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Karlsruhe Mehr Fahrrad-Polizisten: "Können nicht jedem Radfahrer mit Signalton und Blaulicht hinterherjagen"

"Wenn sich jeder an die Regeln hält, dann kann so gut wie nichts passieren", sagt Polizeidirektor Martin Plate im Gespräch mit ka-news.de. Doch leider ist das keine Realität auf Karlsruhes Straßen: Radfahrer fahren bei Rot oder auf der falschen Seite - Autofahrer überholen ohne ausreichend Abstand oder nehmen die Vorfahrt: Jeder kann Verstöße aus dem täglichen Leben aufzählen und so das Feindbild Auto versus Fahrrad weiter bestärken. Hilfreich ist das nicht.

Vielmehr sollten alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksichtnahme, Ruhe und gegenseitiges Verständnis aufbringen. "Man muss sich einfach im Klaren sein, wie viel Leid durch einen unbedachten Moment entstehen kann", so Polizeidirektor Martin Plate im Gespräch mit ka-news.de. Er ist Leiter der Verkehrsinspektion Karlsruhe und erläuterte am vergangenen Mittwoch die Notwendigkeit der neue Schwerpunktsetzung auf Fahrradkontrollen.

Den Fokus werden die Beamten auf Rotlichtverstöße und falschen Nutzen von Flächen, sprich Fahren auf dem Gehweg oder in der falschen Richtung, legen. "Klar muss der Autofahrer auch darauf achten, wenn er zum Beispiel aus der Einfahrt fährt, aber er rechnet nicht damit", so Plate, "hier bringt sich der Radfahrer unnötig in Gefahr."

Häufigste Unfallursachen

Unabhängig von alleinbeteiligten Stürzen sind sie neben Vorfahrtsmissachtung die häufigsten Ursachen bei Unfällen mit beteiligten Radfahrern. 221 Unfälle hat es von Januar bis Mai 2020 im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe gegeben: "Etwas mehr als die Hälfte wurde durch die Radfahrer verursacht", so Plate.

"Unter diesen ist aber auch ein Teil dabei, bei welchen die Unfallursache ein selbstverschuldeter Sturz war." Zirka 17 bis 20 Prozent stürzen Radfahrer allein beteiligt. Hier hat sich der Radfahrer nicht zwingend verkehrswidrig verhalten, sondern ist weggerutscht, in die Straßenbahnschienen geraten oder ähnliches.

Vier Radunfälle mit Todesfolge

Im aktuellen Jahr 2020 sind vier Radfahrer im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe zu Tode gekommen: Die Ursachen sind unterschiedlich. Im Karlsruher Stadtgebiet endete der Unfall mit einer Straßenbahn tödlich, im Landkreis stürzten zwei Radfahrer vermutlich aufgrund internistischer Notfälle ohne Fremdeinwirkung und erlagen ihren Verletzungen.

Gibt es in Karlsruhe besonders gefährliche Kreuzungen für Radfahrer? An einer solchen Erhebung arbeitet die Polizei Karlsruhe aktuell - Ergebnisse will man noch dieses Jahr mitteilen. "Wir sind dran und wollen das noch etwas genauer untersuchen", so Plate. Es ist davon auszugehen, dass die Beamten künftig an potentiellen Unfall-Hotspots stehen werden - an Stellen, "die kontrollwürdig sind".

Abstandsregeln sorgen für subjektive Sicherheit

Wenn der Autofahrer Verursacher ist, sind die Unfallursachen häufig Vorfahrt- oder Vorrangmissachtung oder ein Übersehen. Seltener ist mangelnder Abstand der Grund. "Das können wir - zumindest zahlentechnisch - nicht belegen."

Die neue Novelle der Straßenverkehrsordnung (am 28. April in Kraft getreten) schreibt beim Überholen von Radfahrern durch Autofahrer einen Abstand von 1,50 Meter inner- und zwei Metern außerorts vor.

Aber die Regeln haben dennoch ihre Berechtigung, betont Plate: Es bleibt ein wichtiger Aspekt für die subjektive Sicherheit, denn "natürlich möchte niemand von einem Lkw überholt werden, der 50 Zentimeter an einem vorbeifährt". 

Mehr Rücksichtnahme, weniger Hektik

Grundsätzlich sieht er die Lösung für ein unfallfreies Miteinander auf Karlsruhes Straßen in einer Sache: Mehr Rücksichtnahme. Morgen sitze man vielleicht nicht hinter dem Steuer, sondern selbst im Radsattel und möchte die gleiche Rücksichtnahme von einem anderen Autofahrer. Genauso muss dem Radfahrer klar sein: Der Autofahrer hört das herannahende Rad nicht und er sieht es unter Umständen auch nicht.

