiviert. Wenn ich was dazu tun kann um die Ausbreitung weiterhin zu verringern, sehe ich das als eine Bürgerpflicht an.
    Mag sein, dass sich jetzt wenige die App runterladen weil sie glauben es ist vorbei. Bei steigenden Fallzahlen wird sich das ändern.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3017 Beiträge)

    16.06.2020 16:31 Uhr
    Digital- und Überwachungsphobie:
    Wer diese App für den Start eines Überwachungsstaates sieht, sollte sich vergleichsweise einfach die Coronaapp in China ansehen. Die ist für jeden verpflichtend und ohne den passenden Gesundheitsstatus, macht dort keine Person auch nur einen Schritt vor die Haustüre. Zusammen mit der Bewegungsprofilaufzeichnung, die in IOS /Android immer läuft und auch von Aussen abgerufen werden kann (zB Beispiel aus den USA von letzter Woche- Apple kann die bei Plünderungen geklauten IPhones orten und gezielt abschalten), ergibt sich eine lückenlose Überwachung jeder Einzelperson. Davon ist diese App meilenweit entfernt und wer mit solchen Dingen ein warum-auch-immer generelles Problem hat, sollte lieber die Finger von den aktuellen Mobiltelefonen /Tabletcomputern lassen oder am Besten die digitale Welt ganz hinter sich lassen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   barheine
    (345 Beiträge)

    16.06.2020 13:40 Uhr
    Wir haben heute erstmals wieder weniger als 5.000 Corona-Fälle im Land. Glückwunsch! Aber vor wen soll die App dann eigentlich noch warnen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   lynx1984
    (3305 Beiträge)

    16.06.2020 13:35 Uhr
    Die App ist wie ein Feuermelder
    Die App ist wie ein Feuermelder.
    Hilft nicht gegen den Brand und verhindert keinen Brand. Aber warnt im Fall der Fälle, damit es sich nicht unentdeckt weiter auf andere ausdehnt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   froschi
    (85 Beiträge)

    16.06.2020 11:26 Uhr
    Die technischen Voraussetzungen für die Corona-Warn-App
    sollte man noch nennen: Android wird erst ab Version 6 unterstützt!

    Ich habe ein Smartphone mit Android 4.4 und kann die Corona-Warn-App deshalb nicht nutzen. Ich müsste mein Gerät verschrotten und mir ein neues kaufen (das fördert die Wirschaft und gibt wieder mehr Elektroschrott ...).

    Hintergrund für die Beschränkung auf mindestens Android 6 sind technische Zwänge, denn erst ab dieser Version gibt es die von der App genutzte Programmierschnittstelle für Bluetooth.

    Die vielen Mitbürger, vor allem ältere, die noch ein Tasten-Handy haben, können die Corona-Warn-App natürlich auch nicht nutzen. Ob man bei der App einen Nutzeranteil von mehr als 50 % der Bevölkerung erreicht, was für den Erfolg der App eigentlich erforderlich ist, wird man sehen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Chris23
    (562 Beiträge)

    16.06.2020 13:05 Uhr
    Mit Android 4.4
    Würde ich dir aber aufgrund zahlreicher bekannten und nicht gefixten Sicherheitlücken des Bluetooth protokoll eh von der Verwendung abraten. Daher ist es eigl positiv, wenn du es erst gar nicht installieren kannst. Ich mag mich zwar täuschen, aber in der Zeit war Bluetooth imho auch noch ein spürbarer Akku fresser.

    Ich denke auch, das dies dem Anwenderkreis nur minimal reduziert. Großteils geht es darum, will ich so eine App überhaupt? Wenn ich es sie Prinzipiell befürworte mache ich mir die Mühe und installiere sie mir?

    Tendenziell nutzt sie aber auch was mit unter 50 verbreitung, die 60 oder 80% waren afaik der Wert dem mann bräuchte wenn es die alleinige Massnahme wäre.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bingobongo
    (388 Beiträge)

    16.06.2020 12:16 Uhr
    Android 4.4
    Willkommen im Jahr 2012
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   froschi
    (85 Beiträge)

    16.06.2020 12:53 Uhr
    jaja,
    aber 2012 war doch gerade erst kürzlich? (ich bin Jahrgang 1959, und da vergehen die Jahre schnell ...)

    Jedenfalls laufen auf Android 4.4 noch fast alle PlayStore Apps und bekommen sogar Updates. Wenn ich mir trotzdem bald ein neues Smartphone kaufe, dann wegen der bei meinem Gerät fehlenden Unterstützung für LTE (4G), und nicht wegen der Corona-App.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schiller
    (192 Beiträge)

    17.06.2020 10:54 Uhr
    Konjunktur ist am Boden
    also KAUFEN KAUFEN KAUFEN zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 (3 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.