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ÖPNV Anbindung, Glas und Stahl: Durlacher Turmbergbahn wird ab 2022 umgebaut

Sie ist die älteste Standseilbahn Deutschlands. Seit 1888 transportiert die Durlacher Turmbergbahn ihre Passagiere den gleichnamigen Berg hinauf. Jetzt ist die Bahn nicht nur in die Jahre gekommen, auch ihre Betriebserlaubnis ist nur noch bis Oktober nächsten Jahres gültig. Bis dahin haben die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) Zeit, die historische Bergbahn zu modernisieren - und an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) anzuknüpfen. Die Realisierung des Projekts ist für Ende 2022 vorgesehen.

"Sie ist die älteste Standseilbahn in Deutschland - jetzt muss sie fit für die Zukunft gemacht werden", leitet Alexander Pischon, Geschäftsführer der VBK, die Projektvorstellung am Donnerstagabend ein. Die neue Anlage wird von einem der führenden Hersteller im Bereich Seilbahnen gebaut, der Doppelmayr/Garaventa Gruppe.

Dabei soll die Bahn nicht nur restauriert und modernisiert werden, sondern auch eine Verlängerung bis zur Bundesstraße 3 erhalten. Damit finden seit den 1960er-Jahren erstmals wieder größere Bauarbeiten im Bereich der Turmseilbahn statt.

Grünes Licht hatte das Bauvorhaben bereits im Oktober 2020 erhalten, als der Gemeinderat einstimmig für eine Verlängerung der Turmbergbahn stimmte. 

Bessere Anbindung an ÖPNV

Mit der Verlängerung an die Bundesstraße 3 wird die Turmbergbahn in Zukunft an das vorhandene Nahverkehrsnetz angebunden. Somit können  die Fahrgäste bereits in der Nähe der Endhaltestelle "Turmberg" in den Waggon steigen - auch die Einbindung in den Tarif des Karlsruher Verkehrsbundes (KVV) ist durch die Verlängerung möglich, so die VBK.

Allerdings muss die Bergbahnstraße durch die Verlängerung in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufgeteilt werden, wodurch einige Parkplätze weichen müssen. Die Befürchtung, dass durch die neue Anlage Anwohner gestört werden könnten, konnte durch schalltechnische Untersuchungen widerlegt werden. Auch die Erschütterungseinwirkung wird nur gering ausfallen, so die Experten aus dem Planungsbüro.

Doch es gibt noch andere Änderungen, die der Umbau der Turmbergbahn mit sich bringen wird. So wird der historische Waggon durch eine automatisierte, moderne Seilbahn ersetzt, die durch großzügige Dach- und Seitenfenster für einen besseren Panoramablick sorgen soll.

Die Bahn soll bis zu 800 Menschen pro Stunde auf den Turmberg befördern. | Bild: Peter Eich

Radfahrer und Fußgänger, die den Bereich der Verlängerung queren wollen, werden durch eine Unterführung geführt. Darüber soll eine Stahlbrücke entstehen, die die Bahn zur Bergstation oder zurück nach unten leitet. Die Talstation wird weiterhin nicht als Haltestation angefahren. 

Die Haltestellen werden in Zukunft aus Glas und Stahl bestehen. Außerdem soll den Besuchern dadurch ein Blick auf die Technik ermöglicht werden. | Bild: Florian Kaute

Des Weiteren wird es überdachte, barrierefreie Haltestellenwartebereiche geben, wobei die Fassaden aus einer leichten Stahl- und Glaskonstruktion bestehen werden. Außerdem wird durch das Design ein Blick auf die Technik Seilbahn möglich sein.

Kein Spielraum für Bauarbeitenbeginn

Nicht nur, dass die Bahn in Zukunft ohne Fahrer auskommen soll. Auch die Wägen werden erneuert und sollen zukünftig bis zu 70 Personen auf einmal- und - bei Hochbetrieb - bis zu 800 Personen pro Stunde transportieren können. Bisher bietet der Waggon bis zu 52 Personen Platz.

Insgesamt soll dieses "Fitmach-Projekt" rund 20,9 Millionen Euro kosten, wovon zirka 60  Prozent bezuschusst werden sollen - mitunter einer der Gründe, weshalb der Gemeinderat im Oktober dafür gestimmt hat.

Die Turmbergbahn ist in die Jahre gekommen
Die Turmbergbahn ist in die Jahre gekommen | Bild: kvv

Gestartet wird voraussichtlich Ende 2022, direkt nachdem die Betriebserlaubnis erloschen sein wird. Danach soll es 15 Monate dauern, bis die Bahn wieder den Turmberg erklimmen kann.

Doch warum soll bereits nächstes Jahr mit dem Umbau  begonnen werden, obwohl der Haushalt starke Sparmaßnahmen erfordert? "Wir, haben da keinen Spielraum, wann wir mit dem Bauen anfangen, da die Betriebserlaubnis nächsten Oktober bereits erlischt", erklärt Christian Höglmeier, technischer Leiter der VBK. "Deshalb sind wir bereits seit 2016 dabei, alles zu planen."

 

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  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    04.02.2021 08:37 Uhr
    Die Information,
    dass eine mögliche Verlängerung der Turmbergbahn schon bei der Planung der heutigen Bergbahnstraße ab 1915 vorgesehen wurde, entnahm ich dieser Präsentation der VBK. Dass bis zur Fertigstellung noch zwei Jahrzehnte vergingen, war mir nicht bekannt, spielt aber meines Erachtens auch keine große Rolle. Auch die von Ihnen verlinkten historischen Fotos zeigen ja, dass dort entsprechend Platz gelassen worden war. Insofern ist mir unklar, worauf Sie eigentlich hinauswollen.

