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Karlsruhe Mehr Lebensqualität? Karlsruher Innenstadt könnte bald autofrei werden

An verkaufsoffenen Sonntagen zum Shoppen in die Innenstadt fahren - allerdings nicht mit dem Auto. Das fordert die Fraktion der Karlsruher Linke im Gemeinderat. Der Gedanke hinter den autofreien Sonntagen: Die Lebensqualität und das Klima in der City nachhaltig zu verbessern. Geht Karlsruhe damit den nächsten Schritt in Richtung autofreie Innenstadt?

"Die Diskussion um eine autofreie Innenstadt führen wir hier in Karlsruhe schon lange", sagt Linke-Stadtrat Lukas Bimmerle im Gespräch mit ka-news.de. Da andere Städte wie Frankfurt oder Stuttgart hierzu bereits Initiativen gezeigt hätten, müsse die Fächerstadt nun nachziehen. 

Positive Auswirkungen auf Aufenthaltsqualität und Klima

Die Idee: Die Einführung von autofreien Sonntagen. An ihnen soll getestet werden, welche Auswirkungen eine autofreie Innenstadt auf die Nutzung von Autos, Bahnen und Busse hat. "Die Bürger können sich freier bewegen und es würde weniger Lärm entstehen - so könnten wir damit einen Beitrag leisten, die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern", sagt Bimmerle. Und: "Wenn die Menschen weiter außerhalb parken müssten, hätte das zudem positive Auswirkungen auf das Klima."

Für die Umsetzung schlägt die Linke konkrete Termine vor: Die drei kommenden verkaufsoffenen Sonntage am 13. und 20. September und am 11. Oktober sowie während der diesjährigen europäischen Mobilitätswoche von Mittwoch, 16., bis Dienstag, 22. September. Der gesperrte Bereich soll zwischen der Fritz-Erler-Straße im Osten, dem Zirkel im Norden, der Reinhold-Frank-Straße im Westen und der Kriegsstraße im Süden verlaufen.

 

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"Die Toleranz wird kommen"

Doch warum ein solches Verbot während der stark frequentierten verkaufsoffenen Sonntage? "An normalen Tagen wäre ein solches Vorhaben nicht sinnvoll, da es zu wenig Verkehr gäbe, um Rückschlüsse auf die Verkehrsströme und die veränderte Nutzung des ÖPNV zu ziehen", erklärt Lukas Bimmerle. Aus den gleichen Gründen habe die Stadt im vergangenen Jahr das Bus- und Bahnfahren an den Adventswochenenden kostenlos gemacht.

Dass das manche einkaufsfreudigen Karlsruher etwas kritischer sehen könnten, kann der Linke-Stadtrat verstehen. "Es ist ein Eingriff in das normale Mobilitätsverhalten, aber es ist notwendig, um das Ziel einer klimaneutralen Stadt weiter voranzutreiben", sagt er gegenüber ka-news.de und ergänzt: "Die Toleranz wird kommen, wenn die Menschen die positiven Effekte sehen."

Problem: Sperrung ist rechtlich nicht zulässig

Ganz so überzeugt ist die Stadt Karlsruhe von der Idee allerdings noch nicht. Das Problem: Eine flächendeckende Sperrung der City, allein mit dem Ziel einer autofreien Innenstadt, sei rechtlich derzeit nicht zulässig. "Das Ziel, den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen und damit einen wichtigen Beitrag für unsere Umwelt zu leisten, reicht hierfür nach geltender Rechtslage nicht aus", schreibt sie in ihrer Stellungnahme.

Auch die Kriegsstraße entlang des Ettlinger Tors wäre dann für den Autoverkehr gesperrt. | Bild: Corina Bohner

Im Rahmen einer Veranstaltung oder Versammlung, die die gesperrten Bereiche für sich beansprucht, sei dies allerdings möglich. Für den verkaufsoffenen Sonntag am 11. Oktober seien derzeit aber lediglich "Aktivitäten des Einzelhandels oder anderer Gruppierungen auf den innerstädtischen Plätzen" geplant. "Hierfur sind keine Straßensperrungen erforderlich", so die Stadt weiter. Man müsste zudem die Erreichbarkeit der Innenstadt für Kunden aus der Region rund um Karlsruhe sowie die rechtlichen Belange der Anwohner oder Parkhausbetreiber beleuchten.

"Haltung der Stadt nicht ganz nachvollziehbar" 

Um die rechtlichen Restriktionen für den autofreien Sonntag zu umgehen, hat die Linke ihrem Antrag den Vorschlag eines Mobilitätsfestivals hinzugefügt, welches während der Sperrungen in der Innenstadt für alternative Mobilitätsformen werden soll. "Dass die Stadt unseren Vorschlag in ihrer Stellungnahme nicht aufgegriffen hat, ist für uns nicht ganz nachvollziehbar", sagt Stadtrat und Mit-Fraktionsvorsitzender Bimmerle. "Auch in Stuttgart wurde eine ähnliche Veranstaltung durchgeführt. Meiner Ansicht nach ist die juristische Grundlage hier dadurch durchaus gegeben."

Zahlreiche Menschen laufen über die für den Autoverkehr gesperrte Theodor-Heuss-Straße in der Stuttgarter Innenstadt.
Auch Stuttgart hat bereits einen autofreien Sonntag durchgeführt: Zahlreiche Menschen laufen über die für den Autoverkehr gesperrte Theodor-Heuss-Straße in der Innenstadt. | Bild: Christoph Schmidt

Um die Details des Projekts herauszuarbeiten, wünsche er sich daher, dass der Antrag in der morgigen Sitzung des Gemeinderates - von den Grünen und der SPD unterstützt -  in die entsprechenden Fachausschüsse verwiesen wird. "Auch der kostenlose ÖPNV im Advent hat eine Mehrheit gefunden, dann sollte man auch die autofreie Innenstadt in der Praxis testen können", sagt Bimmerle. 