Bild: cob

"Man muss mit den Fehlern von anderen rechnen und sich selbst nicht durch dumme Missachtungen in Gefahr bringen und am Ende über den anderen schimpfen." Sein Tipp: "Einfach nochmal durchschnaufen und sich etwas mehr Zeit nehmen, nicht so viel Hektik - denn eine Sekunde auf die andere kann das ganze Leben verändern. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen."

Wenn die Polizei drei Wünsche frei hätte, was Rad- und Autofahrer an ihrem Verhalten ändern sollten - was wäre das? "Das ist relativ einfach mit einem Wunsch gesagt: Wenn sich jeder an die Regeln hält, dann kann so gut wie nichts passieren."

Warum muss so viel kontrolliert werden?

Da dies aber leider nicht der Fall ist, setzt die Polizei jetzt auf Fahrradstreifen. Die zweirädrigen Polizeistreifen haben einen Vorteil: Sie können individueller eingreifen als ihre Kollegen im Streifenwagen. 

Diese befinden sich bei der Beobachtung von Verkehrsverstößen durch Radfahrer unter Umständen in einer misslichen Lage: "Man kann nicht jedem Radfahrer mit Sondersignal und Blaulicht hinterherjagen." Für weitere Beobachter mag die Situation schwer nachvollziehbar sein - sie denken sich wohl zu Recht "verdammt, der fährt bei Rot und da steht die Polizei und macht nichts". "Das ist eine ganz doofe Situation, aus der kommt man oft nicht raus", so Plate.

Bild: cob

Hier sollen künftig die Streifen auf zwei Rädern - entweder Fahrrad oder Motorrad - Abhilfe schaffen. Sie sind flexibler: "Da ist das (Motor)Rad eine gute Lösung", so Plate. 

Man bittet um Verständnis für die Polizeikontrollen - natürlich wolle man nicht, dass sich die Bürger bei Gurt-,  Handy- oder Radkontrollen wie Kriminelle vorkommen, aber die Strenge sei notwendig. "Wenn wir das regelkonforme Verhalten nicht immer wieder einfordern, dann wird es auch nicht gemacht."

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Auf dem Sattel durch die Fächerstadt: Die neuesten Fahrradstraßen, die schnellsten City-Routen und viele weiteren Tipps und Tricks rund ums sichere Radeln in Karlsruhe.

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  •   mkossmann
    (141 Beiträge)

    30.06.2020 06:09 Uhr
    Man muss es immer wiederholen
    Autofahrer verursachen regelmäßig über 60% der Unfälle, an denen Sie beteiligt sind, selbst. Diese Zahlen werden von der Polizei aber immer verschwiegen, weil man sich dann fragen könnte, warum das nicht ein Grund sei, Autofahrer stärker zu kontrollieren.
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  •   ralf
    (3701 Beiträge)

    29.06.2020 20:43 Uhr
    Vorbild Schweiz
    Karlsruhe gilt in Deutschland trotz mangelhaftem Radweg-System als fahrradfreundliche Stadt. Ich war die letzten Tage am Schweizer Bodenseeufer unterwegs. Dort sind die Wege für den unmotorisierten Verkehr gut ausgebaut und beschildert - für Radfahrer und für den Rollsport (extra Inliner-Symbol auf Wegweisern). Autofahrer sind stets vorsichtig unterwegs. Sie fahren mit angemessener Geschwindigkeit, halten den Sicherheitsabstand ein, lassen einen die Straße queren und bremsen lieber einmal zu viel. In Deutschland mag es auch eine Bewegung geben, welche die Schweiz als Vorbild sehen. Aber hier fahren die Meisten irgendwie innerorts mit überhöhter Geschwindigkeit an einem vorbei und halten oft nicht einmal wenn man am Zebrastreifen steht an. Und dann meckern sie wie wild, wenn sie wegen "wenigen" km/h zu viel in der Schweiz gebüsst werden. Wenn das mal nicht Dieselben sind, welche die Schweiz gerade noch als Vorbild sahen.
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  •   tom1966
    (181 Beiträge)

    29.06.2020 14:54 Uhr
    Auto- und Radfahrer
    werden sich wohl nie ganz verstehen, aber mit ein bisschen gegenseitiger Rücksichtnahme und Vorausicht sollte man im Straßenverkehr doch miteinander klarkommen.
    Wenn ich als Radfahrer auf dem Radstreifen von hinten an ein Auto komme, das nach rechts blinkt, bleibe ich dahinter und warte bis das Auto abgebogen ist - umgekehrt warte ich als Autofahrer in der gleichen Situation, wenn das Fahrrad vor mir ist, bis ich hinter ihm abbiegen kann.
    Leider gibt es sowohl Auto- als auch Radfahrer, die da nicht mitdenken: Der Radfahrer fährt neben oder vor das Auto und erwartet, dass der Autofahrer ihn zuerst fahren lässt oder Autofahrer, die Radfahrer schneiden.

