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Karlsruhe Nach TGV-Unglück am Bahnhof Durlach: Was macht die Deutsche Bahn für traumatisierte Lokführer?

Egal ob für Auto, Bus, Bahn oder Zug. Zum Fahren derartiger Fahrzeuge gehört eine gewisse Verantwortung für die Mitmenschen dazu. Der Grund: Im Ernstfall können Begegnungen mit derlei Fahrzeugen zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen führen. So geschehen vor zirka zwei Wochen am Durlacher Bahnhof: Trotz Warnsignal und Vollbremsung kollidierte ein französischer Schnellzug mit einem 27-jährigen Mann. Ob Suizid oder schlichte Unachtsamkeit die Ursache war, ist unklar. Doch was passiert eigentlich mit den "Opfern", die am Steuer - beziehungsweise im Führerstand- saßen? ka-news.de hat bei der Deutschen Bahn nachgehakt.

Es ist Samstag, der 2. Oktober, gegen 20.30 Uhr. Viele Pendler, Wochenendheimfahrer und sonstige Bahngäste sind zu diesem Zeitpunkt auf den Bahnsteigen des Durlacher Bahnhofs unterwegs. Dann passiert es: Ein 27-jähriger Mann überquert die Gleisen und übersieht den mit 140 Stundenkilometern heranrasenden Schnellzug. Der Lokführer versucht alles, um das Unglück noch rechtzeitig abzuwenden, doch der Mann verstirbt noch an Ort und Stelle.

Der Punkt: Nicht nur für die Angehörigen des Opfers können solche Erlebnisse traumatisierend sein - oftmals haben die Lokführer mit langfristigen Folgen zu kämpfen. Das weiß auch die "Deutsche Bahn".

35-köpfiges Team aus Psychologen und Ärzten 

"Die Deutsche Bahn nimmt ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden, die während ihrer Tätigkeit traumatischen Ereignissen ausgesetzt sein können, sehr ernst. Im Mittelpunkt steht ein umfassendes Betreuungsprogramm zur Vermeidung posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS)", antwortet eine Sprecherin auf Nachfrage der Redaktion per E-Mail. 

Geht es nach der Durlacher SPD, entsteht hier bald ein "Haus der Musik". Nun muss der Ortschaftsrat über den Antrag entscheiden.
(Symbolbild) | Bild: (mda)

Hierfür stellt die Deutsche Bahn über 35 Psychologen und ausgebildete Betriebsärzte der ias-Gruppe zur Verfügung, die betroffenen Mitarbeitern ihre Dienste anbieten können. Wie lange die Lokführer nach derartigen Vorfällen arbeitsunfähig sind, hänge allerdings von den Bahnfahrern ab.

"Lokführer werden bei Personenunfällen ausnahmslos von Kollegen abgelöst und nach Hause begleitet. Die Fahrer bleiben dann solange außer Dienst, bis die aus dem Ereignis resultierenden Belastungsreaktionen bei ihnen abgeklungen sind. Für eine intensivere Nachbetreuung betroffener Mitarbeiter stehen ebenfalls Ärzte sowie Psycholog der ias-Gruppe zur Verfügung", so die Sprecherin weiter.

Was allerdings mit Lokführer geschieht, die sich außerstande sehen, jemals wieder in diesem Beruf zu arbeiten, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. 

DB ist Mitglied der "NaSPro"

Zudem betont die Deutsche Bahn gegenüber ka-news.de, dass sie als aktives Mitglied des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro) agiere. Einem bundesweiten Netzwerk mit dem Ziel der Förderung, Entwicklung und Fortentwicklung der Suizidprävention in Deutschland.

Ein Lokführer verlässt den Führerstand eines Regionalzuges der Deutschen Bahn. Die Bahn stellt zusätzliche Mitarbeiter ein.
Ein Lokführer verlässt den Führerstand eines Regionalzuges der Deutschen Bahn. | Bild: Arne Dedert/dpa

"Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland etwa 10.000 Menschen das Leben. Die Anzahl der Suizide in Deutschland ist dreimal so hoch wie die der Verkehrstoten. Suizidalität ist insofern ein komplexes Phänomen und die Suizidprävention eine vielschichtige Aufgabe", heißt es in der E-Mail an ka-news.de abschließend. 

Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sind Mitarbeiter der Telefonseelsorge unter 0800 1110111 oder 0800 111 0 222 rund um die Uhr für Sie erreichbar. In Karlsruhe bieten zudem der Kriseninterventionsdienst K.i.D. (0721 – 830 36 47) und der Arbeitskreis Leben Karlsruhe (0721 – 811424) Hilfe und Beratung an.

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  •   melotronix
    (3585 Beiträge)

    15.10.2021 07:31 Uhr
    das ist das letzte...
    was man an Kommentar abgeben kann und zeugt maximal von Defiziten an empathischen Fähigkeiten.
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  •   Gelegenheits-Kommentator
    (88 Beiträge)

    15.10.2021 07:20 Uhr
    Wer eine psychische Belastung
    pauschal als nicht richtige Krankheit abwertet und sich großspurig „BMW-Fahrer“ nennt, hat selbst ein psychisches Problem. Menschen, die ein gesundes natürliches Selbstwertgefühl haben, müssen sich nicht dadurch definieren, anderen Menschen einen Leidensdruck abzusprechen und sie quasi der Simulation zu bezichtigen. Und haben es auch nicht nötig, sich mangels anderer Qualitäten durch eine Nobelmarke hervorzuheben.
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  •   silberahorn
    (11135 Beiträge)

    15.10.2021 02:31 Uhr
    Hallo BMWfahrer
    Sie schreiben: "Im Gegensatz zu richtigen Krankheiten nämlich nicht widerlegbar." Wenn ich mich nicht auf das Thema "richtige Krankheit" einlasse, dann fällt mir dazu das Buch einer Psychologin ein, die in Supervisionen von Kollegen hörte, dass die Patienten gar nicht gesund werden wollen. Daraufhin hat sie eine Methode entwickelt, wie man die Patienten zur Gesundung überzeugen kann.

    Ich finde durchaus, dass Sie ein wichtiges Thema ansprachen, weil der Markt im Bereich der Psychologie einige Scharlatane hat und auch immer größer wird. Es werden auch Medikamente erprobt.

    ABER: man kann psychiche Belastungen durchaus nachweisen, zumindest was Konzentrationsstörungen und Reaktionsvermögen betrifft. Dafür gibt es geeignete Computerprogramme, bei denen man z.B. auf Knöpfchen drücken muss, wenn bestimmte Zahlen sich wiederholen die man sich merken sollte.
    Gerade bei Zugführern, die auch Streckensignale nicht übersehen sollten, ist Konzentrationsfähigkeit wichtig.
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  •   heaven
    (863 Beiträge)

    15.10.2021 01:31 Uhr
    @BMWFahrer:
    Verschone uns mit Deinen Postings über
    Themen, von denen Du offensichtlich
    NULL Ahnung hast!
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  •   ettlinger
    (214 Beiträge)

    14.10.2021 19:06 Uhr
    Dein Kommentar macht einfach nur fassungslos!
    An Gefühlskälte nicht zu überbieten.
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  •   silberahorn
    (11135 Beiträge)

    15.10.2021 02:45 Uhr
    @ettlinger
    Er hat aber wichtige Vorurteile angesprochen. Ich halte es auch für möglich, dass jemand in eine falsche Endlosschiene von Behandlungen kommen kann, weil gerade im Bereich Traumata gut Geld verdient werden kann.
    "Kranke können eine Bereicherung sein" kann man auch so verstehen, dass ein Markt entstand, den es vor 30 Jahren so noch nicht gab. Ich könnte dir eine Psychologin nennen, die früher für die Stadt Karlsruhe arbeitete, sich danach erfolgreich selbstständig machte, und damals vor langen Jahren meinte: Ich mache jetzt Trauma, das ist gerade Mode.
    Die Kinder solcher "Experten" werden nach meinen Recherchen unglaublich häufig, jedenfalls wenn es nicht zufällig Namensgleicheiten gibt, zu Kinderpsychologen ausgebildet. Da dreht sich gerade eine Schraube, auf die man tatsächlich besser achten sollte. Es gibt seriöse und eben auch leider sehr unseriöse, aber schlecht kontrollierte Behandler und auch dubiose Methoden.
    Und Vorurteile, siehe BMWfahrer, werden dadurch nicht weniger.
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  •   timo
    (3424 Beiträge)

    14.10.2021 18:51 Uhr
    Was für ein widerlicher Kommentar.
    .
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