Autofreier Sonntag erst ab 2021

Selbst wenn während der verkaufsoffenen Sonntage nicht realisiert werden sollte - von Seiten der Stadt könne man sich einen autofreien Sonntag während der Mobilitätswoche als Reallabor durchaus vorstellen. Kurzfristig sei das aber nicht umsetzbar. "Mit einer Realisierung könnte daher erst ab 2021 gerechnet werden", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Darauf will man bei der Linke allerdings nicht warten. "Sollte unser Antrag abgelehnt werden, werden wir ihn auch weiterhin auf die Tagesordnung setzen", so Lukas Bimmerle im Gespräch mit ka-news.de. Auch andere Initiativen, etwa eine alternative Nutzung privater Parkhäuser im Zuge der Mobilitätswende, wolle man in Zukunft angehen. "Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat irgendwann die Richtung der autofreien Innenstadt einschlagen wird - und bis dahin werden wir weiter Druck machen."

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  •   Karlsruher1986
    (474 Beiträge)

    26.05.2020 17:06 Uhr
    Was für ein Quatsch
    Fahrgastzahlen rückläufig, die Kosten der Kombilösung steigen immer weiter.....klar jetzt MUSS die Stadt Autofrei werden.
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  •   Nachteule
    (790 Beiträge)

    26.05.2020 14:47 Uhr
    "Lebensqualität und das Klima in der City nachhaltig verbessern" - warum?
    Ich finde beides absolut perfekt. Insbesondere wenn man oft in Stuttgart unterwegs ist, weiß man, wass man an Karlsruhe hat. Warum die Kommunisten nun plötzlich die Grünen kopieren wollen, versteht eh keiner. Vermutlich alles nur Tarnung... grinsen grinsen grinsen
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  •   UngueltigDannZuLang
    (74 Beiträge)

    26.05.2020 15:03 Uhr
    Ich koennte Ihnen antworten
    Vielleicht nicht ihrem Sinne. Weil ich dort wohne? Weil ich ein Recht darauf habe? Ich moechte nicht das Recht anderer in Frage stellen. Aber ich habe auch eins. Sogar ein Grundrecht.
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  •   FCKSUV
    (224 Beiträge)

    26.05.2020 14:47 Uhr
    Ich wohne einen Steinwurf außerhalb
    des gezeigten Bereiches. Wir haben hier schon jetzt Probleme mit Mitmenschen, die uns die Anwohnerparkplätze zuparken.

    Nicht dass die sich eines Tages noch die Reifen beschädigen. grinsen
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  •   lynx1984
    (3303 Beiträge)

    26.05.2020 14:47 Uhr
    Fehlende Evidenz!
    Es wird der motorisierte Individualverkehr zurückzudrängt, um „damit einen wichtigen Beitrag für unsere Umwelt zu leisten“.
    Leider fußt das nicht auf wissenschaftliche Evidenz. Es gibt für die Situation in Karlsruhe null Belege oder gar nur nachvollziehbare Mutmaßungen dass dies irgendwie der Umwelt gut täte.

    Zudem ist die Regelung stark diskriminierend. Insbesondere gegenüber den Schwächsten in unserer Gesellschaft, insbesondere älteren und körperlich Behinderten. Für die wird die Innenstadt dann zur No-Go-Area.

    Und sowas von den Linken. Aber solche Doppelstandards von denen ist man das ja gewohnt...
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  •   patrickkk
    (1525 Beiträge)

    26.05.2020 14:30 Uhr
    ...
    Klar. Tötet die Stadt weiter. Ihr stecht eh nur noch auf ein leblosen Körper.

    Jetzt ist's auch egal.
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  •   patrickkk
    (1525 Beiträge)

    26.05.2020 14:32 Uhr
    ...
    Und ja anders bekommt ihr uns nicht mehr in euren Überteuerten ÖPNV
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  •   Reger
    (170 Beiträge)

    26.05.2020 13:42 Uhr
    Bänke
    Für mich gehören zu einer lebenswerten Innenstadt vor allem Sitzgelegenheiten in ausreichender Zahl. Also lieber zu viel als zu wenig Bänke. Das genießt man auch auch in den Urlaubsorten. Man sitzt, sieht dem Treiben zu und denkt auch über mögliche Einkäufe nach.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (74 Beiträge)

    26.05.2020 14:52 Uhr
    j.ahecker.@gmx.de
    Alles halt die Stadt nicht falsch gemacht. Am Anfang zu wenig Plaetze. auf dem Marktplatz. Das war schnell korrigiert. Mit ein paar alten Baenken. Dabei haben sich viele auf dem Platz der Menschenrechte ihr Eis schmecken lassen. Machmal versteh ich einfach meine compatriotes.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (74 Beiträge)

    26.05.2020 13:40 Uhr
    Wie gruslig ist denn der Autotunnel zwischen Beiertheim und Bulach?
    Habe chaque fois Schiss davor, da durchzufahren. Dabei ist dahinter Gruenwinkel. Haben Sie jemals das Rathaus von Gruenwinkel gesehen. Da waren ein paar Buerger maechtig stolz. Ich nenn das ja 'Roter Sandstein Jugendstil'. Und nicht abwertend. Sieht man uebrigens ueberall in KA.
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