    Muss das sein? Die paar Sekunden Zeit hat doch jeder!
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  •   andip
    (10390 Beiträge)

    29.06.2020 15:39 Uhr
    Es müsste nicht sein
    Aber: In der geschilderten Situation haben die Radfahrer ein Vorfahrtsrecht, d.h. das rechtsabbiegende Auto muss so lange warten, bis kein Radler mehr von hinten kommt.
    Das es bei allen Verkehrsteilnehmern immer wieder welche gibt, die partout auf ihre Rechte pochen anstatt mal auf die zu verzichten, ist bekannt.
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  •   tom1966
    (181 Beiträge)

    29.06.2020 17:18 Uhr
    Vorfahrt ja
    aber manche nutzen es auch gnadenlos aus. Ich habe fast mal eine Radfahrer auf der Haube gehabt, weil er auf dem Radstreifen von hinten sehr zügig ankam und ich ihn weder im Spiegel noch beim Schulterblick gesehen hatte und daher zum Abbiegen ansetzte. Zum Glück habe ich unmittelbar vor dem Abbiegen nochmal in den rechten Spiegel gesehen und sah ihn dann neben meinem Auto.
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  •   mueck
    (11576 Beiträge)

    29.06.2020 17:37 Uhr
    !
    Das Ausnutzen ihrer Rechte ist nun mal ihr gutes Recht, deswegen heißt es ja "Rechte" ...
    Genauso machen es ja auch die Autofahrer ...
    Und Du hast halt nach § 9 nur Pflichten. Blöd, ist aber nun mal so ...
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  •   mueck
    (11576 Beiträge)

    29.06.2020 17:43 Uhr
    !
    Interessant dabei: Diese Rechte bzw. Pflichten stehen noch nicht ewig in der StVO. Sie kamen erst irgendwann 50er oder 60er rein, nachdem höchstrichterlich diese Pflicht ggü. Fußgängern an Ampelkreuzungen (und schupo-geregelten) aus § 1 hergeleitet wurde, dass Aufpassen die verdammte Pflicht eines jeden Autofahrers sei, Entsprechend hat der Gesetzgeber das zunächst für genau diese Fälle in der StVO nachgerüstet, bald drauf für alle Kreuzungen und auch für Radler. Diese Rechte und Pflichten zu streichen in § 9 würde alo nicht helfen, weil es immer noch § 1 gibt ...
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  •   mueck
    (11576 Beiträge)

    29.06.2020 15:49 Uhr
    !
    Radwege und -streifen sind nun mal zum Vorbeifahren gedacht.
    Und in der Regel bin ich, wenn ich erster vorne bin, auch flotter von der Linie weg als der Autofahrer, so dass man sich nicht ins Gehege kommt, wenn er rechts abbiegt.
    Was ich nur in wenigen Einzelfällen nutze ist das Vorbeischlängeln ohne Streifen etc.
    Rechtsabbiegeunfälle gibt es aber fast nur, wenn Radinfrastruktur vorhanden ist, also Radstreifen und vor allem Radwege, wo wirklich kein Radfahrer auf die Idee käme, nicht dran vorbeizufahren. Vorbeischlängeln ist dagegen wohl unfall-unauffällig, machen wohl nur die, die das Risiko kennen und beachten, während bei Radwegen vor allem Kinder, Senioren und Frauen von Abbiegern umgemäht werden, also vor allem die Klientel, die an die versprochene Sicherheit von Radwegen noch glaubt oder glauben muss, weil noch nicht oder nicht mehr ganz fit für die zahlreichen Gefahren des Verkehrsdschungels ...
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  •   Oculus67
    (71 Beiträge)

    29.06.2020 16:03 Uhr
    :-)
    Frauen leichtgläubig und nicht fit?
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  •   mueck
    (11576 Beiträge)

    29.06.2020 17:33 Uhr
    !
    Ach, so schwer sollte die korrekte Interpretation meines Geschreibsels nun auch wieder nicht sein! zwinkern
    Noch nicht bzw. nicht mehr fit bezog sich natürlich auf Kinder und Senioren.
    Und ja, die östrogengesteuerte Frau fährt anders als der testosterongesteuerte Mann, nicht nur am Lenkrad, sondern auch am Lenker. Der zumeist männliche Rüpelradler kümmert sich, um die damit verbundenen Gefahren, viel besser um das Verhalten der Säbelzahntig... äh... Autofahrer und vermutet bei den ja ebenfalls testosterongesteuerten Autolenkern stets Böses und ist daher besser vorbereitet, während die Frau irrtümlich noch an das Gute im testosterongesteuerten Autolenker glaubt ... Die Unfallstatistiken belegen jedenfalls das weibliche Übergewicht unter den Opfern von Rechtsabbiegeunfällen. Musste selbst suchen die Seite zu Radverkehrsunfällen, bin gerade am Kochen, muss jetzt mal umrühren bevor's anbrennt!
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