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Karlsruhe Nach Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz: Kann das auch in Karlsruhe passieren?

Überschwemmungen, Dammbrüche und Todesopfer. Im benachbarten Bundesland Rheinland-Pfalz hat sich die Hochwasser-Situation inzwischen zum Katastrophenfall gesteigert. Auch im Messgebiet Karlsruhe-Maxau hat der Rhein inzwischen die 8,50 Meter und damit fast die Marke eines 10-jährigen Hochwassers geknackt. Droht der Fächerstadt damit etwa dasselbe Unglück ?

Das Wetter in Deutschland spielt verrückt - und zieht unangenehme Nebenwirkungen nach sich. Das Resultat: Deutschlandweit wird Hochwasser gemeldet. Besonders bei unserem Nachbar, dem Bundesland Rheinland-Pfalz, hat der Dauerregen enorme Wassermassen in Bewegung gesetzt.

Das ging sogar so weit, dass das Land Baden-Württemberg Hilfstruppen aussenden musste, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Sogar aus dem Kreis Karlsruhe wurden inzwischen Hilfskräfte in die Pfalz geschickt. Blüht der Fächerstadt da bald ein ähnliches Schicksal?

Deiche halten 10-jähriges Hochwasser

"Wir haben es hier mit einem Ereignis zu tun, das alle 10 Jahre wiederkehrt", erklärt Jörg Vogel, Wasserbauingenieur und Amtsleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Oberrhein. Das heißt: Nur alle 10 Jahre überschreitet der Rhein bei Karlsruhe-Maxau die 8,57 Meter. Und genau das wird voraussichtlich in der Nacht von Freitag auf Samstag passieren. Denn laut der Hochwasservorhersagezentrale von Baden-Württemberg (HVZ) könnte der Rhein auf rund 8,60 Meter ansteigen.

Jörg Vogel, Amtsleiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein
Jörg Vogel, Amtsleiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein | Bild: WSA-Oberrhein

Mit so enormen Auswirkungen wie in der Pfalz sei in Maxau allerdings nicht zu rechnen. "Die Deiche sind in Maxau recht dicht, die packen das. Selbst wenn da ein paar Menschen auf der Krone herumlaufen würden, so schnell weichen die nicht auf", so der Experte.

Knifflig würde es in der Regel erst werden, wenn das Wasser 4.200 Kubikmetern pro Sekunde erreicht. "An dieser Marke kratzt der Wert nur, da es doch deutlich weniger Niederschlag gegeben hat, als befürchtet", sagt Vogel und ergänzt: "Wir sind deshalb mit Ernst bei der Sache, aber ohne Panik. Zur Not gibt es immer noch Rückhalter, die eingesetzt werden können."

Große Flüsse besser kontrollierbar

Aus einer anderen Perspektive sieht es wiederum die HVZ. Denn nach Angaben des Hydrologen Daniel Habekost müsse man grundsätzlich zwischen zwei Arten von Hochwasser unterscheiden: Das Hochwasser, welches von Nebengewässern wie zum Beispiel der Alb herführt, und das Hochwasser, von großen Flüssen wie dem Rhein.

Hochwassertourismus ist nicht gern gesehen. Den Karlsruher Deichen soll das aber nichts ausmachen. | Bild: Thomas Riedel

"Bei großen Flüssen steigt das Wasser langsamer, deswegen kann man die Lage besser einschätzen und man hat mehr Vorbereitungszeit. Eben auch, weil die Dammwacht alles inspiziert", so der Experte gegenüber ka-news.de. Dem gegenüber stehen die Nebenflüsse, die gewitterbedingt ebenfalls schwere Überschwemmungen mit sich führen können. Und genau das ist in der Pfalz nun passiert.

Aber warum eigentlich ausgerechnet dort, wenn Karlsruhe doch gar nicht so weit entfernt ist?

Solche Vorkommnisse "extrem unwahrscheinlich"

Dass es in der Pfalz oder auch in Lörrach dermaßen eskaliert, sei laut Habekost ein Stück weit dem Zufall geschuldet.

Der Grund: Wenn derartige Unwetter für eine Region angekündigt werden, kann es sein, dass die Gewitterzellen weiterziehen und ganz woanders runterkommen. "Solche schwerwiegenden Vorkommnisse wie aktuell in der Pfalz sind zwar extrem unwahrscheinlich. Doch wenn es soweit kommt, dann kann man sich nicht davor schützen", führt der Hydrologe weiter aus. 

Ein erster Eindruck aus dem vom Hochwasser besonders stark betroffenen Ort Schuld bei Adenau.
Ein erster Eindruck aus dem vom Hochwasser besonders stark betroffenen Ort Schuld bei Adenau. | Bild: Christoph Reichwein/TNN/dpa

Aktuelles Maxau-Hochwasser in der "Top Ten" angekommen

Doch auch Habekost sieht im Großen und Ganzen keinen Grund dazu, dass es aktuell in Karlsruhe zu ähnlichen Extremsituationen kommen sollte. Und das, obwohl es der momentane Wasserstand mit einem Pegel von 8,50 Metern "definitiv in die Top 10 des letzten Jahrhunderts geschafft habe".

Bild: Thomas Riedel

Viel mehr verzeichne die HVZ einen Abwärtstrend des Hochwassers. "Extremwerte sind in unseren aktuellen Daten nicht mehr sichtbar. Es kann noch zu lokalen Überflutungen kommen, aber ich schätze in gut einer Woche wird der Rhein sich wieder eingepegelt haben", so der Experte abschließend. Ob es in Zukunft jedoch weitere Schutz-Vorkehrungen gegen derartige Hochwasserausbrüche geben wird, kann der Hydrologe weder dementieren noch bestätigen. 