    P.S.: Ihr konfrontativer Diskussionsstil erscheint mir nicht unbedingt dazu angetan, andere für Ihre Standpunkte einzunehmen. Vielleicht denken Sie mal mit etwas Ruhe und Abstand darüber nach.
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  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    04.02.2021 08:48 Uhr
    Sorry, falsch verlinkt.
    Obiges war als Antwort auf die Beiträge des Teilnehmers hyos im Diskussionsfaden "leider eine Milchmädchenrechnung" gedacht.
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  •   GuntherM
    (3 Beiträge)

    03.02.2021 22:59 Uhr
    Keine Verlängerung...
    https://www.openpetition.de/petition/online/keine-verlaengerung-der-turmbergbahn-in-durlach
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  •   GuntherM
    (3 Beiträge)

    02.02.2021 14:11 Uhr
    leider eine Milchmädchenrechnung
    Der Gemeinderat hat bei der Zustimmung des Projektes leider nicht Bedacht, dass aufgrund der Verlängerung der Bahn bis zur B3 das bestehende Verkehrskonzept überarbeitet und angepasst werden muss. Die Verlängerung trennt ein bestehendes Wohngebiet durch einen 1,80m hohen Zaun. Eine Querung der Trasse durch die Anwohner ist nicht mehr möglich. Das komplette nördliche Wohngebiet des Turmbergs wird abgeschnitten. Wie die Anwohner in einer Onlinepräsentation erfahren haben, liegt noch keine Planung für ein ersatzweises Verkehrskonzept vor, welches dieses Problem löst. Die Kosten hierfür können demnach noch nicht bekannt, geschweige denn eingepreist sein!
    Das die alte Bahn weichen muss ist schade aber notwendig. Das ist keine Frage! Aber die Verlängerung der Turmbergbahn durch ein Wohngebiet bis zur B3 ist für die Anwohner eine Zumutung und durch nichts zu rechtfertigen!
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  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    03.02.2021 20:07 Uhr
    ?
    Eine (stufenfreie) Querung für Fußgänger und Fahrradfahrer ist Teil des Plans. Haben Sie sich die von likeka verlinkten Dokumente angeschaut?

    Kein Wohngebietsteil wird abgeschnitten; die nördliche Seite der Bergbahnstraße wird künftig im Gegenverkehr befahren werden. Je nach Ziel werden manche Anwohner einen kleinen Umweg fahren müssen. Dafür dürfte aber vielerorts der Verkehr zurückgehen, weil ein paar Schleichwege zugemacht werden.

    Die Umzäunung ist natürlich lästig, aber wohl aus Sicherheitsgründen (auch wegen des automatisierten Betriebs ohne Fahrer) vorgeschrieben. Hoffentlich läßt sich dafür eine hinreichend unauffällige, transparente oder zumindest "luftige" Ausgestaltung finden.

    Übrigens: Die Bergbahnstraße wurde bereits 1915 für eine mögliche Verlängerung der Turmbergbahn vorgesehen und (in ihrer Breite und mit dem Grünstreifen in der Mitte) entsprechend ausgestaltet. Da kann man sich als Anwohner jetzt schlecht hinstellen und sagen, das hätte man nicht gewusst.
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  •   GuntherM
    (3 Beiträge)

    03.02.2021 22:18 Uhr
    Leider...
    ....stimmt das nicht ganz. Alle Anwohner des kompletten nördlichen Turmbergs werden vom Norden kommend in Zukunft nur noch über die Straße "Am Steinbruch" ihre Straßen erreichen. Ebenfalls wird man NICHT von der Bergbahnstrasse aus kommend inks nach Durlach abbiegen können. Auch dieser Verkehr muss über die Straße " Am Steinbruch" den Umweg fahren. Wenn sie hier mit ihren Kindern wohnen, haben sie keine Lust auf eine Hauptverkehrsstraße......und 1915 habe ich noch nicht gelebt....
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  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    04.02.2021 07:47 Uhr
    Wenn man von Norden kommt ...
    ist es allerdings auch kein Umweg, durch die Straße "Am Steinbruch" zu fahren, und da auf dem ganzen nördlichen Turmberg vergleichsweise wenige Menschen wohnen, kann von einer "Hauptverkehrsstraße" wohl keine Rede sein.

    Dass die Änderung der Verkehrsführung, so wie Sie sie beschreiben, bei den Anwohnern dieser Straße nicht auf Begeisterung stößt, verstehe ich natürlich.
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  •   hyos
    (20 Beiträge)

    03.02.2021 21:32 Uhr
    Märchen: ... bereits 1915 wurde ... vorgesehen
    oft kolportiert, aber völlig daneben (Planung hat mit Realität wenig zu tun):
    „Bergbahnstaße“ 1930
    „Bergbahnstraße“ 1932
    übrigens, der Weg links hat nichts mit der Bergbahnstaße zu tun ...
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  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    03.02.2021 22:34 Uhr
    Wo steckt das Märchen?
    "Planen" und "Vorsehen" sind eigentlich das gleiche, oder? Der Bau erfolgte anscheinend später, aber ein Foto von 1939 in der Präsentation der VBK zeigt, dass die Bergbahnstraße schon vor über 80 Jahren die Gestalt hatte, die wir heute kennen.
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  •   hyos
    (20 Beiträge)

    03.02.2021 23:29 Uhr
    wer ist Herr „Ringo Finsterberg“ ?
    ein anonymer Herr „Ringo Ginsterburg“ meint, hier irgendeine Fahne flattern lassen zu müssen. Was treibt Sie denn wirklich dazu? Verfolgen Sie irgendwelche Lobby- [oder sonstwie sich auszahlenden] Interessen oder geht es nur um widerspruch per se?
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