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  •   ALFPFIN
    (7775 Beiträge)

    16.07.2021 17:02 Uhr
    Ich erinnere mich
    1983 hatte die Alb extremes Hochwasser, davor wohl auch schon. Da waren Knielingen, Mühlburg, Daxlanden und Grünwinkel betroffen.
    In Daxlanden haben wir damals im Häusle einer Kollegin fleißig mitgeholfen Wasser aus dem Keller zu schöpfen. Und dabei haben wir ein paar Bisamratten, die im Keller ja dann eingeschlossen waren, gerettet und brav wieder freigesetzt. 😉
    Auch Rappenwört einschließlich Milchhäusle stand schon unter Wasser, als der Rhein Hochwasser hatte.
    Bei uns würde wohl eine solche Katastrophe nicht passieren, durch die Begradigung des Rheins und den entsprechenden Uferausbau denke ich, dass wir davon verschont bleiben.
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  •   Gelegenheits-Kommentator
    (67 Beiträge)

    16.07.2021 16:20 Uhr
    Der Mensch kann in vielen Bereichen
    Lehren aus der Vergangenheit ziehen und Vorsorge treffen bzw. Schutzmaßnahmen verbessern. Im Falle eines Falles ist die Natur aber immer stärker und bahnt sich ihren Weg. Deswegen sind die selbsternannten Experten, die alle Bedenken mit einer abwertenden Bewegung zur Seite wischen, mit Vorsicht zu genießen. Auch die Kraftwerksbetreiber in Fukushima waren sich sicher, daß so ein Naturereignis wie der auslösende Tsunami in dieser Dimension dort nie passieren könne.
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  •   silberahorn
    (10962 Beiträge)

    16.07.2021 15:43 Uhr
    Bei Starkregen
    und einer Kanalisation die das nicht aufnehmen kann spielt der entfernte Rhein und seine Wassermarke eher eine geringe Rolle. War es nicht in Karlsbad und Langensteinbach unlängst so, dass die Fluten von den umliegenden Feldern kamen und dann nur nicht von den Abwassersystemen aufgefangen werden konnten?
    Puh, womöglich bekommt manch einer in Rüppurr auch noch ein Haus am See ohne es beantragt zu haben. In Karlsruhe-Innenstadt kann man eventuell zuviel Wasser durch einen Tunnel umleiten.

    Schlimm, was für Bilder aus anderen Regionen heute zu sehen sind.
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  •   mueck
    (12306 Beiträge)

    16.07.2021 19:50 Uhr
    !
    Die Karlsruher Innenstadt liegt relativ sicher auf dem Hochgestade, das ist rund 10 m über dem Tiefgestade auf der einen Seite und der auch etwas niedriger liegenden Kinzig-Murg-Rinne auf der anderen Seite und nach Süden hin gibt's die Alb, in die Wasser von Süden reinlaufen täte ...
    Starkregen kann auch nicht in dem Maße entstehen, weil die nächsten Berge, wo Wolken hängen bleiben könnten, ein Stück von der Pyramide weg stehen und auch nicht sooo hoch sind wie weiter südlich.
    Die Ränder sind nicht ganz so gut dran, die die im Tiefgestade bei Knielingen und Daxlanden gebaut haben, die könnten Besuch vom Rhein kriegen. Und die Stadtteile, die direkt an Alb und Pfinz liegen, die könnten auch nasse Füße kriegen. Alt-Rüppurr liegt etwas höher, die haben damals mitgedacht, die anderen nicht. Auch in der Kinzig-Murg-Rinne wurde gebaut und paar Stadtteile liegen am Hang, da weiß man auch nicht, ob da was runterfließen oder -rutschen kann ... Man sollte sich da mal seine Umgebung anschauen ...
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  •   BMWFahrer
    (762 Beiträge)

    17.07.2021 22:56 Uhr
    Baugrund
    Zitat von Mueck Alt-Rüppurr liegt etwas höher, die haben damals mitgedacht,

    Ein wesentlicher Teil des Problems. In den letzten Jahrzehnten wurden Gegenden dicht bebaut, vor denen man sich Jahrtausende ferngehalten hatte. Feuchtwiesen, Flußniederungen usw.

    Anscheinend ist den Menschen das Gespür dafür abhanden gekommen, welche Bereiche gefährdet sind.

    Das hier in Altenahr sieht aus, als sei es schon immer eine Flußschleife gewesen.
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  •   mueck
    (12306 Beiträge)

    16.07.2021 19:59 Uhr
    PS
    Es gibt im Bürgr-GIS seit einer Weile auch Höheninfos: Unter der Symbolleiste im linken Fenster den rechten Kringel klicken, dann kann man links unter dem Symbol "Fachpläne" die Geländeinformationen einschalten.
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  •   silberahorn
    (10962 Beiträge)

    16.07.2021 20:40 Uhr
    Danke
    Gut gegen Langeweile, obwohl ich gerade ein Hausboot plane.
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  •   mueck
    (12306 Beiträge)

    17.07.2021 12:07 Uhr
    ¡
    ˙˙˙ ʇƃuıpǝq ɹnu ɥɔnɐ ʇnlɟ ıǝq ʇɟlıɥ ʇooqsnɐɥ
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  •   barheine
    (705 Beiträge)

    16.07.2021 15:25 Uhr
    Ich weiß nicht, was genau im Oktober 1824 hier in Ettlingen passiert ist, aber die Hochwassermarken an den Hauswänden der Gebäude an der Alb flößen mir immer einiges an Respekt vor diesem "Rinnsal" ein.
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